Steve Jobs tritt ab - Vorbild, Junkie, Sektenführer

Tatsächlich hatte ich nicht besonders viele Vorbilder in meinem Leben. Eine Handvoll vielleicht. Da war dieser surfende Gutherz-Vater aus “O.C., California”. Sandy Cohen. Der immer ein offenes Ohr für seine…
Steve Jobs tritt ab

Vorbild, Junkie, Sektenführer

Tatsächlich hatte ich nicht besonders viele Vorbilder in meinem Leben. Eine Handvoll vielleicht. Da war dieser surfende Gutherz-Vater aus “O.C., California”. Sandy Cohen. Der immer ein offenes Ohr für seine Umwelt und Freunde und Feinde hatte. Oder die chinesische Autorin Mian Mian, die sich durch halb Shanghai schlief, dabei illegale Substanzen in diverse Körperöffnungen drückte und bei der man nie so richtig wusste, was denn nun alles Fiktion war und was nicht. Und dann war da Steve Jobs.

Es war für mich ein leichtes, mich durch seine nicht autorisierten Biografien zu wühlen, eine nach der anderen hatte ich verschlungen. Immer die gleiche Geschichte, immer ein wenig anders erzählt. Wie er von einem LSD-Junkie irgendwo im Silicon Valley mit Apple zu einem der bedeutendsten Männer in der Geschichte der Technologie wurde. Wie er mit falschen Versprechungen Geld aus grauen Anzugsträgern presste, heulte und schrie und bockte, wenn er nicht das bekam, was er wollte. Und wie er aus seiner eigenen Firma heraus geschmissen wurde, nur um dann wie ein Phönix aus der Asche empor zu steigen und alles noch viel größer und besser und sowieso zu machen.

Heute ist Steve Jobs 56 Jahre alt und krank. Und er möchte nicht mehr. Er schrieb einen Brief an die Welt. “Ich habe immer gesagt, dass wenn jemals der Tag kommen sollte, an dem ich nicht länger meine Aufgaben und Erwartungen als Apple-Chef erfüllen kann, ich der erste wäre, der das mitteilt. Leider ist dieser Tag gekommen.” Und das macht mich traurig. Nerd-traurig. Wenn ich auch nur jemals die Ambition hatte, irgendetwas Großes aus meinem Leben zu machen, dann war sie von ihm geborgt. Von nichts zu allem, Pionier sein, Neues wagen. Nichts bereuen.

Wahrscheinlich ist der Mann ein ziemliches Arschloch. Er schrie seine Mitarbeiter an, verleugnete seine Kinder, ließ Menschen um sich herum stets in aller Härte spüren, dass er sie nicht mochte und sie sich doch bitte aus dem dreizehnten Stock seines Glaskomplexes stürzen sollen. Weil’s Spaß macht. Darf man den etlichen Geschichten über ihn Glauben schenken, dann ist er kein Artgenosse, mit dem man gerne länger als zehn Minuten den selben Raum teilen wollte. Der Sektenführer, der Choleriker.

Und dann waren da stets Leute, die von seiner Aura berichteten. Von der unglaublichen Energie, die dich erfassen und mitreißen konnte, auch wenn die Ideen an sich totaler Schwachsinn waren und alle Zeichen auf Sturm standen. “Reality distortion field” nannten sie das. Wirklich. Er kam in den Raum, du warst gegen ihn, draußen flog ein Vogel vorbei, du warst für ihn. So schnell ging das.

Jetzt tritt der Mann, den niemand ersetzen kann, ab. Steve Jobs brachte den Windows-Hassern pure Hoffnung, den Hipstern die vermeintliche Individualität, den Kreativen die Kreativität. Und mir ein Vorbild, dessen Idealismus ich mir geklaut, kopiert und ganz tief in mir versteckt habe. So dass ich ihn niemals vergesse. Mach’s gut, Steve Jobs. Ich werde dich vermissen. Und dann fiel mir ein, dass du noch gar nicht tot bist.

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