Amy Winehouse - Der frühe Tod einer Leidenden

Die britische Sängerin Amy Winehouse wurde gestern Abend leblos in ihrer Wohnung in London aufgefunden. Über etliche Social Networks wird gepostet, getwittert und weiterhin Beileid ausgesprochen. „RIP Amy“. Ob im…
Amy Winehouse

Der frühe Tod einer Leidenden

Die britische Sängerin Amy Winehouse wurde gestern Abend leblos in ihrer Wohnung in London aufgefunden. Über etliche Social Networks wird gepostet, getwittert und weiterhin Beileid ausgesprochen. „RIP Amy“. Ob im News Feed oder Google Reader, die gleiche Nachricht wird tausendmal angezeigt, selbst in der Bahn höre ich nur wenige Stunden später Jugendliche darüber aufgeregt sprechen.

Während in Oslo 92 Menschen gestorben sind, scheint uns der Tod dieser einen bekannten und doch völlig fremden Person intensiver zu erschüttern. Wieso geht es uns so nahe? Tagtäglich schildern die Nachrichtensprecher in monotoner Stimmlage, wie viele Menschen erneut wo und wann umgekommen sind. Es gehört zur Tagesordnung, wir sind es gewohnt.

Ob 100 oder 2000, es ist eine Zahl, die wir mit Distanz und einer unveränderten Miene entgegen nehmen. Abstrakt und kaum einzuschätzen, ohne Gefühl. Sobald wir auch nur ein Detail über den Menschen hören „Mutter“ oder französischstämmig“ werden wir sentimental, es geht uns nahe. Dieser Mensch ist uns nicht mehr fremd. Doch ist es verwerflich, dass wir um sie trauern, wie um Menschen aus dem Bekanntenkreis? Alle drei Sekunden stirbt ein Kind.

Über Amy Winehouse wissen wir so viel mehr. Ihre Erfolge wurden mitgefeiert, ob auf Konzerten oder vor dem Fernsehen und gleichzeitig wurden wir Teil eines Publikums, das ihre öffentlichen Kollapse mit ansah. Und wer was über sie weiß und es für gutheißt, der darf auch trauern. Schon zu Lebzeiten hat sie Kultstatus erreicht. Mit ihrem Tod gebar sie eine Ikone. Damit die Ironie des Lebens weiter bestehen kann, wächst der Ruhm erst nach dem Tod.

Dazu trug nicht nur ihr Aussehen bei. Nein. Das von den Renottes geborgte toupiertes Haar, der tätowierte Körper, der Liedstrich war kein Modestatement, doch auch die Welt der saisonbedingten kommerziellen Kleidung hat sie inspiriert. Doch sie tat das, was kaum ein Künstler der Moderne schafft. Sie berührt unsere Seele mit ihrer eigenen.

Amy Winehouse war eine der Ersten mach dem Millenium, die als Frau in der souligen Popwelt etwas zu sagen hatte. Wir lernten sie kennen, weil sie eine der wenigen war, die ihr Wesen und ihre eigene Gedanken in ihren Liedern offenbarte. Und das ist Kunst, wenn nicht gar eine neue Avantgarde. Millionen von Alben verkaufte sie, und fünf Grammys waren ihrer würdig.

In „Rehab“ sang sie öffentlich über ihren Alkohol und Drogenkonsum. In “Black to Black” über den Schmerz der unausgelebten zweiseitigen Liebe, ein Spiel bei dem man nur verlieren kann. Love is a losing game. Und in „You know I’m No Good“ macht sie sich selbst dafür verantwortlich. Eine weitere Ikone, die mit 27 Jahren aus dem Leben schied. Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Jim Morrison. Sie alle taten es. Es ist der berühmt berüchtigte Klub 27. Drogen, Alkohol, Talent und eine große Priese unverwechselbare Persönlichkeit sind Bedingung zur Aufnahme.

Es ist die Lebensgeschichte derjenigen, die in ihrem exzessiven Lebensstil mit dem System nicht zurecht kommen und dies in ihrer Musik verarbeiteten, um damit immensen Einfluss auf die Musikwelt ausüben. Daraus entstand Kunst, wie es sie mit ehrlichen Worten und dieser soulig rauchigen Stimme kaum in der Musikwelt zu finden gibt. Wir erfahren aus der glorreichen und glamourösen Popwelt selten die Schattenseiten. Wer scheitert, ist nicht erfolgreich und landet damit nicht auf der Bildfläche. Doch sie haben erst die Schattenseiten und kurz darauf den Tod gekostet. Hätte man es verhindern können?

Amy hat zu dem gestanden, was sie war. Und doch scheint es, als hätte sie sich bestraft für das eigene Selbst und gleichzeitig erlöst vom eigenen Wesen. Es ist der Künstler, der sich in das Bild der ästhetischen Romantik einfügt. Sie äußerte bereits einmal die Angst, dieses Alter nicht mehr erleben zu können. Doch so ist es leider mit den besonderen Menschen dieser Welt. Sie gehen zu früh und bleiben stattdessen in unserer Erinnerung. Und in unserem Herzen. Für immer.

s.Oliver

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20 Kommentare

  • Sebastian

    Amy Winehouse mit Kurt Cobain, Jimi Hendrix & Jim Morrison gleichsetzen – na herzlichen Dank.

  • Vor allem: Wem geht denn bitte hier in D der Tod eine Amy Winehouse näher als das Massaker in Oslo? Jungendliche werden hingerichtet, in Afrika stribt alle 6 Minuten ein Kind vor Hunger – und Ihr widmet diesem kaputten Mädel einen Nachruf. Jemandem, dem (fast) alles gegeben wurde und die sich selber hingerichtet hat.

    Herzlichen Glückwunsch, da habt Ihr ein echtes Leck zur Realität. Aufwachen und zurück kommen.

  • Oliver

    Wieso darf man nicht einmal in Ruhe über den Tod einer Person schreiben, trauern, ohne dass jemand daher kommt und uns erzählen möchte “Schau’ mal hier: Oslo, Afrika, 2. Weltkrieg – der Tod von AW ist nichts dagegen im Vergleich!”. Müssen wir immer aufrechnen?

    Someone’s daughter is dead. Shut the fuck up.

  • diese vergleiche mit dem massaker in oslo sind einfach lächerlich und scheinheilig.
    man könnte das massaker genauso vergleichen mit den verhungernden kinder in afrika. und dann dürfte man sich nicht mehr über oslo betroffen zeigen.

    wer von euch denkt noch an japan? wer von euch denkt noch an 9/11 ? wer von euch denkt noch an darfur?

    es gibt viele schlimme sachen in dieser welt. und nur weil man traurig ist über den tod einer großartigen künstlerin wie amy winehouse, heißt das noch lange nicht, dass man gegenüber all den anderen ungerechtigkeiten und grausamkeiten dieser welt gleichgültig ist.

  • Klar der Tod einer Person die sich ihr Leben lang von morgens bis abends zugedröhnt hat soll uns näher gehen als der Tod fast 100 Jugendlicher, die auf brutalste Art und Weise hingerichtet wurden?! Ernsthaft. Ihr habt hier in letzter Zeit echt den Arsch offen.

  • Chihuahua

    Schrecklich. Aber vorhersehbar.

  • Meltem

    Ich schließe mich Oliver und Mobo und, muss aber leider auch feststellen, dass ich missverstanden wurde.

    @ThilliMilli: es ist nur eine Beobachtung, in meinem Newsfeed wurde öfter von Amy berichtet als von Oslo.
    Wir sind alle mehr oder weniger ein Teil der Popkultur. Ich versuche übrigens nur das Verhalten derer zu erklären, denen der Tod von Amy näher geht. Das ist keine allgemeine Behauptung, die auf jeden übertragbar ist.

    Der Artikel erwartet nicht vom Leser und dem Rest der Menschheit “dass man gegenüber all den anderen ungerechtigkeiten und grausamkeiten dieser welt gleichgültig ist.”
    Ganz im Gegenteil! Sollte aber klar sein.

  • jürgen

    “Doch sie tat das, was kaum ein Künstler der Moderne schafft. Sie berührt unsere Seele mit ihrer eigenen.”

    mädchen. warum schreibst du eigentlich so viel ungebildeten quatsch? vom rest möchte ich gar nicht erst sprechen.

    • Meltem

      Bitte äußere deine Kritik sachlich und nicht mit sexistischem Unterton.

      Randbemerkung: “ungebildeter Quatsch” ist eine sinnfreie Bewertung, denk mal darüber nach.

      • Lena

        Also man kann es mit der Sensibilität in Sachen geschlechtlicher Diskriminierung auch übertreiben. Würdest du nun “Martin” heißen, hätte anstelle von “Mädchen” eben “Junge” dort gestanden. Ob derartige Ausdrücke rhetorisch klug gewählt sind, wenn man von seinen Diskussionspartnern ernst genommen werden möchte, sei allerdings einmal dahin gestellt…

  • jürgen

    “Randbemerkung: “ungebildeter Quatsch“ ist eine sinnfreie Bewertung, denk mal darüber nach.”

    ist es nicht. auch gebildete aussagen können durchaus hohl sein (sorry, nice try). bei deinen artikeln trifft das leider nicht zu. sie sind einfach nur hohl.

    ich frage mich im übrigen, ob du für das, was du schreibst (s. oben zum modernen künstler), überhaupt scheine in der kunstgeschichte bekommst (sollten deine qualifikationsarbeiten dem gleichen niveau entsprechen, wie deine artikel hier). ist das so?

  • twist

    endlich ist die crackhure tot. mehr gibt es dazu nicht zu sagen. wer sich lebend selber langsam umbringt ist es auch nicht wert betrauert oder nach dem tod glorifiziert zu werden.
    auf der ganzen welt sterben momentan menschen an weit schlimmeren und schockierenderen dingen, die durch die berichterstattung von deutschlands boulevardpresse (in die ihr euch gerade hervorragend einsortiert) in den hintergrund gedrückt werden.
    die fotze dann noch mit kurt cobain oder jimi hendrix gleichzusetzen kommt genauso einem kopfschuss gleich, wie das verfassen dieses artikel an sich.

  • Helena

    Natürlich ist ein Nachruf gerechtfertigt. Aber mal ganz ehrlich, die “Scheinheiligkeit”, mit der man jetzt im Nachhinein Amys Größe würdigt, das ist doch ätzend – wobei ich jetzt damit nicht alles und auch nicht Meltems Artikel da über einen Kamm scheren möchte.
    Ich kann mich nicht in erinnern, in den letzten Monaten/Jahren mal irgendwo etwas gelesen zu haben, das Amys Musik Tribut zollt. Für die Medien war sie doch längst nur noch eine Junkie-Lachnummer, nothing more.
    Und Edit zu Cobain: Dessen Drogensucht hing maßgeblich auch mit seinen chronischen Magenschmerzen zusammen, die ihn lange plagten und für die es lange keine medizinische Erklärung gab. Zudem bestach Nirvana mit gesellschaftspolitischem Auftreten und Song-Inhalten – da muss man sagen, was das betrifft war Amy ja nur eine Pop-Chanteuse; wenn natürlich auch hoch-talentiert.

  • Leo

    ich weiss es ist nicht lustig aber irgendwie passt dieses bild voll: http://30.media.tumblr.com/tumblr_lost10ZmL81qjtc12o1_500.jpg

  • Ann

    Ich denke, sowas kann einem nur sehr nah gehen, wenn man selber in dieser Welt mit diesem System nicht zurechtkommt. Und davon gibt es nunmal immer noch ein paar Menschen. Ich glaube nicht, dass Amy sich mutwillig zugedröhnt hat und dafür “gewürdigt werden wollte”, sondern dass sie einfach eine Person war, die öffentlich unter dem Druck zusammengebrochen ist.
    Und wenn man jetzt damit argumentiert, dass sie es ja in ihrem Leben viel besser hatte – ich denke nicht, dass man was dafür kann, in welche Welt man geboren wird. Zudem zeigt Amys Tod meiner Meinung nach einfach nur ein Schicksal auf, was stellvertretend für viele andere steht. Und ich finde es unmenschlich, zu behaupten, dass Menschen, die ohne Drogen nicht mehr leben können und sich so in den Tod treiben, keinen Nachruf verdient hätten. Jeder hat mit seinem eigenen Schicksal zu kämpfen und bevor man darüber urteilt, sollte man vielleicht ein besseres Bild von der eigentlichen Lage des Menschen haben, als die ganzen subjektiven Medienberichte rüberbringen.

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