That's Why You're Fat - Das Internet und dein fetter Arsch

Die traurige Wahrheit ist: Das Internet macht fett. Den lieben langen Tag sitzen wir uns die Ärsche auf Bürostühlen, Cafébänken und kalten Kellerböden platt, bewegen uns höchstens mal, um das…
That's Why You're Fat

Das Internet und dein fetter Arsch

Die traurige Wahrheit ist: Das Internet macht fett. Den lieben langen Tag sitzen wir uns die Ärsche auf Bürostühlen, Cafébänken und kalten Kellerböden platt, bewegen uns höchstens mal, um das iPhone an den Computer anzuschließen oder frische Taschentücher für die kurze Stresswegaktion zu holen und legen uns lieber schlafen, wenn der Terminkalender eigentlich irgendwas mit Sport anzeigt.

Bei der Nahrungsaufnahme hat es ganz schnell zu gehen. Schließlich muss man noch dieses eine Projekt fertig bekommen. Oder den Code testen. Oder das Interview führen. Natürlich faul per Mail. Pizza, Pasta, Burger – schnell zum Imbiss des Vertrauens gerollt, um sich die gebratene Ente nach Hong-Kong-Art mit einem Haps in die angeschwollene Gesichtskimme zu drücken und dann aber nichts wie zurück ins Heim- oder Agenturbüro – das Internet schläft schließlich nicht. Niemals.

Ich merke es ja bei mir. Während ich diesen Text schreibe, muss ich mir die Wampe zur Seite drücken, um die doppelt frittierten Paprika-Chips irgendwie in meinen Körper zu bekommen. Und natürlich bin ich oft sogar zu faul, um zur Nahrungsaufnahme vor die Tür zu gehen. Deswegen habe ich Lieferando in den letzten zwei Monaten so oft missbraucht, dass ich allein mit den Treuepunkten halb Afrika hätte ernähren können. Und Rainer Calmund. Und Ottfried Fischer. Und deine Mutter.

Und wenn ich es dann doch mal durch so viel mentale Stärke schaffe, zu Terminen nicht mit der U-Bahn, sondern mit dem Fahrrad zu fahren und mir statt bei Rosenburger den Doppel-Spezial mit Crazy Fries und Cola eine Station weiter den warmen Ziegenkäsesalat (der tatsächlich wirklich lecker ist) mit Leitungswasser zu bestellen, erinnere ich mich am nächsten Tag nur noch daran, wie ich besoffen um halb 4 morgens in den Burger King am Leopoldplatz kotze, um gleichzeitig wie ein kleines Kind nach den Bacon-Cheese-Nuggets mit Fünffach-Whopper und Country Potatoes zu schreien. Und legt mir noch neun Hot Wings obendrauf. Tschüss, bis später!

Schuld daran ist natürlich das Fernsehen. Und die Gesellschaft. Und die Werbung. Nicht ich. Ich könnte mich den ganzen Tag lang von Pfirsichen (wenn ich nicht allergisch dagegen wäre) und eigens gezüchteten Tomaten mit sich selbst erlegtem mageren Hühnchenfleisch ernähren, wenn mir Doug Heffernan nicht ständig suggerieren würde, wie schwul Vitamine doch sind. Und überall wird man eben mit Currywürsten und Döner zugemüllt. Und Colonel Sanders von Kentucky Fried Chicken würde mich im Schlaf verfolgen und durch ein Feld mit überdimensionierten Maiskolben jagen, wenn ich aufhören würde, seine Finger-lickin’-good-Produkte zu konsumieren. Ihr seid schuld! Nicht ich. Arschlöcher.

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn ich merke nicht nur, wie träger und müder und unkonzentrierter ich wegen diesem Massen-Nahrungsmüll werde, sondern dass es mir oft auch gar nicht mehr schmeckt. Also manchmal. Burger King kann noch so oft seine Produktpalette ändern – das Zeug schmeckt immer gleich. Nach geräucherten Landstreichern. Immer. Call A Pizza verkauft in Fett ertränkte Kalorien-Frisbees mit zehnfach Käse, deren Herstellung wahrscheinlich jährlich elf Pizzabäckern die Fruchtbarkeit kostet. Und von den Asia-Nudeln am Alexanderplatz will ich gar nicht erst anfangen. Bevor ich mir die noch einmal kaufe, ziehe ich lieber nur mit einem Elefanten-Tanga bewaffnet in den Irakkrieg.

Eigentlich kann es doch gar nicht so schwer sein, in diesem Beruf nicht wie der Stereotyp eines schlecht recherchierten RTL-Berichts auszusehen. Oder der Typ von Nerdcore. Die Modebloggerinnen schaffen das schließlich auch. Okay, die leben allein schon durch die Heiratsanträge 64-jähriger Stalker aus Braunschweig. Oder hier, diese dürren Harry-Potter-Nerds, die sich jetzt alle einen zweifelhaften Bart aus den Milchbubiwangen pressen und so aussehen, als hätte ein Besen sie verschluckt. Ach ne, die sind ja gar nicht echt.

Was ist also zu tun? Klar ist: Ohne teilweise gesunde Ernährung werden wir das nächste Mac-OS-Update aufgrund eines Schlaganfalls oder einer Überfettung nicht mehr erleben. Ein wenig Sport machen. Sich mal ‘ne Stunde Zeit nehmen, um sich auf’s Rad zu schwingen. Oder sich im Park einen abhusten. Merke: Wichsen ist kein Sport. Am Wochenende dem Stress entkommen. Draußen auf einer Bank sitzen und mal ein Buch lesen, mit den Brüdern vom Jodelverein zum Paintball verabreden. Einfach mal wieder etwas Energie tanken.

Es geht nicht darum, sich jetzt von seinen Twitter-Freunden zu verabschieden, ein neues Leben als Fitness-Guru Power-Peter zu beginnen und mit dem Kettcar quer durch die USA zu fahren. Sondern sich darüber bewusst werden, dass man sich nicht ewig vor seinem Bildschirm verstecken kann, weil einem irgendwann die Fettpolster über die Augen wachsen. Und womöglich auch mal wieder etwas Geschlechtsverkehr zu haben. Mit mehr als einer Person. Auf dass wir das vor uns liegende Jahresende dazu nutzen, einen gesünderen Lebensstil zu zelebrieren. Mit allem was dazu gehört. Aber lasst mal erst morgen damit beginnen, hab schließlich noch Gutscheine für Mc Donald’s.

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Tally Weijl