Wie lebt man mit Krebs? - Enemy In My BreastDer Feind in meiner Brust

“Das heißt im Klartext, sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs”. Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht wie ich jetzt reagieren soll. Ich…
Wie lebt man mit Krebs?

Enemy In My BreastDer Feind in meiner Brust

“Das heißt im Klartext, sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs”. Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht wie ich jetzt reagieren soll. Ich lächle zurück. Vor kurzem fand sie besagten Knoten bei einer Vorsorgeuntersuchung. In meiner linken Brust. Die ist statistisch gesehen häufiger betroffen, wie ich später nachlese. Sie erwähnte zum ersten Mal das Wort “Brustkrebs”. Und ich bekam ein komisches Gefühl. Jetzt scheint es sich in Luft aufzulösen. Das denke ich zumindest. Denn noch Tage später ertappe ich mich bei diesem kleinen, aufdringlichen “Was wäre wenn?”-Gedanken. Ich möchte mit jemandem darüber sprechen.

In einem Forum lerne ich Sabine kennen. Sie ist 34 Jahre alt und wohnt in Saarbrücken. Wir verabreden uns für den Abend zu einem spontanen Skype-Interview für AMY&PINK. Sabines Gespräch nach der Mammographie verlief anders als meines. Sabine hat Brustkrebs.

Als ich die Webcam einschalte, lächelt mir eine hübsche Frau entgegen. Ich bin überrascht. Sie sieht nicht krank aus, trägt dezentes Make Up und Schmuck. Nur der bunte Schal, den sie sich um den Kopf geschlungen hat, lässt vermuten, dass die Chemo, die Sabine vor Kurzem über sich ergehen lassen musste, Spuren auf ihrem Körper hinterlassen hat.

Hallo Sabine. Ich freue mich darüber, dass du mitmachen möchtest.

Danke, ich finde das Thema sehr wichtig und erzähle meine Geschichte nicht zum ersten Mal. Brustkrebs ist ein Thema, dass uns alle angeht, das jeden treffen kann. Selbst Männer können erkranken. Die richtige Vorsorge ist wichtig, Früherkennung kann – natürlich nicht nur bei dieser Krebsart – in so vielen Fällen Leben retten.

Ich finde es bewundernswert, dass dir Aufklärung und Prävention so wichtig sind. Schließlich steckst du ja noch mitten in dieser Geschichte drin. Ist das nicht anstrengend?

Nein. Ich will über dieses Thema sprechen. Seit der Diagnose habe ich viel darüber gelesen, ich bin ein richtiger Experte auf dem Gebiet geworden. Manchmal sind die Ärzte beeindruckt von meinem Wissen. Das klingt jetzt blöd, aber ich will meinen Feind so gut wie möglich kennen. Und andere sollten das auch tun.

Nein, das klingt ganz und gar nicht blöd. Ich habe mich ja bis zur Diagnose auch recht umfassend informiert. Wann und wie hast du erfahren, dass du Krebs hast?

Das war 2005. Routineuntersuchung beim Frauenarzt. Und da war er dann. Ein relativ großer, überraschend harter Knoten. Die Ärztin ließ mich selbst daran fühlen. Ich erschrak, weil ich ihn nicht schon vorher entdeckt hatte. Da wuchert etwas still und leise in deinem Körper vor sich hin und dann merkst du es nicht einmal. Es folgten einige Untersuchungen. Dann der Befund. Brustkrebs. Vermutlich hätte ich in Panik verfallen sollen, über den Tod nachdenken oder sonstwas. Aber ich saß nur da und fühlte mich taub.

Ich wusste nichts über Krebs, hatte keine Ahnung was da vor sich ging und wie ich behandelt werden würde. Und ich hatte auch kaum Zeit dazu. Die folgenden Ereignisse rissen mich einfach fort. Der Tumor musste entfernt werden, dabei musste man mir die linke Brust abnehmen. Ich empfand das als enormen Eingriff in meine Weiblichkeit, auch wenn es eine lebensrettende Notwendigkeit war.

Es folgten Chemotherapie und Bestrahlung, wohl die Schlimmste Zeit meines Lebens. Alle zehrte mich aus, ich wartete nur noch auf den Tag, an dem die Behandlung endlich zu Ende sein würde. Ich wusste nicht, wie viel ich noch ertragen sollte. Nach der Therapie schloss ich mich einer Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen an und machte eine Psychotherapie sowie eine Reha. Ich erholte mich und setzte mich mit dem Thema auseinander. Begann mich langsam wieder aufzubauen und mich über Brustkrebs zu informieren.

Aber damit war deine Geschichte noch nicht zu Ende.

Richtig. Vor kurzem entdeckte ich selbst etwas Beunruhigendes in meiner aufgebauten Brust und ging zum Arzt. Der Tumor von damals war nicht komplett heraus operiert worden und auch nicht durch die Chemo besiegt. Also wieder Krebs.

Hast du dich anders gefühlt, jetzt wo du wusstest, wie die Behandlung verlaufen wird?

Ja. Weisst du, nach der ersten Therapie, insbesondere der schrecklichen Bestrahlung, habe ich immer gesagt “So etwas mache ich nie wieder. Lieber sterbe ich, als nochmals durch diese Hölle zu gehen”, aber es kam natürlich anders. Ich hatte einen überraschend großen Überlebenswillen entwickelt, war gestärkt aus der ersten Krise hervorgegangen und wollte jetzt, beim zweiten Mal, dem Krebs ganz bewusst den Kampf ansagen. Ich setzte mich bei den Ärzten durch, bestand auf eine Chemotherapie, wollte keine Bestrahlung mehr. Ich stellte meinen Lebensstil um, ernähre mich jetzt gesünder, komme zu Ruhe und achte sehr genau auf mich.

Wie siehst du deine Zukunft?

Realistisch.

Das heißt?

Ich habe den Krebs nicht besiegt. Und wenn es soweit ist, kann er immer wieder kommen. Aber ich habe gelernt zu kämpfen. Ich liebe mein Leben, habe einen tollen Ehemann, der mich unterstützt wo es nur geht. Aber ich lebe nicht in einer Traumwelt. Der Krebs hat mir viel genommen. Ich möchte, dass die Menschen Bescheid wissen, über das was mit ihnen passieren kann. Darüber, dass es hart ist. Aber niemand sollte – so wie ich bei meiner ersten Behandlung – so ohnmächtig und hilflos mitansehen, wie das alles passiert, ohne zu wissen was geschieht. Mit dem Wissen über meine Erkrankung habe ich ihr den Schrecken genommen. Ich weiß, dass ich Chancen auf Heilung habe. Und die werde ich ergreifen. Ich werde garantiert nicht aufgeben.

Danke Sabine. Wirklich. Ich wünsche dir alles Gute.

Jährlich erkranken in Deutschland rund 59.000 Frauen neu an Brustkrebs. Brustkrebs ist in Europa eine der häufigsten Todesursachen bei Frauen zwischen 35 und 55 Jahren. Früherkennung ist lebenswichtig. Hierzu beraten Frauenärzte sowie der Krebsinformationsdienst kostenlos.

http://www.krebsinformationsdienst.de/
http://www.krebshilfe.de/

“That means, you have these small lumps in your breast, but it’s no cancer.” The doctor smiles at me. I don’t know how to react now. I smile back. Recently she found that said nodes at a screening. In my left breast. Which is statistically more affected, as I read later. She mentioned for the first time the words “breast cancer”. And I got a strange feeling. Now it seems it dissolved into air. I think at least. For even days later I find myself in this little pushy “What if?” thoughts. I want to talk to someone about it.

In a forum I meet Sabine. She is 34 years old and lives in Saarbrücken. We arrange to meet for the evening for an impromptu interview for Skype AMY & PINK. Sabine’s talk after the mammogram was different than mine. Sabine has breast cancer.

When I turn on the webcam a good looking woman smiles at me . I’m surprised. She does not look sick, wears subtle make up and jewelry. Only the colorful scarf she has wrapped around her head, suggests that the chemo, which Sabine recently had to go through, has left its mark on her body.

Hello Sabine. I am glad that I can talk to you.

Thanks, I think the issue is very important and I do not tell my story for the first time. Breast cancer is an issue that concerns us all, which can hit everybody. Even men can fall ill. Proper care is important, early detection can save lives in so many cases.

I think it’s admirable that education and prevention is so important for you. Because you are in the middle of this story. Is it not very exhausting?

No. I want to talk about this issue. Since the diagnosis I’ve read a lot about it, I became a real expert in the field. Sometimes the doctors are impressed by my knowledge. That sounds stupid, but I want to know as possible about my enemy. And others should do likewise.

No, that sounds not at all stupid. I have even informed myself to the diagnosis quite comprehensive. When and how did you learn that you have cancer?

That was 2005. Routine examination by a gynecologist. And then there it was. A relatively large, surprisingly hard knot. The doctor let myself feel it. I was shocked because I had not discovered it earlier. Something overgrown quietly in your body in front of yourself and then you will not even notice it. This was followed by some tests. Then the findings. Breast cancer. I probably should have been panicking, thinking about death or something. But I just sat there and felt numb.

I knew nothing about cancer, had no idea what was going on and how I would be treated. And I hardly had time to do so. The following events pulled me away easily. The tumor had to be removed, it was necessary to remove my left breast. I found this was a huge invasion into my femininity, even if it was a life-saving necessity.

This was followed by chemotherapy and radiation, probably the worst time of my life. All gnawed at me, I just waited for the day on which the treatment would finally be over. I did not know how much there was going to come. After therapy, I joined a support group for women affected and made a psychotherapy and a rehab. I recovered and set me apart with the subject. I slowly began to rebuild and get some information about breast cancer.

But that was not the end of your story…

Correct Recently I discovered something disturbing in my own built up chest and went to the doctor. The cancer of that time had not been operated out completely and not be defeated by the chemo. So again cancer.

Have you felt differently, now that you knew how the treatment will proceed?

Yeah. You know, after the first treatment, in particular the terrible exposure, I have always said “This is something I’ll never do again. I would rather die than go through this hell again!”, but it was obviously different. I had developed a surprising will to survive, left the first crisis very strong and really wanted to fight against the cancer on this second time. I said to my doctors that I wanted a chemotherapy instead of a radiation. I turned around my lifestyle, eat healthier food and relax.

How do you see your future?

Realistic.

That means?

I have not beaten the cancer. And when the time comes, it can always come back. But I learned to fight. I love my life, have a great husband who always supported me. But I do not live in a dream world. Cancer has taken me a lot. I want other people to know what can happen to them. Furthermore, it is hard. But no one should be so powerless and helpless as I was on my first treatment. With the knowledge of my illness I have taken the terror. I know I have chances of recovery. And I will take them. I will not give up.

Thanks Sabine. Really. I wish you all the best.

Annually about 59.000 women in Germany get breast cancer. Breast cancer is one of Europe’s leading causes of death for women between 35 and 55. Early detection is vital. For this purpose, gynecologists and cancer information service give free advice.

http://www.krebsinformationsdienst.de/
http://www.krebshilfe.de/

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7 Kommentare

  • phil

    Ich will mehr davon. Das ist sinnvolle Aufklärungsarbeit und nich so: “Hier Schüler, Broschüren über Krebs bzw. Brustkrebs, lesen, ich geh Kaffee trinken”.

    Ines, du hast es ganz gut drauf, solche Interviews zu führen.

  • Lulle

    Sehr toll, danke. Ich kann mich nur meinem Vorgänger anschließen. Krebs ist leider zu eine Volkskrankheit mutiert und es ist traurig, dass viel zu selten darüber informiert wird (vor allem so “menschennah”). Größtensteils Anklang findet Krebs doch nur in den Medien, wenn irgendwelche Prominenten daran erkranken – und das ist viel zu wenig Aufklärung etc.
    Ich selbst arbeite in der onkologischen Abteilung einer Rehabilitationsklinik und erlebe Krebs, insbesondere auch Brustkrebs, tagtäglich – und die damit psychischen Belastungen eines jeden. Ich hoffe das jeder Betroffene einmal derart viel Kraft aus seinem Leben schöpft wie Sabine uns ein gutes Beispiel gibt.

  • Ich finds toll, dass ihr euch mit solchen Themen auch auseinandersetzt. Lob an euch und Repekt für Frauen wie Sabine.

  • Leonie

    Das Gleiche wie du hatte meine Mama. Auch links. Ohne das wüsste ich wahrscheinlich auch nicht genug darüber. Danke, dass du das geschrieben hast. Danke.

  • Ein wirklich tolles Interview. Als bei meiner Großmutter Brustkrebs diagnostiziert wurde, wären wir auch erst einmal völlig hilflos gewesen, ein Glück, dass meine Schwester Medizin studiert. Es hilft wirklich ungemein, zu wissen, was da auf einen zukommt. Als Verwandter und Unterstützer, aber natürlich hauptsächlich für die betroffene Frau selbst.
    Bei einer jungen Frau ist das wohl noch einmal eine andere Situation als bei einer Neunzigjährigen. Als Enkelin macht man sich dann schon Gedanken: Liegt das nicht in den Genen? Bekomme ich das auch mal? Wenn ja, wann? Wann war ich zuletzt bei der Vorsorge?
    Ich wünsche Sabine und allen anderen Brustkrebspatientinnen alles Gute und ganz viel Kraft, und bedanke mich noch einmal für das sehr schöne Interview.

  • Katharina

    Wahnsinniges tolles Interview. Soetwas sollte viel öfter zu lesen sein. Danke Ines.

ASOS