Ein Neuanfang - Suddenly We Weren’t A BlogPlötzlich waren wir kein Blog mehr

Wir schreiben den Morgen des 28. Februar 2011 und das Nachbeben einer zerstörten Ära ist immer noch spürbar. Hannah und Ines sind fort. Sie gingen des Unmuts wegen und die…
Ein Neuanfang

Suddenly We Weren’t A BlogPlötzlich waren wir kein Blog mehr

Wir schreiben den Morgen des 28. Februar 2011 und das Nachbeben einer zerstörten Ära ist immer noch spürbar. Hannah und Ines sind fort. Sie gingen des Unmuts wegen und die Anderen zogen mit ihnen. Es war die Ruhe vor dem Sturm, die mich klanglos anschrie und der ich nur trotzig entgegen lachte. Aus Angst. Aus Scham. Und aus Überheblichkeit. Mein Name ist Marcel Winatschek und jedes Wort, das ich momentan von mir gebe, kann man getrost als literarischen Müll bezeichnen.

AMY&PINK begann als Rebellion gegen die Einsamkeit. Wir wussten nicht wohin mit unseren Gedanken und dem Ärger und den Appellen. Also schrieben wir alles auf und luden es hoch in die Welt. Damit jeder es lesen und manch einer gar verstehen konnte. Doch mit unserer Offenheit kamen der Druck, das Geld, die Möglichkeiten.

Ich denke oft daran zurück. An die Zeit, als das alles hier noch Spaß war. Und nicht jedes Wort, das wir von uns gaben, auf eine Goldwaage gelegt wurde. Mit dem Zuwachs an Publikum wurden die Erwartungen größer. Und die Stimmen lauter.

Plötzlich waren wir kein Blog mehr, sondern ein Dienstleister. Gefangen in Regeln und Pflichten, weder vor noch zurück. Panisch versuchten Hannah und ich das Chaos zu ordnen. Platz zu schaffen, für die Dinge, die uns wirklich am Herzen lagen. Aber da war es schon zu spät.

Ein Schwall aus Mails, Meinungen und Terminen brach über uns herein und begrub unsere kleine Welt. Ganz ehrlich: Wir waren vollkommen überfordert. Aus Aufregung wurde Gewohnheit und aus Freude allmählich Hass. Ein Blutbad in einem billigen Stundenhotel wäre das einzig denkbare Ende für dieses Kapitel gewesen, hätten wir so weiter gemacht. Also gaben wir auf. Und zerbrachen.

Meine Playlist und eine unnatürlich große Menge an Rotwein waren alles, was mich in der letzten Woche am Leben hielt. Und das Wissen, dass es so nicht enden durfte. Ich hatte versagt, und so blieb mir nichts mehr anderes übrig, als von vorne zu beginnen. Mit der Hoffnung in meinem Herzen und Sara an meiner Seite.

Es war der Wahn, der mich trieb. Mir keinen Schlaf erlaubte. Der Bildschirm meine Leinwand, das Gefühl des Neuanfangs mein Heroin. Ich wollte wieder frei sein. Keine Zwänge, keine Texte ohne Sinn und Verstand, kein einengender Rahmen. Erst in den frühen Morgenstunden des letzten Tages konnte ich sehen, was den Feuersturm meiner Wut überlebte. Und was nicht.

Da war es nun. Das neue AMY&PINK. Eine Mischung aus Blog und Magazin, deren einziges Ziel es ist, uns besser aussehen zu lassen. Wir können endlose Sätze veröffentlichen, oder nur ein Foto der letzten Nacht. Ein Song, ein Video, mit so vielen oder wenigen Worten, wie Sara und ich nur wollen. Nichts zählt ab jetzt mehr als die schiere Summe an Freiheit, Persönlichkeit und Seelenficks.

In meinem Kopf standen Ines, Mischa, Asumi. Und ein bisschen auch Raphaela. Ich wollte ihnen danken. Für die Texte, die Partys, die Nächte, die Erinnerungen. Es war großartig. Immer. Und dann war da Hannah. Ich liebe dich sehr und jeder Augenblick, den wir in den letzten Jahren gemeinsam erlebt und durchgemacht haben, hat mir mehr bedeutet, als du es vielleicht glauben magst. Doch es geht weiter.

Als Kind der Vergangenheit verstehe ich oft nichts von dem, was ich tue, aber ich weiß, dass Sara und ich das Internet auch künftig fisten können, wenn wir es nur richtig angehen. Auf 9 Jahre AMY&PINK, auf die Drogen, den Sex, die Geschichten, auf uns.

We write the morning of 28 February 2011 and the aftershocks of a destroyed era are still felt. Hannah and Ines are gone. They went because of resentment and the others went with them. It was the calm before the storm, yelling at me to quietly and I only laughed a defiant stand. Out of fear. Out of shame. And out of arrogance. My name is Marcel Winatschek and every word, I admit right now I can safely be described as literary garbage.

AMY&PINK began as a rebellion against loneliness. We didn’t know what to do with our thoughts and the anger and the appeals. So we wrote it down and uploaded it into the world. So everyone can read and somebody even understand it. But with our openness came the pressure, the money, the possibilities.

I often think back. At the time when it was still fun. And not every word we say is going to be laid on a gold scale. With the increase of publicity also the expectations have increased. And the voices became louder.

Suddenly we weren’t a blog anymore, but a service provider. Trapped back in rules and obligations, not yet available. Hannah and I tried frantically to organize the chaos. Made room for the things we were really at heart. But it was just too late.

A barrage of emails, opinions and events swept over us and buried our little world. Honestly, we were completely overwhelmed. Excitement became habit and joy became hate. A bloodbath in a cheap hotel would be the only conceivable end to this chapter, if we had continued this way. So we gave up. And broke.

My playlist and an unnaturally large amount of red wine were all that kept me alive in the last week. And the knowledge that it couldn’t end that way. I had failed, and so I had nothing left other than to start over. With hope in my heart and Sara at my side.

It was the madness that drove me. No sleep allowed. The screen my canvas, the feeling of bouncing my heroin. I wanted to be free. No obligations, no texts without a reason, no gender framework. Just in the early hours of the last day I could see what survived the fire storm of my anger. And what didn’t.

That’s it. The new AMY&PINK. A mixture of blog and magazine whose only goal is to make us look better. We can post endless sentences, or just a photo of last night. A song, a video, with as many or few words, like Sara and I want to. Nothing matters now more than the sheer amount of freedom, personality and soul fucks.

In my head were Ines, Mischa, Asumi. And also a bit Raphaela. I wanted to thank them. For the texts, the parties, the nights, the memories. It was great. Always. And then there was Hannah. I love you very much and every moment that we have experienced together in the last few years meant more to me than you might think. But it goes on.

As a child of the past, I often don’t understand what I do, but I know that Sara and I can fist the Internet in the future, if we approach it just right. To 9 years AMY&PINK, the drugs, the sex, the stories, us.

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