Istanbul Fashion Week - Stilgefühl am Bosporus

Mailand, New York, Paris. Einen Superlativ kann es nicht mehr geben, denn auch London hat es mit Designern wie Stella McCartney schon längst geschafft, sich in diese Reihe einordnen zu…
Istanbul Fashion Week

Stilgefühl am Bosporus

Mailand, New York, Paris. Einen Superlativ kann es nicht mehr geben, denn auch London hat es mit Designern wie Stella McCartney schon längst geschafft, sich in diese Reihe einordnen zu lassen, während Städte wie Berlin und Istanbul noch dafür kämpfen, sich Rang und Namen zu verschaffen. Doch diesen Sommer konnten wir auf der Berlin Fashion Week beeindruckende Kollektionen von namhaften Designern wie Lala Berlin, Kilian Kerner, Hien Le sehen, die geschafft haben, wovon viele noch träumen.

Drehen wir den Globus ein wenig und sehen wir uns an, was sich in Sachen Mode in dem Land abspielt, indem ich mich gerade befinde und das 400.000 Einkäufer aus der ganzen Welt der Fashion Week in New York vorgezogen haben. Da es in der Türkei viele Baumwollplantagen gibt, gilt die Türkei mit dem Herstellungsunternehmen Yünsa bei einer Herstellung von 14 Millionen Metern Wollstoff und der Lieferung an 73% der Stoffe an Marken wie Hugo Boss, Verasce, Armani, Maxmara und DKNY zu Europas größten Stofflieferer. Doch seit ein paar Jahren hat sich großes Interesse nicht nur am Handwerk, sondern am Design entwickelt. Mode- und Kunstmarkt boomen gewaltig.

Warum, fragt man sich, hat sich dieses Interesse nicht schon viel früher herauskristallisiert, wenn die nötigen Rohstoffe reichlich vorhanden sind und die geographische Lage eine gute Wirtschaft prophezeit? Wie so oft ist das Problem die Religion. In einem Land, dessen Bewohner unter den Dogmen des Islams agieren, sollte die innere und äußere Entfaltung ihnen noch lange verwehrt bleiben.

Erst Atatürk machte es möglich und änderte 1923 nach der Befreiung aus der Osmanischen Herrschaft die gesellschaftlichen Sitten und Normen. Sein Ziel war die Modernisierung, sowohl die innerliche als auch die äußerliche, und dazu sollte auch Kleidung gehören. Er forderte die Menschen also auf, sich moderner anzuziehen, drehte sogar Werbungen, in denen er am Strand nur in Badehose zu sehen ist. Noch immer ist das Regime unter Erdogan ein Hindernis, doch eine kleine Gruppe Kreativer hat sich ihren eigenen Weg gebahnt.

Das Jahr 2020 ist für die Stadt Istanbul das Jahr, indem sie den Status der Modehauptstädte erreichen und mit Jungdesignern den Sprung zur Unabhängigkeit, mit London als Vorbild, erreichen will. In der türkischen Vogue vom August spricht die Herausgeberin Seda Domanic über junge türkische Mode, Inspiration, und ihre Förderung. Um das Potential auszuarbeiten und daraus feste laufende Marken zu machen, braucht es ausgereifte Verbände mit finanzieller Unterstützung. Doch auf diesem Weg allein, kann Istanbul die anderen Städte nicht aufholen.

Die Herausgerberin macht auf das kulturelle Erbe aufmerksam, und weist daraufhin, nicht über den Grenzen hinaus nach Inspiration zu suchen. Den Blick nach Westen gerichtet bemängelt auch Hüseyin Calagan. Denn kann Inspiration aus der eigenen Umgebung nicht eine viel natürlichere und individuelle Gestaltung in der Mode annehmen? Natürlich sieht auch er großes Potential in der Türkei und erkennt die Erreichbarkeit eines Status, den Italien längst verkörpert. Ideen könnten wie dort im eigenen Land verwirklicht werden, das heißt, türkische Designer lassen ihre Entwürfe in der Türkei an Form und Farbe gewinnen, sparen damit bei der Herstellung, und fördern die Wirtschaft.

Auch deutsche Designer haben die Vorteile der Supermetropole Istanbul für sich entdeckt und sind zum ersten Mal auf der Istanbul Fashion Week vertreten. Im Rahmen der Veranstaltung, die vom 7. bis zum 10. September stattfindet, stellen Von Bardonitz, Manikó, Moga e Mago, Kilian Kerner, Adriana Rica, Karolin Kruger, Gretchen, Julice en Rêve bis Berlin My Inspiration in Zusammenarbeit mit Berlinpieces und dem Internationalen Design-Zentrum Berlin ihre Kollektionen im Showroom Kumpanya62 aus, und fördern damit einen kulturellen und wirtschaftlichen Austausch. In den nächsten Tagen nehmen wir uns bei AMY&PINK einmal die türkischen Designer mit ihren neuen Kollektionen und alles andere rund um die Istanbul Fashion Week genauer unter die Lupe.

Farfetch

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