Burnout - Der Anfang vom Ende

Heute um 15:36 Uhr knallte ich meinen Kopf auf den Schreibtisch, schlug die Arme über dem Kopf zusammen und beließ es dabei. Für die nächste halbe Stunde. Ich weinte nicht,…
Burnout

Der Anfang vom Ende

Heute um 15:36 Uhr knallte ich meinen Kopf auf den Schreibtisch, schlug die Arme über dem Kopf zusammen und beließ es dabei. Für die nächste halbe Stunde. Ich weinte nicht, aber ich war knapp davor. Burnout, Quarterlife-Crisis, Arschlecken – wie immer Pseudoärzte und Hobbypsychologen das auch betiteln würden: Ich konnte einfach nicht mehr. Fertig, Schluss, aus, finito.

Nachdem ich die letzten Tage damit verbracht hatte, darüber nachzudenken, mit was ich diese denn nun gerade verbringe, begann ich irgendwann mit mir selbst zu sprechen. Und herum zu brüllen. Und den Berg von Aufgaben, der da vor mir lag, mit Hasstiraden und Fußtritten zu torpedieren. Aber es wurde immer nur noch mehr und knapper. Ich versank regelrecht in Dingen, die ich nicht einmal klar beschreiben konnte.

Klar, Burnout. Das hört man von Kollegen. Und Freunden. Wie sie jammern und anschließend zusammen klappen. Und du denkst dir nur: Alter, mach einfach mal ‘ne Woche Urlaub. Dann hat sich das auch wieder. Du hast dich eben ein wenig überarbeitet. Mit was auch immer. Reiß’ dich gefälligst zusammen und heul’ hier mal nicht so rum. Weichei. Doch so langsam konnte ich es nachvollziehen.

Alle wollten irgendetwas von mir. Antworten. Texte. PR-Mitteilungen. Designs. Videos. Fotos. Entscheidungen. Korrekturen. Am besten gleich mich als Person. Und egal wie viel ich in diesen Computer und eintippte und telefonierte und skypte, es hörte einfach nicht auf. Dazu kamen technische Schwierigkeiten und rechtliche Schwierigkeiten und menschliche Schwierigkeiten. Und dann nur noch Hass.

Ich wollte nur noch brüllen: “Fickt euch doch alle!”, aber das ging nicht, denn ich war selbst Schuld an alledem, ich wollte das ja alles, so irgendwie. Und die anderen konnten schließlich nichts dafür, dass ich mir selbst so viel aufhalste. Also machte ich weiter und mit jeder Mail, mit jedem abhakten Punkt kamen drei neue hinzu. Nein vier, nein fünf! Ahhhhhhhhhh…! Ich fand mich in einem Sumpf aus Aufgaben wieder.

Tief durchatmen, Ausgleiche suchen. Das war der Plan. Das macht man so. Partys. Ja. Mädchen. Genau. Alkohol, Drogen, Freunde, irgendwas, was mir diese ganze Last erträglicher macht. Aber es nütze alles nichts. Egal auf wie vielen Partys ich mich auch wie sehr verausgabte und egal wie viel Spaß ich mit wem hatte, sobald ich wieder vor meinem Computer saß und die Tonnen von Mitteilungen und Wünschen und Erwartungen in leuchtenden, rotumrandeten Zahlen sah, wollte ich meinen Kopf am liebsten direkt in einen der Bildschirme jagen.

Es war mir klar, dass es so nicht mehr weiter ging, als ich immer gereizter wurde. Und psychopatisch mit meinem Oberkörper vor und zurück wackelte. Andauernd. Mich ständig fragte, für was ich den ganzen Scheiß hier überhaupt mache, und ob es irgendwann ein Ende hat. Oder besser wird. Ob ich den Spaß an der Sache für immer verloren habe oder ob es nur eine temporäre Hirnpenetration ist.

Heute um 15:36 Uhr knallte ich meinen Kopf auf den Schreibtisch, schlug die Arme über dem Kopf zusammen und beließ es dabei. Für die nächste halbe Stunde. Ich wünschte mir nichts mehr, als dass das alles zusammen bricht. Der Laptop hat meine Seele gefressen. Ich wollte nur noch weg. Nach Schweden. Nach England. Auf eine einsame Insel irgendwo im Pazifik. Hauptsache woanders.

Eine Lösung habe ich für das Problem noch nicht gefunden. Und auch die Fachliteratur und Gespräche mit Freunden können mir nicht die Entscheidungen abnehmen, meine nächsten Schritte zu planen, um weder sinnlose Extremmaßnahmen zu treffen noch einfach aufzugeben und mich von diesem riesigen, pulsierenden Monster aus Bits und Bytes fressen zu lassen.

Wahrscheinlich ist das Ende des Jahres der perfekte Zeitpunkt dafür, es ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Urlaub machen. Kürzer treten. Womöglich ein wenig mehr Sport zu treiben. Mehr ist gut… überhaupt Sport zu treiben. Und mir darüber klar zu werden, was hier nicht in Ordnung ist. Mit mir. Oder mit der Welt da draußen. Den Kopf nicht auf den Tisch knallen. Das ist schon mal ein guter Anfang.

NA-KD

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20 Kommentare

  • Mach Urlaub. Facebook geht gerade eh nicht ;). Es ist Weihnachtszeit. Im Januar dann wieder. aber jetzt ist doch Zeit für Entspannung! Genieße Sie!

    (PS: Ich finde deine Artikel werden von der Schreibe wieder um längen besser! Kompliment!)

  • Fanni Briggl

    Da hat wohl einer heute meine Gedanken gelesen

  • le denique grinberg

    es geht wohl in die Richtung, marcel: http://www.youtube.com/watch?v=THWluTDhcks

    komm nach new york wenn du willst.
    kannst dich hier auf meinem Dach sonnen

  • asdfghj

    Du stehst doch auf deine Arbeit, oder? Ich stehe zumindest drauf. Und ich bin mir sicher, dass du das auch tust.
    Trotz allem, nimm dir das wonach du verlangst: Abstand. Sobald du dich nach Produktivität sehnst kommt auch der Rest von ganz alleine, ich spreche da aus Erfahrung ;)
    Weder die Flucht ins exzessive Nachtleben, noch das Verschwinden in die tiefsten Ecken deiner Selbst helfen da weiter, einzig das Verlassen der Milchstraße befreit….oder zumindest ein Tschüss zu deinem Büro/deiner Wohnung müsste reichen.
    Das wird schon :)

  • Hab da was für dich Marcel:

    http://www.studio-kg.com/ostrich/

    Ansonsten empfehle ich die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und Tai Chi.
    Wenn du es dir leisten kannst, hau bloss ab! In die Sonne, nach draußen, in die Natur
    Alles Gute!

  • asdfghj

    @Berd: Das ist schon geil, das Ding :D
    Gibts das auch in anderen Weltschmerzfarben?

  • hennek

    stell mal paar leute ein ;)

  • Kann mich dem mit dem Sport nur anschliessen! Das hilft wirklich, denn es schafft einen Ausgleich. Dampf ablassen und alles Andere vergessen. Seitdem ich wieder regelmässig kicken gehe, bin ich um Welten ausgeglichener :)

  • Ich kann das absolut nachvollziehen, geht mir gerade ähnlich, es fehlt einfach die Kraft weiterzumachen. Nimm Dir eine Auszeit, mach Dinge die Dir gut tun, bei mir ist das z.B. in die Sauna zu gehen, da bekomme ich den Kopf schön frei.

    Alle Gute!

  • sabrina

    ach, BurnOut ist doch Pseudo. Aktuelles Thema in einschlägigen Fachzeitschriften.
    Aber was auch immer dieser scheiß Seelentinnitus ist…kann es sowas von Nachvollziehen! Seit 3 Wochen sitzt der Datenstrom und alles was gemacht werden will und muss und sollte und könnte sowas von auf den Schultern, dass ich direkt nach dem Aufstehen jedem Menschen der mir in die Quere kommen mag mit Schiss-la-weng das Steißbein zertrümmern könnte.
    Nur um hinterher die Wand anzustarren, Gedankenachterbahn zu fahren und…naja, und so weiter. Innen und außen laut und leise zugleich.
    Aber wahrscheinlich liegt´s am Jahresende und mit den Raketen löst sich alles in Luft auf! Bestimmt -.-

  • Wenn ich das lese und dabei eine Serie gucke, will ich nach Berlin fahren und Dir ein bisschen Arbeit wegnehmen und es ein bisschen besser machen :/

  • m

    die gute nachricht: das war ganz sicher kein burnout. denn sonst wärst du kaum imstande gewesen diesen artikel zu schreiben. ich weiß wovon ich rede, denn es hat bei mir nach dem burnout wochen gedauert, bis ich nur einfachste aufgaben erledigen konnte.

    die schlechte: du bist überarbeitet und das ist auch nicht ohne. und wenn du so weiter machst, wirst du den unterschied leider merken. tritt lieber kürzer und suche dir erholung.

    burnout scheint sich so langsam als modekrankheit zu etablieren. quasi die hornbrille mit fensterglas der psychosen. das ist zum einen gut, weil endlich darüber gesprochen wird und der ernst der lage erkannt wurde. das schlechte: ebenso wie ADHS bei jedem zweiten kind, das einmal zu oft zappelt, diagnostiziert und medikanetös behandelt wird, glaubt bald jeder zweite deutsche an burnout zu leiden, wenn es mal zu stress kommt. das wiederrum führt irgendwann dazu, dass es immer schwerer wird einen echten burnout von starkem stress zu unterscheiden.

    ich will es nicht absprechen, dass die halbe stunde auf dem tisch unangenehm war. tatsächlich fing es bei mir genauso an, bevor es zum “richtigen” burnout kam. deswegen weiß ich, dass eine auszeit zu dem zeitpunkt das beste ist. bevor es zuspät ist.

  • ich

    Alter, mach einfach mal “˜ne Woche Urlaub. Dann hat sich das auch wieder. Du hast dich eben ein wenig überarbeitet. Mit was auch immer. Reiß' dich gefälligst zusammen und heul' hier mal nicht so rum. Weichei.

  • Sigi

    wow, das klingt echt als ob ich es geschrieben habe – genauso einen tag hatte ich heute auch… aber auf jeden fall muss man für sich einen weg finden um seine batterien aufzuladen bevor sie so leer sind. ist nicht so einfach.. aber sport ist auf jeden gut. und gutes essen. und nichtstun.
    :)

  • mc fat

    mrci du brauchst ma bissl drum n bass… weest ja wo du uns findest!!! denken an dich!

  • hermine

    in der öffentlichkeit wegen kleinigkeiten rumheulen
    ehrenloses weichei

  • LabaNich

    Das passiert wohl, wenn Leute tun was sie lieben.
    Wenn die eigene Wunschvorstellung mit der hammerharten Realität zusammentreffen…”Erwartungen und Mühe” runterschrauben sagt man dann schnell – aber wie soll das gehen, wenn man doch so begeistert von der Wunschvorstellung und dem Idealbild ist.

    Kopf hoch! Ausruhen! Langsam weitermachen!
    Denn wir lesen das hier gerne!

  • Ronny

    Es gibt kein Burnout es gibt nur schlechte Arbeit. Also, schließe deinen Blog und mache endlich mal was vernünftiges und eventuell mal was richtig.

  • qwertzui

    Wenn’s in der Nähe ne Boxhalle gibt: Hingehen. Ich mach es seit 2 Jahren und lasse jeden zweiten Tag abends so richtig Dampf ab.
    Außerdem, du hast doch grade noch zu den Leuten gesagt, dass sie Weicheier sind und nicht so viel rumnörgeln sollen? Nicht rumnörgeln, einfach ein Ticket nach Schweden/England/einsame Insel irgendwo im Pazifik bestellen und ab geht die Post.
    Oder weiter im Meer aus Arbeit versinken, da kannst du dich auch einfach von Inuits zum Sterben in den Schnee schicken lassen.

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