The Social Network - Hast du Angst vor Facebook?

Es läuft im Fernsehen. Und in der Zeitung schreiben sie darüber. Ständig. Facebook ist böse. Es missbraucht eure Daten, zerstört eure Karrieren und verkauft eure Seelen. Oder so ähnlich. Gemeinsam…
The Social Network

Hast du Angst vor Facebook?

Es läuft im Fernsehen. Und in der Zeitung schreiben sie darüber. Ständig. Facebook ist böse. Es missbraucht eure Daten, zerstört eure Karrieren und verkauft eure Seelen. Oder so ähnlich. Gemeinsam mit Google und Amazon bildet es ein Team aus gierigen und unersättlichen Datenkraken, die nicht mehr aufzuhalten sind, und am Ende kann es nur ein böses Erwachen geben. Oder?

Die Welt hat jetzt eine Umfrage in Auftrag gegeben, die einmal aufzeigt, wie viele Hemmungen die Deutschen wirklich vor Facebook haben. Und wer sich am meisten Sorgen macht. Dabei kommen sie auf das Ergebnis, dass rund 42 Prozent der Deutschen Angst vor dem größten sozialen Netzwerk der Welt haben. Also zwei von fünf. Besonders groß sei die Skepsis unter Menschen mit Hauptschulabschluss. Von denen hätten allerdings 20 Prozent auch keine Ahnung, was das eigentlich genau ist. Dieses Facebook.

Für Alexander Kolb vom Marktforschungsunternehmen GfK kam dieses Ergebnis doch unerwartet: „Ich war überrascht, dass Menschen mit höherer Bildung weniger Angst vor Facebook haben als Menschen mit geringerem Schulabschluss. Da hatte ich eigentlich erwartet, dass die kritische Haltung zunimmt.“ Am wenigsten würden sich Schüler und Studenten vor der blauweißen Webseite fürchten.

Knapp 60 Prozent der 14- bis 19-Jährigen nutzen Facebook sorglos und exzessiv und lassen sich dabei auch nicht von Erwachsenen reinreden, die ihnen immer wieder aufs Neue weismachen wollen, dass ein zu offener Umgang mit solch einer Plattform zu negativen Konsequenzen in der Zukunft führen könnte. Schließlich sind all ihre Freunde auch dabei. Und die werden schon wissen, was sie tun.

Was, wenn dein zukünftiger Chef die Partyfotos sieht, auf denen du mit Ralph und Jenny rummachst? Was, wenn sich irgendein perverser Sack die Fotos von deinem Urlaub am Strand herunter lädt? Was, wenn irgendwann ein Vertreter vor deiner Tür steht, der dir dank personalisierter Werbung Staubsauger mit Hello-Kitty-Aufdrucken andrehen möchte? Klar, kann alles passieren. Also vielleicht.

Besonders Studenten scheinen in demselben Dilemma zu stecken, das eine Generation vor ihnen bereits mit StudiVZ hatte. Keiner traut dem Ding so wirklich, aber da es eben alle anderen verwenden und oft dank Gruppen, Chat und Pinnwand alternative Kommunikationswege nur noch selten und wenn dann individuell genutzt werden, werden sie schon fast gezwungen, ein Teil der Community zu werden.

Ich persönlich nutze Facebook jeden Tag. Und andauernd. Auf meinem Handy, auf meinem Computer. Zu Hause und unterwegs. Ausgeloggt bin ich eigentlich nie. Ich sehe es nicht immer, aber ich weiß, dass es da ist und dass ich darin eintauchen könnte, wenn ich denn wollen würde. Allerdings arbeite ich in einem Bereich, in dem soziale Medien essentiell sind. Wer nicht auf Facebook ist, der existiert auch nicht.

Mir ist es egal, ob mich irgendjemand dank Monitoring oder Stalking überwacht. Weil ich mich in einer Position befinde, in der mich kein Chef ablehnen oder feuern kann, weil ich Bilder von ausufernden Feiern hochgeladen habe. Ich bin auch kein junges Mädchen, das bei jedem Foto im Bikini damit rechnen muss, dass sich irgendein notgeiler Typ darauf einen runterholt. Und wenn mir jemand Staubsauger mit Hello-Kitty-Aufdrucken verkaufen will, dann… ey, wie geil sind denn bitte Staubsauger mit Hello-Kitty-Aufdrucken?!

Niemand von uns kann abschätzen, was für Konsequenzen es eines Tages haben wird, dass wir so viel über uns preisgeben. Sei es auf Facebook, auf Twitter, auf Blogs. Ich war schon immer der Meinung, dass Angriff die beste Verteidigung ist und man jede Datenkrake bis zum Umfallen mit sinnlosen Informationen überfüttern sollte, bis sie platzen. Und sich dabei das ein oder andere Geheimnis bewahrt.

Es ist keine Frage, dass Facebook mächtig ist. Sehr mächtig. Und dass jedes Medium nur so vertrauenswürdig ist, wie die Menschen, die es verwalten und auch nutzen. Jeder sollte also selbst entscheiden, wie weit er sich dort entblößen möchte. Niemand von euch sollte sich von falschen Ängsten aus der Fassung bringen lassen, aber auch nicht blind alles im großen Stil teilen und veröffentlichen. Informiert euch, was alles schief gehen könnte, und nutzt digitale Plattformen mit Bedacht und Respekt, dann kann eigentlich gar nichts passieren. Vielleicht missbraucht es dann auch nicht eure Daten, zerstört eure Karrieren und verkauft eure Seelen. Hoffentlich.

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