Die Welt verbessern - Tausche Perfektion gegen Obsession

“Nenn’ mir eine Sache, die du in der Welt verändern möchtest. Eine einzige Sache.“ Im Zuge der Gutmensch-Diskussion ist es vielleicht nur diese Aufgabe, der man sich stellen sollte. Es…
Die Welt verbessern

Tausche Perfektion gegen Obsession

“Nenn’ mir eine Sache, die du in der Welt verändern möchtest. Eine einzige Sache.“ Im Zuge der Gutmensch-Diskussion ist es vielleicht nur diese Aufgabe, der man sich stellen sollte. Es gibt genügend Punkte, an denen man arbeiten kann. Angefangen bei charakterlichen Lücken bishin zum Weltfrieden – für welche Dinge setzen wir uns ein, und was zeichnet uns aus?

Nicht jeder kann alles. Das merkt man vor allem dann, wenn Menschen des öffentlichen Leben enttäuschen. Sie mögen auf ihrem Feld unschlagbar oder herausragend sein, dennoch haben sie Fehler und gelangen ständig ins Fadenkreuz der Medien. Kritik, konstruktiv oder polemisch, wird immer dann abgefeuert, wenn jemand mit viel Verantwortung oder mit etwas zu sagen, seine Schwächen nach außen zeigt – auch dann, wenn es den Personen selbst nicht mal klar war, dass es sich um Schwächen handelt.

Rassismus und Sexismus im Alltag sind die gängigen Themen, mit denen man in Deutschland heutzutage konfrontiert wird. Mal ganz abgesehen vom Abschreiben bei wissenschaftlichen Arbeiten oder bei kostenlosen Urlaubs-Trips von Freunden. Politiker, also diejenigen, die wirklich ganz vorne im Rampenlicht stehen, haben es nicht leicht.

Aber auch der kleine, normalsterbliche Otto muss sich gefügig machen. In Martensteins letzter Kolumne des Zeit Magazins geht es darum, dass man hier mehr oder weniger dazu erzogen wird, es jedem Recht machen zu wollen. Dass sich niemand mehr richtig traut, mal den Mittelfinger zu zeigen, wenn man sich zu Unrecht behandelt fühlt oder einfach keinen Bock hat, perfekt zu wirken. Ja, Amen, Entschuldigung ist Konsens – was für ein Schwachsinn. Aber gilt das auch, wenn man seine menschlichen Schwächen so offen zur Schau stellt, selbst wenn sie nichts darüber aussagen, was man tatsächlich kann?

Nur um eines klar zu stellen: Ich möchte nicht als Devil's Advocate mal wieder mehr zur Rebellion an Stellen auffordern, wo sie nicht hingehört. Es ist wichtig, gerade solche Themen wie Rassismus mit größter Vehemenz zu diskutieren und bloß nicht zu ignorieren. Jegliche Kritik ist angebracht. Allerdings fehlt mir eine gewisse Konsequenz im Aktivismus.

Wenn wir schon nicht alles richtig machen können, und jeder sollte sich über die eigenen Fehler im Klaren sein, dann bitte wenigstens eine, und nicht krampfhaft versuchen, das Sonnenscheindkind mit der reinen Weste zu sein. Ich habe nichts gegen Ecken und Kanten, gegen eine anti-konforme Einstellung. Ich stimme mit vielen Lebensentwürfen nicht überein, aber ich weiß es zu schätzen, wenn man mit Ehrgeiz und mit einem Ziel, die Welt zum besseren verändern zu wollen, seine Sache vertritt.

Vielleicht ist Kritik angebracht, wenn Mitglieder der Piratenpartei plötzlich rassistische Aussagen in Schutz nehmen oder rechtfertigen wollen – fuck that, hard. Aber andererseits mögen sie vielleicht – nur vielleicht – für eine andere Sache einstehen, die für sie viel größer und wichtiger ist. Dabei geht es nicht um ein globales “größer und wichtiger“, jedes konfliktreiche Thema ist es wert, austariert zu werden.

Es geht um ein individuelles größer und wichtiger. Man kann sich nicht in zehn Teile splitten und hoffen, dass eins davon es schon irgendwie richtig macht. Dann lieber den Mittelfinger dort zeigen, wo man nicht mehr optimieren kann und will – aber nur, wenn man sich dafür auf das konzentriert, wo man eine Leidenschaft spürt. Perfektion im Tausch gegen eine einzige Sache, die dir wichtig ist. Eine einzige Sache, die die Welt – zum besseren, hoffentlich – verändern wird.

s.Oliver

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4 Kommentare

  • Rue Gambar

    1784 wurde diese Problematik/Frage von Immanuel Kant in einem kleinen Essay bereits beantwortet. Hier seine Definition:

    “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

  • Rue Gambar

    Lob an die Autorin Yeah Sara :-)

  • Julia Nußhart

    Mehr Herz, weniger Ego.

  • Ich will keine Pelze mehr sehen!