Jedenfalls im Fernsehen - Mein Leben auf der High School

Dass wir Deutschen ungefähr dreißig Zillion mal mehr über die Bräuche, die Kultur und die Historie der Amerikaner wissen, als andersherum, ist klar. Unsere Geschichtsbücher sind prall gefüllt mit Fakten…
Jedenfalls im Fernsehen

Mein Leben auf der High School

Dass wir Deutschen ungefähr dreißig Zillion mal mehr über die Bräuche, die Kultur und die Historie der Amerikaner wissen, als andersherum, ist klar. Unsere Geschichtsbücher sind prall gefüllt mit Fakten über die Entdeckung des Landes, den Unabhängigkeitskrieg, die wirtschaftliche Relevanz. Jedes kleine Kind lernt heute, dass Christoph Kolumbus eigentlich einen kurzen Seeweg nach Indien suchte und nur zufällig auf das fette Etwas im Weg stieß. Oder sie klugscheißern dann, dass irgendein Wikinger ja schon viel früher da war. Wer Deutschland entdeckt hat? Irgendwelche Barbaren? Keine Ahnung.

Tag für Tag werden wir mit Nachrichten über Barack Obama oder die demonstrierenden 99 Prozent zugebombt. Wir gucken Ami-Sitcoms mit Ami-Familien in Ami-Städten, die Ami-Geschichten erleben. “King of Queens”, “Modern Family”, “Die wilden 70er”. Und klar, es ist gerade total in, die Nation der Fetten und Kriegswütigen zu bashen, aber manchmal, Leute, manchmal bin ich scheiße neidisch darauf, nicht auch in ihre Mitte geboren worden zu sein. Besonders wegen dem Schulsystem.

Nicht etwa, weil es so gut ausbalanciert und durchdacht ist oder seinen Absolventen eine goldene Zukunft geschenkt wird. Sondern einzig und allein, weil es so bunt und vielfältig ist. Jedenfalls im Fernsehen. Während ich jahrelang um halb 7 morgens bei kompletter Dunkelheit aufstehen musste, mich anschließend durch acht Stunden Mathe, Deutsch, Englisch und andere Perversitäten schleppte und am Nachmittag froh war, wenn ich es noch auf unsere Couch oder die Schwester meines Kumpels schaffte, sind amerikanische High Schools und Colleges vollgestopft mit Möglichkeiten und Abwechslung. Jedenfalls im Fernsehen.

Bevor man mit dem gelben Bus bei Sonnenschein zur Schule fährt, gibt man sich erst einmal mit der ganzen Familie ein vollwertiges Frühstück, das ausschließlich aus Bacon, Grapefruit und magischen Cornflakes besteht. Im Bildungszentrum angekommen, reiht man sich dann in die Gruppierung ein, die einem von cooleren Mitschülern vorgegeben wurde.

Wenn du großes Glück hast, bist du ein Football-Spieler, ein Cheerleader oder der Typ mit der Lederjacke. Wenn du Pech hast, bist du ein Loser, ein Emo oder das Pickelgesicht. Wenn du eigentlich schon vor Jahren bei einem Amoklauf draufgegangen bist, es aber nur noch nicht weißt, dann bist du normal. Aber das kommt selten vor. Jedenfalls im Fernsehen.

In unserer Schule gab es außerhalb der regulären, selbstmordfördernden Lehrstunden exakt zwei Freizeitaktivitäten. Einen Theaterkurs, in den es jedes Jahr drei – sagen wir mal – außergewöhnliche Kinder verschlug und von denen man nach der ersten großen Pause nie wieder etwas hörte. Und das Schulklo im dritten Stock. Für das genau dasselbe galt.

Was für ein erfüllteres Leben ich doch geführt hätte, wenn ich mich zwischen all den Kursen und Sportarten und Programmen entscheiden hätte können, die High Schools in Übersee so anbieten. Morgens die Mädels auf dem Sportplatz von der Bühne aus beobachten, wie sie in farbenfrohen Kostümen irgendwelche Buchstabenkombinationen und Tiernamen durch die Gegend brüllen. Ich winke ihnen bescheuert zu. Eine davon ist sicherlich meine Freundin. Wenn auch nur kurz vor’m Einschlafen.

Danach hüpfe ich zu meinem mit Fotos und lustigen Dingen gefüllten Schließfach, oh, heute ist ja noch das Treffen der Schülerzeitung (einer coolen natürlich, nicht einer, die kein Schwein liest), danach Essensschlacht in der Cafeteria (wie jeden Tag um ein Uhr) und anschließend Debattierclub. Oder Baseballtraining. Oder wir singen alle dumm wie bei “Glee” durch die Gegend, was weiß ich. Hauptsache kein RTL.

Ich habe zwei beste Freunde. Einen witzigen Geek (vorwiegend schwarz) mit großer Brille und Giraffen auf der Hose. Er brennt mir die besten Pornos auf CD und weiß, wie man die Noten im Schulcomputer hackt. Und eine schlagfertige Olle mit putziger Nase und roten Haaren, die seit jeher meine Nachbarin ist und die ich auf dem Abschlussball (Folge 163) zum ersten Mal mit Zunge küssen werde.

Natürlich basiert meine perverse Vorstellung dieser Parallelwelt einzig und allein auf jahrelangem Fernsehmissbrauch, gilt keinesfalls für staatliche Einrichtungen in New York City und wird womöglich nur in von Disney gebauten Vorstädten einigermaßen wirklich existieren, aber alles, was dieser Fantasie auch nur irgendwie nahe kommt, dürfte um ein Vielfaches besser sein als das, was hiesige Schüler in Deutschland tagtäglich über sich ergehen lassen müssen. Für gefühlte Ewigkeiten.

Wenn ich also Glück habe und nicht als Mastvieh oder der Sohn von Boris Becker wieder geboren werde, dann habe ich nur einen Wunsch: Bitte bitte, lieber Gott, gib mir eine Chance, all diese tollen Abenteuer selbst zu erleben und lass mich direkt vor einer niedlichen High School in den Vereinigten Staaten aufwachsen. Oder in einer Sitcom. Hauptsache kein RTL.

Guess

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20 Kommentare

  • Jil

    denke jetzt nur noch an frühstück mit grapefruit und bacon…. sowas darfst du nicht sonntags posten, wenn ich es nicht kaufen kann!

  • Hugo

    Ich war in Amerika über 1 1/2 Jahre. Wenn man glaubt, dass die Medien ein falsches Bild über Amerika vermitteln dann stimmt das. Sie karikieren nicht stark genug. Alles ist noch extremer, noch zugespitzer als einen American Pie etc. glauben lassen. Alles wirkte wie im FIlm doch High School Musical scheint im nachhinein viel mehr wie eine Abschwächung der Tatsachen…

  • Jana Friedrich

    Hast mein Frühstück versüßt. Danke dafür. :)

  • …

    wow, genau diesen wunsch hatte ich auch manchmal, aber ich wette die realität zerstört die tolle traumwelt, wenn man erst einmal dort ist.

  • Anna

    passt hervorragend zu den pancakes am sonntagmorgen/-mittag!

  • Marci Marcel Rich

    gut das wir in kiel verkaufsoffenen sonntag haben. :)

  • Frau Kratzeis

    sinnlosester artikel ever

  • Das Miau

    Wieso Amerika??? Bist du verrückt Marcel???? WIE KOMMST DU AUF DIE HIGH SCHOOLS IN AMERIKA? Wo mehrere Schulen noch unterrichten, dass Gott der Schöpfer ist und sie Darwin mit Füßen treten. Wo die einfach mal tierisch dumm sind…

    WIE KANNST DU NUR, wo ich doch weiß, dass du auch auf Animes stehst, AMERIKA BEVORZUGEN??? Denk doch an die süßen japanischen Schuluniformen, die ganzen AG’s, die sie in Japan haben, die Freundlichkeit dort… einfach die Bildung. Die Vielfalt. Die wahnsinns Technik. Die Kirschblüten. Die Bentoboxen. UND ANIME! UND MANGA!

    JAPAN!!! <3

  • Amerikanische Privatschulen sind teilweise wirklich wirklich gut. Die öffentlichen Einrichtungen sind eher unterdurchschnittlich, was schon bei der Bezahlung der Lehrer beginnt. Die Highschools aus den Filmen sind aber nicht stets identisch, obgleich ich vor der Einschulung immer dachte, es gäbe hier auch Forschungswettbewerbe und Modellvulkane, die man dann bauen kann. Mit der deutschen Schule wurde ich dann aber auch nicht glücklicher; dieses System hier ist auch sehr marode, wer nicht anpassungsfähig ist, verliert. Die Evolutionstheorie ist hier mehr als Unterrichtsstoff.

  • Massimiliano

    MANN exakt gleiches kopfkino, nur das es bei mir poptarts zum frühstück gibt!

  • Matt

    Hugo, gib mal ein paar Beispiele! Will ein Auslandssemester in USA einwerfen ;)

  • cottoncandy

    omg sei froh, dass du nicht in den usa zur schule gegangen bist, sonst würdest du wohl nicht versuchen hier einen artikel zu schreiben oder dich überhaupt für blogs wie amypink.com interessieren.
    jeden tag die gleichen stunden drei monate lang? sehr abwechslungsreich!
    zwischen den stunden 5 minuten pause um zum spint zu rennen, andere bücher zu holen und zum anderen klassenraum zu rennen. bis 12 uhr hungern, weil dann gibts erst lunch! und um 12 muss man auch rennen, sonst kriegt man kein sitzplatz mehr beim lunch!
    in jeder geschichtsstunde aufzustehen und zu sagen, dass man stolz ist, amerikaner zu sein.
    ich weiß ja nicht, ich bin ziemlich froh, dass ich mein abi in deutschland gemacht hab!

  • @cottoncandy und du warst genau wann an einer amerikanischen schule, an der du das alles so feststellen konntest?

  • cottoncandy

    2009 für ein jahr lang

  • DuEtwaAuch?

    Ironie? Oder so? Ich bin echt verwirrt, schließlich dachte ich, dass man ab dem Alter von 14 Jahren langsam checkt dass das Leben nicht immer wie bei High school musical abläuft, nicht einmal im Land der fetten auf den Mensatischen tanzenden Jugendlichen…

  • Freigesit XXIII

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich vom Anfang des Artikels bis zum Ende bitter durchkämpfen musste, da bereits nach der Hälfte sämtliche Motivation weiterzulesen verflogen war. Wäre der Titel nicht gewesen, hätte ich womöglich einen verachtenden Kommentar hinterlassen, in dem ich die Naivität des Autors bepöbelt hätte. Aber ich hab auf einer deutschen Schule gelernt, dass voreingenommene Meinungen schlicht und ergreifend stümperhaft sind.
    An diese stelle möchte ich allen ganz dringen aufs Auge drücken, dass das Leben, welches in Serien und Filmen dargestellt wird, nur in allerseltensten Fällen der Realität entspricht. Um Zuschauer zu begeistern, deren Niveau meist einem faul herumliegenden Stein gleicht, werden die Geschichten selbstverständlich mit zahllosen Stilmitteln und fesselnden Dramen vollgestopft. Eine amerikanische Schule, ganz egal wo auf diesem riesigen Stück Land mit ihren 300 Millionen Einwohnern, ist genauso scheiße und langweilig wie jede andere Schule und trägt höchstens nur noch mehr zur geistigen Degeneration bei, indem es die falschen Werte und ein maßlos eingeschränktes Weltbild vermittelt. Wenn sich jemand in seinem eintönig scheinenden Leben langweilt und sich wünscht an eine amerikanische Schule zu gehen, weil es im Fernsehen so interessant ist, den muss ich leider böse enttäuschen und gleichzeitig damit trösten, dass man froh sein kann eine deutsche Schule besucht zu haben, denn nur sehr wenige Länder in der Welt nehmen so viel Rücksicht auf die freie Entfaltung des Individuums.
    Mein Rat: weniger fernsehen, mehr Bücher lesen!

Farfetch