Zelda vs. Skyrim - Wem schenke ich meine Lebenszeit?

An das letzte Rollenspiel, das ich wirklich mit Hingabe und Tiefe gespielt habe, kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Es ist lange her. “Chrono Trigger” vielleicht. Oder “Final…
Zelda vs. Skyrim

Wem schenke ich meine Lebenszeit?

An das letzte Rollenspiel, das ich wirklich mit Hingabe und Tiefe gespielt habe, kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Es ist lange her. “Chrono Trigger” vielleicht. Oder “Final Fantasy 9”. Oder eben “Pokémon”. Jeden einzelnen Winkel durchforstete ich, immer und immer wieder. Um auch das letzte Geheimnis aus diesen Spielen zu quetschen. Und wenn es möglich war, noch viel, viel mehr.

Durch alles, was danach kam, hetzte ich mehr oder minder nur noch durch. Schnell von einem Dorf ins nächste, Quest hier, Quest da, jaja, Endgegner, fertig. Noch mal mit dem ganzen Equipment von vorne beginnen? Neue Höhlen und Add-ons erforschen? Zusätzliche Charaktere freischalten? Fuck you, ich hab echt Besseres zu tun. Also… nicht wirklich, aber nein danke.

An manchen Tagen möchte ich heulen, kreischen, verzweifeln, wie ich es damals geschafft habe, mich so großartig in Spielen zu verlieren und keine Sekunde meiner weggeworfenen Lebenszeit zu bereuen, die ich besser in Fitnessstudios, Partyorgien und Mädchenaufreissen hätte investieren können. Weil sie meinen Charakter formten und mir die Möglichkeit gegeben haben, die Welt besser zu verstehen.

Zur Vorweihnachtszeit prasseln wieder so viele gute Games auf uns ein, dass sich jeder von uns am liebsten klonen würde. “Call of Duty: Modern Warfare 3”, “Batman: Arkham City”, “Rayman Origins”. Wir alle sind auf der Jagd nach diesem Gefühl, das wir hatten, als wir jünger waren. Diese scheiß kleine Box in den Händen halten, beim Nachhausefahren schon mal die Spielanleitung durchgeblättert, wow und das hier und dort geh ich hin und mit dem werde ich spielen und überhaupt. What time is it? Adventure time!

Während sich all die kleinen Kiddies in fiktiven Kriegen die Birnen wegballern oder mit schnöseligen Superhelden dunkle Städte unsicher machen, leuchten vor mir zwei riesige, goldene Tore auf, die die Pforten zu zwei monumentalen Welten voller neuer Freunde, Entdeckungen und Kämpfe sind. “The Legend of Zelda – Skyward Sword” und “The Elder Scrolls V: Skyrim“. Der Wahnsinn.

Beide Spiele sind ungefähr gleich gut, haben bei Destructoid und IGN Höchstpunktzahlen abgeräumt und halten ohne Ausnahme ALLES, was sie versprechen. Optik, Tiefe, Dauer, Steuerung, Präsentation, überhöhter Nerdfaktor. Alles dabei, was den Videospielsüchtigen aus einer längst vergangenen Zeit unendliche Freude bereitet. Theoretisch. Aber als viel beschäftigter Idiot muss man sich eben für eines entscheiden.

Ich liebe “Zelda”. Wirklich. “A Link to the Past”, “Link’s Awakening”, “Ocarina of Time”, “Majora’s Mask” und ja, sogar “Wind Waker” waren allesamt Games, für die ich gestorben wäre. Wenn sie mich in einer Dialogbox dazu aufgefordert hätten. Durch “Twilight Princess” bin ich dann schon nur noch wie ein Wilder durchgerannt. Und genau das ist der Punkt, warum ich mich in dieser epischen Schlacht dagegen entschieden habe, noch einmal Link zu sein. Ich war es schon zu oft, mein Herz schreit nach neuen Abenteuern.

Die bisherigen Teile von “The Elder Scrolls” gingen mir eigentlich am Arsch vorbei und sollen auch nicht so gut sein. Habe ich gehört. Aber der Hype hat mich so dermaßen angesteckt, dass ich es kaum erwarten kann, mich selbst durch diese liebevolle Eislandschaft zu schlagen. Mit einem Pferd, das lässig der Schwerkraft trotzt und Drachen, die so fett und bombastisch sind, dass ich sie betatschen möchte.

Aber das ausschlaggebende, zugegeben etwas creepy Hauptargument, warum ich “Skyrim” dem neuen “Zelda” vorziehe, ist der folgende. Warum habe ich damals “Super Mario World” gespielt? Weil es meine Freunde gespielt haben. Warum habe ich “Pokémon” gespielt? Weil es meine Freunde gespielt haben. Warum habe ich mit “World of Warcraft” angefangen? You get the point.

Nicht etwa, weil ich so ein Mitläufer bin (jedenfalls nicht bei diesem Thema), sondern weil ich den Gedanken liebe, dass Menschen, die ich mag, kenne oder irgendwie knorke finde, genau das selbe Abenteuer durchstreifen wie ich. An genau denselben Gegnern verzweifeln, andere Lösungswege und Geheimnisse entdecken, sich ebenfalls in diese Welt verknallen.

Mit ihnen kann ich mich messen und austauschen. Erfolge und Niederlagen besprechen, es zusammen und doch alleine schaffen. Das ist auch der Grund, warum ich damals lieber Filme im Fernsehen geguckt habe, als auf DVD. Weil es einem ein Gemeinschaftsgefühl gibt, von dem man eigentlich dachte, man hätte es schon längst verloren. Irgendwann in seiner frühen Jugend.

Während ich also gerade wie der letzte Ubernerd Windows auf meinem Mac installiere (was schon einiges heißen mag) und “Skyrim” per Steam herunterladen werde, freue mich ich mich wie ein kleiner Mongo auf die nächsten Wochen, in denen ich immer fetter und behaarter werde, weil mich die Gebirge von Tamriel verschlingen und im Frühjahr als pickeliger Pseudo-Wikinger wieder ausspucken werden.

Also eine dicke Entschuldigung an meine frühere Lieblings-Prinzessin Zelda, vielleicht rette ich dich ja nächstes Mal wieder, und ein noch dickeres Hallo an die Rückkehr meiner mehr als eingestaubten Rollenspielliebe. Sollte allerdings selbst “Skyrim” diese nicht wieder wecken können, gebe ich mich geschlagen und zocke zum Trotz nur noch “Solitair”. Für immer.

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18 Kommentare

s.Oliver