Save The Internet - Warum SOPA jetzt nicht so der Hit ist

Wer des Öfteren im Internet unterwegs ist, hört an jeder Ecke die selbe, alte Geschichte. Seit 20 Jahren. Die Bosse der Musikindustrie heulen herum, dass sie ihre Villen nicht mehr…
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Warum SOPA jetzt nicht so der Hit ist

Wer des Öfteren im Internet unterwegs ist, hört an jeder Ecke die selbe, alte Geschichte. Seit 20 Jahren. Die Bosse der Musikindustrie heulen herum, dass sie ihre Villen nicht mehr mit Goldtapete bekleben können, die der Filmwelt würden jedem Inhaber eines Torrent-Programms am liebsten monatlich eine Rechnung in der Höhe eines Kleinwagens schicken und jeder, der gegen die Meinungsfreiheit ist und/oder Angst hat, dass seine Macht durch Bits und Bytes geschmälert werden könnte, ist sowieso allergisch gegen Browser, iPads und Flachbildschirme.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Leute, die das Internet und seine Möglichkeiten irgendwie doof finden, ständig daran interessiert sind, uns den Spaß zu verderben, anstatt mal wieder die Pflanzen zu gießen. Oder ihrer Frau eine schöne Halskette zu kaufen. Einer von ihnen muss aber ganz besonders unglücklich mit seinem Leben sein. Ein Amerikaner. Sein Name: Lamar S. Smith, Abgeordneter im US-Senat.

Er ist verantwortlich für einen Begriff, der seit Wochen die Webmaster der Welt zittern lässt: “Stop Online Piracy Act“, kurz “SOPA”. Dieses lustige Schriftstück ist ein Gesetzentwurf, der es in sich hat. Und sollte er Wirklichkeit werden, dürften wir alle nichts mehr zu lachen haben. Wirklich. Denn er würde die Grundprinzipien des Netzes so sehr einschränken, dass man seinen DSL-Vertrag auch gleich kündigen könnte.

Wie schlimm das Ding wirklich ist, wird hier von dem Journalisten Chris Heald auf Mashable detailliert beschrieben. “SOPA” würde US-Behörden die Möglichkeit geben, auch Seiten, die nicht auf US-Servern liegen, anzugreifen. Suchmaschinen dürften sie dann nicht mehr anzeigen, US-Firmen dürften keine Werbung mehr auf ihnen schalten, Amerikaner könnten sie nicht mehr aufrufen.

Unter den Hammer würden alle Seiten fallen, die auch in kleinster Form gegen US-Gesetze verstoßen. Zum Beispiel Torrent-, MP3- und Film-Seiten, die illegale Downloads anbieten. Aber auch jede Website, die gegen sonstiges Copyright verstößt und nicht legal erworbene Fotos verwendet. Oder Portale, die Nutzern die Möglichkeit geben, eigene Inhalte zu veröffentlichen. Wie Flickr, YouTube oder Tumblr.

Und es geht noch schlimmer. Sollte auch nur ein einziges Video oder Foto hochgeladen werden, das gegen irgendeine Art von Recht verstößt, würde das gesamte Webangebot auf die schwarze Liste gepackt und zensiert werden. Dadurch könnte man das Internet mit all seiner Vielfalt vergessen, weil sich unter diesen Bedingungen niemand auch mehr irgendetwas trauen würde – aus Angst, den geballten Zorn von ein paar angepissten Amerikanern abzubekommen. Blogs könntet ihr dann genauso abschreiben wie Videoportale oder Foto-Communitys.

Das Blöde: Die schreckliche Idee wird von ein paar reichen Gönnern mit jeder Menge Knete unterstützt. Die Motion Picture Association of America (MPAA) und die Recording Industry Association of America (RIAA) fördert “SOPA” finanziell genauso wie etwa die Entertainment Software Association (ESA). Weil die Verantwortlichen denken, damit endlich der Online-Piraterie den Garaus zu machen. Und allem anderen auch gleich noch dazu. Aber wen juckt das schon groß, wenn die Leute dafür wieder etwas mehr Geld für Filme und Musik ausgeben. Vielleicht.

Das Gute: Große Firmen wie Google, Sony und Facebook haben öffentlich erklärt, dass sie strikt gegen “SOPA” und “PIPA” sind und alles Erdenkliche dafür tun würden, diesen Unsinn aufzuhalten. Noch besser: Selbst wenn der Gesetzesentwurf vom Senat abgesegnet werden würde, müsste ihn Barack Obama erst genehmigen. Und der sieht das schon mal gar nicht ein. Was für ein weiser Mann.

Wer klug ist und ein wenig aufgepasst hat erkennt also, dass “SOPA” und “PIPA” nicht nur amerikanischen Seitenbetreibern zum Verhängnis werden können. Sondern jedem, der auch nur irgendetwas ins Netz stellt. Seien es Videos, Fotos, Texte oder Musikstücke. Und vielleicht lassen sich dann auch andere Staaten von dem Unsinn inspirieren. Denen ist das Internet und die ganzen Verrückten darin auch nicht geheuer.

Um öffentlich zu zeigen, dass Lamar S. Smith und seine Idee ziemlich doof sind, haben große Seiten wie Wikipedia, Reddit und Mozilla angekündigt, ihre Angebote am heutigen Tag abzuschalten. Google wird Nutzer auf seiner Startseite über “SOPA” aufklären und auch andere Portale wie Boing Boing, Nerdcore und Spreeblick werden an dem Blackout teilnehmen, um ihre Unterstützung kundzutun.

Was könnt ihr tun, um den Wahnsinn aufzuhalten und für ein freies Internet einzutreten? Schreibt in euren Blogs und in sozialen Netzwerken darüber. Bringt eure amerikanischen Freunde dazu, dass sie Briefe an ihre politischen Vertreter verfassen, in denen sie diese dazu auffordern, am 24. Januar gegen “SOPA” und “PIPA” zu stimmen. Oder erfindet einfach ein eigenes Internet, das viel besser ist, als das jetzige, und gegen das selbst die USA nichts machen kann. Oder sonst irgendwer, der etwas gegen Frieden, Freiheit und Ideenreichtum hat. Danke.

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