A Year In Bass Music - Rettet die Kinder!

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter…
A Year In Bass Music

Rettet die Kinder!

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter Anlage zum Konsens gehört. Die furchtbaren Werbejingles, die sinnlosen Moderatorenansagen und natürlich die zwölf Minuten geschmacklose “Das gefällt doch jedem“-Musik der 80er, 90er und dem “BESTEN“ von heute, das sich auf vier neue Tracks im Jahr beschränkt und einen in den Wahnsinn treiben kann.

MTV und VIVA gibt's schon lange nicht mehr als pure Musiksender und in Deutschland ist sowieso alles gesperrt. Dass unsere musikalische Kultur verwahrlost und unsere Kinder mit Geschmackskrebs aufwachsen werden, ist leider eine Dystopie, die sich in Realität verwandelt. Wir können versuchen, die Augen davor zu verschließen. Aber die Wahrheit wird uns einholen, sobald die Batterien unserer wohlsortierten iPods ausgehen und wir ohne Schutz vor dem gehirnwaschenden Lärm im Fitnessstudio stehen und uns selbst den Freitod wünschen.

Diese Entwicklung an der Oberfläche ist durchaus verwunderlich, immerhin ist der Untergrund gesegnet von großartiger musikalischer Vielfalt. Von Techno über Hip Hop bis zum Newcomer Bass Music haben sich in den letzten Jahren einige wunderbare Stränge neuer Genre-Mixe entwickelt – Internet sei Dank. Und die Avantgardisten und Trendsetter, die den Mainstream nicht umgehen, aber auch nicht direkt anvisieren, ziehen sich den Pop auf eine seelenstreichelnde Ebene, mit der auch meine Oma was anfangen könnte. Könnte, wenn es sie erreichen würde.

Und so bleibt es wieder den einsamen Einzelkämpfern überlassen, die gute Musik auch an Orte zu tragen, wo sie noch frisch und unbekannt ist. Ihr Würmer wusstet letztes Jahr noch nicht einmal, wie man Dubstep buchstabiert – und plötzlich hört ihr es überall, nur leider auf die schlechteste Art und Weise, die man sich vorstellen kann. Keine Angst, ich werde nicht Skrillex dissen – ich disse nur die Leute, die an dieser Stelle aufhören, weiter zu graben. Nur Vorwürfe kann man den armen, musikalisch hungernden Völkern nicht machen. Die großen Medienmonopole lassen ja keine gezielte Beschallung zu, vermutlich, weil sie intelligente Revolutionen fürchten, die zu mehr Nischen und zu weniger Umsatz führen.

Ihr und ich, wir wissen, dass es fantastische Musik gab in den letzten Jahren. Verdammt fette Tracks, wie dieser Mix von Soulmind beweist. Wir können uns jetzt gemeinsam High Five geben und uns gegenseitig die Pimmel dafür streicheln, dass wir geil sind und über den DJ-Ötzi-Shit im Radio stehen. Viel wichtiger jedoch: Werdet zu Botschaftern. Bewegt euch nicht nur in den lamen Hipsterkreisen, die “so over it“ sind, wenn James Blake furzt, sondern nutzt eure Überkonnektivität für humanitäre Missionen und schickt die eleganten Beats euren kleinen Brüdern und Schwestern, bevor sie zu Katy-Perry-Zombies werden und Dubstep nur als Krachmutant-Element in verstümmelten Pop-Songs kennen.

Rettet die Kinder! Macht den Untergrund zum Mainstream und befreit euch von dieser gespielten Coolness und der Antipathie gegenüber den ignoranten Losern, die keine gute Musik kennen. Verliert eure Hipsterness. Vergesst eure elitäre Scheiss-Attitüde. Spread the fucking word. Geht um den Block und schreit den Leuten ins Gesicht, dass sie verarscht werden. Nicht nur für gesündere Autofahrten, sondern für kulturelle Vielfalt, für mehr Neuentdeckungen, für mehr geheime Talente, die sich in den Vorörtern Deutschlands verstecken. Macht mal “˜nen Kony draus, ihr Pisser, und lasst gute Musik endlich regieren.

Topshop

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Tally Weijl

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12 Kommentare

  • Robert Gehrke

    Ich geb dir ja bei allem recht, aber diese ganze Mukke, die ihr hier postet is mir echt zu öde…..auch wenn ihr alle scheinbar so over it seid…..entdeckt doch mal die Gitarren wieder…..ernsthaft, das is doch Fahrstuhlmusik…

    • axel

      yeahhh!
      naja ist ja nicht so, dass sie keine artikel darüber schreiben würden. aber klingt dann ehr so ‘die gehen vor die hunde / das ist mist.. blabla

  • Tobias Gruner

    Und schon wieder ein scheiss Artikel von A&P der dem Blog seine Existenzgrundlage nimmt.
    Wer gibt uns das recht, andere musikalisch erziehen zu wollen?
    Lasst die Kinder doch radiohits hören und auf schlechte Partys gehen. Wer Interesse an Musik hat, der gräbt von ganz allein tiefer.
    Und bitte!!!! hört endlich auf den “richtigen” dubstep als Retter der Musikkultur zu feiern.
    Ich liebe Bass Music aber ich hasse gleichermaßen den Begriff und den damit verbundenen Versuch sie irgendwie zu charakterisieren

  • Ebony prince

    Jawoll für diesen Post! Ich habe nämlich genug Cousinen und Cousins im kritischen Alter…

  • Wasser

    Bei solch lahmer Musik schlafen die eher ein..

  • Normalverteilt

    …und ein Großteil der Menschen hat auch Fliesenteppiche, grausame Klamotten an und guckt Transformer 3….

  • @Robert Gehrke das mit der Fahrstuhl Musik hat mich vor Lachen zum weinen gebracht :D

  • Kirby

    Hi,

    @Tobias Gruner. Genau meine Meinung.

    Stupst die jungen in die richtige Richtung, sie werden von alleine weitergraben. So bin ich von Grönemayer zu Fleet Foxes zu Foo Fighters zu Metallica zu Moving Mountains und Mogwai…ach ich vergas, diese gute Musiker kennen Hipster gar nicht…

  • Ich bin da ganz offen un sogar stolz: Ich höre Berliner Rundfunk, weil nur die ABBA spielen : )
    p.s.: Grad läuft Simon and Garfunkel, macht alle mit *lei-la-lei-DUSHHH-lei-la-la-la-lei-lei*

    Prost!

  • Muck

    Gääähn… Tschuldigung, da schlafen einem doch sämtliche Körperteile ein. Dann doch lieber ein Skrillex-Konzert, mit extra viel auf die Fresse. Außerdem gibts da auch noch niedliche Zahnspangen-Teenies in der Crowd zu bewundern. Diese Wohlfühlmusik braucht doch kein Mensch, außer vielleicht beim Kacken.

  • ekas

    was juckt’s mich was die anderen hören. gute musik, schlechte musik – ist doch alles subjektiv.
    ich bin froh, dass manche sachen ein bisschen underground bleiben. irgendwie will man manches auch für sich haben und nicht, dass dann noch irgendwelche pisser ankommen und eben nicht, dass manches so mainstream wird.
    außerdem gehört eine gute portion chart-, pop-, guettamusik auch mal dazu.
    mit freundlichen grüßen, ein bekennender dubstep liebhaber.
    (ja, auch skrillex! verstehe nicht, was plötzlich alle gegen ihn haben, nur weil er es als einer der ersten dubstepkünstler geschafft hat ein bisschen bekannter zu werden, und nicht ganz so hardcore sachen macht.)

  • Bert

    Bester Artikel des Jahres 2012

Strellson