Stilvolles Abkratzen - Wie willst du mal sterben?

Was hatten Wikinger, Samurai und Amy Winehouse gemeinsam? Genau: Im gesetzlich anerkannten Rentenalter ins Gras beißen, kam mal überhaupt nicht in Frage. Man musste gefälligst tapfer und mit Gebrüll im…
Stilvolles Abkratzen

Wie willst du mal sterben?

Was hatten Wikinger, Samurai und Amy Winehouse gemeinsam? Genau: Im gesetzlich anerkannten Rentenalter ins Gras beißen, kam mal überhaupt nicht in Frage. Man musste gefälligst tapfer und mit Gebrüll im Kampf verrecken. Stilvoll und anmutig im Krieg gegen die Armeen des Bösen. Oder eben jung und mit allen möglichen Opiaten auf der Lebensliste am Tiefpunkt seiner Selbst.

Wie man ums Leben kommt, ist ausschlaggebend für das weitere Ansehen bei Freunden und Verwandten. Klar, sie haben euch geliebt. Wenn ihr nicht gerade als Haushalts-Hitler durch die Gänge eurer 3-Zimmer-Wohnung flaniert seid und wild um euch geprügelt habt. Aber wenn man an euch zurück denkt, dann wird einem im selben Augenblick auch der erzählte Moment eures Ablebens in den Sinn kommen.

Es gibt schwule Tode. Beim Zähneputzen ausrutschen und euch die Bürste in den Rachen hauen. Zum Beispiel. Das kann man gar nicht weiter erzählen, ohne dabei zu kichern. Oder an einer medial aufgepumpten Epidemie erkranken. Denn das ist nur etwas für unwichtige Statisten. Oder bei einer kosmetischen Operation verbluten. Sie hat sich die Titten aufpumpen lassen und dann was? Tragisch, tragisch. Aber schwul.

Viel besser sind doch Heldentode. Er hat 35 Waisenkinder aus einem brennenden Heissluftballon gerettet und die runde Fackel anschließend eigenhändig auf einen getarnten Kommunisten-Nazi-Flugzeugträger gelenkt. Das ist großartig. Oder bei einem flotten Dreizehner mit der schwedischen Beach-Volleyball-Frauen-Nationalmannschaft und ihren jüngeren Schwestern grinsend wie Oscar umzufallen. Natürlich nachdem man den Orgasmus-Rekord aller Anwesenden im Raum in die Höhe gepimpert hat. Oder weil man mit einer Bombe unter’m Arm einer Horde Zombies entgegen rennt, nur um eine Mutter und ihr Kind… ach ne, das war ein Film. Egal.

Oft liegt das Epische aber auch im Detail. Als Hartz-IV-Empfänger an einer minderwertigen Ladung Heroin in der Bahnhofstoilette zu Grunde gehen? Schlecht. Als gefeierter Rockstar einer Überdosis Schlaftabletten in der Präsidenten-Suite im Ritz enden? Gut. Als seniler Opi am Mittwoch Nachmittag im Besucherraum des St-Martins-Stifts umfallen und sich dabei einkacken? Schlecht. Als geliebter Großvater den Sonnenuntergang am Lieblingssee genießend mit einem ehrlichen Lächeln einschlummern? Gut. Und irgendwie beneidenswert.

Doch die meisten von uns werden sowieso an einem Unfall, an einem Herzinfarkt oder an einer Krebserkrankung sterben. Sollte der Dritte Weltkrieg noch auf sich warten lassen. Das ist dann weder besonders Aufsehen erregend noch peinlich. Außer jemand macht Fotos davon und stellt sie auf 4Chan. Viel entscheidender sind dann aber eh die letzten Sekunden, wenn euer Leben wie in einem Anti-Trailer an euch vorbei zieht und euch die Momente in das zerfallene Gedächtnis donnert, die so großartig und fantastisch und einzigartig waren.

Wahrscheinlich ist die Anzahl genau dieser Momente auch viel wichtiger, als nur das oft unrühmliche Ende an sich ins hypothetische Rampenlicht zu stellen. Der Weg ist das Ziel. Oder so. Schließlich sind wir alle nicht für die Dauer gemacht. Und dennoch bleibt eine Frage offen, die wir uns sicherlich mehr als nur einmal in unserem kleinen Leben stellen: Wie willst du mal sterben?

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