Istanbul Fashion Week - Renaissance des Osmanischen Reichs

So europäisch die türkische Kunst und Modeszene wirken mag, unter ihnen lungern noch mehr als genug traditionelle und engstirnige Menschen, um es mal nett auszudrücken. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf…
Istanbul Fashion Week

Renaissance des Osmanischen Reichs

So europäisch die türkische Kunst und Modeszene wirken mag, unter ihnen lungern noch mehr als genug traditionelle und engstirnige Menschen, um es mal nett auszudrücken. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe mich also bei der IFW unter der Kategorie Medien angemeldet, da ich alles andere als eine Fotografin bin. Da die Türkei keine Ordnung kennt, kam die E-Mail mit der Bitte als Bloggerin alle PR-Agenturen selbst anzuschreiben leider etwas verspätet. Genau einen Tag vor der Fashion Week. Wie gut, dass ich nicht gebucht habe.

Der Grund, warum die Türkei nicht in die EU aufgenommen werden sollte steht also fest, nein natürlich nicht, aber definitiv ist er einer von vielen. Es ist erst die 5. Fashion Week in Istanbul, schauen wir, wie es 2020 aussieht, da kann man sich das ja auch noch mal mit dem Beitritt überlegen. Türkische Mode made in Istanbul, wie sieht die eigentlich aus? Von der westlichen Orientierung hatte ich bereits erzählt. Doch gibt es den sogenannten „Serail“-Stil, der der türkischen Kultur in ihrem Wesen als Designrichtung schon viel eher entspricht? Prunkvoll mit viel Gold und Raffinesse verhüllt sich die türkische Frau, aber nicht zu verwechseln mit den goldenen Stiefeln auf den Straßen Deutschlands.

Die typische Türkin trägt ihr Haar lang, mag es elegant und weiblich im Vordergrund der hinterlassenen Paläste aus dem Osmanischen Reich. In türkischen Popsongs schwärmen männliche Sänger übrigens neben Figur und Lippen von den Augenbrauen einer Frau.. Ich habe ein Kompliment dieser Art zwar noch nie von einem gehört, aber ich wette, in der Türkei sagt auch schon mal einer als Anmache: „Hey, du hast echt schöne Brauen!“. So viel zum Thema türkisches Schönheitsideal. Schauen wir uns im ersten Teil über die Fashion Week Istanbul an, inwiefern sich der westliche Stil im Orient bemerkbar macht und welche Künstler die stilvolle Unabhängigkeit mit eigener Note erreicht haben.

Niyazi Erdogan ist einer der Designer, denen es gelingt, mit dem einen Auge modische Entwicklungen in Europa unter Beobachtung zu halten, mit dem anderen Auge die traditionelle Kleidung des eigenen Volkes. Die Herrenkollektion des Designers Niyazi Erdogan nennt sich „Sünnet“, und genau davon ist auch die tragbare Mode inspiriert. Die Zirkumzision, die im Kindesalter als Religionsbekenntnis im Islam vorgenommen wird, ist in der Türkei auch sehr stark mit Tradition verbunden. Die kleinen Jungs werden wie Prinzen behandelt, tragen prunkvoll Krone, Zepter und Umhang.

Auch vom Osmanischen Reich hat er sich inspirieren lassen, denn zum Umhang der Prinzen tragen die Models einen Fes, die Kopfbedeckung des Sultans im Jahre 1826. Auch der Sultan hatte schon sehen wollen, wie die europäischen Herrscher sich kleideten. Als er aber darauf hingewiesen wurde, dass der Dreispitz die Dreieinigkeit des Christentums symbolisiert, entschied er sich für die Bedeckung aus der Stadt Fes. Ironischerweise hätte der Sultan die kurzen Jeansshorts, die aufgrund ihrer Länge nach dem Koran dem Moslem verboten sind, nicht getragen. Es wäre Mustafa Kemal Atatürk, Gründer der türkischen Republik, mit seinem altbekannten stilbewussten Panamahut auf dem Kopf, der mit Schleife, weißem Hemd und blauer Hose eine gute Figur machen würde.

Von der traditionellen Idee des Defilee hat sich für diese Kollektion auch Simay Bülbül, eine der erfolgreichsten Designerinnen der Türkei, verabschiedet und in der Form der Installation Mittel zum Ausdruck gefunden. Die Sammlung, die aus 15 Teilen besteht, hat die Designerin „Kirilma Noktasi“, zu deutsch der Punkt des Zerbrechens genannt. „Es zeichnet die Reise der Frau in der modernen Zeit“, die das Zebrechen aus der Ordnung erlebt.

Leider ist in der Kleidung, auch wenn der Versuch ein derartiges Symbol darzustellen unternommen wurde, die von ihr selbst erzählte Geschichte nicht abzulesen. Mit einer Pflanze im kahlen Raum wirkt die Präsentation weder kreativ, noch mit Liebe zur Arbeit mühevoll durchdacht. Ob die moderne Frau mit dieser beschriebenen Geschichte Kleider mit fetischistischen Elementen tragen würde, sei dahingestellt. In – hin oder her – Mode als Kunst kann als letztes der Türkei abgekauft werden. Nice try.

Die türkische Kette Koton, mindestens genauso beliebt wie Mango und Zara, ist mittlerweile nicht nur wie H&M in jeder Stadt der Türkei aufzufinden, sondern sogar mit Shops in Großstädten wie Bucharest, Dubai, Athen und Berlin bereits international geworden. Die gestohlenen Trends werden zwar sehr spät aufgegriffen, sind jedoch dennoch stilvoll umgesetzt. Assymetrie, Cut-out, Schösschen-Kleider, Transparenz oder geometrische Formen – ob kurz oder lang, um die feminine Silhouette zu betonen, sind alle Modelle immer eng anliegend.

Ein Hauch von Futurimsus in der Farbe der Unschuld schleicht sich in die Kollektion aus Haute Couture und Street Wear. Plastisch wie bei einem Relief zum Vorschein erhebt sich der kantige Stoffverlauf bei den bodenlangen Kleidern des Design Studio Kaprol by Coke Design. Die Designerin Arzu Kaprol, die ihren bekannten Serail-Stil schon dem Pariser Publikum vorführen durfte, präsentierte eine Kollektion in Verknüpfung mit vier weiteren Designern.

Urban Outfitters

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