Sendeschluss - Das Fernsehen schafft sich selbst ab

Fernsehsender wie RTL, ProSieben und Sat.1 hatten nun jahrzehntelang Zeit, sich die Gunst der Zuschauer besonders aufgrund eines einzigen Kriteriums zu erkaufen: Es gab ja sonst nichts. Während wir heutzutage…
Sendeschluss

Das Fernsehen schafft sich selbst ab

Fernsehsender wie RTL, ProSieben und Sat.1 hatten nun jahrzehntelang Zeit, sich die Gunst der Zuschauer besonders aufgrund eines einzigen Kriteriums zu erkaufen: Es gab ja sonst nichts. Während wir heutzutage einfach eine andere der zigtausend Webseiten aufrufen, wenn uns die momentane nicht gefällt, konnten wir beim TV nur zwischen einer Handvoll privater und den öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten wählen – oder eben gleich nach draußen gehen. In die Sonne. Auf die Wiese legen. Oder so.

Seit Jahren predigen die Digital Natives nun bereits das Ende des Fernsehens. Warum sich noch auf ein festgeschriebenes Programm einiger weniger verlassen, sich berieseln lassen, von den Volkssendern? Wenn man ständig und überall alles sehen und hören kann, wann und wo immer man es will? Ohne Werbeunterbrechung? Von Menschen, denen man vertraut, von Quellen, deren Interessen man teilt?

Wenn ich Filme oder Serien sehen möchte, dann lade ich sie mir herunter, lege mich mit meinem Laptop ins Bett und schaue sie dort, während ich Kekse und Chips zerkrümle. Ich kann sie anhalten, wann ich will, sie mitnehmen, aufs Klo, in die Küche, sie mit anderen teilen. Wenn ich Nachrichten erfahren möchte, warte ich nicht bis 20 Uhr, sondern hole sie mir sofort. Und zwar nicht aus den deutschen Medien, sondern den internationalen. Weil sie schneller sind. Und besser. Und vertrauenswürdiger.

Das Fernsehen, besonders das deutsche, beweist seit Jahren eins: Dass es überflüssig wird. Während Tripolis brennt, zeigen deutsche Sender Wiederholungen alter Serien oder Dokumentationen über den Fall der Mauer. Weil sie nicht genügend Geld besitzen, die Ereignisse medial abzudecken. Wenn in Köln eine erfolgreiche Spielemesse ihren Lauf nimmt, fällt den aufgepumpten Privaten nichts Besseres ein, als eine pseudofaschistische Reportage über sexy Studentinnen und hässliche Nerds zu senden. Weil sie damit das Klischee bedienen.

Es ist erstaunlich, dass das Fernsehen selbst aufzeigt, wie tot es eigentlich ist. Bei “Zapping International” auf Arte werden regelmäßig Familien in aller Welt besucht und das dortige Programm unter die Lupe zu nehmen. Die traurige Wahrheit: Überall läuft dasselbe. Konsumgeile Casting-Shows, verweichlichte und oft manipulierte Nachrichten, billig produzierte Filme, Soaps, Shows.

Anstatt die hesigen Zuschauer interessant und fordernd zu unterhalten und informieren, werden am laufenden Band die selben dämlichen Matschbirnen-Programme abgespielt, die bereits seit Jahren, Jahrzehnten, funktionieren. Dabei sind gerade einmal ein paar Leute dafür verantwortlich, was das Volk sehen soll. Allein dieser Aspekt ist natürlich, sagen wir es, wie es ist, dumm.

Aufgeblähte Sendezentren braucht kein Mensch, Life-Style-Magazine, die die “Quelle: Internet” entdeckt haben, ebenso wenig, “Big Brother”, “Verdachtsfälle”, “Alles was zählt Folge 72635″… warum tut sich den ganzen Scheiß noch irgendein vernünftig denkender Mensch an? Das ist keine Unterhaltung mehr, das ist Genozid. Und umso früher das alles ein Ende findet, umso besser. Für uns alle.

Farfetch

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Strellson

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

22 Kommentare

  • Das geile ist ja, dass die guten, amerikanischen Serien, die noch von HBO und Showtime produziert werden, es dann nicht rüber schaffen. Oder wenn, dann nur in synchronisationsverstümmelter Ausführung und zu den beschissensten Sendezeiten.

    Die Serien, die tatsächlich halbwegs qualitativ rüberkommen (ich denke an Stromberg), sind ein Abklatsch amerikanischer oder britischer Vorbilder. Es gibt tatsächlich kein Sendeformat im deutschen Fernsehen, dass irgendwie zufrieden stellen könnte. Infotaiment-Sender wie arte und von mir aus auch 3sat mögen zwar die bessere Alternative sein, können aber auch nicht die Interessen aller abdecken. Echt, Fernsehen ist ne Marktlücke geworden, die gefüllt werden muss.

    Wenn ich Netflix hätte könnte ich direkt nen Wisch unterschreiben, dass ich nie wieder Fernsehen gucken muss. Dass ich seit 3 Jahren keinen mehr habe spricht eigentlich nur dafür.

    • Marcel

      Das besonders Traurige daran ist ja, dass die Mehrheit der Deutschen gar nicht weiß, dass alles was sie gucken, eigentlich nur kopiert ist. Oder es interessiert sie gar nicht. Wenn sie die Alternativen kennen und nutzen würden, wenn sie mal ein wenig über den Tellerrand schauen würden, dann wäre das natürlich das Ende der deutschen Fernsehsender – bzw. sie müssten sich endlich mal Mühe geben, ein wirklich gutes Programm zu machen. Aber die meisten sind zu faul oder kennen sich nicht aus, dann gucken sie halt mal den ganzen Nachmittag RTL und sabbern ein wenig durch die Gegend.

  • Janna

    Habe meine Fernseher mal abgebaut um ihn woanders hinzustellen – und nie wieder angeschlossen.
    Ganz ehrlich, Greys Anatomy kann ich auch auf dem Computer gucken und wenn ich eine der zahllosen Telenovelas oder schlechten reality shows verpasse tut mir das bestimmt nicht Leid, ehrlich gesagt merke ich dass ich meine Zeit viel besser anders nutzen kann.
    Sicherlich liegt das auch am deutschen Fernsehen, es wird zwar viel in Deutschland produziertes ausgestrahlt aber fast nichts davon hat wirklich Qualität und die meisten Einschaltquoten werden wohl von Leuten kommen die sich über das Programm lustig machen. Oder mittels Autounfalleffekt : Man will weiter, kann aber irgendwie nicht weggucken. Auf jeden Fall ist es ganz furchtbar.

  • Ich glaube nicht, dass das Verhalten deutscher Fernsehrschauer so schlecht ist, wie es hier dargestellt wird. Ich kenne kaum Leute die in euer “Mehrheit aller Deutschen”-Raster fallen, von den Leuten die mich umgeben keiner. Jeder lädt seine Serie runter (im oton, weil ja besser und so), guckt Filme, weil sie gut sind, nicht weil sie im Kino kommen und betrachtet Fernsehen größtenteils als Ding für Menschen mit zuviel Zeit.
    Wenn man mal sieht was kommt ist das zwar grauenhaft, aber ich glaube “normale” Menschen gucken das auch nicht.

  • klabu

    hier die antwort auf den rtl-bericht.

  • Benjo

    das perfide an der ganzen medienlandschaft ist, dass alles bewusst gesteuert wird. der großen masse wird durch sinnbefreite doku-soap-formate vorgespielt, dass sie in einer heilen welt leben und dass ihr leben gut ist. sie hinterfragen nicht mehr und sehen leute denen es vermeintlich schlechter geht oder dass diese gezeigten leute noch asozialer sind als sie selbst.
    warum also an sich selbst arbeiten oder missstände anprangern?
    vor 20 jahren haben uns themen wie umweltschutz beschäftigt, heute diskutieren wir lieber über “die alm” oder welcher kandidat sich bei dsds am meisten zum horst gemacht hat

    die politik nutzt bewusst die kanäle der medienlandschaft, vor allem massenmedien wie print oder tv, um so von anderen, wichtigen ereignissen abzulenken. das tv hat seinen bildungsauftrag nach und nach zur seite geschoben und tarnt z.b. tim mälzers kochsendung als doku… so einfach ist das.

    über das thema “mind control” und die rolle in unserer oberflächlichen pop-kultur darf sich jeder gerne informieren!

  • „Jetzt kommt ja eh nichts mehr, also abschalten.“ – Peter Lustig

  • Philip

    Au weia. Da wird wegen eines pikanten RTL-Beitrags direkt gegen die komplette Fernsehlandschaft geschossen. Also um ein bisschen einzulenken: dass RTL gerne sich in BILD-Manier seine Zuschauer unterhält ist ja nun keine Neuheit. Da es die Bild ja auch noch gibt, zeigt halt nur, dass auch das einfacher gestrickte Volk unterhalten werden will, die sich mit Klischeebildern zufrieden geben. Dass über Tripolis kein Sender live sendete, liegt vielleicht daran, dass Montag Morgens um 1 nicht genügend Redakteure für ein Newsbreak anwesend sind – es halt nur für eine Einblende mit Internetverweis reicht – und dann um 5 Uhr darüber im Sender berichtet wird. Gutes Fernsehen ist aufwendiger als eine hochwertige Website. Und das macht auch den Reiz aus. Lagerfeuerstimmung bei “Schlag den Raab”. Das vertraute Gesicht des Anchorman der Nachrichten. Der Latenight-Moderator, die die Themen der Woche satirisch durchgeht. Auch das gibts im deutschen Fernsehen. Und im Endeffekt läuft im Fernsehen doch nur das, was die Masse will. Wenn sie bei RTL im Nachmittagprogramm fiktiven Streit zwischen zwei angetrunkenen Hartz4-Empfängern sehen will, dann gibt RTL ihnen das. Das Internet ist keine vollwertige Lösung zum Fernsehen. Nicht jeder möchte seine Filme per Itunes laden oder hat nicht das Geld dazu. Nicht jeder versteht native English speaker (zugegeben: ich greife, wenn es die Auswahl zulässt, eher zur synchronisierten Fassung. Tatsächlich leisten die deutschen Synchronstudios aber wirklich gute Arbeit – kaum zu vergleichen mit irgendeinem anderem Land). Nicht jeder möchte ausschließlich amerikanische Serien und Filme ansehen, da sie eine heimatfremde Kultur übermitteln.
    Sicher mach ich mich hier völlig zum Gespött, doch meiner Meinung nach wird das Internet niemals das Fernsehen vollwertig ersetzen. Und es zu ergänzen tut es ja bereits.

  • Kurze Info: In diesem Fernsehen, von dem du da sprichst, gibt es auch andere Sender als Pro7, Sat1 oder RTL.

  • sabrina

    Die Faszination…ne, das Wort ist zu stark. Das Tolle und Praktische am Fernsehen und eventuell auch der Grund dafür, dass es niemals abgeschafft werden wird und es schon gar nicht schafft, sich selbst abzuschaffen ist wohl das große Maß an Verantwortungslosigkeit. Und damit meine ich nicht etwa die Wahl des Programms der Sender. Sondern den Umstand, dass man als Konsument ganz einfach jegliche Form von Verantwortung ablegen kann.
    So lässt man sich wahllos berieseln, kann man ja auch gar nichts für, läuft ja nur scheiße und überhaupt, hast du die Asis letztens gesehen???
    Es gibt immer noch wahnsinnig viele Menschen – zumindest vermute und erlebe ich das – die nicht mal für die Wahl ihres Medienprogramms, geschweige denn für das ihrer Kinder – Verantwortung übernehmen wollen.

  • f.

    Das Argument, dass man dank “Zapping International” sehe, dass überall der gleiche Rotz laufe, stimmt nicht.
    Erst vor Kurzem sah ich Zapping aus Kuba. Dort gibt es neben Bildungssendungen (vermutlich Richtung “Hobbythek”), Propaganda-Rotze und Unterhaltungssendungen auch billigst produzierte Seifenopern. Und ausgerechnet die werden am liebsten gesehen.

  • Deal with it. » filzo.de

    […] Bezug auf Marcel und Marcel. Tags: Bla Antworten […]

  • Bisaz

    Neil Postman, “Wir amüsieren uns zu Tode”, 1985:

    „Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie“

    „Unser Fernsehapparat sichert uns eine ständige Verbindung zur Welt, er tut dies allerdings mit einem durch nichts zu erschütternden Lächeln auf dem Gesicht. Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“

    “Das Fernsehen ist dabei, unsere Kultur in eine riesige Arena für das Showbusiness zu verwandeln.”

    “Denken kommt auf dem Bildschirm nicht gut an, das haben die Programmdirektoren schon vor langer Zeit herausgefunden. Es gibt dabei nicht viel zu sehen.”

    “Der Ausdruck «Und jetzt …» umfaßt das Eingeständnis, daß die von den blitzschnellen elektronischen Medien entworfene Welt keine Ordnung und keine Bedeutung hat und nicht ernst genommen zu werden braucht. Kein Mord ist so brutal, kein Erdbeben so verheerend, kein politischer Fehler so kostspielig, kein Torverhältnis so niederschmetternd, kein Wetterbericht so bedrohlich, daß sie vom Nachrichtensprecher mit seinem «Und jetzt …» nicht aus unserem Bewußtsein gelöscht werden könnten.”

    Das hat Postman vor mehr als 25 Jahren geschrieben. Und als denkender Mensch, sollte er leider mit seinen Befürchtungen Recht behalten.

  • Das Fernsehen schafft sich nicht ab, unsere Sehgewohnheiten ändern sich, dafür rückt eine neue Generation nach, die unseren Platz einnimmt und die Sender schaut, die wir früher sahen, während wir auf einmal den Tatort gucken, zu arte zappen oder mit einem Buch und Wein auf dem Balkon sitzen. Wir werden einfach erwachsen und das Fernsehen bleibt stehen, für die nächste Generation.

    Mir wäre es zwar auch lieber, wenn TV-Serien wie in den Niederlanden hier im Original gezeigt werden, aber gut, dann kauf ich mir halt die Staffelboxen und seh sie mir mit der englischen Tonspur ohne Werbung an, wann immer ich möchte. Ja, für den Fernsehgenuss brauche ich selten Fernsehen, meistens bloß für Sportsendungen, aber ich denke nicht, dass das für den Durchschnittsmenschen gilt. Der schaltet auch weiterhin ein. Egal, was für ne Grütze kommt.

  • Frances

    Genau aus diesen Gründen steht meine Glotze seit 2 Jahren im Keller und das ist auch gut so.

  • StrirbBono

    Fernseher…der ist doch für die PlayStation gut!

  • eresPi

    …hab seit einiger Zeit meinen Fernseher (noch ein Röhrengerät) runtergestellt, setze mich darauf und betrachte mein Sofa und die Kissen darauf… ist interessanter…

  • ZDFneo TVLab » Dem Fernsehmüll den Kampf ansagen » Filme & Serien » AMY&PINK

    […] Montag, 29. August 2011Wisst ihr noch, als wir in unserem zornigen Artikel Sendeschluss darauf aufmerksam gemacht haben, dass das deutsche Fernsehen langsam aber sicher untergeht? Es ist […]

Puma