Nate Dogg - Nobody Does It Better

Nate Dogg ist heute gestorben. Das ist ein Riesenstich in mein Herz, aber nicht, weil ich so eine enge Verbindung zu ihm oder seine Musik hatte. Das ist nicht meine…
Nate Dogg

Nobody Does It Better

Nate Dogg ist heute gestorben. Das ist ein Riesenstich in mein Herz, aber nicht, weil ich so eine enge Verbindung zu ihm oder seine Musik hatte. Das ist nicht meine Geschichte. Und auch, wenn der Tod von Künstlern und Menschen, die in unserer Gegenwart und in meiner Vergangenheit ihr Leben in der Öffentlichkeit austragen, mich immer wieder daran erinnert, dass meine Jugend verblasst und die Zeit nicht stehen bleibt, ist auch das nicht der Grund.

Mein kleiner Bruder war als Junge immer ein eingeschüchterter, zurückhaltender Typ gewesen. Er hatte kaum Freunde, war weder auffällig gut oder schlecht in der Schule und ich hatte immer das Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Ich selbst hasste die Welt (ich reduziere meine weisen Teenagerjahre nicht nur darauf, aber es ist, grob gesagt, trotzdem der Kern der Sache) und damit auch ihn, vor allem dafür, dass er mir die Show bei den Eltern stahl. Nesthäkchen vs. Sandwichkind.

Ich will nicht so weit gehen zu sagen, dass er gemobbt wurde, aber es war keine coole Zeit für ihn. Er versteckte sich in seinem Zimmer und alle Versuche meiner Eltern, ihn ein bisschen ins soziale Leben einzubringen, waren gescheitert. Obwohl mein tiefer Hass und die Abneigung gegen meinen kleinen Bruder tief in meinen hormonell gesteuerten Blutgefäßen lag, machte ich mir trotzdem ein bisschen Sorgen.

Ich beobachtete ihn manchmal, und tatsächlich, er war wie ein scheues Reh, wollte nicht reden, wollte nichts machen, verkroch sich, spielte manchmal am PC oder an der PlayStation und sonst ließ er sich nicht blicken. Wer ihn heute kennt, wird mir das nicht glauben, auf gar keinen Fall. Er ist ein Boxer und Basketballer, reisst Mädchen auf, hat den Klassenclown-Award in der Tasche und jeder Moment mit ihm ist wie im Publikum einer Stand-Up-Comedy-Show.

Das Problem mit Erinnerungen, die einem nicht selbst gehören, ist die Zeit. Ich weiß nicht genau, wann das Folgende passierte. Sein Verhalten war für mich und uns normal. „Er wird schon irgendwann noch aufwachen“, sagte die Mutter und ich lachte hämisch über so viel Nachlässigkeit (wirklich, ich war ein gehässiges Biest).

Ich kam früher von der Schule nach Hause und hörte den Lärm tausend aufeinander krachender LKWs aus dem offenen Küchenfenster heraus explodieren. Der Sound kam aus dem Keller, aber ihr müsst euch vorstellen, das war so unglaublich laut, sogar meinem rebellischen Arschlochverhalten war das zu viel.

Und es war uncharakteristisch. Im Haus war er meistens unsichtbar. Ich stampfte runter, um meinem kleinen Bruder eine Schelle zu verpassen und ihn in die Mülltonne zu stopfen, doch als ich die Tür aufmachte – er hörte mich nicht – blieb ich schockiert stehen.

Da saß er, mit verschlossenen Augen, mit nickendem Kopf, und einem massiven Grinsen in seinem Gesicht. Vor ihm ausgebreitet lagen die CDs meines älteren Bruders, alles alter Hip-Hop-Kram. Er schien geradezu euphorisch. Der Song, der lief, war Nate Doggs „Nobody Does It Better“ (die Bedeutung dieses Momentes war mir damals nicht klar. Ich schrie ihn trotz Erleuchtung an und steckte ihn gevierteilt in den Container).

Es wäre wahrscheinlich zu viel, zu sagen, dass das alleine Nate Doggs Verschulden war, aber mit der Zeit (und mit dem Hip Hop) entwickelte sich mein Bruder zu einem (zwar immer noch nervigen) Pseudo-Gangster, der schnell checkte, dass er in seiner Hood auch Freunde brauchte. So führte eins zum anderen.

Es ist eine geliehene Geschichte, wie gesagt – es ist nicht meine Erinnerung, nicht meine Entwicklung. Aber es lässt mich darüber nachdenken, wie sehr Künstler und ihre Werke uns schon früh in unserem Leben positiv (als auch negativ) beeinflussen können;. Und wie viel auch ich ihnen zu verdanken habe.

Wie viel Inspiration, Lebensmut, Spaß und Empathie in einem einzigen Song stecken können, das habe ich damals nur gesehen, aber heute spüre ich es. Wenn sie dann gehen müssen – und dann auch noch so früh – ist das ein Moment, wo ich mich frage: Was wäre eigentlich, wenn ich das damals nicht gehört oder gefühlt oder gesehen oder genossen oder getestet hätte?

Was wäre, wenn es diesen Menschen nie gegeben hätte, der für mich, für uns, alles in seinem Kopf und seinem Herzen offen legte, in Form von Filmen, Büchern, Musik, Skulpturen, Bildern? Wenn Künstler sterben, dann halte ich mich an dem Gedanken fest, dass wir ihnen ihre Geschenke schon zurückgegeben haben, indem sie für immer in unseren Erinnerungen – und wie im Falle meines kleinen Bruders – auch in unserer Entwicklung fest verankert sind.

Rest in Peace, Nate Dogg.

Nate Dogg died today. This is a huge stab into my heart, but not because I had such a close connection to him or his music. This is not my story. And even if the death of artists and people who live their lives in public, always reminds me again that my youth fade, it’s not the reason.

My little brother was always intimidated as a boy, was more the reserved guy. He had few friends, was neither conspicuously good or bad in school and I always had the feeling that something was wrong with him. I even hated the world (I reduce my teenage years not only to that, but it’s roughly the core of my behavior) and therefore him, especially for stealing my show towards our parents. Youngest vs. sandwich child.

I won’t go that far to say that he was bullied, but it wasn’t a cool time for him. He hid in his room and all attempts of my parents, to bring him a bit into social life, had failed. Despite my deep hatred and resentment against my little brother was deep in my hormonally-controlled blood vessels, I was still a bit worried about him.

I watched him sometimes, and actually, he was like a frightened deer, didn’t speak, didn’t make anything, sometimes played on the PC or the PlayStation, and otherwise he wasn’t there. Who knows him today, can’t believe that. He’s a boxer and basketball player, the girls love him, has the class clown award is in the bag and every moment with him is like being in the audience in a stand-up comedy show.

The problem with memories who doesn’t belong to yourself, is the time. I don’t know exactly when the following happens. His behavior was normal for me and us. “He’ll eventually wake up sometimes,” our mother said and I laughed sardonically at so much neglect (really, I was a spiteful beast).

I came home early from school and heard the noise of one thousand exploding trucks crashing out of the open kitchen window. The sound came from the cellar, but you have to imagine, that was so incredibly loud, it was even too much for my my asshole rebellious behavior.

And it was uncharacteristic. In the house he was mostly invisible. I stomped down to clap my little brother and to stuff him in the garbage bin, but when I opened the door – he didn’t hear me – I stopped in shock.

There he sat, with closed eyes, nodding heads, and a massive grin on his face. The CDs of my older brother were spread out in front of him, everything old hip-hop stuff. He seemed almost euphoric. The song that was he heard was Nate Dogg’s “Nobody Does It Better” (I didn’t get the meaning of this moment. I yelled at him and put him in spite of enlightenment quartered in the container).

It would probably be too much to say, that it was alone Nate Dogg’s fault, but as time went by (and with the Hip Hop), my brother became a (though still annoying) pseudo-gangster who checked out quickly that he needed also friends in his hood. So one thing led to another.

It’s a borrowed history, as I said – it’s not my memory, not my development. But it makes me think about how artists and their work can affect us early in our lives positively (or negatively). And how much I owe them.

How much inspiration, courage, empathy and fun you can put in a single song that I’ve only seen then, but today I feel it. If they need to go then – and this so early – this is a moment where I ask myself: What would have been if I hadn’t heard or felt or seen or enjoyed or tested them?

What if those people were never been born, who laid their hearts and heads open to me, for us, in the form of films, books, music, sculptures, paintings? When artists die, I’ll cling to the idea that we have already returned their presents to them, by being forever in our memories – also deeply rooted in our development – and as in the case of my little brother.

Rest in Peace, Nate Dogg.

s.Oliver

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