Torrent statt Glotze? - Internet Killed The Video Star

Meine Persönlichkeit wurde weder von väterlichen Leitfiguren noch von Vorbildern aus Fleisch und Blut geformt. Sondern einzig und allein vom Fernsehen. Sie ist das Resultat einer zirkulierenden Menge aus amerikanischen…
Torrent statt Glotze?

Internet Killed The Video Star

Meine Persönlichkeit wurde weder von väterlichen Leitfiguren noch von Vorbildern aus Fleisch und Blut geformt. Sondern einzig und allein vom Fernsehen. Sie ist das Resultat einer zirkulierenden Menge aus amerikanischen Vorzeigefamilien, überzeichneten Cartoon-Figuren und dem Wunsch ein Teil dieser austauschbaren, flimmernden Welt zu sein.

Während meine Mutter in der Arbeit war und meine Freunde dem Hausarrest unterlagen, war der Kasten meine Erziehung. Den ganzen Tag lang. Er brachte mir bei, was gut und böse ist. Was ich zu tun und zu lassen habe. Und wie man sein Leben in kleine Episoden einteilt, um seine Probleme innerhalb dieser zu lösen – und anschließend dem Abspann entgegen zu grinsen.

Das war früher. Denn während ich als Kind die Sender und seine Protagonisten vergötterte und das Programm des nächsten halben Jahres auswendig konnte, hasse ich heute nichts mehr als das deutsche Fernsehen. Was einst eine bunte und gesunde Mischung aus Unterhaltung, Information und Kultur war, ist heute nichts mehr als ein widerlicher Brei aus qualitativ minderwertigem Retorteneinerlei.

In einer unglaublichen Rotation werden Superstars, Topmodels und Z-Promis verbraten. „Mitten im Leben“, „Verdachtsfälle“, „We are Family“, „Niedrig und Kuhnt“, „K11“, „Familien im Brennpunkt“… Die Privaten stellen irgendwelche Assis in den Plattenbau, filmen sie beim Krisekriegen und verkaufen das als Entertainment. Und das Schlimme daran: Es funktioniert. Wie dumm muss Deutschland also sein?

Und die Öffentlich-Rechtlichen stehen daneben, wedeln mit ihrem Bildungsauftrag und ziehen sich leise und geschlagen in die Schicht der Fast-Leichen zurück. Die sich eh nicht mehr wehren kann. Fernsehen ist tot. Und es macht mich weich in der Birne. Wortwörtlich.

Während ich also mit dem mentalen Vorschlaghammer auf meine einst so geliebte Glotze eindresche, blinkt mir mein Laptop entgegen. Die ersten Folgen „Mad Love“ wurden erfolgreich herunter geladen. Eine Serie, die in ein paar Jahren nach Deutschland kommt. Vielleicht. Wenn wir Glück haben. Ich freue mich. Sie kommt gleich in meinen Ordner. Irgendwo zwischen “Bored To Death”, “Skins” und alten “O.C.”-Folgen.

Warum soll ich auch noch irgendeinen Gedanken, noch irgendeine Minute meines Lebens ans Fernsehen verschwenden, wenn ich all seine Vorzüge und noch viel mehr auch online genießen kann? Wann ich will, was ich will, wie viel ich will? Unzensiert, schnell, portionierbar. Und in einer unglaublichen Qualität?

Natürlich lasse ich bei meiner einseitigen Logik vollkommen außer Acht, dass die Programme, die ich selbst für sehenswert erachte, auch irgendwie finanziert werden müssen. Und dass es glatt einem Segen nahekommt, wenn der Großteil der Bevölkerung im Internet über Facebook und Flashspiele nicht heraus kommt, von Torrents, Ports und PirateBay keine Ahnung hat und so auf die Programmdirektoren von FOX, ProSieben & Co. angewiesen ist. Noch.

Denn die Herrschaft der Television geht langsam zu Ende. Sie hält sich nur noch durch einen krankhaften Mix aus Gewohnheit, Geld und Gier am Leben. Und die nachfolgenden Generationen werden einzig und allein vom Internet geformt werden. Ob das allerdings so gut ist, das sei einmal dahin gestellt.

My personality was not formed by leading father figures nor idols of flesh and blood. But solely by television. It’s the result of a circulating amount of American families, exaggerated cartoon characters and the desire to be part of this interchangeable shimmering world.

While my mother was at work and my friends had house arrest, the box was my education. All day long. It taught me what is good and evil. What I have to do and not. And how to divide my life in little episodes to solve our problems within that – and then smile at the credits.

That’s how it used to be. Because while I idolized the broadcaster and its protagonists as a child, and knew the program for the next six months by heart, I hate nothing more than the German television today. What used to be a colorful and healthy mix of entertainment, information and culture, is now nothing more than a nasty slurry of low grade retort monotony.

They roast superstars, supermodels and unknown celebrities in an incredible rotation. “Mitten im Leben”, “Verdachtsfälle”,” We are Family”, “Niedrig und Kuhnt, “K11,” “Familien im Brennpunkt”… The private channels put any jerks into their homes, film them while getting the crisis and sell that as entertainment. And the worst thing about it: It works. Germany, how stupid are you?

And the public broadcasters stand by, wagging their educational mission and move quietly and beaten back into the layer of almost corpses. Who are too weak to fight. TV is dead. And it makes me soft in the head. Literally.

While I’m bashing with the mental sledgehammer onto my once-beloved telly, my laptop flashes. The first episodes of “Mad Love” have been successfully downloaded. A show that comes to Germany in a few years. Maybe. If we are lucky. I am happy. And there are questions in my head.

Why should I even waste any thought, any more minute of my life to television, if I can enjoy all of its benefits and much more online? When I want, what I want, how much want? Uncensored, fast, portioned. And in an incredible quality?

Of course that’s an one-sided logic and I doesn’t matter that the programs that I consider worth seeing for myself, must be financed somehow. And that it’s kind of a blessing when the majority of the population can’t do more on the Internet than Facebook and Flash games, doesn’t know anything about torrents, ports and PirateBay and depend on the directors of FOX, CBS & Co.

The dominance of television is finally ending. Just a mix of morbid habit, money and greed gets it alive. And future generations will only be shaped by the Internet. We just don’t know if that’s such a good thing…

Tally Weijl

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16 Kommentare

  • Johannes

    Ist doch so! Die Werbung nervt. Runter laden geht schneller.

  • Gute Beobachtung und geht mir genau so. Ist es nicht auch eine gesellschaftliche Spaltung die da mit einhergeht? Auf der einen Seite die “Arbeitet”, die Abends erschöpft auf dem Sofa lümmeln und sich RTLPRO7SAT1WASWEISICH reinziehen. Und auf der anderen Seite die “aufgeklärte” Medienelite, die genau weis was sie wann und wo im Internet bekommt. (Bisschen überzeichnetes Bild, aber so ist mein Eindruck)

    Bei mir steht zwar noch ein TV-Gerät rum, wird aber nur noch selten angeschalten. Dafür hör ich über den Tag verteilt viele Podcasts, schau mir das Heute Journal beim Frühstück auf dem iPad an und abends gibt’s als Einschlafdoku Quarks & Co oder Wissen mach Ah, als Video Podcast. Ach und Serien gibt es fast nur noch als kino.to Stream, weil ich mir die Bude nicht mehr mit den großen Boxen vollstellen will. DVDs sind ja eh sooo 2000er.

  • Wow, du sprichst mir wirklich mit jedem einzelnen Wort aus der Seele. Genau das predige ich seit einigen Monaten, früher gingen mir Serien immer ganz dezent auf die Nüsse. Aber wen ich mir heute die ganzen Hartz IV Sendungen ansehe, mit Schauspielern die 10 Minuten vorher noch bei den ganzen Richter-Sendungen mitwirkten und da genau so scheisse waren denke ich mir meinen Teil. In Österreich z.B. werden seit zwei Jahren Jugendliche beim Party machen gefilmt und bei denen ist vor der Kamera wirklich Niveau das größte Fremdwort, aber es wird geguckt?!

    Ich hab in dem letzten Jahr angefangen mir intensiv Serien anzusehen, und antworte auf fragen wie „Gibts heute etwas Gutes im TV?“ nur mit „Mir egal, ich gucke (Serie xyz)“.

    Das TV ist imho schon wie der Rest der Medienlandschaft oder gar der Gesellschaft, die Leute die sich das Hirn rausgefickt haben oder rausficken lassen haben werden sich immer wieder solche beschissenen Sendungen ansehen, zurecht.

    Aber ich brauche eigentlich nichts mehr ergänzen, wurde alles gesagt! :D

  • Was mir aufgefallen ist:

    Dadurch,d ass ich nur noch Serien gucke, die ich auch sehen will, stoppen und vorspulen und wiederholen kann, fühlt es sich ein bisschen “weniger wertvoll an”. Wie das immer so ist, wenn man alles haben kann. Außerdem würde ich den Serienmachern gerne sagen: “Ich habs gesehen, das habt ihr toll gemacht!!!”

    Außerdem ist das vom Ablauf eine andere Sache. Serien guckt oft jeder für sich allein, weil er sie ja sehen kann, wann er will. Gemeinsame Mädels- Jungstage, an denen man einmal in der Woche seine Freundschaft zu den Liebsten feiert, fallen oft weg. Dadurch, dass man keine Werbung hat, guckt man die Serien auch mit voller Aufmerksamkeit und kann danach noch gleich 5 weitere Folgen sehen und vertüddelt so sehr schnell sehr viel Zeit.
    Nix ist mit “mal nebenbei den Tv laufen lassen” man sieht ja immer etwas interessantes und Werbung gibt es nicht, in der man schnell mal den Abwasch macht.

    Aber vielleicht macht ihr das alle auch anders.

    • Stimmt irgendwie, aber genau das macht das ganze ja irgendwie so genial. Warum soll ich mir den ganzen Mist drumherum geben, wenn ich mir genau das herausnehmen kann was ich sehen will? :)

      Das mit den Freunden müsste man sich dann einfach so ausmachen, ich persönlich habe nichts dagegen, wenn Freunde kommen und die Folge noch nicht gesehen haben und ich aber schon, da zählt dann schlicht und einfach das Beisammensein.

  • Probefahrer

    Das beste ist, ich kann mich auf das konzentrieren, was ich wirklich machen oder erledigen will und schaue erst dann TV/Web/Serien/Filme/Dings, wenn ich wirklich Lust und Zeit dazu habe. Das ist schon sehr bequem.

    Und dann kommt bei älteren Serien natürlich dazu, dass ich mir mein Feature selber zusammen bauen und mal eben 10 Folgen am Stück durch ballern kann :)

    Internet killed the Videostar würde ich aber nicht mal sagen. Immerhin werden Serien wie The OC, 24, How I met your mother whatever durch das Web bereits bekannt, bevor sie überhaupt nach .de kommen.

  • Hauke

    Hallo. “Mitten im Leben” ist ja wohl der Knüller?!

  • Thomas

    Die Mediatheken (ZDF, Arte etc. ) sind legal und bieten richtig guten Stoff. Runterladen find ich nicht so gut…

  • Nicky

    WELCH WAHRE WORTE!
    dem is nix mehr hinzuzufuegen…

  • manu

    auch wenn es hier so viele tv hater gibt, ne gute serie startet heute auf RTL2 um 22.15 true blood.
    sehr empfehlenswert.
    http://www.youtube.com/watch?v=vxINMuOgAu8

    vampire diaries und twillight in cool!

  • *iih* Open Tracker :D
    Aber sonst geb ich dem Artikel absolut recht. Ich selber gucke seit gut 1-2 Jahren nur noch sporadisch TV wenn ich mich mit was zu Essen nach der Schule vorn Fernsehr setze. Der Rest wird geladen, vorallem hab ich die Sachen dann in Englisch und muss mir die immer schlechter werdenden deutschen Synchronisierungen nicht antun.
    Jetzt mag es wieder Leute geben die sagen das sei doch nur dummes aufgeblasenes Geschwätz. Aber selbst die Synchronsprecher sagen Deutschland ist dahingehend derzeit an einem Tiefpunkt angelangt…

    @Manu
    gibts seit Monaten bereits in HD zum herunterladen :P

  • Wenn ich mal den Fernseh anschalte, dann meistens aus langeweile Abends. Dadurch habe ich viele Lieblingsserien gewohnen (Dr. House, Criminal Minds usw.), aber jetzt schaue ich die nicht mehr im TV. Sondern kaufe mir die DVD-Boxen – ist zwar arschteuer, aber zweimal im Jahr kann man sich sowas schenken lassen (Vor allem Dr. House kommt meistens um meinen Geburtstag raus), das sieht nicht nur gut im Regal aus, sondern irgendwie “bezahlt” man dann trotzdem noch für seine Serien und man hat keine Werbung :D

  • sarah

    Ich vermiss die ganzen Animes :'( Für Kinder kommt doch auch nur noch Dreck.

    Ich finde, dass wir voll die Trickfilmgeneration waren. Als Kleinkinder kamen immer frühs die Trickfilme. In der Schule wurden alle Trickfilme im TV auf den Nachmittag größtenteils verschoben und sogar bis spät abends sah man noch Dragonball Z, dann Escaflowne, dann Goldenboy…
    Und jetzt wo wir Erwachsen sind, kommen nur noch spät nachts die Trickfilme. South Park, Drawn Together etc Irgendwie komisch oder?

    Tele5 will jetzt gar keine Trickfilme mehr zeigen und RTL2 mutiert auch nur noch zu einem “Comedysender”.

    Allgemein haben die früher mehr drauf geachtet, dass auch Kinder Sachen im Fernsehen gucken. Alleine die ganzen Familienshows fand ich persönlicher und toller. Ich sag nur Miniplaybackshow oder Traumhochzeit. Ich fands klasse!

    Und was ist nun? Trickfilme werden wie Sau geschnitten. Bloß kein Blut darf zusehen sein, das könnte ja die Kinder schädigen. Also machen sie die ganz weg und die Kinder schalten dann Prosieben ein, wo sie “tolle” Vorbilder sehen im AssiTV oder später bei Taff die besten Sexpraktiken erfahren. Ganz Klasse diese Variante! Habta toll hinbekommen. Aber dann meckern, wieso die Jugend so scheiße ist. Ihr habt uns doch so erzogen! Und als Dank hinterlässt ihr uns eine verseuchte abgefuckte Welt. Pissers!

  • Mr. Pink

    Es müsste mindestens 3 neue Sender geben:

    1. “TsubasaTV” oder auch “MilaTV” :D wo von morgens bis abends coole Animes laufen, die Klassiker auch überwiegend…
    2. EINEN MUSIKSENDER DER NICHT NUR SCHEISSE SPIELT,allein die ganze Klingelton-Werbung, da dreht man doch durch..mir kommt es eh vor als ob nur 20 lieder verteilt am tag gespielt werden und die dann über Wochen..
    3. Einen Sender der Serien und Filme zeigt die nicht nur Hollywood-Produktionen sind…obwohl bei den Serien wirds dann schwer, aber naja

    DA ES DIESE SENDER ABER NICHT GIBT:

    Mein Motto: Fuck this overprised shit, Enjoy it free!

  • Ki.Ka feiert zehn Jahre "Wissen mach Ah!"

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