ARD und ZDF lieben ACTA - Generation des digitalen Diebstahls

Erinnert ihr euch noch an die ARD und das ZDF? Genau: Auf dem einen habt ihr früher immer “Marienhof” geguckt. Bevor es abgesetzt wurde und ihr die nächsten Tage wegen…
ARD und ZDF lieben ACTA

Generation des digitalen Diebstahls

Erinnert ihr euch noch an die ARD und das ZDF? Genau: Auf dem einen habt ihr früher immer “Marienhof” geguckt. Bevor es abgesetzt wurde und ihr die nächsten Tage wegen einem verheulten Gesicht die Schule geschwänzt habt. Tatsächlich sind die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Mitglied der Deutschen Content Allianz und wenn ihr gegen ACTA seid, dann dürft ihr diesen Verein gerne als eine Art Endgegner im dritten Level ansehen. Mit Lavafluss unter einer Hängebrücke und kleinen, fliegenden Äffchen, die euch von oben mit Steinen bewerfen.

Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der GEMA, dem Bundesverband Musikindustrie und ein paar anderen Leuten, die nichts vom Internet verstehen, fordern sie unsere Regierung auf, ACTA so schnell wie möglich zu unterschreiben. Und das, obwohl ihr am vergangenen Wochenende so fleißig gegen das Handelsabkommen demonstrieren wart. Was für eine Frechheit.

Das Zynische daran: Offiziell ist das “zentrale Anliegen der Content Allianz unter anderem Urheber- und Leistungsschutzrechte zum Schutz der kulturellen Vielfalt zu stärken”. Was ziemlich lustig ist. Jeder weiß doch, dass kulturelle Vielfalt nur dann geschützt sowie gestärkt werden kann, wenn sie nicht durch zwielichtige Knebelgesetze, unnötige Zensuren und geldgeile Analogidioten beschnitten wird.

Wörtlich nennen sie uns “eine Generation, in der viele ohne jedes Unrechtsbewusstsein für ‘digitalen Diebstahl’ aus Schule und Elternhaus in die große Welt des Internets entlassen worden sind”. Also Kriminelle. Wir. Du. Deine Freunde. Und sie verstehen gar nicht, was an ACTA so schlimm sein soll. Schadet doch schließlich keinem. Und bringt ihnen mehr Geld ein. Und gibt ihnen ihre längst verlorene Kontrolle zurück.

Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien VPRT sagt zum Beispiel: “Nachdem sich jeder davon überzeugen konnte, dass alle bei ACTA zur Eindämmung von Rechtsverletzungen vorgesehenen Maßnahmen bereits dem deutschen Schutzniveau entsprechen, sollte das Abkommen nun auch unterzeichnet werden. Wir bedauern, dass die Bundesjustizministerin die internationale Durchsetzung des europäischen Schutzniveaus infrage stellt.” Alles klar.

Die Frage, warum die Deutsche Content Allianz plötzlich so sehr darauf drängt, dass ACTA endlich Wirklichkeit wird, ist schnell beantwortet. Durch die Proteste in europäischen Groß- und auch Kleinstädten wurden viele Verantwortliche, die das Handelsabkommen zuvor fast blind unterzeichnet hätten, etwas aufmerksamer. Sie hakten nach, forderten Transparenz darüber, was da eigentlich drin steht. Und was es für konkrete Auswirkungen auf unser Internet hätte. Nämlich ziemlich beschissene. Und die Forderungen der Allianz sind nicht einmal berechtigt.

Die Wissenschaftler Brett Danaher vom Wellesley College und Joel Waldfogel von der Universität Minnesota haben zum Beispiel herausgefunden, dass Filesharing fast gar keine Auswirkungen auf die Einspielergebnisse von Kinofilmen hat. Und wenn, dann nur, wenn zwischen dem US-Start und der der Premiere in anderen Ländern zu viel Zeit verging. Das ist in etwa so, wie bei TV-Serien. Warum sollten wir auch ewig darauf warten, bis ProSieben endlich mal die neue “Simpsons”-Staffel zeigt, wenn wir sie kurz nach Erstausstrahlung schon im Netz finden?

Aber uns geht es nicht einmal um das massenhafte und illegale Herunterladen von Filmen, Serien und Musik. Sondern eher um die kleinen Dinge im Leben eines Netznutzers, die durch ACTA ebenfalls ein jähes Ende finden würden. Ein Foto auf Pinterest teilen zum Beispiel. Unseren Lieblingssong auf Video nachträllern. Oder das Zitieren von guten Textstellen. Denn so wirklich legal scheint hier nichts mehr zu sein.

Deswegen fordern wir nicht nur, dass solche dämlichen Gesetze wie ACTA, die unsere Meinungsfreiheit einschränken und unsere Rechte beschneiden, niemals Realität werden, sondern dass auch hierzulande ein Pendant zum amerikanischen “Fair Use” eingeführt wird. Dadurch könnten wir alle im Internet wieder etwas freier atmen und müssten nicht ständig damit rechnen, dass wir mit jedem digitalem Schritt, den wir tätigen, womöglich wieder irgendein seltsames Gesetz verletzen. Unsere Nachbarn in den Niederlanden haben das zum Beispiel bereits kapiert.

Im Klartext heißt das: ARD und ZDF, Klappe halten! Deutsche Content Allianz, gleich mal mitmachen! Regierung, unterschreib’ keinen Scheiß! ACTA, geh’ sterben! Europäische Union, führ’ “Fair Use” ein! Danke. Und weil wir gerade dabei sind: GEMA, verlang’ weniger Geld von YouTube! In allen anderen Ländern scheint das ja auch zu klappen, kann also nicht so schwer sein. Ach, das Internet könnte so schön sein…

Jack & Jones

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Strellson