Wundermittel Ketamin? - Die Droge gegen Depressionen

Es läuft doch immer gleich ab. Ihr fangt mit ein bisschen Kiffen an, dann trefft ihr auf seltsame Freunde, die noch seltsamere Tütchen oder Blättchen mitbringen. Ihr probiert Pep, LSD…
Wundermittel Ketamin?

Die Droge gegen Depressionen

Es läuft doch immer gleich ab. Ihr fangt mit ein bisschen Kiffen an, dann trefft ihr auf seltsame Freunde, die noch seltsamere Tütchen oder Blättchen mitbringen. Ihr probiert Pep, LSD und manchmal auch Pilze. Und wer dann immer noch Lust hat, sich irgendwie anders wegzubeamen und einen Apotheker oder eine Krankenschwester oder einen Irren aus dem Park kennt, der befasst sich irgendwann mit Ketamin.

Was ihr euch aber in dubiosen Clubs als Special K reinzieht, ist eigentlich ein Narkotikum. Das Besondere daran und der Grund, wieso ihr es euch geben könnt, ohne vollkommen wehrlos zu sein: Anders als die meisten Narkosemittel erzeugt es nicht nur Schmerzfreiheit und dieses gewisse Gefühl von seelenvoller Leichtigkeit, sondern erhält zusätzlich eure Schutzreflexe. Und das ist gut.

Aber Ketamin hat anscheinend noch mehr drauf, außer euch in andere Sphären zu hieven. Ärzte in Houston sind nun darauf gekommen, dass sich das Zeug auch optimal gegen Depressionen eignet. Und das innerhalb von wenigen Stunden nach Einnahme. “Diese Leichtigkeit und ein Gefühl von Zuversicht kamen so plötzlich”, meint Heather Merrill, eine Mutter von drei Kindern, die seit Jahren an schwerem Kummer leidet.

Natürlich könnt ihr jetzt sagen: Ja klar, nachdem ich mir irgendeinen anderen Stuff eingeworfen habe, geht’s mir auch immer so. Das ist schließlich der Grund, wieso man sich für das gleiche Geld nicht ein paar Kilo Gummibärchen kauft und sich damit im Schrank einschließt. Aber da steckt mehr dahinter. Denn Ketamin verändert die Verbindungen zwischen den Gehirnzellen, ganze Moleküle werden optimiert.

“Das ganze Auftreten von Heather hat sich rapide verändert”, meint Dr. Asim Shah von der Ben-Taub-Klinik, in der die Studie mit Ketamin betrieben wird. “Sie ist jetzt eine freudigere Person, die wirklich glücklich mit ihrem Leben zu sein scheint. Vor der Therapie war sie niedergeschlagen, verschlossen, ja fast schon weinerlich.” Das klingt doch schon mal nicht schlecht.

Auch Carlos Zarate vom National Institutes of Health bestätigt die positive Wirkung von Ketamin: “Patienten, die wir mit Ketamin behandeln, fühlen sich plötzlich so, als wären sie noch nie in ihrem Leben depressiv gewesen. Sie können endlich wieder arbeiten, sich der Gesellschaft anschließen. Und sie fühlen sich nicht einfach nur high, sondern als wäre eine Blockade gelöst worden.” Wow.

Bevor wir jetzt aber das nächste Krankenhaus überfallen, weil wir alle irgendwie kleine depressive Lebensmüde sind, die endlich wieder sorgenfrei durch die Gegend grinsen wollen, müsst ihr aber eines beachten: Ihr habt keinen Plan von Dosis, Dauer und dem Zeug an sich. Was bedeutet, dass es wahrscheinlich nichts bringt, wenn ihr euch jetzt Ketamin zieht, weil ihr denkt, damit würde plötzlich alles besser werden.

Aber sollten weitere Studien die positive Wirkung dieses besonderen Narkotikums auf unseren Kopf bestätigen, dann dürfen wir uns wohl schon bald auf ‘ne Menge glücklicher Momente in unserer Zukunft freuen. Anstatt immer heulend zu Hause herumzuhängen und uns zu fragen, was in unserem armseligen Leben alles schief gelaufen ist. Danke, Wissenschaft. Wir haben dich lieb.

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34 Kommentare

  • NapNap

    Klingt irgendwie ziemlich Drogen verherrlichend..

  • Marla Singer

    Moooooooooooooooment.
    Verharmlost du in deinem Artikel etwa eine der gefährlichsten (da viel zu leicht überdosiert) und suchtgefärdensten Drogen, die so rumschwirren. Mein Gott, wir sind alle keine Unschuldslämmer und auch ich kann mich zu den Wölfen im Schafspelz zählen, die gerne mal feiern gehen, Kontakt mit Amphetaminen, Psychoaktivem und Konsorten haben.

    Ketamin wird in der Szene von allen mit Respekt behandelt, weil es wie seine Kollegen Valium und Co. ein verdammt hohes Suchtpotential hat. Wer schon einmal eine Diazepam/Valium eingeworfen hat, kennt diese plötzliche Klarheit, Schwerelosigkeit usw., die ist sehr verlockend. Problem: Ohne das Zeug kannst du irgendwann erst nicht mehr schlafen, dann nichtmehr aufstehen udn irgendwann scheint ein Tag ohne, unmeisterbar.
    Ich persöhnlich kenne genug Psychopharmaka Abhängige, und das war die beste Lehrstunde für mich, vorsichtig mit Benzodiazepinen zu sein.

    Also ich möchte hier weder Anprangern, noch Verharmlosen. Aber die fantastischen Vier beschreibe den Umgang mit so starken Substanzen und ihre Gefahr ganz gut:

    Hatte den Willen meine Sinne zu verlieren,
    zumindest alles zu probieren, diesen Fall zu riskieren,
    hatte Grenzen getestet und lieben gelernt,
    meine Ziele erreicht und mich von ihnen entfernt.
    Um sein Gefühl zu verlagern auf Knopfdruck
    muss man sich fragen, was man sich in den Kopf tut,
    bis man dann irgendwann jede Abfahrt wählt,
    wenn’s von Anfang an immer nur abwärts geht.

    • Marcel

      Es ist sehr gut, jedem potentiellen Suchtmittel äußerst kritisch gegenüber zu stehen und sich jeder Variante nur mit Vorsicht und auf jeden Fall Schritt für Schritt zu nähern. Oder in den meisten Fällen gleich die Finger davon zu lassen. Aber wer etwas ausprobieren möchte, der wird das ohnehin tun.

      • Marla Singer

        Natürlich. Nur musst du dir der Verantwortung bewusst sein, die du mit einem solche n Text hast! Eine sehr starke und gefährliche Droge mit einem solchen Artikel zu beschönigen oder zu verharmlosen, ist einfach eine heikle Angelegenheit. Auch, wenn das nicht deine Absicht ist. Grade, wenn der Bericht etwas lückenhaft recherchiert ist, wie Matthias bewiesen hat. Ich möchte dir das nicht im allgemeinen vorwerfen. Bin sonst echt begeistert von deinen Texten hier. Grade deswegen fällt sowas dann doch irgendwie komisch aus dem Rahmen.

        • Marcel

          Der Artikel sollte keinesfalls ein ausführliches Referat über die Droge Ketamin sein, sondern einfach nur die darin thematisierte News verpacken. Das ist alles. Wer sich für das Thema interessiert, der findet im Internet genügend Webseiten, die gut informieren.

    • Dimitri

      @Marla Singer du bist dir aber im Klaren darüber das Ketamin kein Benzodiazepn ist oder?…

      Natürlich ist es genauso wie Benzos auch sehr leicht in eine Sucht hineinzurutschen.

      Das wollt ich eig nur fragen, soll jetzt kein Angriff auf sich sein.

      Grüße Dimitr

  • Zwei Anmerkungen von mir, der ruhigen Gewissens behaupten kann, daß er weiß, wovon er spricht:
    Erstens ist Ketamin keine zu verharmlosende Droge, deren Suchtpotential mehr als nur bedenklich ist und die v.a. im Mischkonsum mit zentral atemdämpfenden Drogen (Alokohol, aber auch GHB, Heroin etc.) schnell zum Tode führen kann.
    Zweitens ist die Anwendung der Substanz bei Depression weder empfohlen noch ausreichend erforscht. Die Datenlage bezieht sich auf eine Handvoll Studien, die v.a. im Rattenmodell oder bei Schmerz- oder Krebs-induzierter Depression durchgeführt wurden. Wenn sich daraus überhaupt eine Schlussfolgerung ziehen ließ, dann die, daß Ketamin eine depressive Episode nur kurzfristig, also maximal eine Stunde lang durchbrechen kann, jedoch nicht für den anhaltenden Konsum geeignet ist. Selbst wenn weitere Studien eine noch bessere Wirksamkeit in dieser Indikation nahelegen würden, ist eine Marktreife bzw. Ausweitung der Indikation des Medikaments ausgeschlossen, weil die Nebenwirkungen (nicht nur der Tod) inakzeptabel und die therapeutische Breite viel zu klein sind.

    Eine Verharmlosung oder gar Euphemisierung des Ketamins ist daher völlig fehl am Platze.

  • Da muss ich noch einmal einhaken:

    “Aber sollten weitere Studien die positive Wirkung dieses besonderen Narkotikums auf unseren Kopf bestätigen, dann dürfen wir uns wohl schon bald auf “˜ne Menge glücklicher Momente in unserer Zukunft freuen. Anstatt immer heulend zu Hause herumzuhängen und uns zu fragen, was in unserem armseligen Leben alles schief gelaufen ist. Danke, Wissenschaft. Wir haben dich lieb.”

    Nein, nein und abermals nein. Ketamin ist kein Pille, die man mal eben in der Apotheke over the counter kaufen kann und dazu die neuste Ausgabe der Apothenrundschau angeboten bekommt. Die Propagierung als Mittelchen für “eine Menge glücklicher Momente” ist überaus perfide, weil sie einerseits die herben Nebenwirkungen verschweigt, und andererseits einen konfliktscheuen und dependenten Habitus legitimiert. Statt die Gründe für eine schlechte Gemütsregung zu erforschen und sich ihrer zu entledigen, wird daraus eine handfeste Depression gemacht, die man ja spielend mit ein paar Tropfen Ketamin hinwegspülen könnte. Das ist keine Konfliktbewältigung, das ist eine handfeste Medikamentensucht, die auf ein niedriges Strukturniveau und eine armselige Persönlichkeit hinweist.

    • Marcel

      Ich stimme dir da natürlich voll und ganz gut. Aber die Wissenschaft hat mit der Erkenntnis, dass Ketamin, egal wie schlimm seine Nebenwirkungen auch sein mögen, vielleicht gegen Depressionen hilft. Was ist also der nächste Schritt? Herauszufinden, was genau diesen Effekt auslöst, diesen womöglich zu extrahieren oder abkapseln und daraus ein Antidepressivum herzustellen. Wenn das klappt, dann wäre das eine gute Sache.

  • Marla Singer

    Danke Matthias. Du sprichst mir aus der Seele!

  • Und dann gibt’s da noch die Geschichte von den bis dato zweiundzwanzig schwachsinnigen Idioten, die ihr Like druntersetzten.

  • f0x

    Wird eh nicht durchkommen, da die Pharmaindustrie es niemals zulassen wird, dass das Zeug auf den Markt kommt und ihre schönen Anti-Depressiva verdrängt!

  • ms

    also, das geht echt nicht mehr klar! warum nicht gleich heroin oder crack glorifizieren? manmanman, hier lesen doch bestimmt auch kinder mit, für die das amypink-team eine art role-model ist (mit den ganzen partys, brüsten, schwänzen, undundund).

    ich mag amypink echt gern lesen und ansehen, gerade weil es so close to the edge ist, und nicht heile blümchen-welt, aber das geht echt zu weit. wie kann man die ganzen drogen opfer/toten in diesem kontext einfach unter den tisch fallen lassen? nur traurig!
    ich kann nur matthias zustimmen in allem was er sagt.

  • Timomir

    Das auf dem Foto sind aber keine Ketamin lines…

  • Hendrik

    Ich hoffe mal das sind keine keta lines…sonst Hallo K-Hole

  • Max_Fraenkel

    Da habt ihr euch mal wieder selbst übertroffen.

    Danke für die schleichende Selbstdemontage.

  • Lucas_S.

    Wie sie alle heulen“¦ Wer diesen Blog ließt sollte nicht alles wörtlich essen…

  • anna

    und ich stell mir grade bildlich vor,wie die kleinen süßen mädchen und jungs hier euer foto sehen,diesen überaus leichtsinnigen artikel lesen,sich keta besorgen und sich ne keta line ziehn,die so aussieht,wie die auf dem bild.
    na dann,herzlichen glückwunsch.
    kann mich nur anschließen,
    sowas beschissenes hab ich noch nie bei euch gelesen und warscheinlich überhaupt nicht.
    die einzigen leute,die ich kenne,die keta verherrlichen haben entweder durch drogen schon ne psychose bekommen oder wissen nicht wovon sie reden,wer weiß bei welcher der beiden gruppen ihr euch anschließen wollt.

  • melissa

    Ich denke einfach mal, dass man den Artikel nicht soo ernst nehmen sollte. Mir gehts auch ohne Ketamin ganz gut..

  • tomtom

    hier ist der artikel nochmal in umfassenderer form:

    http://www.npr.org/blogs/health/2012/01/31/146096540/i-wanted-to-live-new-depression-drugs-offer-hope-for-toughest-cases

    es ist eine hoffnung für depressive menschen, also stimmt es schon was da steht! hört also auf von glorifizierung zu sprechen wenn man damit menschen wirklich helfen kann!

    • Statt einer bestenfalls populärwissenschaftlichen Website vertraue ich den Studien, die diesen Zusammenhang untersuchten. Also bitte, bleiben wir doch bei den Fakten: “Wirklich helfen” kann man den Menschen damit nicht.

  • gott, kinder! seid ihr eure mütter? regt euch ab und pfeift euch was rein!

  • le depresseur

    schon mal depressiv gewesen? nein?! dann fickt eure blümchenwelt und seid weiter “wild” mit kiffen und ‘n bisschen Koks Matthias & Marla Singer. fragt mal einen der im sumpf der depressionen hängt, nicht auf benzos klebt aber bei dem “normale” psychopharmaka nicht helfen. danke für den Artikel Marcel! ich hoffe die Forschung wird was erreichen.

    • Ich respektiere deine persönliche Beziehung oder wenigstens dein Meinungsbild zu dieser Erkrankung, muss dir aber dennoch widersprechen. Ich möchte behaupten, daß du noch nicht gesehen hast, was eine ordentlich Dosis Ketamin aus den Leuten macht, was geschieht, wenn ein Kind damit behandelt, ein Patient damit in Narkose geleitet oder ein Jugendlicher sich damit abgeschossen hat, nachdem er an der Vodka-Flasche hang. Ich möchte behaupten, daß du keinen blassen Schimmer von diesem Medikament hast und nicht einschätzen kannst, welche Gefahr davon ausgeht. Was nützt ein Arzneimittel zur Dauermedikation, wenn man den Patienten beibringen muss, daß sie keinen einzigen Tropfen Alkohol und keine weiteren Drogen nehmen dürfen? Gar nichts, denn sie werden doch dazu greifen und im Handumdrehen in irgendeiner Ecke an ihrer eigenen Kotze ersaufen oder einfach ersticken, weil sie nicht anders können. Besser noch, sie nehmen das Valium, das ja noch im Medikamentenschrank liegt, und auf einmal will kein Muskel mehr funlktionieren, nicht mal die Atemmuskulatur, und dann liegen sie da, können sich nicht regen und ersticken einfach so. Ist das etwa ein glorreicher Tod? Nein, das ist erbärmlich. Und wer behauptet, Ketamin sei ein tolles Medikament, und dann damit leichtfertig umgehen will, ist ebenso erbärmlich. Fun Fact: Wenn ich auch nur einem Hansel das Zeug mit nach Hause gebe, verliere ich meine Zulassung bzw. bekomme sie nicht und lande im Knast. Warum wohl? Doch nicht etwa, weil ich dem armen Depressiven ein freudiges Wochenende bescheren wollte?

      • Herbert

        darum geht es doch grade. eine abgabe als behandlung für depressive, nachdem die wirksamkeit als medikament in studien nachgewiesen wurde. das zeug soll ja nicht legalisiert werden, sondern die abgabe an kranke erleichert werden. amphetamin, cannabis, heroin ( zumindest morphium was dem SEHR nahe kommt), werden ebenso bei entsprechenden krankheiten verschrieben. es geht darum die augen nicht vor “harten drogen” zu verschließen, da gängige antidepressiva und psychopharmaka NICHTS anderes sind. meine mutter ist eine freundliche, aber leere hülle seitdem sie mit zyprexa behandelt wird, von dem sie rein körperlich komplett abhängig ist obwohl sie damit aufhören möchte. für billige 400€ im monat. soviel zur abhängigkeit von harten drogen.

  • Was geht eigentlich mit den Kommentaren ab?

  • Manu

    A&P—–Ihr seit dämlich!!!

  • jacky

    Ne, nicht schon wieder. Muss ich denn bei jedem Beitrag,der sich ausserhalb der SchönesLebenWelt bewegt, bei jedem Bericht, Kommentar und Text befürchten, dass selbsternannte Fingerheber aus ihrer lächerlichen Welt auftauchen und ihre Bedenken zum Ausdruck bringen. Lächerliche Schwafler. Der eine negiert eine bestehende Studie, die andere ergiesst sich in Jammern über die “Gefahren für die Welt” und noch einer ist sich nicht zu blöd auch noch “Wer denkt denn an die Kinder” in die Runde zu werfen. Bigotter lärmender Haufen. Das Leben ist kein Ponyhof. Und Schwätzer …ne, DAS braucht keiner.