Y'Akoto im Interview - Das Mädchen mit der Whiskey-Stimme

Die 23-jährige Jennifer Yaa Akoto Kieck wurde als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen schon früh zu einer weltoffenen Frau mit Sinn für Kreativität erzogen. Sie lebte in Ghana, Kamerun…
Y'Akoto im Interview

Das Mädchen mit der Whiskey-Stimme

Die 23-jährige Jennifer Yaa Akoto Kieck wurde als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen schon früh zu einer weltoffenen Frau mit Sinn für Kreativität erzogen. Sie lebte in Ghana, Kamerun und Frankreich, ließ sich dort von der Kunst und der Musik inspirieren und hat sich nun in Hamburg verliebt, wo sie als Y’Akoto momentan an ihrem ersten Album “Babyblues” arbeitet. Wir haben uns mit der sympathischen Sängerin getroffen, um einen intimen Blick hinter das Talent zu werfen.

Was sind deine Roots?

Meine Wurzeln liegen zum einen in Hamburg aber auch in Afrika und Frankreich.

Und welchen Bezug hast du zu Berlin?

Ich bin immer wieder und gerne in Berlin. Im Gegensatz zu Hamburg gibt es hier viel mehr Möglichkeiten zum Tanzen (lacht).

Was ist dein ganz privater Traum?

Mein persönlicher Traum ist es, Musik machen zu können, ganz ohne Einschränkungen. Die sind leider oft vor allem finanzieller Natur. Ich wünschte, ich könnte, wenn ich Lust habe, mit einer Big Band auftreten, einfach, weil ich es mir leisten kann.

Was machst du stattdessen?

Also tagsüber spiele ich Klavier oder räume die Wohnung auf. Alltägliche Dinge eigentlich. Ich mag es, wenn zu Hause alles ordentlich ist.

Und was treibst du nachts?

Ich schlafe. Nachts mache ich gar nicht so viel, wie man vielleicht denken mag. Man hat ja oft die Vorstellung, dass Künstler besonders nachts kreativ sind. Bei mir ist das aber nicht so.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Die Musik ist zu mir gekommen. Bei uns zu Hause war Musik immer da. Mein Vater ist Musiker und ich habe Musik immer als etwas selbstverständliches wahrgenommen, das immer da ist. Deshalb habe ich sie auch lange von mir weg gehalten. Aber die Musik hat gesiegt.

Beschreib doch mal deine Musik.

Momentan würde ich meine Musik als zeitlos und reduziert beschreiben. Ich habe bei der Produktion drauf geachtet, dass die Songs nicht so perfekt und voll durchproduziert werden. Zum Glück waren wir uns da alle einig, dass wir eine Platte machen wollten, die wir auch noch in 20 Jahren gut finden würden. So genau kann man das aber nun auch nicht vorraussehen.

Du bist als Support Act von Erykah Badu aufgetreten. Wie geil war das denn bitte?

Wie es das Wort schon sagt: Einfach nur geil. Ich habe sie gefeiert, bis ich heiser war. Ich war auch gar nicht so sehr aufgeregt, Erykah Badu zu supporten. Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass ich mir das verdient hatte, weil ich wie sie, mit Leib und Seele Musik mache.

Und jetzt mal so unter uns: Wie ist Miss Badu? Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass sie eine Diva ist.

Ich würde sagen, sie ist eine Diva, ja. Aber ich würde das Wort nicht negativ besetzen. Sie hat ja schon viel erreicht und geschaffen, auf das sie stolz sein kann. Abgesehen von der Musik hat sie beispielsweise auch ihre Kinder aufgezogen. Kein Album ist wie das andere. Man erkennt an ihnen, wie auch an ihrem Äußeren, den künstlerischen Wandel, den Badu unaufhaltsam durchläuft. Ich finde Beyonces Beschreibung ganz treffend: „A diva is a female version of a hustla.“

Beschreib doch mal das Gefühl, als du das erste Mal auf der Bühne standest und deine eignen Songs performen durftest.

Als ich das erste Mal auf einer Bühne stand, war ich ungefähr zwölf Jahre alt. Woran ich mich noch sehr eindrucksvoll erinnere, sind meine Mitmenschen, die mich nach dem Auftritt als Künstlerin sahen.

Welcher Künstler nervt dich?

Mich nervt… ein Künstler. Ja, mich nervt ein Künstler… (lacht laut)

Okay, dann was anderes. Die Frisur im Video zum Song „Tamba“ ist ja der Hammer, erinnert ein wenig an die Schleife von Lady Gaga. Hast du dich da inspirieren lassen?

Lady Gaga ist super, ja. Aber bei dir Friseur habe ich mich nicht von ihr inspirieren lassen. Vielmehr von dem Song selbst. Zu jedem Song habe ich ein sehr klares und starkes Bild. So war es auch bei der visuellen Umsetzung des Videos und der Friseur.

Spielst Du selbst auch Instrumente?

Ja, ich spiele Klavier.

Fühlst du dich eher mit Ghana oder Deutschland verbunden?

Muss ich mich denn da entscheiden? Ich lebe in beiden Welten gleichberechtigt und habe nicht das Gefühl, mich für ein Land entscheiden zu müssen. Ich bin ja kein Fussballspieler. Dazu habe ich auch noch viel zu wenig gesehen, von den beiden Ländern.

Was machst du denn, wenn es mit der Musik nicht klappt?

Das sagt man immer so, wenn es mit der „Musik klappt“. Was genau soll das bedeuten? Als müsse man einen Hit schreiben. Aber so ist das nicht. Warum hat Aloe Blacc „I Need A Dollar“ geschrieben? Wenn ich von der Musik nicht leben kann, dann mache ich sie trotzdem. Außerdem bin ich auch studierte Tanz-Pädagogin.

Wie wichtig ist Mode für dich?

Sehr wichtig. Ich mag es, im Second Hand, oder dem Markt in Afrika oder in Frankreich einkaufen zu gehen, weil die Kleider dann eine Geschichte haben. Und für mich ist es wichtig, wie ich mich kleide. Denn so trete ich anderen Menschen gegenüber. Das hat für mich auch etwas mit Wertschätzung zu tun.

Meinst du man muss als Künstler heute mehr als eine tolle Stimme haben?

Ich glaube, das muss das Publikum entscheiden, was es sehen und hören möchte und womit es dann zufrieden ist.

Wenn du eine Nacht mit einem männlichen Promi verbringen könntest: Wer wäre es und was würdest du machen?

(Lacht und überlegt kurz) Dann würde ich Chilly Gonzales wählen und er müsste für mich die gaaanze Nacht am Klavier spielen.

Deine drei Lieblingssongs?

Amy Winehouse mit “Unholy War”, The Weekend mit “Loft Music” und Hildegard Knef mit „Ich bin zu müde um schlafen zu gehen“.

Singst du eigentlich immer und überall? Schon mal Leute damit genervt?

Nein, ich nutze meine Stimme eher wie ein Instrument. Ich summe mal so vor mich hin oder singe auch gerne Songs mit. Aber dass ich Leuten damit auf die Nerven gehe, kam noch nicht vor (lacht).

Könntest du dir vorstellen mal auf einer Beerdigung zu singen?

(Y’akoto überlegt lange) Doch, kann ich mir vorstellen, auf einer Beerdigung zu singen. Wenn ich nicht zu traurig bin und der Kloß im Hals zu groß ist. Der Tod gehört eben zum Leben dazu. Und es ist doch immer schön, Emotionen mit Musik auszudrücken.

Wo exakt im Körper schmerzt es, wenn ein Ton nicht trifft?

Das schmerzt nirgendwo. Ich weiss genau wie das ist, wenn man auf der Bühne steht und mal was schief läuft. Ich fiebere immer mit, wenn ich andere Menschen auf der Bühne sehen. Und wenn ein Ton mal nicht getroffen wird, dann ist das eher ein Fremdschämen als ein bestimmter Schmerz im Körper.

Fällt schön singen leichter, wenn man Liebeskummer hat?

Was heisst „schön“ singen? Man singt dann mir mehr Emotion und das wird als „schön“ ausgelegt. Meine Produzenten sagen immer, ich habe eine „Whiskey-Stimme“. Es gibt auch Auftritte, bei denen habe ich nur gekrächzt (gibt eine akustische Kostprobe).

Das schönste Kompliment, das man deiner Stimme je gemacht hat?

Meine „Whiskey-Stimme“ (lacht). Aber das schönste Kompliment ist es, wenn man bei den Aufnahmen nur ein oder zwei Anläufe braucht. Das ist ein schönes Kompliment.

Stell dir vor du müsstest einmal für Lady Gaga, einmal für Dieter Bohlen und einmal für Micky Maus ein Lied singen. Welche würdest du wählen?

Für alle drei würde ich meine eigenen Lieder singen. Für Lady Gaga würde ich singen?? “Body Movements”, da beschreib ich meine Beziehug zur Kunst. „Babyblues“ würde ich für den Dieter singen, weil ich denke, er ist gar nicht so dumm und hat Humor. Den muss er haben, bei all der Kritik, die er bekommt. Und für Micky Maus wähle ich „Good Betta Best“. May I never rest until my good is better and my better best. Es ist ein süßes Stück, welches mich sehr an meine Kindheit errinnert. Ich habe es auf unserer Terasse in Lome geschrieben

Wie geht es bei dir weiter?

Ich habe gerade meine EP veröffentlicht. Dieses Jahr noch oder Anfang 2012 folgt dann mein Debüt „Babyblues“. Die Single „Tamba“ inklusive Video, auf das ich sehr stolz bin, ist gerade erschienen und überall erhältlich. Es folgen ein paar Auftritte, auf die ich mich sehr freue, weil es das ist, was ich am liebsten mache. Ich spiele „Folk-Music“ weil ich Musik für die Menschen mache und spielen möchte. Und nebenbei schreibe ich bereits an Songs für mein zweites Album.

Farfetch

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere interessante Neuigkeiten über Musik zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

ONLY

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

1 Kommentar