Paradigmenwechsel Wachstum - Unser Kampf für eine falsche Zukunft

Jeden Tag begegnen wir ihnen wieder. Hart arbeitenden Menschen, die sich knechten lassen, die ihrem Weg nachgehen, die studieren, lernen, die sich streiten, die jeden Tag wieder aufstehen, nur um…
Paradigmenwechsel Wachstum

Unser Kampf für eine falsche Zukunft

Jeden Tag begegnen wir ihnen wieder. Hart arbeitenden Menschen, die sich knechten lassen, die ihrem Weg nachgehen, die studieren, lernen, die sich streiten, die jeden Tag wieder aufstehen, nur um eine Ohrfeige zu kassieren und sich nicht einmal darüber beschweren, dass es so ist. Es ist einfach so, und nichts wird jemals etwas daran ändern.

Der Konsens “Wer erfolgreich sein will, muss etwas dafür tun!” wird uns allen schon von kleinauf imprägniert, ohne je die Frage zu beantworten, warum wir eigentlich erfolgreich sein müssen oder wer das bewertet. Also arbeiten wir, also versuchen wir uns vom Durchschnitt zu differenzieren und ein Momentum zu erfassen, welches uns an den Thron des Erfolgs katapultiert.

Manche werden traurigerweise wie in “Death of a Salesman” enden. Immer auf der Suche nach dem finanziellen und wirtschaftlichen Erfolg, der sie bestätigt. Wir Teenager und junge Erwachsene haben aus der Zeit unserer Eltern gelernt, dass diese Bestätigung nicht ausschließlich über ein Reihenhaus oder ein Auto kommt, sondern dass Liebe und Ehrlichkeit meistens einen erheblichen Teil des persönlichen “Erfolgs” ausmachen können. Doch leider gilt damals wie heute: Das Ansehen im öffentlichen Raum steigt, wenn man sich durchboxen konnte. Und auch jetzt zählt noch: Liebe kann keine Existenzen sichern, außer man wird von jemandem geliebt, der reich ist.

Und so kämpfen und arbeiten wir Tag für Tag weiter. Die gelegentlichen Dellen der Revolutionen in den Nachrichten oder Bewegungen wie Occupy Wall Street mögen uns zwar daran erinnern, dass wir ungerecht behandelt werden von denen, die es, wie auch immer, einst geschafft haben, sich zu den 1% zu machen, die unsere Welt regieren. Aber eigentlich wird uns nur umso mehr vor Augen geführt, dass wir es nicht sind.

Und während wir noch unseren Geliebten ins Ohr flüstern, dass wir auf jeden Fall dafür sorgen müssen, dass unsere menschliche Nachwelt sich nicht mehr bekriegt und wir alle in Gleichheit leben können, kommen wir erst zum Orgasmus, wenn sich in unserem Kopf abzeichnet, wie WIR es sind, die das Geld und das Haus und das Ansehen in der Hand haben. Wir wollen den Fame, den wir an anderen kritisieren. Wir wollen Wachstum für alle, weil wir selbst davon profitieren würden, und wir wollen das Scheitern derer, die dieses Wachstum unterdrücken, weil sie unser Leid nicht verstehen.

Doch was, wenn sie es verstehen? Was, wenn sie einst wie wir waren, und sich ihre Prestigeposition erkämpft haben? Befinden wir uns in einem moralischen Zwiespalt, einer unlösbaren Falle, die uns zu naiven Idealisten macht, während wir nichts haben, und dann zu selbstgefälligen Tyrannen formt, wenn wir das, was wir uns erkämpft haben, nicht abgeben möchten?

In der letzten Ausgabe der Zeit (übrigens habe ich mein Messerset immer noch nicht bekommen, ich habe mir extra keine Messer gekauft für meine neue Wohnung und schneide derzeit Gemüse hauptsächlich mit der Schere, nur dass wir das hier noch mal klar gestellt haben) gab es einen Leitartikel von Bernd Ulrich zum Thema Wachstum und diesem allgemeingültigen Ansporn-Satz der Nachkriegszeit: Wir wollen, dass es unseren Kindern besser geht als uns.

Der Autor wirft hier aber die wohl spannendeste Frage auf, die man an diesem Punkt unserer Gesellschaft stellen kann: Warum? Warum wollen wir, dass es unseren Kindern besser geht? Es geht ihnen schon verdammt gut. Uns geht es verdammt gut. Wir werden geliebt, wir besitzen, wir haben Chancen, so viele wie noch nie. Wir haben die absolute Entscheidungsfreiheit über das, was wir machen und wollen.

Das wirtschaftliche Wachstum kommt nämlich zum Preis vieler Dinge, wie wir immer und immer wieder feststellen müssen. Wir haben Schulden bei der Natur, bei den Banken, und am meisten schulden wir, das heisst womöglich fast alle Bewohner der westlichen Welt, der sogenannten dritten Welt ein Leben wie unser jetziges.

Dieser Artikel hat mir die wohl nachhaltigste Gedankengänsehaut meines Lebens eingebracht. Ist es nicht Zeit, einen Schritt zurück zu machen – und ich meine nicht unbedingt, “hört auf zu arbeiten”, sondern tretet zurück von dem Bild, was wir von unserer Welt gemalt haben und lasst uns überlegen, ob nicht vielleicht “kein Wachstum” besser wäre als “mehr Wachstum”.

Vielleicht ist es Zeit für einen Paradigmenwechsel in unserem Denken. Wir wollen überhaupt nicht mehr produzieren, wenn wir den ganzen Tag sowieso nur wegschmeissen. Wir wollen gar nicht mehr arbeiten, wenn wir mit dem verdienten Geld nur ein fehlerhaftes System ankurbeln. Wir wollen nicht noch mehr Last auf unseren Schultern häufen, sondern anfangen, abzutragen.

Womöglich wäre es tatsächlich an der Zeit diese Perspektive als Normativ zu betrachten und zu sagen: Ich hoffe, meine Kinder werden weniger als ich haben. Weniger Konsum, weniger Wirtschaft, weniger Geld. Dafür mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

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10 Kommentare

  • Ja! Mit Ausrufezeichen!! Danke für den Text.

  • mal wieder treffend auf den punkt gebracht. ich hab den ZEIT artikel auch gelesen und kann ihn euch allen nur ans herz legen. danke sara für die inspirierenden worte.

    http://www.zeit.de/2011/43/01-Schuldenkrise

  • also eigentlich

    Oje, Wohlstandskinder möchten nichts mehr von Wirtschaftswachstum wissen. Werden selbstgefällig in einer Welt, die wie selbstverständlich so zu sein scheint, wie sie heute ist. Machen sich Gedanken dazu, dass das klassische Streben nach wirtschaftlichem Erfolg doch nicht alles sein kann. Im Endeffekt die immer gleiche Kritik am Kapitalismus.

    Und teilweise gebe ich dir auch recht. Das Leben ist soviel mehr, als das Streben nach immer mehr Materiellem. Vor allem ist das Leben schöner und glücklicher, als viele es empfinden. Und das ist schade. Denn eigentlich müssten wir heutzutage viel glücklicher sein, als vorhergehende Generationen.

    Viele vergessen leider bei all den Diskussionen, dass gerade dieses Streben, Deutschland zu der Wohlstandsgesellschaft gemacht hat, die sie heute ist (und die ist sie. Wer das nicht glaubt, dem sei ein Urlaub in einem Entwicklungs- oder Schwellenland empfohlen).

    Warum das Wachstumsdenken des Kapitalismus gut ist? Weil sie am Ende für mehr Wohlstand sorgt. Glaubt man nicht mehr, ist aber so. Was unsere Eltern und Großeltern z. B. mit den Jahren des Wirtschaftswunders nach dem zweiten Weltkrieg geschafft haben, war vor allem getrieben vom Streben nach mehr. Dieses kapitalistische Denken hat die gesellschaftliche Entwicklung seit der Industrialisierung beschleunigt wie noch nie in der Menschheitsgeschichte und zwar weltweit (natürlich nur dort, wo der Kapitalismus gelebt wird).

    Dazu gibt es einen nachwievor exzellenten Artikel hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/verteidigung_des_kapitalismus1/ Lesen lohnt sich, weil einfach mal wiedergegeben wird, was uns der Kapitalismus gebracht hat (so Dinge wie Wohlstand, Arbeitsplätze, Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung, Freiheit). Und weil dort leider auch der Grund genannt wird, warum die Menschen nichtsdestotrotz tendenziell unzufrieden sind.

  • nico

    also eigentlich hast dus nicht verstanden. Du kritisiert den Text mit den im Text kritisierten Denkmodellen. Wohlstand, Fortschritt – das ist eine Erklärung der Welt, die dieser Text infrage stellt.

  • Den Zweck des allgemeinen Fortschritts – wie auch immer er geartet sei und auf welchen Gebieten er sichtbar werden möge – vornehmlich in der Begünstigung kommender Generationen zu sehen, ist eine zu einseitig gefasste Betrachtung sowohl des Artikels Herrn Ulrichs als auch dieser Antwort. Es gibt vielfältige Gründe, warum der einzelne, die Menschheit – oder abstrakter gefasst: ein multilaterales System und seine Seiten – den Fortschritt umarmen und Stillstand oder gar Regression verabscheuen soll. Jede Wissenschaft kennt genuine Konzepte, die dies untermauern; doch vielleicht ist es am zweckmäßigsten, die Sichtweisen der integralen Teilhaberdisziplinen zu veranschaulichen: Biologie und Mathematik.

    Bei den Biologen wird schnell von Evolution gesprochen, wenn es um Fortschritt geht. Das Warum wird jedoch leider nicht so ausführlich geklärt wie das Wie, eine Theorie ist allerdings die Red-Queen-Hypothese nach Van Valen: Fortschritt erhält den Status Quo. Arten, die sich innerhalb ihrer ökologischen Nische behaupten wollen, müssen sich stets neu an Selektionsfaktoren gewöhnen, die nicht zuletzt durch andere Arten geschaffen werden. Wenn alle Akteure sich gleich schnell entwickeln, bleibt das Verhältnis ausgewogen; wer einmal auf der Strecke bleibt, wird nicht wieder aufholen können.

    Die Mathematiker beschreiben solche systemdynamischen Konzepte gern mit Gesetzen der Spieltheorie. Eine der bekanntesten Werkzeuge ist das Nash-Gleichgewicht, das die Handlungsoptionen des Einzelnen in Verhältnis zu denen der Gruppe setzt. Kurz: Wenn einer vorprescht, müssen alle anderen hinterher. Fortschritt wird so zum gemeinschaftlich getragenen Produkt des anhaltenden Wettbewerbs.

    Beide Ansätze tragen ähnliche Gedanken und zeigen in ihrer abstrahierten Form, daß die Abkehr vom Fortschritt idiotisch und vielleicht auch unmöglich wäre. Fortschritt als Wettbewerbsfaktor ist demnach ein Motor, der abseits jeder romantischen Verklärung wie im zitierten Artikel (den ich übrigens alles andere als sinnhaltig und ernstzunehmen fand) existiert. Ihn also auf das Motiv der Generationenpflege zu minimieren, ist schnulzig und weltfremd. (Aber das laste ich dir nicht an, das geht an Ulrichs Adresse.)

  • chriz

    Danke an den Vorredner. Prinzipiell sehe ich das ähnlich, auch wenn ich das Ganze nicht so schön mit mathematischen bzw. biologischen Fallbeispielen hätte untermauern können. Fortschritt ist wichtig und irgendwo auch die Basis der modernen Gesellschaft. Ohne Fortschritt wären wir nicht da wo wir sind und könnten uns jetzt nicht darüber beschweren, wo wir sind. Die Schattenseite ist allerdings, dass es dabei leider immer Verlierer gab und geben wird. Ob dies nun Entwicklungsländer oder periphere Gebiete in Brandenburg sind, sei mal dahingestellt. Unsere Aufgabe als (vermeintlich) soziale, momentan im Prozess der multilateralen Globalisierung befindliche Gesellschaft ist es eher , diese “Verlierer” zu unterstützen und ihren Fall zu federn. Der Status Quo ist bei Weitem nicht perfekt, sollte aber von denkenden Menschen (u.a. durch das durch Fortschritt generierte Wissen) dazu genutzt werden, die globale Situation zu verbessern. Auch das kann ziemlich daneben gehen, wie man am Beispiel der Entwicklungshilfe bzw. -zusammenarbeit der letzten 30 Jahre sieht. Dass die Gesellschaft ohne Fortschritt und Entwicklung allerdings eine gänzlich Bessere wäre, würde ich nicht sagen.

  • Wachstum ist zum Selbstzweck geworden und das ist genau das Problem! Es geht doch schon lange nicht mehr darum, irgendwie über die Runden zu kommen, oder Urlaub in der Südsee zu verbringen. Stattdessen hämmern uns Marketingabteilungen tagtäglich aufs Neue ein, was wir brauchen, um uns gut zu fühlen: Überteuerte Kosmetikprodukte, Markenklamotten, das neuste iPhone, das neuste BMW-Modell und Ferien in den Seychellen. Dafür rackern wir uns schön brav jeden Tag ab, lecken Ärsche und stellen keine Fragen. Die Möglichkeit zu konsumieren berauscht uns, wie vor 150 Jahren die Heilsversprechen der Kirche.

    Wir ackern wie die Dummen, statt uns einmal die Frage zu stellen, ob wir das Alles denn überhaupt brauchen? Weshalb eigentlich ständig Fortschritt? Brauchen wir “Fortschritt”, um ein glückliches Leben zu führen?

    Woher rührt eigentlich die Angst so mancher, vor Veränderungen des “status quo”? Was wäre so verdammt schlimm daran, wenn die Chinesen uns in Sachen Einkommen pro Kopf überholen würden?

    Im Übrigen spricht kein Mensch von einem Stopp des Wachstums, sondern qualitativem, gesundem Wachstum! Wir haben ja gesehen wo das Hinführt, wenn man sich in Sachen Wachstum ständig auf’s neue übertreffen will.

    Zu diesem ganzen Thema kann ich übrigens das Buch Wohlstand ohne Wachstum sehr empfehlen!

  • also eigentlich

    nico, ich habe sehr wohl den Text verstanden. Die anderen Kommentatoren schließlich auch.

    Wachstum und Fortschritt zu verteidigen muss nicht bedeuten, den Menschen den immer gleichen Konsumzwang aufzudrängen. Ob neue Markenklamotten, das neueste iPhone, die Ferien auf den Seychellen nötig sind, soll jeder selbst entscheiden. Der durchschnittliche Amy&Pink-Leser verzichtet glaube ich eher ungern auf diese Errungenschaften. Das ist aber auch die unwichtigste Folge von Fortschritt.

    Wachstum und Fortschritt ist nötig für jede gesellschaftliche Entwicklung. Neue Produkte sind das eine, neue medizinische Möglichkeiten zu haben das andere. Ich glaube, die allermeisten wollen möglichst lange leben und sind froh, wenn die (ja übrigens auch sehr verhasste) Pharmaindustrie dann doch ein Medikament für ihr Leiden haben. Das wir in Deutschland überhaupt in der Lage sind, mittlerweile darauf zu achten, ob unser Gemüse biologisch korrekt angebaut wird. Das ist auch eine Art von Fortschritt. In anderen Ländern, wo der Ertrag bis zum Maximum gesteigert werden muss, um die Bevölkerung ernähren zu können, sind chemische Hilfsmittel notwendig. Den Luxus zu haben, vollständig auf regenerative Energien wechseln zu wollen, ist für andere Länder, die noch nicht so fortschrittlich sind, vollkommen utopisch (siehe China und Indien). Zukünftige Herausforderungen, wie den Hunger von einer immer größeren Weltbevölkerung zu stillen, wird nicht ohne Fortschritt möglich sein.

  • Sara

    Ich glaube, ihr verzettelt euch gerade in Semantik. Es wurde weder von mir noch von dem Autor ein Fortschritts-Stopp gefordert, im Gegenteil: Fortschritt ist genau das, was hier gerade beschrieben wird. Die Erkenntnis, oder eben der Paradigmenwechsel, dass Wirtschaftswachstum in vielerlei Punkte fehlgeschlagen ist (nämlich zu Schaden von den bereits genannten Faktoren, Umwelt, Staaten und die 3. Welt), ist genauso ein Fortschritt. Wie bereits auch richtig erkannt sind solche Dinge wie nachhaltiges Denken und die Umstellung auf Bio eine Konsequenz aus dem Fortschritt. Aber, nochmals: den will hier keiner verhindern.

    Es geht um das gesellschaftliche Normativ des Besitzes, des Erfolges und des Materiellen, das Glück und Zufriedenheit am Streben nach Geld und Macht gekoppelt sind – zu sagen, “Der Mensch ist so”, ist ein fehlerhaftes Menschenbild und führt zu keinem Ergebnis. Daher verstehe ich überhaupt nicht, wogegen hier argumentiert wird: findet ihr es persönlich richtig, wenn wir durch rücksichtloses Wirtschafts(!)wachstum unsere Welt beschädigen und uns und unseren Kindern damit ein Bein stellen?

    Im Übrigen, wie mir hier unterstellt wurde, beschwere ich mich keineswegs über mein derzeitiges Leben. Im Gegenteil. Ich weiß es so sehr zu schätzen und wäre sogar bereit dazu, von vielem was abzuschneiden (materiell gesehen), um eine gewisse Balance und Gerechtigkeit dafür weltweit garantieren zu können. Dass es so einfach nicht ist, weiß ich auch.

    Zu dir, lieber Matthias, sag ich jetzt mal nichts, deine rationale mathematische und biologische Formel mag zwar in der Theorie stimmen, aber eben hauptsächlich da. Leider sind die Naturwissenschaften schlecht auf die menschliche Gesellschaft anzuwenden, dass sollte dir auch klar sein.

  • fab

    Der Paradigmenwechsel findet schon längst statt. Ich bemerke an mir selbst, dass mich Konsumgüter nerven, dass ich Minimalist bin.
    http://mnmlist.com/50-things/

    Betont teuren Geschmack nehme ich vor allem als Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein auf; als Kompensation.
    Klar, ich werde ein bisschen oberflächlich bleiben, denn man benötigt erste Anhaltspunkte um Menschen einzuordnen. Aber auch das hat wenig mit Konsum zu tun. Denn der größte Teil der Wirtschaft hat nichts mit Fortschritt zu tun, sondern verkauft den Anschein von Geschmack, tauscht ein bisschen von dem, durch Werbung artifiziell erzeugten, gesellschaftlichen Ansehen gegen Geld.

    Unsere Generation wird sich radikal einschränken müssen. Und das ist gut so. Denn wichtig sind bei der Einschätzung eines Gegenübers sein Geschmack, seine Eloquenz, Willenskraft, Empathie und subversive Kreativität. (Also seine Fähigkeit Scheiße zu bauen.)
    Auf Geschichten über Haus, Auto und Boot kann ich verzichten.

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