Irgendwas im Internet - Digital Down-To-EarthnessDie digitale Bodenständigkeit

In Berlin-Mitte giltst du als quasi nicht existent, wenn du nicht im Internet arbeitest. In einer digitalen Agentur. Als Freelancer. Social-Media-Berater mit Hang zur Hipstermanie. Twitter, Facebook und das Dashboard…
Irgendwas im Internet

Digital Down-To-EarthnessDie digitale Bodenständigkeit

In Berlin-Mitte giltst du als quasi nicht existent, wenn du nicht im Internet arbeitest. In einer digitalen Agentur. Als Freelancer. Social-Media-Berater mit Hang zur Hipstermanie. Twitter, Facebook und das Dashboard seiner digitalen Projekte immer im mobilen Anschlag.

Brainstorming über PR-Aktionen in trendigen Cafés. Mit Mac und iPhone. Diskussionen über das letzte Quora-Feature, den Sinn und Unsinn der antianalogen Bohème. Umso mehr Kohle du mit der Vernetzung internationaler IT-Systeme verdienst, umso angesehener bist du, in diesem Mikrokosmos der mutierten Nerds. Bauarbeiter sagen: What?

In dem bayerischen Kaff, in dem ich aufgewachsen und die verdorbensten Jahre meiner Jugend erlebt habe, gilt man bereits als zukunftssicher, wenn man die Facebook-Anmeldung ohne größere Probleme überstanden hat. Oder die Seite überhaupt entdeckt hat.

Wenn mich meine kleine Cousine per ICQ fragt, was ich mache, um nicht arbeitslos zu sein, und ihr Berlin-like mit einem Augenzwinkern “Irgendwas im Internet” antworte, ernte ich nur fragende Stille und kann ihren Gesichtsausdruck förmlich vor mir sehen. “Ja, aber was genau?”

Und dann muss ich runter brechen, wo es nur geht. SEO, Online-Marketing, WordPress, Social Networks, digitale Kommunikation, Public Relations gepaart mit selbstständigem Blog- und Webzine-Know-How? Keine Chance. Ähm“¦ ich“¦ gestalte Internetseiten? Hier“¦ Lokalisten und so? OnlyParty? Das geht dann, das verstehen selbst knuffige Mädels vom Land. Wenigstens muss ich nicht mehr sagen, dass ich Flyer male. Wie noch vor einigen Jahren“¦

Oft bin ich mir dann nicht mehr so wirklich im Klaren darüber, ob ich einfach abgehoben bin und die Bodenständigkeit in diesem blasenhaften Universum aus Statusmeldungen, Software-Updates und Apple-Produkten verloren habe und ich mich gerade auf dem besten Weg befinde, den Anschluss an das echte Leben vollends gegen ein Dasein ohne Sinn einzutauschen.

Oder ob die Welt, die irgendwo um das Zentrum Berlins herum endet, Jahre hinterher ist und den ganzen Müll, mit dem ich mich gerade abrackere, erst entdeckt, wenn ich meine verkrüppelte Seele bereits mit einer Mischung aus Smartphone, Cloud und Gehirnimplantat fusioniert habe.

Womöglich sollte ich das UMTS auch hin und wieder einfach mal gepflegt an mir vorbei rauschen lassen, ohne mich einzuklinken. Und etwas Analoges machen. Das würde meinem geschundenen Geist eine Pause geben und mich wahrscheinlich vor der drohenden Quarter-Life-Crisis bewahren. Und wenn mich meine Cousine dann das nächste Mal fragt, was ich denn so mache, könnte ich ihr einfach sagen: “Ich lag auf einer sonnigen Wiese und habe ein Buch gelesen”. Damit kann schließlich jeder was anfangen.

In Berlin-Mitte you’re virtually nonexistent, if you don’t work on the web. In a digital agency. As a freelancer. Social media consultant with a penchant for hipstermania. Twitter, Facebook and the digital dashboard of your projects always in the mobile view.

Brainstorming about PR activities in trendy cafes. With Mac and iPhone. Discussions of the latest Quora feature, the sense and nonsense of the blogosphere. The more money you make with the networking of international information systems, the more respected you are, in this microcosm of the mutant nerds. Construction workers say: What?

In the Bavarian small town in which I grew up and experienced the most vicious years of my youth, you’re already already for the future, when you have survived the Facebook registration without major problems. Or discovered the site in general.

When my little cousin asks me via ICQ, what I do, not to be unemployed, and answer her Berlin-like with a wink “Something on the Internet”, I harvest only questioning silence and have her expression formally in front of me. “Yes, but what exactly?”

And then I have to break down, where I can. SEO, online marketing, WordPress, digital communications, social networks, public relations, coupled with individual blog and webzine know-how? No chance. Um… I… design web sites? You know… Yahoo? Even cute girls from the country are able to understand that. At least I don’t have to say that I paint flyer anymore. As I had to some years ago…

Often don’t know whether I’m just lifted off and lost the earth in this bubble-like universe of status messages, software updates, and Apple products and am currently on the way to trade the connection to real life into an existence without meaning.

Or if the world that ends somewhere around the center of Berlin, is years afterwards, and all the garbage, which I have to deal with is just discovered by them when I have my soul already fused with a mixture of smart phone, cloud and brain implant.

Maybe I should leave the UMTS now and then just rushing past me, without latch myself. And do something analogous. That would give my battered mind a break and possibly save me from the looming quarter-life crisis. And if my cousin asked the next time, what am I doing so, I could tell her simply, “I laid on a sunny meadow and read a book.” Because everyone gets this.

Vero Moda

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5 Kommentare

  • Und ich liebe es so <3

  • “Oft bin ich mir dann nicht mehr so wirklich im Klaren darüber, ob ich einfach abgehoben bin und die Bodenständigkeit in diesem blasenhaften Universum aus Statusmeldungen, Software-Updates und Apple-Produkten verloren habe und ich mich gerade auf dem besten Weg befinde, den Anschluss an das echte Leben vollends gegen ein Dasein ohne Sinn einzutauschen.”

    So lang du dir diese Fragen noch stellst, ist doch alles in bester Ordnung…

  • Weiter:
    Die Tage vergehen schneller, man macht viel, ohne wirklich “etwas” zu machen, man findet unwichtiges wichtig und wird süchtig danach. Man muss multitasken, man kann nicht mehr durchatmen, denn wenn man aufhört, hat man Zeit über das echte Leben nachzudenken, was man eigentlich unbedingt vermeiden will.

    Man bekommt ZU VIEL mit.
    Weniger mitbekommen ist das neue mehr mitbekommen

    Wenn ihr versteht, was ich meine…

  • Greg

    Ach, du bist eens von diesen supercoolen Landeiern welche ma in die große Stadt leben möchten?!

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