Asumi in Tokio - Aftershocks

Mir geht es nicht besonders gut. Der Schock sitzt immer noch tief und ich habe erst heute das ganze Ausmaß der Katastrophe begriffen. Meine Mutter, Kotaru und ich verfolgen die…
Asumi in Tokio

Aftershocks

Mir geht es nicht besonders gut. Der Schock sitzt immer noch tief und ich habe erst heute das ganze Ausmaß der Katastrophe begriffen. Meine Mutter, Kotaru und ich verfolgen die ganze Zeit die Nachrichten im Fernsehen. Eigentlich wollte ich den ganzen Tag zu Hause bleiben, aber zwei Freundinnen kamen vorbei und zogen mich nach Shibuya, um dort ein wenig zu shoppen. Und mich abzulenken.

In Tokio selbst blieb es heute ziemlich ruhig und die Straßen waren voller Leute. Eigentlich wie immer. Nur die Hälfte der Geschäfte waren geöffnet und die, die man besuchen konnte, schlossen heute früher. Alle wurden aufgerufen Strom zu sparen, weil einige Reaktoren beschädigt seien.

An vielen Getränkeautomaten, die mit dem Netz verbunden waren, konnte man sich für 0 Yen Cola und Wasser heraus nehmen und mancherorts gab es kostenlose Reisbällchen. Die Läden öffneten auch ihre Toiletten für die Öffentlichkeit und man konnte an vielen Stellen sein Handy umsonst laden.

Das Handynetz war fast den ganzen Tag lang nicht zu gebrauchen und wir kommunizierten viel über Facebook, Skype, Mixi und Ustream. Die Züge und U-Bahnen fahren wieder. Heute Nacht sogar öfter und länger als gewöhnlich. Es war also kein Problem für uns durch die Stadt zu kommen. Zweimal spürten wir heute kurze Nachbeben, aber sie dauerten nicht lange und waren nicht besonders intensiv.

Wir waren dann kurz in einem Restaurant essen und am Nachmittag ging es mir noch ganz gut. Aber jetzt bin ich wieder zu Hause und habe große Bauchschmerzen. Hier ist es nicht so schlimm, wie es im Fernsehen aussieht, Aber ich sorge mich trotzdem um Nachbeben, Tsunamis und das Atomkraftwerk in Fukushima. Und ich möchte eigentlich nur, dass alles wieder ganz normal ist.

I don’t feel very well. I’ve got a shock and realized the dimension of the quake. My mother, Kotaru and I follow the news on TV all the time. Actually I wanted to stay home all day, but two friends came by and pulled me to Shibuya to go shopping. And to change my thoughts.

It was pretty quiet in Tokyo today and the streets were full of people. Actually usual. Only half of the shops were open, but those closed earlier today. All Japanese were asked to save energy, because some reactors were damaged.

At many vending machines that were connected to the network you could take Coke and water for 0 yen and in some places there were offered free rice balls. Some stores also opened their toilets to public and you were allowed to charge your cell phone for free.

The cell coverage was quite bad today so we communicated a lot trough Facebook, Skype, Ustream and Mixi. Trains and subways can be used again. They even run longer and more often than usual. So it was no problem for us to get through the city. Twice a day we felt short aftershocks, but they didn’t last long and weren’t particularly intense.

We were eating in a restaurant quite quickly and in the afternoon I still felt pretty good. But now I’m back home and have tummyache. It’s not as bad as it looks on TV here, but I still worry about aftershocks, tsunamis and the Fukushima nuclear power plant. And I just want that everything is back to normal.

NA-KD

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9 Kommentare

  • Cookie

    Ja bis auf die Brände, mehreren Millionen ohne Strom, der schädigung der Wirtschaft, eingestellten Firmen, Aufbruchstimmung und stillgelegten Flughäfen in Tokio ist es doch gar nich so schlimm.

    Und hey was sind schon 2 AKWs die kurz vor dem Explodieren sind und schon über 1000 tote? richtig, gar nichts – hauptsache sie haben ihre Cola heute kostenlos bekommen. Toller Blog!

  • Pflaume

    Das schlimmste Erdbeben der Geschichte Japans und deine Freundinnen holen dich am nächsten Tag zum SHOPPEN ab um dich abzulenken? Das hält man doch im Kopf nicht aus…
    Na, hoffentlich hast du was schönes gekauft, das dich dein Leben lang daran erinnern wird, dass du das Geld auch den Menschen hättest geben können, die kein Dach über dem Kopf mehr haben.

    • Nikita

      ich glaube, dass ist einfach der versuch, in das totale chaos ein stückchen normalität reinzubringen. so zu tun, als ginge das leben ganz normal weiter, wenn man doch eigentlich spürt, dass es gerade kein ganz normales leben mehr gibt. und dann sind es gerade die trivialen dinge, wie shoppen, die einem genau dieses gefühl für einen kurzen moment geben können. aber eben auch nur für einen kurzen moment…

      • Anja

        Immerhin ein paar Personen scheinen den Text zu begreifen.
        Ein guter Text. Mehr kann man momentan nicht sagen. Ich könnte es zumindest nicht.

        • Haha übertreibt doch gleich, Asumi hat das getan was bestimmt auch jeder anderer tun würde. Sich ablenken! Da passiert doch schon genug scheiße, wieso sich dann auch nochmal zusätzlich scheiße fühlen? Ablenkung ist immer gut. Vor allem in dieser Situation!

          Und was ist das für eine Aussage “Na, hoffentlich hast du was schönes gekauft, das dich dein Leben lang daran erinnern wird, dass du das Geld auch den Menschen hättest geben können, die kein Dach über dem Kopf mehr haben.” oô Schwasinn

  • wtfzn

    Was wird hier in den Kommentaren eigentlich so rumgehated?
    Ich mag den Text.

  • lala

    eeehm. ich bekomme das ganze auch hautnah mit und glaubt mir,man wird egoistisch in so einer situation. jeder.
    ich habe angst vor dem was kommt,die ungewissheit tötet mich und ich würde alles für ablenkung tun. und sei es shoppen gehen,im moment können wir nichts tun als bangen und warten.
    aber aus deutschland schreibt es sich ja bequem.

    auf dass die angehörigen der verstorbenen über den schmerz hinweg kommen und auf dass die situation sich beruhigt.

  • jeff

    hey! ganz erlich! ich find den text klasse! und ich war nich dabei, aber wenn man das ganze miterlebt hat is es wohl nich schlimm wenn man sich am nächsten tag ablenken will… wenn dass mit shoppen klappt is es gut!
    es gibt doch en japanisches sprichwort das soviel heißt wie “an dem was passiert ist kann man nix ändern, aber man kann die zukunft verbessern”

  • Sally

    Die paar Hasskommentatoren vom Anfang sitzen wahrscheinlich den ganzen Tag mit mitleidig verzerrten Gesichtern vorm Fernseher und schieben sich ne Pizza rein.
    Je weiter weg, desto größer die leicht überheblich wirkende Betroffenheit, scheint mir. Dass man geografisch tatsächlich Betroffenen das Recht auf ein bisschen Normalität abspricht, finde ich ehrlich gesagt eine kleine Frechheit.

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