Zurück auf Repeat - Unser Leben wiederholt sich

Wir stehen morgens auf. Um die gleiche Uhrzeit. Es sei denn die Schlummertaste wird zum wiederholten Male missbraucht oder Sonnenstrahlen kitzeln unsere Nasenspitzen im Sommer. Wir schleichen ins Bad, gehen…
Zurück auf Repeat

Unser Leben wiederholt sich

Wir stehen morgens auf. Um die gleiche Uhrzeit. Es sei denn die Schlummertaste wird zum wiederholten Male missbraucht oder Sonnenstrahlen kitzeln unsere Nasenspitzen im Sommer. Wir schleichen ins Bad, gehen aufs Klo, stellen uns unter die Dusche. Der gleiche beschissene Radiosender informiert uns mit Nachrichten, Musik und dem Klatsch und Tratsch des Tages. Zähneputzen, Haare kämmen, eincremen, anziehen. Arbeiten gehen, Schule, Studium. Nach Hause kommen. Schlafen. Abweichungen sind spärlich gesät, Kleinigkeiten werden vertauscht. Die Laune ist mal besser, mal schlechter. Zur kurzlebigen Befriedigung reicht uns das Wochenende, Freunde. Eine wirklich große Streuung unserer einzelnen Aktivitäten um unsere Lebenskurve gibt es selten.

Jedes Jahr freuen wir uns über die ersten warmen Tage, in denen man keine Jacke mehr braucht und auch mal längere Zeit draußen verbringen kann. Wir freuen uns über die gewonnene Zeit, wenn sich die Sonnenstrahlen mehren, wenn die Vögel wieder anfangen zu zwitschern oder wir das erste Mal baden gehen können. Oder auf das erste Sommergewitter. Den ersten Herbststurm. Die erste Schneeflocke. Jedes Jahr. Das Jahr wiederholt sich. Jeder Monat, jeder Tag, jede Stunde.

Wir kommen in den Kindergarten, in die erste Klasse, in die erste Klasse der weiterführenden Schule, in das erste Semester, in den ersten Arbeitstag. Jedes Mal dürfen wir das kribbelige, zittrige, flaue Kotzgefühl von Aufregung in unserer Magengegend spüren, wenn wir mal wieder dem „ersten Tag“ gegenüberstehen. Und jedes Mal fragen wir uns, wie wir es geschafft haben, uns in solch eine Situation zu bringen.

Unser Herz überschlägt sich bei jedem ersten Kuss, den wir mit einer besonderen Person im Leben haben. Wir denken, wir atmen zu laut, schlucken zu laut, die Luft bleibt uns weg oder schwitzen. Wir werden nervös, unser Körper fängt an zu zittern und gleichzeitig an sich zu freuen. Wir legen uns neue Verhaltensweisen zu. Benutzen plötzlich unseren Zeigefinger häufiger als uns lieb ist, um etwas zu erklären. Sprechen in einer anderen Stimmlage oder lügen auch mal ein bisschen, um besser da zu stehen. Jedes Mal starren wir aufs Handy, wenn wir nach Hause gehen und überlegen uns bereits im Voraus zahlreiche Antwortmöglichkeiten und Gründe warum und wie man sich melden könnte.

Wir haben öfter das aufregende Gefühl, dass das hier unsere Stadt ist, jetzt alles anders wird und etwas Großartiges auf uns zukommt. Wir richten uns öfter neu ein, packen unsere Lieblingsdinger aus und verbringen die erste Nacht in der neuen Wohnung. Wir verfahren uns immer zu Beginn im neuen U-Bahnnetz und kommen dadurch in Zeitnot, haben wieder neue Lieblingskneipen und Lieblingsplätze oder neue Lieblingsstraßenmusikanten. In unserer neuen Stadt.

Wir machen auch immer wieder die gleichen Fehler. Sei es bei einer bestimmten Matheaufgabe, wenn wir bereits am ersten Januar unsere neuen Vorsätze über Board geschmissen haben, in der Familie oder in Beziehungen und mit Freunden. Wir merken, dass wir schon lange an dem Punkt vorbeigeschossen sind, wo wir mal wieder unseren Freundeskreis wegen dem Partner vernachlässigen. Wir verletzen uns gegenseitig auf die gleiche Art und Weise, wie wir es zuvor in anderen Beziehungen auch schon getan haben. Wir verhalten uns falsch, aber anstatt das Verhalten für die Zukunft komplett abzulegen, rutschen wir wieder in alte Verhaltensmuster. Und anstatt uns zu entschuldigen, lassen wir gut und gerne Gras über die Sache wachsen.

Wir haben viele neue Lieblingslieder, finden die große eine Liebe, genießen den Moment ein neues Buch anzufangen, trinken nie wieder Alkohol, rauchen viele letzte Zigaretten oder essen viele Male das erste Eis. Wir stehen jeden Morgen auf. Arbeiten gehen, Schule, Studium. Nach Hause kommen. Schlafen. Abweichungen sind spärlich gesät, Kleinigkeiten werden vertauscht.

Wieso fällt es uns so schwer, einfach mal morgens liegen zu bleiben, wenn uns danach ist? Ohne, dass uns gleich eine ganze Armee von Gewissensbissen quält? Wieso spielen wir uns nicht einfach mal eine künstliche Extremsituation vor, um mal wieder in Schwung zu kommen, anstatt auf sie zu warten, damit wir schon früher mit den Worten „Du, mir ist heute was passiert“ in ein Telefonat starten können.

Wir könnten uns mit unserem Auto und einen dicken Picknickkorb einfach mal so am Straßenrand hinstellen, mit aufgeklappter Motorhaube und auf Hilfe warten. Oder wir färben uns die Haare blau und wenn der Chef etwas dagegen sagt, schieben wir es auf den Frisör. Wir können schon im Frühjahr ins kalte Wasser springen, bevor wir auf den Sommer warten. Uns einfach den Finger in den Hals stecken, wenn wir wieder dieses kribbelige, zittrige Kotzgefühl bekommen. Nur U-Bahn fahren, um U-Bahn zu fahren.

Uns im Vorfeld eine coole neue Macke fürs erste Date einfallen lassen. Uns in den letzten Minuten des Dates bereits eine SMS schicken, anstatt ewig auf diese zu warten. Alle je gehabten, totgehörten Lieblingslieder auf einer CD vereinen. Uns jetzt ins Auto setzen und Marci in Berlin besuchen. “Ich packe meinen Koffer” mit unseren Lieblingsdingern spielen und in unseren alten Wohnungen, neu einziehen. Vielleicht entschuldigen wir uns auch genau jetzt für unsere beschissenen Fehler und lassen somit das Gras schneller wachsen, oder stellen unsere Uhr auf Sommerzeit um. Wir können im neuen Jahr die erste Zigarette des Jahres feiern oder nur die ersten zwei Seiten von zehn neuen Büchern lesen.

Es braucht nicht viel, um unseren Alltag ein wenig umzukrempeln, und wenn wir das schaffen, dann ist es egal ob wir in New York, München, Berlin oder Tokio sitzen. Wenn es uns nicht gelingt, uns selbst zu überraschen, dann ist es irgendwann überall gleich Scheisse. Vielleicht müssen sich auch einfach ein paar Dinge wiederholen. Womöglich sogar alle.

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29 Kommentare

  • Matze

    hannah is back ?!

  • Sven Rösler

    ja, denn alles wiederholt sich :)

  • Grande

    es ist immer zeit, die alten muster zu durchbrechen. in einer dokumentation über hacker hat neulich einer seine lebensphilosophie erklärt, mit der ich sehr viel anfangen kann. “wenn ich vor einer entscheidung stehe, frage ich mich immer, ob das für leute später interessant ist, wenn ich ihnen von meinem leben erzähle und die geschichte geht so: ich begann nach dem abitur mein studium oder sie geht so: nach dem abitur setzte ich mich in ein flugzeug und suchte mir einen job in japan.”

  • ahnungs-looser

    An dir ist ein Extremsportler verloren gegangen. Oder eine Extremsportlerin…

  • makwisch

    wenn dir das leben hier zu langweilig ist, tausch es doch um: versuchs doch als flüchtling aufm boot oder vielleicht als gefangene in nordkorea, da hast du abenteuer pur, bischen hier und da stress mit der regierung, musst eventuell öfters den boden küssen, aber dafür musst du nicht mehr auf hohem niveau meckern

    • hannah

      Ach Makwisch. Schade dass du dich dadurch so angegriffen fühlst. Das wollte ich damit nicht sagen und meckern tu ich auch nicht. Das war einfach eine Feststellung dass wir oft in einem Hamsterrad festsitzen.

      Um da raus zukommen wäre es natürlich auch eine super idee und Gelegenheit einfach mal etwas Gutes zu tun. Vielleicht ein freiwilliges soziales Jahr machen usw. Glaube mir ich schätze mein Leben sehr und weiss dass es uns hier sehr gut geht.

      Liebe Grüße

  • Christine

    Das ist das Leben – immer wieder da gewesene Scheisse neu und interessant verpacken!

  • Grande

    Es war die Doku “Hacker” lief neulich auf 3sat.

    Das sagt SPON dazu: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,802695,00.html

    und hier geht’s zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=EfyXIAgGHcM

  • Ich habe auch Modedesign studiert. Können wir die Weltherrschaft gemeinsam an uns reißen ;)

  • Das Bild ist der Hammer. Ihr solltet die Bilder von Hannah direkt als Wallpaper anbieten! ;)

  • Serdar

    “Wieso fällt es uns so schwer, einfach mal morgens liegen zu bleiben, wenn uns danach ist? Ohne, dass uns gleich eine ganze Armee von Gewissensbissen quält”

    wieso fällt es mir so schwer, missy “modedesign berlin” ernstzunehmen? Sei froh dass dich Gewissensbisse quälen und kein Soldat der dich zur Zwangsarbeit schlägt.
    Du willst Abwechslung?Hör auf zu studieren und geh nach Somalia, da brauchst du dir nichtmal Zähneputzen. Und dann mach da kein soziales Jahr, um dein CV gleichzeitig mit deinem Sozialgewissen aufzupäppeln, weil du merkst, wie sinnentleert deine Existenz als Teil einer Konsum-und Stylegesellschaft mit einem pervertierten Verständnis von Anstand ist.
    Die Probleme von Menschen(was zieh ich an auf der nächsten hipster party) wie dir sind derart nichtig dass du es nicht verdient hast ein Forum zu bekommen. Wenn du schlau bist hör auf zu reden und handle anders!
    Ich wünsch dir mehr Nachhaltigkeit

    • hannah

      Hej Serdar,
      danke für deine Kritik. Besser würde das wohl ankommen wenn du das einfach normal verpackst, weil so erreicht man recht wenig ausser dass man nen Streit von der Latte brichst.

      Bist du denn gerade in Somalia? Du treibst dich hier auf amy&pink.com rum, bist du deswegen dann nich auch scheisse und n Hipster? Ich denke nicht. Darum geht es doch auch gar nicht. Es ist ein Text, ein Gedankengang ich weiss nicht wieso man sich da so angegriffen fühlen muss.

      Ich wünsche dir dass du nicht so zornig bist.

      Liebe Grüße

  • gestalter aus kreuzberg

    serdar wie handelst du denn dagegen? wie schlau bist du?

    ciao ihr mäuse!!

  • Serdar

    Gestalter, es geht nicht darum was ich tue, da ich mir nicht anmaße, auf dieser Plattform einen derartigen Text zu veröffentlichen und dabei den Plural zu benutzen, um ihm eine allgemeine Geltung aufzudrängen.
    Jeder kann tun und lassen was er will solange er nicht als geistiger Brandstifter des “Brands der Dummheit” fungieren will.
    Nicht jeder muss sich sozial engagieren, dann muss er aber dazu stehen und nicht jammern

  • Serdar

    @hannah
    auf amypink treibe ich mich rum weilich mich gruseln will.
    Jeder Text hier zeigt das Problem dass die grenzenlose Freiheit mit sich bringt.
    Die Welt im Kopf entfernt sich immer mehr von der Welt außerhalb des Kopfs, sodass die moralische Freiheit zur Freiheit von Moral degeneriert,.
    Letzlich ist dein Text ein Sinnbild für das, was gerade stattfindet, nämlich einen Prozess von Sittenverfall und Degeneration.
    Deine Aussagen sind ein Leuchttum der Belanglosigkeit und zeigen, dass du bereits derart gefangen bist-unverschuldet- in einer Scheinwelt, dass du niemals die Vogelperspektive wirst einnehmen können.
    Dann würdest du sehen, dass du nur auf deinen eigenen Schatten schießt

    • hannah

      Ich glaub du kannst gar nicht richtig kritisieren sondern einfach nur mobben….und das find ich ganz schön beängstigend. Was hat dir im Leben so einen stoß versetzt dass du so fies, anonym im Internet auf Menschen los gehst?

      Ich find ja sogar dass du teilweise recht hast, wenn du sagst dass es andere Probleme gibt als den Alltag. Aber das ist einfach nur ein Text und keine Bombe. Mich als Brandstifter hinzustellen ist ganz schön übertrieben, aber wenn das deine Meinung ist dann bitte, ich akzeptiere das. Akzeptiere bitte meine auch.

      Ich finde generell aggressiven Leuten die hier ihren Frust rauslassen muss man auch nicht unbedingt eine Plattform oder Forum geben.

      Auch wenn du dich noch mit so vielen simplen Fremdwörtern schmückst hast du den Text von mir dennoch nicht verstanden. Es ist einfach so dass viele Menschen einen Alltag haben. Es ist einfach so dass einfach viele Menschen leben um zu arbeiten und nicht anders rum. Und es ist einfach so dass sich viele Menschen nicht trauen einen Schritt zu gehen um da auszubrechen. Das hat aber nichts mit den Problemen der Welt zu tun sondern einfach mit freier gedanklicher Entfaltung.

      Ich bin mir bewusst dass es viel leid auf der Welt gibt. Ich bin mir relativ sicher dass du z.b. auch Klamotten anhast oder schon mal gekauft hast die in Indien genäht worden sind. Tust du den Kindern damit was gutes? Ich denke nicht. Jeder sollte das machen was er kann. Und wenn ich hier nur n paar Leuten einen gedanklichen Anstoss geben kann dann finde ich hat sich das schon gelohnt. Ich find es auch gut dass ich dich zum nachdenken gebracht hab auch wenn du oft sehr unfreundlich schreibst.

      Ich mache dir einen Vorschlag. Wenn du mitwirken willst und was anderes machen möchtest ausser rumstänkern, dann verfasse doch einen Text. Wir veröffentlichen den dann hier als Gastbeitrag solang du nicht wirklich miese Sachen bringst die man nicht veröffentlichen kann. Na, wie wär das? Wenn du interesse hast schicke eine mail an: info@amypink.com

      So wie du sagst, nicht nur reden sondern handeln.

      Liebe Grüße und gute Nacht

  • Serdar

    1. ich bin nicht anonym, ich heiße serdar und du kannst mich jederzeit unter http://www.serdar.com persönlich beleidigen
    2. In meinem Text ist kein einziges Fremdwort. Es sind alles deutsche Worte(ok Degeneration haben wir vielleicht geklaut :-)
    3.Du glaubst ich wäre frustriert?Nein ich sage nur was ich denke und verzapfe keinen Mainstream-Kram, das kommt dir dann sehr aggressiv vor.
    4, “Jeder soll machen was er kann” Stimmt! Ist dieser Text alles was du kannst? na glückwunsch
    5. Die Diskussion ist meinerseits beendet

    • hannah

      Ich mag dich nicht beleidigen. Das ist nicht meine Art. Naja, da kommen wir wohl nicht auf einen grünen Zweig. Schade dass du das Angebot nicht angenommen hast. Ich wünsch dir alles Liebe und Gute

  • Kai

    Jesus, welche Laus ist denn dem Serdar über die Leber gelaufen?
    Entspann dich mal.

  • Roman Hoffmann

    Als ich diesen Artikel gelesen habe hatte ich immer Lied von dem Berliner Musiker Prinz Pi – Kind ohne Namen im Hintergrund. Besonders hat mich die Hook darauf gebracht.

    “alles wiederholt sich, geht in spiralen
    das leben is ein bild ohne rahmen
    die zukunft ist ein kind ohne namen
    der wind will uns sagen
    jemand anders mischt das spiel
    wir sind nur die karten ”

    Prinz Pi – Kind ohne Namen (Hook)