Forever Alone - Facebook hasst mich

Es ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal, dass es passiert. Mail öffnen, Facebook lesen, Account gesperrt. In einem ganz höflichen Ton wird das einem mitgeteilt, so,…
Forever Alone

Facebook hasst mich

Es ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal, dass es passiert. Mail öffnen, Facebook lesen, Account gesperrt. In einem ganz höflichen Ton wird das einem mitgeteilt, so, als wäre heute einfach der Tag dafür gewesen. Dir wird ab sofort der Zugriff auf dein Profil, deine Seiten, deine Freunde verwehrt. Aber hey… wir sind nur das Technikteam, der Botschafter. Also laber uns nicht voll.

Was mich an der Sache wütend macht, ist nicht, dass es passiert, sondern wie es passiert. Irgendwer muss schließlich irgendetwas, dass ich auf Facebook unternahm, für nicht akzeptabel gehalten und so auf einen dafür vorgesehen Button geklickt haben. Weil er mich hasst. Oder der Kammerfeger einer christlichen Einrichtung ist. Oder den Witz nicht verstanden hat.

Ein Administrator hat anschließend meine Tat für so grausam, schrecklich, widerlich eingestuft, dass er es nicht einmal für nötig hielt, mir eine Verwarnung zu schicken. War es ein Foto, ein Text, ein Like? Beleidigte ich jemanden, schrieb seiner Schwester subjektiv unseriöse Dinge, hatte ich einfach die falsche Spracheinstellung? Oder glaubten sie, mein Name wäre einem Fantasiemärchen entsprungen?

Selbst in den unzivilisiertesten Gruppierungen und den zweifelhaftesten Rechtsfällen wird einem zumindest noch mitgeteilt, was man besser hätte nicht machen sollen. Um kurz danach natürlich trotzdem seinen Kopf zu verlieren. Oder andere irgendwie wichtige Körperteile. Bei Facebook allerdings wird man vor vollendete Tatsachen gestellt. Keine Anklage, kein Richter, kein Verfahren. Nur ein Urteil.

Nach meiner ersten Sperrung habe ich penibel genau darauf geachtet, mich an die Spielregeln zu halten. Wirklich. Entblößte Brüste oder primäre Geschlechtsteile? Forget it. Sogar die Vorschaubilder bei etwaigen AMY&PINK-Artikeln haben wir technisch umständlich mit schwarzen Balken versehen – um auch wirklich auf der sicheren Seite zu stehen. Was mich dieses Mal noch wütender macht.

Es wäre ja nicht so schlimm. Hey. Freunde kann ich auch über Skype oder Handy kontaktieren. Oder ihnen mal wieder einen Brief schreiben. Wie schön es hier doch ist. Am anderen Ende von Berlin. Netzwerken kann man schließlich genauso gut über Google+. Oder Xing. Oder… irgendwas mit VZ. (Pause für betretenes Schweigen einfügen.) Okay, das war alles mehr oder minder gelogen.

Aber so ein Account ist schließlich nicht nur für Partys, lustige Sprüche und Anstupsen da. Sondern in erster Regel zum Arbeiten. Jedenfalls für mich. Wird einem also ohne Verwarnung der Zugriff auf das größte Netzwerk der Welt verwehrt, ist das mit einem Sturmkommando gleichzusetzen, dass einem das halbe Büro ausräumt. Und dann noch auf den zurück gebliebenen Tisch kackt.

Schließlich ist man so weder im Stande, seine Seiten mit neuen Links und Informationen zu füllen noch Geschäftskontakte, interne Gruppen oder kommende Events zu pflegen. Damit gehen einem zukünftige Deals, wichtige Leser und administratorische Rechte verloren, die essenziell für ein gut laufendes Business sind. Und die man heutzutage als selbstverständlich betrachtet.

Nun sitze ich also hier vor meinem Mailprogramm, werde die nächsten drei bis neun Wochen auf eine vernünftige Antwort von Facebook warten und bete derweil fast schon obsessiv dafür, dass der Praktikant, der mir das angetan hat, in der Bithölle schmoren wird. Und was lernen wir als Nutzer daraus? Womöglich sollte man sich nicht, weder privat noch beruflich, allzu sehr auf eine Webseite verlassen, deren Richtsystem genauso unvorhersehbar ist, wie der Berghain-Türsteher mit Besuchern. Oder ich mit schlechten Vergleichen.

Strellson

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Forever 21

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

27 Kommentare

Tally Weijl