Vier Jahre Berlin - Stadt, Tiefe, Augenblick

Seit vier Jahren lebe ich nun in Berlin. Exakt vier Jahre. Ich könnte euch jetzt in güldenen Worten erzählen, wie großartig diese Stadt im Sommer ist. Dass es an jeder…
Vier Jahre Berlin

Stadt, Tiefe, Augenblick

Seit vier Jahren lebe ich nun in Berlin. Exakt vier Jahre. Ich könnte euch jetzt in güldenen Worten erzählen, wie großartig diese Stadt im Sommer ist. Dass es an jeder Ecke und zu jeder Zeit schmutzige Geheimnisse zu entdecken gibt, die euer weiteres Leben in einem einzigen Moment für immer verändern. Im positiven und negativen Sinn. Oder wie viele unglaublich talentierte und vor Aufbruchsstimmung glühende Menschen hier abhängen, die man allesamt kennen und lieben lernen sollte.

Doch wenn man erst einmal die aufregende Anfangszeit hinter sich gebracht und seine Seele in gewisse Strukturen und Verhältnisse eingebürgert hat, beginnt selbst der scheinbar unwirklichste Ort im Alltagsgrau zu versinken. Man fängt an über den Trends zu stehen, die in den ersten Wochen noch so unglaublich appetitlich waren und sich jeden Augenblick in eine Mutation ihrer selbst verwandeln.

Der Körper scheint sich an die endlose Hektik der Stadt anzugleichen, an der Neuankömmlinge stetig scheitern. Und man beginnt, die einst so hippen Events mit den immer gleichen hippen Menschen nicht nur kritischer zu betrachten, sondern sie fast als Farce anzusehen. Wahrheit und Kopie liegen nirgends so nah beieinander wie hier. Das Risiko, nicht mehr du selbst zu sein, dich zu verleugnen, ist allgegenwärtig.

Nicht selten verlor ich Freunde, die sich ohne Gegenwehr von Berlins fettigen, kräuselnden Ködern schnappen und in die Tiefe haben reißen lassen. Die den ewigen Versuchungen der nächtlichen Clubs, billigen Drogen, richtigen Feinden nicht standhalten konnten, nicht naschten, sondern verschlangen, nicht an Morgen dachten, den Konsequenzen abschworen. Und wenn man sie dann nach Monaten, nach Jahren wieder trifft, sind sie nur noch Schatten ihrer selbst, die bereuen, vergessen wollen, die Augen trüb, die Lungen mit widerlichen Atemzügen gefüllt.

Die wahren Glücksmomente entbehrt Berlin den Aufmerksamen. Denjenigen, die sich nicht vom Offensichtlichen verführen lassen, sondern ihren eigenen Weg in all den Straßen, Cafés und Altbauwohnungen finden. Gemeinsam mit Menschen, die es wirklich verdient haben, Zeit mit ihnen zu teilen. Die nicht nur zu dem schnelllebigen Ereignisvolk gehören, die dich zuerst mit ihrer imaginär endlosen Energie in Brand setzen und beim nächsten Atemzug klanglos hinter dem nächsten Industrietor vergehen.

Ein ewiger Kuss unter dem Feuerwerk am Ufer der Spree. Wenn einem die ersten Strahlen der Sonne nach einer durchzechten Nacht im Gesicht kitzeln, während im iPod dein Lieblingssong läuft. Wenn sich die Hoffnung und die Arbeit, die du in deinen Traum gesteckt hast, auch nur irgendwie auszahlen und Berlin dir zulächelt: Gut gemacht, weiter so. Es gibt noch viel zu tun.

Zögert nicht, diese Stadt zu lieben. Mit Herz und Seele, mit Verstand und Mut. Für immer. Denn wer ihren zahllosen Möglichkeiten folgt und die gut versteckten Hinweise klug nutzt, der verschmilzt mit ihr zu einer Einheit, deren Inspiration und Größe nur schwer zu fassen ist. Und doch merke ich immer öfter, dass Berlin nicht das Ende meiner Reise ist, es noch so viel mehr da draußen zu entdecken, zu sehen, zu verehren gibt. Aber all das wird die Zeit zeigen. Vier Jahre. Das ist so viel. Und doch so verdammt wenig.

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17 Kommentare

s.Oliver