Heuchlerisches Pack - Das Internet ist eine Wiederholung

Wenn man erst einmal sein halbes Leben im Netz verbracht hat und den Browser tagtäglich öfter sieht, als die Familie, die Freunde und den Spiegel zusammen, dann offenbart sich einem…
Heuchlerisches Pack

Das Internet ist eine Wiederholung

Wenn man erst einmal sein halbes Leben im Netz verbracht hat und den Browser tagtäglich öfter sieht, als die Familie, die Freunde und den Spiegel zusammen, dann offenbart sich einem ziemlich schnell eine einzige Wahrheit: Das Internet ist eine Wiederholung. Eine ewige, immer wieder kehrende Wiederholung. Von allem. Die Technik mag zwar ständig voran schreiten, die Schleifen, die bestimmte Ereignisse nach sich ziehen, scheinen jedoch für alle Zeit unverändert zu bleiben.

Beispiel 1: Katastrophen. Wenn ein paar Irre auf die Idee kommen, unschuldige Menschenleben auszulöschen, oder die Natur mal wieder verheerend um sich schlägt, bilden sich innerhalb von zehn Sekunden zwei verfeindete Lager. Die großen Medien, die mit Skandalschlagzeilen und aufdringlichen “Artikeln” um die Gunst der Leser und Zuschauer buhlen und keine Panikmache auslassen, und die Blogger und Twitterer, die auf eben dieses Unding aufmerksam machen. Natürlich mit nicht weitaus weniger reißerischen Texten. Um auch ja genügend Likes zu bekommen und auf Rivva zu landen. Wer meckert, bleibt bekannt. Stefan, Thomas, Don. Heuchlerisches Pack.

Beispiel 2: Social Networks. Weil viele Schnarchnasen zwei Jahre zu spät bemerkt haben, wie umwerfend Facebook, Twitter und Tumblr sein können, verplempern sie nun jede freie Minute damit, das nächste große Ding zu finden und bei jedem kleinen Lichtstrahl wie blöde darauf aufmerksam zu machen. Egal ob Diaspora, Wave und Google+ – sobald sich eine neue digitale Bleibe am Horizont abzeichnet, setzt bei vielen Netzbewohnern das Gehirn aus. Im Affekt werden Invites verschossen, so schnell wie möglich rein da, alles, was es bisher gab, ist alter Scheiß von vorgestern und Facebook konnten wir eh noch nie leiden. Bis sie nach drei Wochen merken, dass sich in ihr neues Zuhause nur Fat Nerdo aus Hannover und Billy, der pickelige Mitläufer, verirrt haben und dann so tun, als hätten sie nie etwas gesagt. Heuchlerisches Pack.

Beispiel 3: Verstorbene Berühmtheiten. Alle Jahre wieder beißt ein meist englischsprachiger Celebrity ins Gras. Michael Jackson, Ryan Dunn, Amy Winehouse. Was passiert? Na klar. In den sozialen Netzwerken avanciert “RIP” zum Wort des Moments. Fotos, Songs und Videos werden geteilt, betrauert, kommentiert. Bis dem gelangweilten Schornsteinfeger-Azubi Fabian P. aus L. einfällt: “Hey… in Afrika sterben auch Menschen!” Schnell jedem rein drücken. Und natürlich hat er recht. Wenn auch sonst nicht oft im Leben. Aber wir trauern um Michael und Amy, weil sie uns tief bewegt haben, zum lachen, weinen und nachdenken gebracht. Und egal wie schockierend wir andere Tode finden, emotional lassen wir eben nur Menschen in unser Herz, für die wir etwas empfinden. Alles andere wäre dumm. Und nicht ehrlich. Heuchlerisches Pack.

Leider sind das nur drei prägnante Punkte, die man als aufmerksamer Beobachter der deutschen Netzkultur wiederholt zu Gesicht bekommt. Von Politik-Bashing, Shitstorms und Troll-Lagern möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Denn egal wie neu und revolutionär und weise sich das Internet und ihre Bewohner oft präsentieren, im Grunde geht es nur um eines: Die Aufmerksamkeit des Einzelnen.

Das große Problem an dieser Sache ist: Um diese zu erhaschen, neigen viele Kleingeister dazu, sich wider das Gefühl der Masse zu stellen und eine Gegenmeinung zu vertreten – obwohl sie diese Position womöglich gar nicht verkörpern. Doch die Chance auf kurzfristigen Ruhm wird in diesem Augenblick höher gestellt, als die freie Entfaltung des eigentlichen Standpunkts. Wie ein kleiner Schreihals, der lautstark um die Gruppe rennt, und dann doch nur Müll zu sagen hat, wenn man ihn dann ansieht. Und der eigentlich nur dazu gehören möchte.

Seid also nicht allzu überrascht, wenn sich im Internet immer und immer wieder die gleiche Schose abspielt. Blogs, Webseiten und Charaktere mögen sich vielleicht mit der Zeit austauschen, aber der Geist der Akteure bleibt derselbe. Und nach ein paar Runden Celebrity-Terror-Network sitzt ihr nur noch sabbernd und resignierend da, stoßt ein “Kenn’ ich schon” aus euren verkrusteten Mündern und möchtet am liebsten umschalten. Doch das ist schlicht nicht möglich und ihr müsst einsehen: Das Internet ist eine Wiederholung.

ONLY

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Asics

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

15 Kommentare

  • Das ganze Leben ist eigentlich nur eine Wiederholung. Es gab sicher schon vor uns jemanden, der die gleiche oder eine ähnliche Idee wie wir hatte. Da ist das Internet nicht besser. Im Internet stehen ja auch nur Sachen die jemand mal erlebt oder herausgefunden hat.

    YaknowhatI’msayin?

  • LIFE&JULY

    die art wie ihr schreibt ist echt gut ;)

  • Ben

    wasn n shitstorm ? (ehrliche frage)

  • S

    Da nimmt sich Amy&Pink wieder selbst aufs Korn und recycelt alte Texte mit leichten Anpassungen ans aktuelle Geschehen und 95% der Leserschaft werdens nicht merken, weil Aufmerksamkeitsspanne und Gedächtnis klein geschrumpft worden. Womit wir in gewisser Weise beim Ursprung des Problems sind…

  • Marcel

    Den Artikel will ich sehen.

  • Monsieur Croche

    Stimme betreffendvder Heuchelei bei Punkt 1&2 voll zu. Ich frage mich manchmal wie ernst die Trauer der Menschen wirklich ist oder ob sie Trauer bloss vorheucheln. Manchmal ertappe ich mich selbst beim Heucheln.

  • Hanoi

    Welcome to the jungle!

  • robert

    Ryan Dunn ist tot? OMG, R.I.P.!!!

  • Rene

    Oh man was für ein dummer Artikel. Ist euch schon mal aufgefallen, dass unter diesen “Kritikpunkten” die komplette Menschheit, nein vielmehr (so gut wie) Alles eine “Wiederholung” ist.
    Naturkatastrophe…kenn wa schon, nur die “Charaktere” und die “Website” haben sich geändert.
    Gestorben…dann wären sie ca. 100 milliardste
    Arbeit… lol?
    verliebt?… ja das ist dann wohl das xte mal(und erlich es ist der gleiche Stoffwechselprozess wie immer)
    kind bekommen?… dann wäre es wohl ca. das 100 milliardste und deine eigene Geburt hast du ja auch schon miterlebt…

    essen, schlafen, reisen, die Anziehungskraft(hat die sich jemeils groß geändert?), Bewegung der Planeten, Tag und Nacht, Ebe und Flut, ein Stern bricht in sich zusammen.
    Alles immer und immer und immer und immer wieder. Bis vielleicht eines Tages unser Universum in einem Big Bang, Big Crunch, Big Rip (ja nennt sich wirklich so) oder was auch immer endet und (mal wieder) ein neues entsteht.

    Vielleicht wäre dem Verfasser das aufgefallen, wenn er nicht mehr Zeit vorm Browser verbracht hätte, als mit der Familie, den Freunden und dem Spiegel zusammen.-haha

    lg Rene

  • Reg Dich nicht so auf. Das Leben ist eine einzige Wiederholung. Sabbern, lachen, spielen, heulen, diskutieren, lernen, besserwissen, lieben, altern, sterben.

  • Mathias

    True dat.
    Lässt sich allerdings nicht nur im Internet beobachten, sondern auch bei genügend traditionellen Medien. Print und Rundfunk stechen da ganz besonders hervor.

    An die Kommentierenden: Natürlich wiederholt sich alles Natürliche, aber der Mensch ist schon lange vom triebhaften, tiergleichen Wesen zu einer Spezies geworden, die ihr Verhalten verändern und sich anpassen kann. Darum ist Soziologie ja auch keine Naturwissenschaft.
    Will heißen: Vor 200 Jahren hätten die Leute auf die beschriebenen Ereignisse wahrscheinlich anders reagiert. Was nicht daran lag, dass es kein Internet gab, sondern weil das menschliche Verhalten, die Kultur und die Sitte anders waren. Dass in den letzten Jahren zumindest in Teilbereichen ein gewisser geistesevolutionärer Stillstand zu beobachten ist, kann man ruhig mal hervorheben. Und dann ist der Internetuser an sich ja wieder ein besonders leicht zu durchschauendes Wesen.

Urban Outfitters