Kunst oder Knast? - Farbe unter der Haut

Die klebrigen Blicke von Pseudo-Spiegel-Studierenden mit ihrem Hündchen „Aktenkoffer“ auf dem Schoß, heimlich ihren Analphabetismus hinter Buchstaben versteckend, erntest du meist aufgrund eines abweichenden Aussehens vom Otto-Normal-Verbraucher am Fahrkartenautomaten der…
Kunst oder Knast?

Farbe unter der Haut

Die klebrigen Blicke von Pseudo-Spiegel-Studierenden mit ihrem Hündchen „Aktenkoffer“ auf dem Schoß, heimlich ihren Analphabetismus hinter Buchstaben versteckend, erntest du meist aufgrund eines abweichenden Aussehens vom Otto-Normal-Verbraucher am Fahrkartenautomaten der M10, während du gelangweilt und verträumt in der Masse stehst und auf die Endstation Warschauer Straße wartest. Du kannst eigentlich nichts dafür. Du siehst gut aus, bist jung und hast kein Geld. Also what the fuck?

Doch es gibt diesen einen klitzekleinkarierten Grund, warum sie es tun. Du trägst Farbe unter der Haut. Du bist von Kopf bis Fuß bunt gebastelt mit exorbitanten Abziehbildchen der Ewigkeit. Und du liebst sie, die Bedeutung, die Erinnerung, die Motive und die Farbe. Leider gibt es immer noch die Sorte Mensch die körpereigene Kunst in einer freien und individuellen Gesellschaft bis dato nicht akzeptiert und ihr Gesicht beim Anblick zu einer Fratze verzieht, die höchstens einem hinterherjagenden Gargamel bei der Flucht der Schlümpfe aus seiner Falle gleichkommt.

In ihren Köpfen sind speziell Tätowierer und Tätowierte ein schwammiges Gebilde aus Dreck, Suff und Drogen. Meiner „außerirdischen“ Erscheinung nach komme ich gerade frisch aus dem Knast, weil ich die Schaufenster von der Krokodil-Klamotte „Lacoste“ mit Steinen eingeworfen und dem Türsteher vom Mucki-Macho-Metier „Dante“ die Nase gebrochen habe.

Und nach deren Meinung kann ich sofort ins Zuchthaus zurück, weil ich mir am Fahrscheinautomaten keine Kurzstrecke gezogen habe. Wozu auch? Ich fahre mit meinem Semesterticket der Uni gerade zur Arbeit in die „Bar zum schmutzigen Hobby“ um die nächsten zehn Stunden meine Chefin Nina Queer und deren schwule Freunde mit Getränken wie „Rose Kennedy“ zu versorgen. Bei dem Wort „schwul“ wäre meine Anhörung beim Prozess dann spätestens sowieso vorbei und sie würden mich am liebsten sofort in die Zelle „666“ stecken.

Aber warum ist unsere Gesellschaft so? Die Wesen, die auf unserem Erdball leben sind nun mal unterschiedlichster Art. Sei es Aussehen, Kultur oder Vorlieben beim Sex. Wir sind keine Musterware, die auf der Stange hängt. Wir sind Individuen mit verschiedenen Blutgruppen, die Bedürfnisse und Wünsche haben, diese können sich eben auch in der Körperkunst äußern.

Wir wünschen uns von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, auch wenn wir auf sie scheißen. Jeder hat sich seinen Platz in einer fortgeschrittenen und mobilen Welt verdient, die in Lichtgeschwindigkeit nach Veränderung und Konsum schreit. Ich verachte doch auch keine Menschen, die einen Schlips tragen, der so eng gebunden ist, dass ihnen der Blutstau im Gehirn förmlich anzusehen ist. Oder macht ihr das?

Ich gehe auf die Straße und bin bunt, von außen wie von innen. Meine Seele lebt und wird nicht wegen eines Jobs zerrissen, an dem ich leide, bis ich sterbe. Auch wenn die Berufsauswahl ein wenig begrenzter ist und ich nicht gerade als Finanzsenatorin den Arsch in meinem eigenen Stasi-Büro wund sitzen kann, gibt es viele Möglichkeiten einen zu finden.

Ein guter Freund, der komplett zugehackt ist, arbeitet als Erzieher. Er ist das Vorbild von Kindern. Tattoos funktionieren. Wir sind das, was wir tragen, auch auf dem Körper. Ein Anker am Hals muss nicht heißen, dass der Träger bei der Marine war. Ein Totenkopf bedeutet auch nicht unbedingt, dass er einem Menschen den Kopf abgefahren hat.

Meine Strichmännchen auf dem Arm sind zwar nur eine Kinderkarikatur in unwissenden Augen, aber eigentlich sind sie viel mehr als das. Sie sind mein Leben, sie erzählen eine Geschichte und die beginnt erst mit dem Moment, in dem die Leute ihren Kiffer vom Bordstein kratzen, weil sie mich sehen und ein Fragezeichen vor meinen Augen bilden.

Das ist es, was mir die geballte Kraft zum Atmen gibt, eben die Menschen mit ihren verschobenen Ansichten der Wirklichkeit, die meist selbst nicht wissen, wer sie sind und nicht anders können, als sich über die zu echauffieren, die ihrem Leben einen Sinn und eine Richtung geben. By the way, ich habe ein neues Tattoo. Es ist die diebische Elster. Liebe Eltern, passt gut auf eure Kinder auf, ich klaue auch diese. Karsten Spengemann wäre stolz auf mich.

Topman

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Mister Spex

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19 Kommentare

  • judie

    wow, vielen dank für den artikel!
    spricht mir direkt aus er seele. :D

  • Lina

    Perfekt auf den Punkt gebracht!

  • oh mein

    viel schlimmer sind menschen die sich für schreiberlinge halten und ein zwei studentische mode tattoos haben und dnan anfangen über denn sinn des lebens un der gesellschaft zu philosophieren.

  • Cloudy

    Hm, eigentlich ja ein sehr wichtiges Thema, auch ich bin tätowiert und wollte bald darüber schreiben….leider fehlt mir in deinem Artikel der rote Faden und wenn man schon davon schreibt, dass tätowierte Menschen von der Gesellschaft akzeptiert werden sollen, dann kann man wohl auch eine Akzeptanz innerhalb der Berufswelt fordern und sich nicht mit Einschränkungen in der Berufswahl zufrieden geben. Könnte also für meinen Geschmack noch etwas kritischer und fordernder sein. Liebste Grüße

  • “Ich verachte doch auch keine Menschen, die einen Schlips tragen, der so eng gebunden ist, dass ihnen der Blutstau im Gehirn förmlich anzusehen ist. Oder macht ihr das?”

    Naja, offenbar ja irgendwie schon, Warum sonst diese abwertende Beschreibung?!

    Mir gefällt der Artikel nicht. Sorry.

  • Kim

    Liebe Kati, lass doch nächstes mal deinen Text eine Nacht ruhen, bevor du ihn veröffentlichst. das wird ihm sicher gut tun.
    Und etwas mehr Selbstbewusstsein wird dir sicher gut tun. Das ist leider ziemliches Pseudo-Opfertum, was du da in deinem Artikel betreibst… Zur Außenseiterin machst du dich allein durch deine Haltung, nicht durch dein Aussehen.
    Du schreibst: “Wir wünschen uns von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, auch wenn wir auf sie scheißen. Jeder hat sich seinen Platz (…) Ich verachte doch auch keine Menschen, die einen Schlips tragen, der so eng gebunden ist, dass ihnen der Blutstau im Gehirn förmlich anzusehen ist. Oder macht ihr das?” Ähem…. lies bitte den letzten Teil dieses Zitats nochmal. Und den Einleitungssatz..
    By the way.. Du willst uns nicht ernsthaft verklickern, dass es dir in Berlin(!) so geht… Süße, die einzige, die im Moment wirklich ein Problem mit dir hat, bist du selbst. Du fährst dir unnötige Filme. So machst du dich erst recht angreifbar. Kopf hoch, Schultern zurück und ein Lächeln aufgesetzt!! Check ihn mal aus: The Scary Guy. Neulich kennenglernt. Super Typ! ‘you don’t eliminate hate with hate’ http://www.youtube.com/user/thescary1#p/c/3/1ha9_c7jkhU In diesem Sinne, LOVE

  • Sabrina Aufdermauer

    Pseudo bla bla

  • Sabrina

    Ich finde den Artikel etwas sehr übertrieben vor allem da auf dem Photo nur 1 Tattoo zu sehen ist (falls du das bist). Ich habe Tattoos, Piercings, Tunnels etc und es ist mir noch NIE passiert dass mich jemand angeschaut hat als käme ich aus dem Knast. Klar, den ein oder anderen etwas schrägen Blick gibt es aber die meisten Menschen stehen mir sehr positiv gegenüber. Ich wurde schon angesprochen und gefragt in welches Studio man am besten geht, ob es sehr weh tut etc. Klar man fällt auf, der Ein oder Andere bezweckt das mit Sicherheit auch. Die Frage ist eben immer wie man damit umgeht. LG

  • Hanne

    Ich habe kein einziges Tattooo dafür ziehe ich mich umso lieber verrückt an. Ich liebe extreme Outfits und es macht mir Spaß weil ich weiß, dass ich ein Händchen für Mode habe. Die Blicke der Menschen sind dafür umso belustigender. Sie schauen dir nach, runzeln die Stirn, lachen, und zeigen manchmal sogar mit dem Finger auf dich, und das alles obwohl ich in einer Großstadt lebe… Deutschland ist einfach zu spießig! Aber das Schöne ist: Es stört mich kein Stück! Wie du sagst, im gegensatz zu ihnen habe ich in meinem Leben eine Idee und eine Richtung gefunden, wovon die meisten dieser Menschen nur träumen können, ich glaube das ist es was ihre Blicke auf mich zieht und nichts anderes!

  • some inked guy

    Irgendwie ziemlich lahm, etwas von der Gesellschaft zu verlangen, das man selbst nicht bereit ist zu leisten. Wenn Du also die Welt verändern möchtest, fang bei Dir an. Hate nicht, begegne den Menschen mit einem Lächeln, Aufgeschlossenheit, Respekt und der Zauberzutat: Liebe! Ich bin von Hals bis zu den Fingern geinkt, (heute) sicher kein Show-Off Hipster (mehr. Anders als vor 12 Jahren beim ersten Tattoo am Unterarm.) – trage also meist Hemd & lange Ärmel. Dennoch: Hals und Finger sind stets sichtbar und sorgen in manchen Situationen für diese “komischen” Blicke. Diese Blicke sind aber nahezu nie verurteilend und entsetzt, sondern viel eher ungewohnt und fremd, interessiert, fragend – gerade im Ländlichen sehen die Menschen so etwas nicht jeden Tag. Ein aufrichtiges, ehrliches Lächeln nimmt den Menschen eine eventuelle Angst bzw. Scheu und sie lächeln zurück. Der Gesichtsausdruck ändert sich, sie sind bereit auf einen zuzugehen falls Interesse besteht und stellen (meist die üblichen) Fragen, die ich für meinen Teil noch milliarden Mal bereit bin zu beantworten. Man zeigt den Menschen auf diese Art seine eigene Welt und leistet gute Arbeit für eine offenere Gesellschaft. Ich finde, dass diese Verantwortung jeder einzelne in einer Gesellschaft trägt. Man kann auch selbst viel dadurch lernen, nämlich dass Menschen, die noch so “spießig” auf manch einen wirken mögen, im Grunde/abstrahiert die selben Vorstellungen, Wünsche, Ideale in sich tragen. Also Kati, think twice before you judge – und öfters mal lächeln.

  • Michael

    Kindchen, wenn ich beispielsweise mit Bierflasche in der Hand und einem Hakenkreuz auf meinem fetten nackten Bauch tätowiert rumlaufe, wirst du dir auch ein Vorurteil über mich bilden. Und das ist auch völlig korrekt.

    Ich finde es immer wieder putzig, wenn sich Leute einerseits pseudorebellisch mit Äußerlichkeiten ausstatten (oder sie sich in die Haut stechen lassen, weil derzeit DAS halt Mode ist), die Symbole für ganz bestimmte Gruppen oder Haltungen sind, und hinterher weinen, dass sie mit eben diesen Gruppen und Haltngen identifieziert und deswegen abgelehnt werden.

    “Wir wünschen uns von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, auch wenn wir auf sie scheißen.”
    Ja genau. Und wir wollen von Mami und Papi unser Tashcengeld haben, obwohl wir sie von hinten bis vorne Scheiße finden.

    Erbärmlich.

  • Dude

    Also ich finde den Artikel super, dafür leider viele Kommentare sehr unangebracht und teilweise beleidigend. Der Artikel ist keine Selbstdarstellung sondern Personen unabhängig, was daher das stürzen auf die liebreizende Autorin total ungerechtfertigt macht. Leider verstehen viele von euch dazu weder Sarkasmus noch Ironie. Ich wurde persönlich bereits einige male im Beruf sowie auch in der Gesellschaft aufgrund meines Aussehens diskriminiert oder in eine bestimmte Schublade gesteckt und denke das viele ähnlches erlebt haben. Alles in allem ist der Text sehr gelungen(wie alle ihre Texte) und würde mir von einigen Leuten die im Schutze des Internets dicke Eier bekommen einfach mal etwas mehr Hirn und auch Akzeptanz wünschen!

  • Also bitte.
    Vieleicht ziehen komplett zutätowierte Menschen noch den einen oder anderen Blick auf sich aber ansonsten ?
    Sogar unsere polnische Putzfrau auf der Arbeit,die stramm auf die 50 zugeht hat´n Tatoo.
    Tätowierungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und kein Knastschmuck mehr.

    • hannah

      hmm…..das ganze thema ist glaub schon recht schwierig und dass alles wohl doch nicht so selbstverständlich ist, zeigen ja die kommentare. von mir aus kann jeder rumlaufen wie er gerne mag, ich persönlich finde tattoos sogar sehr spannend, hab selber irgendwie nicht den mut dazu mir eins stechen zu lassen weil ich denk das tut doch bestimmt soooo weh. aber…ich glaube…..wenn du offensichtliche tattoos hast und vor deinem evtl zukünftigen arbeitgeber stehst und er zwei gleiche lebensläufe vor einem liegen hat und der eine hat tattoos die jeder sieht und der andere nicht, dann wird glaube ich der andere seeehr wahrscheinlich bevorzugt werden. ich würde nicht sagen dass das thema in der gesellschaft schon angekommen ist. aber ist ja auch nicht wirklich shclimm, oder?

      und das so viele von euch immer so beleidigend werden…da sieht man eher dran dass ihr euer leben nicht auf die reihe bekommt und nicht kati. ihr nüsschen ;)

  • nasel

    Hmmm, wer sich mit einem respektlosen und andere ausgrenzenden Geschreibsel wie diesem für sein Äußeres rechtfertigen zu müssen glaubt, darf wegen mir gerne angestarrt werden.

Mister Spex