Lena Hoschek - Es gibt immer ein erstes Mal

Im vorletzten Jahr sah ich zum ersten Mal eine Runway-Show von Lena Hoschek. Es war ein verdammt heißer und unerträglicher Sommer. Nicht nur die neuesten Trends im Fashion-Week-Zelt wurden gezeigt…
Lena Hoschek

Es gibt immer ein erstes Mal

Im vorletzten Jahr sah ich zum ersten Mal eine Runway-Show von Lena Hoschek. Es war ein verdammt heißer und unerträglicher Sommer. Nicht nur die neuesten Trends im Fashion-Week-Zelt wurden gezeigt und ausgetauscht, sondern auch eine Menge Körperflüssigkeiten. Meist in Form von Schweiß. Die Transpiration hatte die Zeltherrschaft an sich gerissen. An jeder Ecke wurde geschwitzt und glitzernde Schweißperlen liefen den Besuchern über die Wangen den Nacken herunter oder ins Dekolleté. Irgendwie auch sexy und animalisch, so viel Hitze und Schweiß. Auf jeden Fall passend zur der damaligen Kollektion von Lena Hoschek – eine Hommage an das Pin-up-Girl.

Die Show ist mir gut in Erinnerung geblieben, nicht nur wegen der sexy Dessous und tiefen Einblicke, sondern auch, weil es meine allererste Mercedes-Benz-Fashion-Week-Show war und ich zum ersten Mal eine Goody Bag in der Hand hatte. Aber nicht nur die hatte ich zum ersten Mal in der Hand. Ich war so neugierig, was sich in der Tasche befand. So nutzte ich den Augenblick als das Licht vor der Show gedämmt wurde und linste kurz in die edle Papiertasche. Ein Lolli, ein Marmeladenglas, ein paar Ohrringe in der Form von Knöpfen und irgendetwas Längliches. Ich holte das längliche Ding aus der Tasche, weil ich es nicht ertasten konnte und… tadaa, hatte einen Vibrator in der Hand.

Einen weißen, schlichten, geraden Vibrator. Und das war auch mein erstes Mal. Ich weiß nicht, über was man sich heutzutage mehr wundert – darüber, dass man als 24-jährige Frau zum ersten Mal einen Vibrator in der Hand hat oder darüber, dass man den Vibrator aus einer Goody Bag der Fashion Week hat. Ich war hin und weg und Lena Hoschek meine Königin der Weiblichkeit. Nicht nur ihre Mode ist einfach durch und durch fraulich, sondern auch ihre Goody Bags. Ja, vielleicht ist das Weiblichkeitssymbol der Frau ein Vibrator, so wie für den Mann das Auto.

Dieses Jahr saß ich wieder bei Lena Hoschek in der Show und war freudig erregt, was sie uns zeigen würde. Der nostalgische Teppich mit dem Rosenmuster war sehr vielversprechend. Lena Hoschek würde uns wieder eine kleine Zeitreise bieten und so war es auch. Das Licht ging an und wir waren im Pariser Chic der 40er und 50er Jahre. Dunkle Töne, rot und bordeaux, schief sitzende Béret und unglaubliche Haare.

Wer sich fragt, wie die Menschen damals ohne Facebook und Twitter ihre Zeit verbracht haben – ich kann es euch sagen: Sie haben sich die Haare schön gemacht. Auf Lenas Laufsteg finden auch ehemalige “Germany’s Next Topmodel”-Kandidaten immer wieder ein Zuhause, so wie dieses Jahr Marie und Rebecca. In der Front Row war Rolfe mit seinem iPhone fleißig am Knipsen, daneben saß Mirja du Mont.

Ich persönlich mag die Berliner Fashion Week so sehr, weil wir Deutschen irgendwie keine bis wenig Stars haben und sich das Ganze noch mehr um die Mode dreht als in New York oder Paris. Natürlich gab es auch wieder eine Goody Bag. Es war wieder etwas Längliches drin. Ein Haarspray. Den Vibrator habe ich übrigens noch nie benutzt. Brauche ich nicht, sein purer Anblick befriedigt mich schon ausgiebig.

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