Zukunft in der Modebranche - Depth Of SuperficialityDie Tiefe der Oberflächlichkeit

Während dieser Woche hatte ich einzig allein unter der Dusche die Zeit zum Nachzudenken und eben jetzt, hier im idyllischen Dorf in der Nähe von Darmstadt. Ich denke gerne nach,…
Zukunft in der Modebranche

Depth Of SuperficialityDie Tiefe der Oberflächlichkeit

Während dieser Woche hatte ich einzig allein unter der Dusche die Zeit zum Nachzudenken und eben jetzt, hier im idyllischen Dorf in der Nähe von Darmstadt. Ich denke gerne nach, ich finde, Nachdenken ist eines dieser Schönheiten im Leben, die man nicht genug verwirklichen kann. Es ist purer Luxus, für den, der es kann und darf. Geht es um die Existenz des Menschen, so ist es ein unverzichtbarer Kreislauf, der hemmt und zugleich fördert.

Seit ich zwölf bin, träumte ich davon in der Modebranche zu arbeiten. Modedesignerin wollte ich immer werden, als Tochter einer Maßschneiderin fantasierte ich davon, zu zeichnen, entwerfen, nähen und verwirklichen, den ungebrochenen Stoff zu einer Robe einzig allein für die Frau zu verwandeln, in der ich mich selbst endlich bewundern konnte. Da ich nicht zeichnen kann, gab ich den Traum schnell auf, doch von der Leidenschaft der Kleidung selbst kam ich damit trotzdem nie weg.

In mir selbst gab es aber auch den idealistischen Wille nach Veränderung und Verbesserung. Als Politikerin wollte ich nach jahrelanger Konfrontation und damit verbundener negativer Erfahrung, für Aufklärung sorgen. Mit der Zeit nämlich, rüttelte man an meinem Empfinden für Gerechtigkeit und bestärkte es nur dadurch, verfeinerte meinen Sinn. Die Ignoranz Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten und andersartigen Menschen war für mich unvorstellbar, es provozierte mich gar. Es fand eine Entwicklung eines Pflichtbewusstseins statt, das immer intensiver wurde. Reinste Utopie, Ironie des Lebens. Das Erwachsenwerden ist der Prozess des Verlustes an Idealen, aber wer ich bin, habe und werde ich nie vergessen.

Doch die Erfahrung wollte ich einmal machen. Wie sieht sie aus, die Modewelt? Wie viel Tiefe steckt in der Oberfläche? Worüber wird wirklich gesprochen? Zwischen all dem Stoff und den belanglosen Gesprächen über Kleidung, denen ich mich unterwarf, fragte ich mich jeden Abend und nun? Was jetzt? Ist es ein verlorener Tag oder hatte ich wenigstens Spaß?

Kreativ war vieles, was es zu sehen gab, doch die Gespräche über das, was jeder sah, ermüdeten und langweilten auf Dauer. Wie Marcel zu sagen pflegt, man sucht dann doch das Gespräch mit den Interessanten auf. Im Shuttle zu Augustin Teboul darf man den Redakteuren des Zeit Magazins gegenüber sitzen und neben Mode – natürlich, wenn auch der Style Director Tillmann Prüfer dabei ist – über die Zeit, Helmut Schmidt, und die Islamdebatte sprechen.

Und bei Lala Berlin hat man plötzlich den Modefotografen mit mehr als 20 Jahren Erfahrung und meinen Vorbildredakteur Alfons Kaiser der FAZ als Nachbarn. Beeindruckende Bilder, die teilweise älter als ich selbst sind, von New York über Paris, von Versace, Yves Saint Laurent bis Victor & Rolf durften wir auf seinem iPhone bestaunen und nebenbei erklärte er uns den Kern der Berliner Modewoche. Hier ginge es im Gegensatz zu Paris und New York weniger um Mode, es drehe sich viel mehr um Events und Leute. Vielleicht ist das der Grund, warum man sich im Ausland noch nicht so ganz drum schert.

Dass man sich in all der Oberflächlichkeit nicht verlieren muss und mit einer gewissen Distanz noch Freude an der Leidenschaft, die zur Arbeit wird, haben kann, erklärte mir der Journalist Alfons Kaiser. Sein beeindruckender Werdegang, zeigt auf ermutigende Weise, dass man nicht wie alle anderen auch in dieser Branche Modejournalismus, Modedesign oder gar BWL studieren muss. In Heidelberg und Wien studierte er Germanistik, Politikwissenschaft und Psychologie. Damit ist wohl auch zu erklären, warum gerade er sich als Geisteswissenschaftler aus Distanz mit seinem Lieblingsthema beschäftigt und sie mit unvergleichlichen Fachkenntnissen und dem Studium der Geisteswissenschaften Mode bewerten kann wie kein anderer.

Die Berührung mit kosmopolitischen Menschen, die mit ähnlichem Hintergrund aufwachsen, ist eines der besten Dinge, wenn es um das Zwischenmenschliche geht. Ich hatte die Gelegenheit den Journalist und Buchautor Henryk Broder im Literaturcafe persönlich kennenzulernen. Wie ähnlich manche Erfahrungen zwischen einem 64-jährigen deutschen Mann mit jüdischen Wurzeln und zwei Mitte zwanzig jährigen jungen Frauen mit alevitischen Wurzeln sein kann, hat mir das Gespräch gezeigt und mich selten wie nie zuvor ermutigt. Es gibt also doch auch andere Menschen mit vergleichbaren Erfahrungen.

Denn in einem Land aufzuwachsen, welches das eigene nicht als heterogene Volksgemeinschaft duldet, und für Akzeptanz, Toleranz und das richtige Maß an Empathie noch nicht bereit ist, führt man als „Deutsch-Türkin“ oder wie auch immer man das nennen mag, eine lebenslange Auseinandersetzung, die viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Wie auch, wenn man keine Identität hat und irgendwelche Menschen, von oberen Positionen versuchen, Gastarbeiter und ihre Nachkommen als Exemplare korrekt und passend zu titulieren, um den Umgang zu vereinfachen. Die Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen hatte mir bis zu diesem Tag gefehlt. Und auch das Erörtern der Symbolik von Kleidung, auch darüber konnten wir sprechen, ohne dabei das Gefühl zu haben, über etwas Frivoles, oder Belangloses zu sprechen.

Herr Broder äußerte den Verdacht, dass sich einmal im Jahr alle bedeutenden Männer der Modebranche treffen, um die Frauen zu „verarschen“. Lassen wir das mal so stehen. Aber die Beobachtungen, dass Frauen alle Trends mitmachen, obwohl sie nicht ihrem Schönheitsbild entsprechen, dem stimmen wir natürlich zu. Die „indiskrete Leggins“, die von russischen Frauen als Unterwäsche getragen wurde oder die Haremshose, die von syrischen oder anatolischen Bauern auf dem Land getragen wird, sind eines dieser Trends. Die homosexuellen Männer sagen in der Modewelt den Ton an, und die Frauen horchen der Diktatur, so Broder. Sie werden dabei zum Opfer der Einfallslosigkeit und des Kapitalismus, ohne es zu merken. Und genau das ist das einzig Traurige an der Mode.

Die Woche war erfahrungsreich, tolle Kleider durfte ich sehen und tragen. Doch meine Zukunft stelle ich mir in diesem Business nicht vor, eine prototypische „Fashion-Bloggerin“ bin ich auch nicht. Aus Frankfurt über Mode schreiben ist wohl auch eine Art der Distanz, von der Herr Kaiser sprach, und die ich mir selbst auch gerne von hier verschaffe.

Und doch denke ich mir, muss es meine Herkunft sein, die mir diese gewisse Ignoranz nicht zulässt. Wären meine Eltern nicht nach Deutschland gekommen, ich stünde nicht hier in Kleidung, die von mir hätte genäht werden können. Zu fünzig Prozent näht sie mir meine Mutter, doch das tut nichts zur Sache. Mein Vater wurde unter ärmlichen Verhältnissen groß, arbeitete mit 14 Jahren in Fabriken am Band, wobei seine Kleidung dreckig wurde.

Als Baby trug ich manchmal keine Pampers, sondern wurde in ein weißes Stück Stoff gewickelt, weil meine Eltern nicht genug Geld hatten. Wie kann ich da von Highbrand-Marken wie Vuitton oder Hermes sprechen und auf meiner Haut tragen. In der türkischen Kultur hat Schönheit einen unsagbar hohen Wert, doch wie sehr ich zu dieser Kultur gehöre, ist unklar. Aber gerade diese Situation ist es, die es mir nicht erlaubt, mich mit diesem Thema oftmals ohne schlechtes Gewissen zu beschäftigen.

Doch anders als der, der sich der Religion oder seinem Vaterland hingibt, schadet der Modemensch keinem, höchstens sich selbst. Man darf eben nie vergessen woher man kommt, und was man im Leben wirklich erreichen will. Und das Schönste, was ich in diesem dreistündigen Gespräch über Gott und die Welt gelernt habe: Humor ist das Zauberwort, das es mir möglich macht, mit jeder Schwierigkeit umzugehen.

During this week I was only alone in the shower, the time to think and even now, here in the idyllic village near Darmstadt.“¬ “ªI’m thinking like, I think, is a reflection of these beauties in life that can not realize enough of.“¬ “ªIt is pure luxury for those who can and must.“¬ “ªWhen it comes to man’s existence, it is a vital circulation, promotes and inhibits the same time. “¬

“ªSince I was twelve, I dreamed of working in the fashion industry.“¬ “ªI always wanted to be a fashion designer, the daughter of a Maßschneiderin I fantasized them to design, draw, sew and realize, only to transform the unbroken fabric of a gown for the woman alone, in whom I could admire himself at last.“¬ “ªSince I can not draw, I gave the dream up quickly, but by the passion of the clothing itself, I was still so never lets up. “¬

“ªWithin myself, there was also an idealistic desire for change and improvement.“¬ “ªAs a politician, I wanted to make after years of confrontation and the associated negative experience for education.“¬ “ªOver time, namely, it shook my sense of justice and it only reinforced by my refined sense.“¬ “ªThe ignorance of injustices against minorities and different people was unfathomable to me, it even provoked me.“¬ “ªThere was a development of a sense of duty that was more intense.“¬ “ªMost pure utopia, an irony of life.“¬ “ªGrowing up is the process of loss of ideals, but who I am, and I’ll never forget. “¬

“ªBut I wanted to experience again.“¬ “ªAs she sees it from the fashion world?“¬ “ªHow much depth to the surface?“¬ “ªWhat is really spoken?“¬ “ªBetween all the substance and the inconsequential conversations about clothes, which I subjected myself, I asked myself every night and now?“¬ “ªWhat now?“¬ “ªIs it a lost day or at least I had fun? “¬

“ªCreative was much of what there was to see, but the conversation about what everyone saw, tired and bored in the long run.“¬ “ªLike Marcel likes to say, but then you look at the conversation with the interesting.“¬ “ªThe shuttle must be on Augustine Teboul the editors of Time magazine over and sit next to fashion – of course, though the style here is director Tillmann auditors – about the time, Helmut Schmidt, and discuss the debate on Islam“¬.

“ªAnd when you suddenly Lala Berlin fashion photographer with more than 20 years experience and my role model editor Alphonsus Emperor of the FAZ as neighbors.“¬ “ªStunning images, some of which are even older than I, from New York to Paris, Versace, Yves Saint Laurent to Victor & Rolf, we were allowed to gaze on his iPhone and the way he explained the core of the Berlin Fashion Week.“¬ “ªHere would be like Paris and New York is less about fashion, it revolves around a lot more events and people.“¬ “ªMaybe that’s the reason why you are abroad or does not care so very drum. “¬

“ªThat in all the superficiality and must not lose with a certain distance can still enjoy the passion, the will to work, have told me the journalist Alfons Kaiser.“¬ “ªHis impressive career shows, in an encouraging way that you do not like all the others in this industry also need to study fashion journalism, fashion design or business management.“¬ “ªIn Heidelberg and Vienna, he studied Germanic, political science and psychology.“¬ “ªSo that is probably also explains why he employs as scholars from a distance with his favorite subject and she with unparalleled expertise and study of the humanities can evaluate fashion like no other. “¬

“ªThe cosmopolitan touch with people who grow up with a similar background, is one of the best things when it comes to the interpersonal.“¬ “ªThanks to my sister who works for Achse des Guten as a guest author, we had an opportunity to meet the journalist and writer Henryk Broder in the literature personally Cafe .“¬ “ªTo be how similar some experience between 64-years old German men with Jewish roots and two young women with early twenties standing Alevi roots showed me the conversation and I rarely ever before encouraging.“¬ “ªSo there are other people with similar experiences. “¬

“ªGrow up because in a country that that tolerates not own a heterogeneous national community, and for acceptance, tolerance and the right level of empathy is not ready, one introduces as “German-Turkish woman” or whatever you might call it a lifetime debate, which brings many difficulties.“¬ “ªAs well, if you do not have any identity and people from top positions to try appropriate to refer to migrant workers and their descendants to be specimens correctly and appropriately in order to simplify the handling.“¬ “ªThe confrontation with the essence I was missing to this day.“¬ “ªAnd also discussing the symbolism of clothing, we could also talk about without having the feeling to talk about something frivolous or inconsequential. “¬

“ªMr. Broder expressed the suspicion that meet once a year all the important men of the fashion industry to “kidding” the women.“¬ “ªLet the times at that.“¬ “ªBut the observation that women join all the trends, although they do not correspond to their image of beauty, which we agree, of course.“¬ “ªThe “indiscreet leggings” that was worn by Russian women as an undergarment or harem pants worn by Syrian or Anatolian farmers in the country, are one of these trends.“¬ “ªThe homosexual men say in the fashion world, the sound, and the women listen to the dictatorship, Broder.“¬ “ªYou will be a victim of the imagination and of capitalism, without realizing it.“¬ “ªAnd precisely this is the only sad thing about fashion. “¬

“ªThe week was rich in experience, I was allowed to wear great clothes and see.“¬ “ªBut I imagine my future in this business does not require a prototypical “fashion blogger” I’m not.“¬ “ªWrite about fashion from Frankfurt is probably also a kind of distance, of which Mr. Kaiser, and I myself also like to procure from here. “¬

“ªAnd yet I think to myself, it must be my origin, my ignorance does not allow this degree.“¬ “ªIf my parents did not come to Germany, I would not be here in clothing that would be sewn by me.“¬ “ªTo fifty percent, they sew my mother, but that’s beside the point.“¬ “ªMy father grew up under humble circumstances, worked with 14 years in factories on tape, and his clothes were dirty. “¬

“ªAs a baby, I sometimes wore no diapers, but was wrapped in a white piece of cloth, because my parents had not enough money.“¬ “ªHow can I speak because of high fire-brands like Vuitton and Hermes, and carry on my skin.“¬ “ªIn Turkish culture, beauty has an unspeakably high, but how much I belong to this culture is unclear.“¬ “ªBut it is precisely this situation that it does not allow me to concern myself with this subject often without a guilty conscience. “¬

“ªBut unlike the one who devotes himself to the religion or his country, hurt no man of fashion, more than himself“¬ “ªOne should never forget just where you come from, and what you really want to achieve in life.“¬ “ªAnd the best thing I’ve learned in this three-hour conversation about God and the world: Humor is the magic word that makes it possible for me to deal with any difficulty.

NA-KD

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