Ein Leben ohne iPhone - How I Learned To Ask For The WayWie ich lernte, nach dem Weg zu fragen

Jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Das mag erst mal nicht so recht zur Vorstellung eines Verlustes passen. Magische Enden beziehen ihren magischen Charakter nämlich in der Regel daraus, dass…
Ein Leben ohne iPhone

How I Learned To Ask For The WayWie ich lernte, nach dem Weg zu fragen

Jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Das mag erst mal nicht so recht zur Vorstellung eines Verlustes passen. Magische Enden beziehen ihren magischen Charakter nämlich in der Regel daraus, dass sie selbst gewählt sind. Ein Verlust dagegen impliziert etwas Ungewolltes: Ein geschätztes, wenn nicht gar geliebtes Objekt, wird gegen den Willen seines Besitzers von diesem getrennt. Dann ist da aber noch die Sache mit dem Anfang. Und das war so.

Seit nicht allzu langer Zeit war ich stolze Besitzerin eines iPhones. Auch wenn man sich die kühl kalkulierte Konsumhysterie klarmacht, die mit diesem kleinen Spielzeug verbunden ist – und das glaube ich von mir behaupten zu können. Schon weil sich bereits ein hübsches kleines iSortiment angesammelt hatte und ich genug apfelabstinente Freunde habe, deren Handys kaum mehr können, als eine Nachricht verschicken – läuft doch jeder Apple-Nutzer früher oder später Gefahr, zum Apple-Jünger zu werden.

So weit hergeholt ist dieser Neologismus gar nicht, wenn ich an einen klugen Artikel denke, den mir kürzlich in die Hände fiel. In diesem war Rede von der Kirche des Apfels (oder so ähnlich) und dass Google, Facebook und, nun ja, Apple so etwas wie das Opium fürs Volk der Jetztzeit seien. Aber weg mit dem Kulturpessimismus. Wer die Vorzüge des iPhones kennen lernen darf, wird höchst unwahrscheinlich die Augenbrauen in die Höhe ziehen, wenn wieder mal vom Apple-Hype die Rede ist.

Obwohl ich bis heute keinen funktionsfähigen Apple-Account mein Eigen nenne, der mich dazu berechtigt, im iTunes Store einkaufen zu können, hatte ich große Freude daran, eine kleine aber feine Auswahl von kostenlosen Apps zusamenzustellen. Vieles davon war zugegeben nicht nur nicht essentiell, sondern schlichtweg virtuelle Spielerei, mit der man sich aber doch ganz prima die Wartezeit bei Kaiser’s an der Kasse vertreiben konnte.

Chic Feed zum Beispiel. Ein Programm, das täglich das Best Of der Modeblogs für mich zusammenstellte. Wenn auch in Form grafisch unzulänglicher Fotos mit Werbebanner darüber. Oder die Dr. Oetker App, bei der man Zeitaufwand, Schwierigkeitsgrad und Anlass der Mahlzeit festlegte, auf dass einem eine Auswahl passender Rezepte zusammengestellt würde. Der Umstand, dass ich nie eines davon ausprobiert habe, ist damit zu entschuldigen, dass sich in der heimischen Küche die Kochbücher stapeln und ich – nicht nur in dieser Hinsicht – das reale Buch dem Touchscreen vorziehe. Schon weil sich Fettflecken auf Letzterem nicht so gut machen.

Ferner finden sich Apps in meiner Bibliothek, an deren Zweck ich mich jetzt nicht mal mehr erinnern kann. Irgendwas mit Kunst vielleicht? Und andere, deren Inhalt vage bekannt, aber völlig verzichtbar war. Shazam – muss man jedes Kind beim Namen nennen? Barcoo – fand sowieso nie den richtigen Strichcode. kaufDA Navigation – ich kann auch einfach die Werbezettel in meinem Briefkasten sammeln.

Tägliche Freude bereitete mir dagegen die FM4 App, die Eilmeldungen von ZEIT online – und skypen via iPhone ist, zumindest für den reisenden Teil der Weltbevölkerung, ein großes Geschenk des Applegottes. Und schließlich: Die Krux mit Facebook. Früher, das heißt in der Zeit vor dem iPhone (die mir in stillen Momenten wie eine einzige große Durststrecke vorkommt), hielt ich mich mit strengster Selbstdisziplin daran, ein, höchstens zwei Mal am Tag meinen Facebook-Account zu nutzen.

Mit dem Eintritt in das Flatrate-Zeitalter ging der Umstand einher, dass ich von nun an über jede neue Nachricht per Email informiert wurde und dies im 15-Minuten-Takt. Als latent zwanghafter Mensch beantwortete ich dann auch jede dieser Nachrichten umgehend. Mindestens aber am selben Tag. Was schön für den Empfänger sein kann. Weil das auf besondere Aufmerksamkeit ihm gegenüber schließen lässt, auf Dauer aber zum textlichen Overkill führt, dessen Kontrolle sich einem entzieht.

Die große Gefahr in der ständigen Erreichbarkeit liegt vermutlich an der Klassifizierung von Zeit. Je weniger Zeit zur Verfügung steht, desto sinnvoller möchte die Verbleibende genutzt werden. Und ich behaupte, dass jeder, für den „Digitale Revolution“ kein Fremdwort ist, weiß, wovon ich spreche. Das war vermutlich vor 100 Jahren nicht anders als heute. Nur eben, dass damals bewusst oder unbewusst gewählte Zeitfenster für Nichtstun reserviert waren. Das nennt man dann Freizeit. Wenn ich aber in jeder Sekunde das Gefühl habe, jetzt auch produktiv sein zu können, produktiv im Sinn von Informationsaufnahme, wird die Zeit, in der diese Produktion nicht stattfindet, schnell als sinnlos empfunden.

Soll heißen: Warum soll ich die ein, zwei Minuten, die ich in der Schlange warten muss, nicht nutzen, um mal „schnell was nachzuschauen“ ? Das iPhone als Helfer in der Not hilft mir, meine Zeit optimal zu nutzen. Oder? Dass ich dabei den netten Jungen hinter mir nicht bemerke, der sein Sterni so zutraulich neben meine laktosefreie Milch legt, weil ich nämlich gerade die Profilbilder des unbekannten Jungen aus dem Seminar anschaue, hatte ich ganz vergessen.

Welche bedauerlichen Umstände zum Verlust meines iPhones führten, das gleichzeitig Spielzeug, ständiger Begleiter und manchmal sogar Freundesersatz geworden war, sollen nicht Gegenstand dieses Textes sein. Und wer das verwerflich finden sollte, achte bitte beim nächsten Cliquentreffen darauf, wie viele Leute wie oft ihre Mails checken, während sie mit anderen Menschen am Tisch sitzen oder – noch schlimmer – der Person, die neben ihnen sitzt, eine Nachricht bei Facebook schicken, anstatt mit ihr zu reden. Nur soviel sei gesagt: Sie zogen noch eine Reihe weiterer unangenehmer, da mit hohem bürokratischen Aufwand verbundenen, Umstände nach sich, deren Folgen ich bis dato nicht verkraftet habe.

Einer dieser bürokratischen Umstände führte mich in einen mir unbekannten Stadtteil. Obwohl ich mir zu Hause die passende Verbindung herausgesucht und einen Blick auf die Karte geworfen hatte, hatte ich schon beim Aussteigen aus dem Bus jegliche Orientierung verloren. Ziellos lief ich eine Richtung los und während ich mir nichts sehnlicher wünschte, als den kleinen blauen Punkt auf dem Display vor mir, der sich zuverlässig auf den roten zu bewegt, fragte ich mich, wie ich all die Zeit über jemals von Punkt A nach B gekommen war.

Das iPhone als Helfer in der Not? Jetzt erst wurde mir die Lächerlichkeit dieser Annahme bewusst. Jetzt erst wurde mir auch bewusst, dass ich lange nicht so aufrecht durch die Straßen gegangen war. Bestenfalls hatte ich sonst nur Musik gehört, schlimmstenfalls wurden im Laufen liegen gebliebene Nachrichten beantwortet oder lange vor sich her geschobene Anrufe getätigt. Plötzlich diese Übersicht! Der Lärm der Stadt. Die Gesichter der Menschen. Auf eines dieser Gesichter ging ich dann zu, um nach dem Weg zu fragen. Es folgte eine recht ausführlich Beschreibung und bis zum Schluss zweifelte ich an der Kompetenz dieser Auskunft, aber siehe da: Ich kam an. Am Ziel. Und irgendwie auch ein bisschen mehr bei mir selbst.

Das ist ein Gastbeitrag von Eva Biringer und die bloggt eigentlich beim MILCHMAEDCHENMONOLOG. Habt ihr auch Lust auf’s Schreiben? Dann schickt eure Texte einfach per Mail an schreibkampf@amypink.com.

Each end holds a magic lives. At first it may not quite fit the idea of a loss. Magic endings may buy their magical character that is usually the fact that they themselves are elected. A loss however, implies something unwanted: a valued, if not beloved object is separated from the will of the owner of this. Then there is still the thing at the beginning. And that was like this:

Since not long ago I was the proud owner of an iPhone. Even if one realizes the cool calculated consumer hysteria that is connected with this little toy – and I believe I can say that I already had because it has already accumulated a nice little i-line and I have enough apple-abstinent friends whose Mobile phones can hardly send them a message – but every Apple user sooner or later runs the risk of being the Apple disciples. That far-fetched is this neologism not when I think of a clever article that recently fell into my hands, in which the speech was of the Church of the apple (or something similar) and that Google, Facebook and, well, Apple are something like the opium of the people of this present time. But away with the cultural pessimism! Who can get to know the advantages of the iPhone will attract highly unlikely the eyebrows up, when, once again Apple is the hype of the question.

Although I still call Apple not have a working account my own, entitled me to be able to buy on the iTunes Store, I had great pleasure in a small but fine selection of free apps held together. Much of it was added not only not essential, but simply virtual plaything with which one but just fine with the emperor at the box office could sell but wait: Chic Feed for instance, a program that day, Best Of Fashion blog for me putting together the, albeit in the form of graphic photos with inadequate banner above or the Dr. Oetker app, where one, severity and cause of the meal stipulated time, so that a selection of suitable recipes were put together (the fact that I am one of them had never tried, is the excuse to be in the local cuisine, the cooking books stacked that and I – the latter not so well do. only in this respect! not – prefer the real book, already because the touch screen) grease stains.Apps also be found in my library, at the end, I now can not even remember – perhaps something to do with art? – And others whose contents vaguely familiar but completely dispensable was (Shazam – you have to call each child by name?Barcoo – was anyway never the correct bar code, date of purchase navigation – I can just slip in my mailbox advertising collect).

Daily pleasure gave me, however, the FM4 app that breaking news from TIME online – and via skype iPhone is, at least for the traveling part of the world population, a great gift from the Apple of God.
And finally: The crux with Facebook. In the past, that is, in the period before the iPhone (which seems in quiet moments like one big losing streak), I chatted with strict self-discipline it, including more than two times a day to use my Facebook account. With the entry into the flat-era has been accompanied by the fact that I was informed from now on each new post via email and blogs in 15 minutes. As latent obsessive person I answered then, any of these messages immediately, but at least on the same day, which can be beautiful for the recipient, because the special attention it suggests opposite, in the long run but to textual overkill leads, whose control is beyond a .

The great danger in the constant presence is probably due to the classification of time. The less time is available – and I say that everyone, for the “Digital Revolution” is no stranger to know what I’m talking about – the more meaningful the remaining would be used. That was probably 100 years ago no different than today. Only state that were consciously or unconsciously chosen time slot reserved for doing nothing at that time, the talk is free time. But if I have a feeling every second of being able to now also be productive, productive in the sense of information acquisition, the period in which this production does not take place, quickly perceived as useless. Meaning, why should I have one, like minutes, I wait in the queue must not use it to time “quickly what chest to see? The iPhone as a friend in need, help me to use my time wisely. Doesn`t it? That i don`t notice the nice boys behind me who put his Sterni next to my lactose-free milk, namely because I just looked at the profile pictures of the unknown boys from the seminary, I had quite forgotten.

What unfortunate circumstances in the loss of my iPhones led, which was simultaneously made toys, constant companion and sometimes even friends replacement (who was to be found objectionable, please pay at the next clique meeting on how many people check how often your mail while on with other people table sit or – even worse – the person sitting next to them to send a message on Facebook, instead of talking to her) should not be the subject of this text. Suffice it to say: They took a number of other unpleasant because of high administrative burden associated to the circumstances, the consequences of which I have so far not cope.

One of these bureaucratic circumstances led me to an unfamiliar part of town. Although I had picked out the best connection at home and cast a glance at the map, I had already lost when exiting the bus any orientation. I walked aimlessly going one way and while I wanted nothing more than the small blue dot on the screen before me, which is reliably moved to the red, I wondered how I ever got over all the time from point A to B was.
The iPhone as a friend in need? Only now I realized the absurdity of this assumption. Only now I also realized that I had not gone so long sustained by the streets. At best, otherwise I had only heard music, and at worst were in the running stale news answered or made long before it pushed calls.

Suddenly this overview! The noise of the city. The faces of the people. On one of these faces, I went to then, to ask for directions. There followed a fairly detailed description and to the end I had doubts about the competence of this information, but look, I came. At the finish, and somehow a bit more for myself

This is a guest post by Eva Biringer who blogs at MILCHMAEDCHENMONOLOG. Do you also want to write for us? Then just send your text via email to schreibkampf@amypink.com

Jack & Jones

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Superdry

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

4 Kommentare