Project Runway - My Airport PlaygroundMein Flughafenspielplatz

Für deutsche Verhältnisse waren Familienausflüge im ursprünglichen Sinne eher spärlich im Wochenplan eingearbeitet. Während meine Freundinnen mit ihren Eltern gerne mal in den Taunus fuhren, um dort an einem wunderschönen…
Project Runway

My Airport PlaygroundMein Flughafenspielplatz

Für deutsche Verhältnisse waren Familienausflüge im ursprünglichen Sinne eher spärlich im Wochenplan eingearbeitet. Während meine Freundinnen mit ihren Eltern gerne mal in den Taunus fuhren, um dort an einem wunderschönen Ort frische Luft einzuatmen und das Wunder der Natur zu bestaunen, nahmen unsere arabischen Eltern uns lieber an einen Ort, der für Kinder ideal war. Er war sicher und massiv und voller unentdeckter Geheimnisse. Außerdem war er nur 20 Minuten von zu Hause entfernt und bis auf die Parkgebühren immer noch günstiger als ein Freizeitpark. Wir fuhren zum Flughafen.

Riesig. Kolossal. Es gibt vielleicht überhaupt kein Wort, welches die immense Großartigkeit des Flughafen Frankfurt benennen kann. Ich erinnere mich an die Decken, die für mich so hoch waren wie der Himmel. Ich erinnere mich an die Akustik. Es war immer ganz still, als würde der ganze Platz mir und nur mir alleine gehören. Wir schlidderten über den in Glanz hochpolierten Fußboden und kletterten auf Gepäckwagen und drückten unsere Nasen an den Besucherfenstern platt (die sich, wenn ich mich recht erinnere, ganz angenehm nah an dem McDonald“˜s mit dem Megaspielplatz befanden).

Wenn wir tatsächlich mal an den Flughafen fuhren, um in den Urlaub zu starten, dann war das umso beeindruckender. Alles war so geradelinig und strukturiert und ordnungsgemäß, von den Uniformen der Polizisten bis zu den kleinen Tüchern der wunderschönen Stewardessen. Wir stellten uns ehrfürchtig in die Schlangen zur Passkontrolle und in gespielter Ernsthaftigkeit wurden wir von den Grenzbeamten gemustert und unsere Herzen standen für einen Augenblick still. Es kam, dank meiner absolut verplanten und schusseligen Eltern, oft genug vor, dass unsere Pässe abgelaufen waren oder wir den Flug fast verpassten, weil die Tickets noch zu Hause auf der Gaderobe lagen – und erst, wenn wir weiter durften, erst dann trauten wir uns wieder aufzuatmen.

Am Gate gaben sie uns bunte Stifte und kleine Modellflugzeuge. Wir verbrachten ganze Tage in Vorfreude damit, darüber zu reden, was es wohl im Flugzeug zu essen geben wird und wer von uns am Fenster sitzen darf. Wenn es dann endlich so weit war, kuschelte ich mich in meinen Sitz und ließ die Luftlöcher auf mein Bewusstsein einwirken. Manchmal, wenn wir in großen Maschinen saßen und nicht viele Kinder an Bord waren, durften wir auch ins Cockpit hinein gucken und dem Captain die Hand schütteln und manchmal musste ich danach weinen vor Freude. Wie viele Synonyme für Ehrfurcht gibt es?

Bis heute hält meine Faszination an. Bis heute ist der Flughafen für mich ein unglaublich stiller und riesiger Platz, an dem ich mich wohl fühle. Wenn ich die Anzeigetafeln blinken sehe, dann mache ich die Augen zu und wünsche mich an einen ausgewählten Ort. Boarding um 20:30 Uhr, ich bin dabei. Wenn ich die la­chen­den und weinenden Menschen sehe, Touristen und Einheimische, Backpacker, Urlauber, Jetsetter, Bus­iness­men, dann überfällt mich eine Gänsehaut in Anbetracht der Tatsache, dass unsere Welt plötzlich so klein geworden ist, und doch so unerreichbar weit weg all unsere Ziele lägen – wäre da nicht das Flugzeug.

Bei all dieser Magie bleibt manchmal die Zeit einfach stehen – und wenn ich heute wieder in meinen Flughafen muss, dann entfacht das in mir einen Schwall der Nostalgie, den ich unglaublich schön finde. Ich frage mich dann immer, ob das in jedem Flughafen so ist, und ob es andere Menschen gibt, die so viele Emotionen für etwas so Ordinäres aufbringen können. Ich frage mich, ob das an Frankfurt liegt, oder ob jede Anzeigetafel auf diesem Planeten das auslösen kann.

Dann schließe ich immer die Augen, mit meinem Rucksack auf dem Rücken oder meinem Koffer in der Hand und genieße die Welt und den Moment und mache die Augen auf und suche meinen Schalter und versuche jedes tobende Kind anzulächeln, das diese außergewöhnliche, privilegierte und absolut unselbstverständliche Erfahrung des Flughafens machen darf.

Die Fotos sind nicht vom Fraport sondern von Madrid-Barajas – ein Flughafen, der mich erst kürzlich in seinen Farben und Formen total inspiriert hat… auch wenn die Akustik nicht ganz so toll und die Wege nicht ganz so klar ausgeschildert waren und wir deshalb fast unseren Flug verpasst haben.

Der Text wurde vor den aktuellen Ereignissen am Frankfurter Flughafen verfasst und unser tiefes Beileid gilt den Opfern dieses schrecklichen Anschlags und ihren Familien.

For German standards family outings were incorporated rather sparse in the weekly schedule. While my friends and their parents had happy times at Taunus and went there to breathe fresh air and spectacular beauty and marvel at the wonder of nature, our Arab parents preferred to take us to a place that was ideal for children. It was safe and solid and full of undiscovered secrets. It was also just 20 minutes from home and up to the parking fees still cheaper than a theme park. We went to the airport.

Huge. Enormous. There may be absolutely no word that can designate the immense grandeur of the Frankfurt airport. I remember the ceiling, which used to be as high as the sky for me. I remember the acoustics. It was always very quiet, as if the whole place is mine and mine alone. We skidded to gloss over the highly polished floor and climbed onto trolleys and pushed our noses to the visitor window plate (which, if I remember correctly, were quite pleasant close to the McDonald’s with the mega-playground).

If we actually even drove to the airport to start your vacation, then everything used to be more than impressive. Everything used to be so rectilinear and structured and regular, from the uniforms of police officers to the small blankets of the beautiful stewardesses. We stood reverently in the queues for passport control and in mock seriousness, we were called up by border officials and our hearts stood still for a moment. Thanks to my absolutely bumbling parents it happened now and then that our passports had expired, or we almost missed the flight because the tickets were still at home lying on the wardrobe – and only when we were allowed to continue, we dared to breathe again.

At the gate, they gave us pencils and small airplanes. We spent whole days in anticipation of talking about what I will eat on the plane and who of us is allowed to sit at the window. Then we were in the airplane and I snuggled myself into the seat and let the air holes act on my consciousness. Sometimes, when we sat in big machines and only a few children were on board, we were also allowed to look into the cockpit and shake the captain’s hand and sometimes I was crying because of joy after that. How many synonyms are there for respect?

This fascination is also there today. To date, the airport is a quiet and incredibly huge place for me where I feel comfortable. When I see the flashing message signs, then I close my eyes and wish me to a chosen location. Boarding at 20:30 clock, I’m with you. When I see the laughing and crying people, tourists and locals, backpackers, tourists, jet setters, businessmen, then I get goose bumps in the light of the fact that our world has suddenly become so small and yet all our goals are so far away – if there were no aircrafts.

Sometimes time stands just simple because of all of this magic – and if I have to go to my airport today, then a surge of nostalgia that I find incredibly beautiful comes over me. I always ask myself whether I get these feelings in every airport, and if there are other people who can afford so much emotion for something so vulgar. I wonder whether this is due to Frankfurt, or whether each display panel on this planet can trigger that.

Then I always close my eyes, with my backpack on my back or my suitcase in my hand and enjoy the world and the moment and open my eyes and look for my switch and I try smile at every raging child, that is allowed to make this extraordinary, privileged and utterly not usual airport experience.

The photos are not of the Fraport but from Madrid-Barajas – an airport that has recently inspired me totally in its colors and shapes… even if the acoustics are not so great and the roads were not as clearly signposted and we almost missed our flight.

The text was written before the current events at the Frankfurt airport and our deepest condolences are dedicated to the victims of this terrible attack and their families.

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2 Kommentare

  • Bastian

    Wow!
    Toller Artikel, alleine deswegen, weil auch für mich Flughäfen diese besondere Atmosphäre haben, die mich schon von klein auf fasziniert hat.
    Und ja: Irgendwie ist das auf jedem Flughafen der Welt so. Auch wenns (für mich) in Frankfurt am schönsten ist.

  • N

    Ich habe auch meine Kindheit am Flughafen verbracht..Mein Vater ist der Leiter der Flughafen-Feuerwehr in Düsseldorf und samt und sonders alle Kindergeburtstage bis ich etwa 13 Jahre alt war bestanden daraus, das mein Vater mir mir und einer kleinen Gruppe Auserwählter mit seinem Feuerwehrwagen zum Flughafen Düsseldforf gefahren ist, dort seinen Generalschlüssel demonstriert hat und wir über das Vorfeld, die Landebahn entlang, am Bomben-Entschärf-Labyrinth vorbei hinter Follow-Me Fahrzeugen her und von hinen unten durch den Schengen – und Non-Schengen Bereich flaniert sind :)
    Noch heute faszinieren mich Flughäfen – genau wie DIch. Ich kann Stundenlang auf der Besucherterasse rumsitzen und den Flugzeugen zuschauen die ankommen und wegfliegen, und die Leute beobachten, die in der Ankunft und bei mAbflug ihre Liebsten wieder empfangen oder loswerden. Ich liebe es, zuzusehen wie Menschen neue Lebenswege einschlagen, die Emotionen zu sehen und mir vorzustellen was die Leute denken, ihre Pläne zu simulieren und einfach still dabeizusein wenn Menschen viel erleben. Dann dazu noch diese unglaubliche Organisation die dahinter steckt – riesne Respekt an die Fluglotsen zB..
    Die Welt ist so groß und wir sind so klein.
    Ich war schon in Basel auf dem Flughafen (tolle Besucherterasse direkt in der Mitte der sich kreuzenden Start – und Landebahnen) und in Hamburg, Teneriffa und Antwerpen. Für Frankfurt hatte ich leider noch keine Zeit. Aber das kommt noch :)
    Danke für deinen tollen Text.

    N