40 Festivals in einem Jahr - Kotzen, Koma, Konterbier

Es war letztes Jahr im Juli. Mein erstes Mal. Das erste Mal ist immer unvergesslich. Alles ist so neu und aufregend. Man weiß gar nicht, was auf einen zukommt. Ich…
40 Festivals in einem Jahr

Kotzen, Koma, Konterbier

Es war letztes Jahr im Juli. Mein erstes Mal. Das erste Mal ist immer unvergesslich. Alles ist so neu und aufregend. Man weiß gar nicht, was auf einen zukommt. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war heiß. Mein Körper war feucht, als ich morgens aufgewacht bin. Von Kopf bis Fuß in Schweiß einbalsamiert. Strähnen von meinem blonden Haar klebten mir an der Backe. Ich habe kaum Luft bekommen. Ich kroch aus meinem Schlafsack, machte den Reißverschluss vom Zelt auf und hörte schon die ersten Beats, die mir mit frischer Luft entgegen kamen.

Es war das erste Mal, dass ich auf einem Festival war und morgens im Zelt aufwachte. Ich fühlte mich wie Matsch. Einmal aufgegessen und wieder raus gekotzt. Die Nacht durchgetanzt, beim Sonnenaufgang nach Hause gewankt, den Alkohol raus geschwitzt. Die Nachbarn haben es sich schon auf ihren Campingstühlen bequem gemacht und schlürften das erste Konterbier. Ein kurzes „Guten Morgen“ wurde ausgetauscht. Mir war mehr nach Wasser, als Bier. Viel Wasser. Nicht nur in meiner Kehle, auch an meinem Körper. Eine Stunde lang anstellen. Um duschen zu können.

Es war im Juli 2011 als ich das erste Mal auf einem Festival war, dem Melt. Ich war schon 25 Jahre alt. Echt spät dran, für das erste Mal. Ich habe mich immer dagegen gestreubt derartige Massenveranstaltungen mit Suffis und Druffis zu besuchen. Stundenlang eingequetscht zwischen Menschenmassen zu einer Band hüpfen, dann nachts auf einer harten Isomatte schlafen, mich mit vollgeschissenen Klos herumärgern und die ganzen Idioten ertragen. Dann wollte ich es doch einmal ausprobiert und ich war sofort verliebt.

Verliebt in das Leben als Camper. Verliebt in vollgekotzte Menschen, die durch die Einnahme von Drogen ihre Körperkontrolle verloren haben. Verliebt in fettige Pommes, eklige Haare, den Geruch von Cannabis und das Ausbrechen in ein anderes Leben. Ein Wochenende Ausnahmezustand. Tanzen, grölen, sich treiben lassen und überall glückliche Menschen um mich herum. Festivals sind Ausnahmezustände ohne Tabus und Zwänge. Das Leben spielt sich zwischen Dönerbude, Zelt und Bühne ab und man hängt einfach so rum und vergisst sich selbst.

Das Festivalleben ist geil. Was habe ich nur die letzten zehn Jahre verpasst. Sie sind einfach eine andere Welt, in die immer mehr Menschen gerne flüchten. In die ich flüchten möchte. Mein Dasein wird noch früh genug langweilig und geregelt. Einmal möchte ich noch ausbrechen und leben. Hemmungslos. 40 Festivals in einem Jahr. Woodstock-Feeling im 21. Jahrhundert und das Netz immer dabei.

Ich reise durch Deutschland und die Welt mit Zelt und Auto, besuche die unterschiedlichsten Festivals, verbringe mein Leben mit der Community, trinke Dosenbier und tanze mir die Füße wund. Ich möchte die Events nicht nur nutzen, um diesen besonderen Ausnahmezustand zum Alltag zu machen, sondern auch ein Gesellschaftsportrait erstellen und Verhaltensmuster analysieren. Um der Frage nachzugehen: Wie hat die 68er Bewegung unsere Festivalkultur geprägt und setzen sich damalige und heutige Prinzipien dieser Bewegung auf unser Verhalten in diesem seltsamen Internet durch?

Ob Metal oder Jazz. Kuhweide oder Wüste. Florida oder Finnland. Hardrocker oder Reinigungsfrau. Ich will sie alle und überall sehen und mit ihnen bei Sonnenaufgang nach Hause laufen und ins Gebüsch kotzen. Und ich will in meinem Zelt schwitzen, bis ich darin ertrinke und man mich mit Konterbier wiederbeleben muss. Morgen geht’s für mich los. 40 Festivals. Ein Erfahrungsbericht, der mir die Welt des Ausnahmezustandes und die Menschen am Abgrund zeigt. Wahrscheinlich auch meinen Abgrund. Ihr erfahrt es hier. Auf AMY&PINK.

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30 Kommentare

  • anna

    tolles projekt,bin gespannt!!

  • Alexander

    Darf ich Christine begleiten? Als homoerotisches Accessoire und trinkfreudiger Beschützer und der Mann für illegales?

  • Alexander

    Ich wuerde ihr auch die Haare beim kotzen halten.

  • MissGeschick

    Spricht mir aus der Seele! Ich bin selbst letztes Jahr auf dutzene Festivals grampt, gefallen, gekrabbelt.
    Danke für diesen wundervollen Bericht! :D

  • Karin Viva Weber

    omg mag auch. suche sponsor. :P

  • Alexander Christian Wolff

    Auf dem Foto sieht sie aus, als hätte sie die 40 gerade schon hinter sich, sowohl was die Festivals als auch was die Lebensjahre angeht…

  • Jonas

    das warst du irgendwie auf nem anderen melt! als ich.. auf meinem war 2011 ziemlich bescheidenes wetter :(

    • Joschua

      haha, exakt mein Gedanke. Melt! ist eh zu groß und voll geworden. Vor Jahren war das noch was ganz anderes. Ist ja immer so.
      Es ist etwas toll. Dann erfährt es die Welt und zerstört es. Dann muss man wieder flüchten und was neues finden. Herrje. :D

  • Sebastian

    Also erstens gibt es in (allein in Deutschland) weit mehr als 40 Festivals und zweitens heißt das KONTERBIER! Denn man will ja dem nüchtern werden kontern…

  • Hauke

    Auf Melt Hurricane und Dockville turne ich auch rum mehr ist im Studentenbudget nicht rum. Hast du es mit 26 schon zu Reichtum gebracht?

  • Valentina

    Und sollte Christine eher Interesse an einem kleinen, handlichen, weiblichen, italienischen Accessoire haben dann biete ich ihr meine Wenigkeit an :)

  • Torben Shidehara

    heißt es nicht eigentlich konterbier oder lebe ich seit jahren in einer scheinwelt?

  • Tim

    KONTERBIER

  • lily

    Wie bezahlst du das?

  • Christin

    Ich bin sehr gespannt. Mein “härtester” Trip waren bis jetzt 6 Festivals in 6 Wochen, danach war ich Matsch.
    Ich freue mich auf einige tolle Berichte, beim Lesen derer meine Erinnerungen wieder präsent werden ;)

  • Jasmin

    NEID! :)

  • ke^kx

    Nice! Das lob ich mir.

  • Grizzly

    Ich weiß ja nicht.
    Einmal auf dem Melt gewesen und schon traust du dir sowas zu? Klar ist es ne interessante Idee, aber gleich so ein Euphorismus nach einem einzigen Festivalbesuch kommt ein wenig Pseudo an. Ich will nicht als Spießer darstehen und schon gar nicht versuchen irgendjemandem was weiszumachen, aber “Gesellschaftsportraits erstellen und Verhaltensmuster analysieren” klingt so, als würdest du mit kompletter Appleausrüstung die Spezies Biertrinker 5.0 unter die Lupe nehmen wollen. Fehlt nur noch die Hipsterbrille…

  • Stefan

    “Ich fühlte mich wie Matsch”

  • ich wär zu alt für den kranken scheiß! :D

  • Ani Mone

    Eine 25jährige die ihre erste Festivalluft geschnuppert hat und festellt was sie 10 Jahre lang verpasst hat, nach Wasser statt Konterbier schreit und sich zum duschen anstellt. *gähn*

  • Linus

    Ey, sorry. Deine Artikel werden nicht besser und jetzt auch noch so n Scheiß? Ich kotze. Aber nicht wegen Alkohol oder Drogen. Wegen dir.

  • Rico

    ich war beim ersten 36! :) Nature One 2011 … ein absolutes Erlebnis .. einfach mal eine Zeit lang komplett aussteigen, macht tierisch Ko & urlaubsreif, aber glücklich ;)

  • Das klingt nach einer vielversprechenden Artikelreihe. Veröffentlichst du vorher eine Liste der Festivals oder werden geeignete Veranstaltungen während des Marathons ausgewählt? (Im verlinkten Post wurden ja bereits einige Kandidaten vorgeschlagen.) Außerdem wäre interessant, ob du alle vierzig Open Airs immer über die gesamte Dauer besuchst, was für mich unter anderem den Reiz eines Festivals ausmacht, oder ob du bei einigen auch nur mit ‘ner Tageskarte reinschnupperst, um tatsächlich auf die angekündigte Anzahl zu kommen.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall einen unvergesslichen Sommer voll brennender Augen, brummender Schädel, trockener Münder, spröder Lippen, sandiger Gelenke, schmerzender Füße, fettiger Haare und stinkender Achseln – im positivsten Sinne. Und natürlich jede Menge großartige Live-Konzerte!

  • Stego

    Wow… Dann wünsche ich dir mal viel Erfolg und Durchhaltevermögen!! :) Das wird nämlich ne harte Tour ;)

  • Markus

    Also, ich mag ja an sich die Frau Neder nicht, aber das nenn ich mal ne Herausforderung. Mal schauen ob sie das durchhält.

  • monika

    Du bist ein langweiliges Mädchen und die Fusion will Dich nicht!

  • anette

    Oh nicht die, die schreibt so furchtbar lahm und uninteressant und für ein Germanistenhirn unmöglich annehmbar.

  • Da sucht man bei Google nach Bildern und ,,Kotzen” und stößt auf diese Seite… hrhr