Temporäre Liebe - Just Break UpMach doch einfach Schluss

Jasmin bekommt sich nicht mehr ein. Sie hat auf dem Nachhauseweg geweint, in der Küche Rotz und Wasser geheult und flennt sich nun bei ihrer besten Freundin Ulrike auf dem…
Temporäre Liebe

Just Break UpMach doch einfach Schluss

Jasmin bekommt sich nicht mehr ein. Sie hat auf dem Nachhauseweg geweint, in der Küche Rotz und Wasser geheult und flennt sich nun bei ihrer besten Freundin Ulrike auf dem Sofa aus. Gerade erst drei Stunden sind vergangen, dass Mike sie wegen der rassigen Tochter bolivianischer Einwanderer verlassen hat. Unter dem Gejammer und Gerotze sind nur einzelne Wortfetzen zu verstehen. Ulrike hört aufmerksam hin. “Größere Titten“¦”, “Nie wirklich geliebt“¦” und “Hat mich nur verarscht“¦” steigen wie zitternde Luftbläschen auf und verpuffen dann sanft im mit Ikea-Möbeln bestückten Raum. Jasmin hat einen langen Weg vor sich, der sie an den Rand des psychischen Wahnsinns treiben wird. Aber noch ist sie damit beschäftigt, nicht an ihren eigenen Tränen zu ersticken.

Doch weshalb all der Terz? Der schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Partnern und Beziehungen ist heutzutage so gesellschaftlich angesehen wie niemals zu vor. Lebensabschnittsgefährten, One-Night-Stands, Scheidungsanwälte“¦ nichts deutet im 21. Jahrhundert mehr auf Beständigkeit und ewige Liebe hin. Wir hüpfen von Bett zu Bett, von Schwiegerfamilie zu Schwiegerfamilie, von Freundeskreis zu Freundeskreis. Und spucken Gift und Galle, wenn wir verlassen werden. Sind unsere Gefühle etwa nicht zukunftstauglich?

Eine baldige Revolution unserer angestaubten Erwartungen, Emotionen und Sorgen könnte uns eine Menge Kummerspeck ersparen. Warum unbedingt mit aller Gewalt eine Person so lange wie möglich an uns binden, nur um anschließend in einem Albtraum aus gebrochenen Herzen zu erwachen? Wäre es nicht viel sinnvoller die vererbte Perfektion einer immer währenden Liebe endlich über Bord zu werfen und anzufangen, die eingeschränkte Zeit, die man mit jemanden erlebt, in vollen Zügen zu genießen, sich ganz und innig diesem Lebensabschnitt hinzugeben, um sich dann ohne Streit und Gram zu entzweien?

Unser Leben ändert sich in der heutigen Zeit immerzu. Wir müssen spontan, ungebunden und selbstständig sein. Warum sollten also für unsere Beziehungen andere Regeln gelten? “Bis dass der Tod uns scheidet” – so ein Schwachsinn. Wir gehen Partnerschaften ein, weil wir mitgerissen werden wollen. Neues erleben. Entführt werden in die Welt des Anderen. Unser Herz giert nach Schwung, Temperament und Begeisterung. Aber das hält nicht ewig. Wenn der unaufhaltsame Verfall einer einst so vitalen Beziehung erst einmal eingesetzt hat, stellt sich jedem von uns die Frage: Hier bleiben oder weiter ziehen? Erzwungenes Zusammenbleiben nützt aber keiner Seite etwas.

Stellt euch eine Welt vor, in der wir ohne schlechtes Gewissen ehrlich und liebevoll ein Verhältnis beenden können, frei von Qualen, Aufopferung und Selbstmordgedanken. Es wäre eine so viel bessere Welt. Doch das schaffen wir nur, indem gesellschaftlich endlich von unzeitgemäßen Erwartungshaltungen abgewichen wird und in unseren Köpfen die Idee der freien Liebe 2.0 aufkeimt. Da draußen gibt es so viele Menschen, deren Geschichten, Ideale und Fantasien überaus beeindruckend sind und die es gilt herauszufinden und zu unseren zu machen. Warum die Zeit also nur mit einem davon verschwenden? Womöglich sollten wir aber noch ein wenig warten, bis wir Jasmin von unserer ihr helfenden Theorie erzählen – zunächst einmal tut es auch ein Taschentuch.

Jasmin is bummed out. She cried on the way home, cried in the kitchen and from cries as well on the sofa of her best friend Ulrike. Only three hours have passed since Mike has left her because of the bred daughter of Bolivian immigrants. Under the whining and snot only individual fragments of words are understood. Ulrike listens attentively. “Bigger boobs…” “Never truly loved…” and “He just fooled me…” rise like trembling air bubbles and then gently burst in the room stocked with Ikea furniture. Jasmin has a long way to go, which will get her to the brink of mental insanity. But now she’s busy, not to choke by her own tears.

But why all this nonsense? The fast exchange between different partners and relationships is nowadays more regarded than in any society before. Partners, one-night stands, divorce lawyers… there is no more evidence in the 21 Century for resistance and eternal love. We hop from bed to bed, from in-law family to in-law family, from friends to friends. And spit venom when we get left. Are our feelings not ready for the future?

An early revolution in our dusty expectations, emotions and concerns could save us a lot of grief. Why do we have to bind one person with force as long as possible to us, only to wake up in a nightmare of broken hearts afterwards? Wouldn’t it make more sense to throw the inherited perfection of an abiding love finally over board and start to enjoy the limited time which we have with someone with everything we have, entirely and intimately, to divide then without controversy grief?

Our life is changing in today’s world all the time. We have to be spontaneous, independent and self-employed. So why should different rules apply to our relationships? “Till death do us part” – fuck it! We get into partnerships because we want to be swept away. New experiences. Abducted into the world of the other. Our heart craves momentum, spirit and enthusiasm. But that will not last forever. If the inexorable decline of a once-vital relationship has gone there’s only one question left: Stay here or move on? There are no benefits for any side to stay together when everything is broken.

Imagine a world in which we can be honest without feeling guilty end a relationship in a lovely way, free from suffering, sacrifice and suicidal thoughts. It would be a much better world. But we can only do that when socially finally departed from outdated expectations and when in our minds spreads the idea of free love 2.0. There are so many people out there whose stories, ideals and fantasies are so impressive and we should get out and experience them. So why waste our time with only one of them? Perhaps we should still wait a little until we tell our theory to Jasmin – at the moment she rather needs a handkerchief.

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Topman

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