Träume - Strap-On Daddy

Manchmal kommt man zwischenzeitlich von seinem Weg ab. Man muss vielleicht sogar eine Pause einlegen, weil man nicht mehr weiß, wohin man eigentlich wollte. Dann lässt man sich rücklings auf…
Träume

Strap-On Daddy

Manchmal kommt man zwischenzeitlich von seinem Weg ab. Man muss vielleicht sogar eine Pause einlegen, weil man nicht mehr weiß, wohin man eigentlich wollte. Dann lässt man sich rücklings auf eine Wiese fallen und schaut einfach in den dunklen Himmel. Es ist längst abends und die Grillen zirpen und das Stroh riecht golden. Wenn man Lust hat, dann zählt man die Sterne oder man schreit einfach laut. Ich empfehle das Zweite.

Ich liege im Bett und schwitze das Laken voll. Es ist mitten in der Nacht und wenn ich mit meiner Hand den Feuchtigkeitsgrad des klebrigen Stoffes bestimmen will und darüber fahre, treffe ich in jedem Fall auf einen Teil ihres Körpers. Dieser Teil ist warm und weich. Wenn ich diesen Teil länger als fünf Minuten berühre, pumpt mein Körper große Mengen Blut in mein Genital. Seit drei Tagen liege ich fiebernd und krank im Bett – aber wenn es um ein hartes Genital geht, dann halte ich es wie ein Soldat: Aufgegeben wird nicht!

Sie hat mir Suppe und Ingwer-Tee gemacht. Sie hat meinen Kopf gestreichelt und lauter verrücktes Zeug aus der Apotheke geholt. Nichts davon hat angeschlagen. Ich möchte hier nicht jammern und aus einer lächerlichen Erkältung eine große Sache machen, aber ja mir geht es miserabel. Ich höre das Ticken eines Zeigers, ohne dass bei uns eine Wanduhr hängt, die dieses Geräusch verursachen könnte. Ihr schwarzes Haar glänzt durch das hindurchscheinende Licht der Straßenlaternen. Ich starre auf ihre weiße Kopfhaut – dabei muss ich dringend auf die Toilette. Ich würde gehen, wenn es außerhalb der Decke nicht so wahnsinnig kalt wäre. Ich würde aufstehen, ins Bad laufen, meinen Schwanz über den Bund der Boxershorts legen und in Ruhe über ihre Brüste nachdenken oder darüber, wie lange ich diesen Zustand körperlicher Angeschlagenheit noch ertragen muss. Vielleicht würde ich auch aus dem Fenster schauen und die Autos dabei beobachten, wie sie durch die nächtliche Stille fahren.

Ihre Hand umgreift meine Hand. Ich öffne die Augen und sie schaut mich liebevoll an. „Wie geht es dir?“ Wie geht es mir? Eine eindeutige Frage, die auf echte Antworten abzielt. Mein Rachen besitzt maximal einen Durchmesser von 0,5 Zentimetern. Wenn ich schlucke, fühlt es sich so an, als müsste ich einen riesigen Felsen durch diese 0,5 Zentimeter drücken. Mein Blut blubbert während meine Stirn vom Luftzug erfriert. „Scheiße geht’s mir.“ „Wollen wir ins Krankenhaus?“ „Wie spät ist es?“ „6:00 Uhr.“ „Okay. Lass uns ins Krankenhaus fahren!“ „Es ist eine tolle Zeit für Notaufnahmen“ sagt sie. Sie sagt solche Sachen meist in ausweglosen Situationen. In Situationen, in denen jeder andere schlechte Laune bekommen würde, blüht sie geradezu auf.

Wenn unsere Wohnung einem Hausbrand zum Opfer fiele und andere statt der Feuerwehr lieber einen psychiatrischen Notdienst anrufen würden, dann käme aus Lanas Mund garantiert so etwas wie: „Cool, Mann. Jetzt brauchen wir die Steuer nicht mehr machen!“ oder „Wie geil. Einmal im Leben so richtig von vorne anfangen!“ Man könnte ihr ein optimistisches Gemüt unterstellen. Es ist aber mehr als das. Sie springt auf und zieht sich an. Ich drücke mich an der Bettlehne hoch und bleibe einfach so wie ich bin. Jede Bewegung ist vollkommen unzumutbar für mich. In einem weinerlichen Delirium schleppe ich mich hinter ihr her. Der Müll wird gerade von den Straßen gefegt. So ein Sonntag in Berlin. 6:30 Uhr. Das muss man einfach auch mal nüchtern erleben. Sie winkt ein Taxi zu uns heran. Der Fahrer wird ein betrunkenes Paar erwarten. Seine Enttäuschung hält sich in Grenzen, als wir einsteigen. Es gibt nicht viele Momente, in denen Erwartungen nicht zu Enttäuschungen führen.

Ich lege meinen Kopf in ihren Schoß. Sie quetscht liebevoll an meinem Ohrläppchen rum. Ich sammle meine Spucke solange in meiner Mundhöhle bis es nicht mehr geht, dann presse ich die glibberige Flüssigkeit mit einem kräftigen Druck meine Speiseröhre herunter und mache ein Gesicht, als hätte ich gerade einen Kurzen getrunken. Die Notaufnahme nimmt uns freundlich auf. Lana spricht für mich und denkt für mich. Wenn sie nicht spricht oder denkt dann sagt sie so Sachen wie: „Was für ein Abenteuer, Schatz!“. Ich nicke dann und halte sie für die tollste Frau der Welt. Die Schlümpfe mit Namensschildern an ihrer Haut bringen mich in einen Raum und bitten mich auf einer Liege Platz zu nehmen. Lana sieht verschwommen aus. Eine blonde Frau mit krausem Haar nimmt meinen Arm in ihre Hand und umschlingt fest den oberen Teil mit einem Gurt. Der Druck wird größer.

Ich fühle den unebenen Stoff des Gurtes zwischen meinen eigenen Fingern. Statt im Krankenhaus zu sein, stehe ich plötzlich in diesem fetten Loft und schaue auf die Skyline von Frankfurt. Ich sehe meine Silhouette in den bodenlangen Fensterscheiben. Mein Oberkörper kann sich sehen lassen. Wäre ich ein Arzt würde ich allerdings fragen, ob ich Steroide nehme. Mir ist nicht ganz klar, warum ich eigentlich nackt bin, aber der Gurt, den ich in der Hand halte, gehört zu einem Strap-On. Mein Schwanz ist nach hinten gedrückt und endet irgendwo im letzten Teil meiner Po-Ritze. Wirklich!

Vor mir breitet sich nicht nur ein riesiger schwarzer Gummischwanz aus, der im 90 Grad Winkel zu mir steht sondern auch ein weißer Hintern, der neben zwei Martini-Gläsern steht. In den Martini-Gläsern schwimmen grüne Oliven und ich muss sofort an ein Goldfischglas denken. Als kleiner Junge hätte ich gerne einen Goldfisch besessen. Ich hätte ihn gefüttert und mit ihm gesprochen. Vielleicht hätte ich ihn auch zu meinem besten Freund gemacht. Um den Kopf des weißen Hinterns ist eine gepunktete Krawatte gebunden. Ich habe Stöpsel im Ohr aus denen „Purple Rain“ von Prince erklingt. Ziemlich ungewollt, aber irgendwie ganz automatisch stecke ich das schwarze Gummistück in die Öffnung des weißen Hinterns. Ich singe den Song mit, während ich meine Hüfte vor und zurück bewege.

„I never meant to cause you any sorrow. I never meant to cause you any pain. I only wanted to one time see you laughing. I only wanted to see you laughing in the purple rain.“ Der Kopf mit der gepunkteten Krawatte jammert ein bisschen. Dann wird das Jammern zu einem tiefen Stöhnen. Ich konzentriere mich auf die Penetration bis sie mir keine Mühe mehr bereitet. Die Silhouette von Frankfurt glitzert im Mondschein. Das Apartment kommt mir bekannt vor. Ich ziehe an der Krawatte, um den Kopf ein bisschen nach hinten zu überstrecken. Dabei öffnet sich die Schleife und die Reflexion seines Gesichts schimmert mir plötzlich vom Fenster entgegen. „Paps?“ „Pssst!“ antwortet mein Vater.

Meine Stirn liegt auf kaltem Steinboden. Aus meinem Mund dringt immer wieder das Wort „Paps“. Ich höre Gelächter, das unter aufgeregten Lauten versteckt ist. Meine Knie sind angewinkelt. Ich scheine mich nach Mekka ausgerichtet zu haben und bete in einer Moschee. Wo ist mein Vater plötzlich hin? Ich verspüre das Bedürfnis an einem Martini-Glas zu nippen und die darin schwimmende grüne Olive zu essen. Dann hebe ich meinen Kopf und ein blonder Schlumpf mit grausem Haar steht vor mir.

„Sie können wohl nicht so gut auf Spritzen?“ Lana quetscht an meinem Ohrläppchen und sagt: „Irre. Was für eine wilde Aktion von dir, du aufmerksamkeiterheischendes Problemkind. Umgekippt beim Zugang legen. Voll süß.“ Umgekippt also. Meinen Vater penetriert. Eine Angina gehabt. Lana geliebt. Nicht gestorben. Weiter leben. Wieder träumen. Später sterben. „If you know what I’m singing about here. C’mon raise your hand. Purple rain, purple rain.“

Strellson

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