Die urbane Idylle - Town And CountryStadt, Land, Fluss

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, weit weg von hier, irgendwo im Süden Deutschlands. Wir mussten noch stundenlang über weite Felder und durch dunkle Wälder wandern, bis wir zu irgendeiner…
Die urbane Idylle

Town And CountryStadt, Land, Fluss

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, weit weg von hier, irgendwo im Süden Deutschlands. Wir mussten noch stundenlang über weite Felder und durch dunkle Wälder wandern, bis wir zu irgendeiner süffigen Bauernparty in verrosteten Bauwagen gelangten. Nur um uns dort mit selbstgebrannten Spirituosen und pubertierenden Dialektschlampen die Zeit zu vertreiben. Wir führten niedliche Kälber behutsam durch den Stall des Schwiegervaters in spe und heulten anschließend in einem der riesigen Sonnenblumenfeldern vor uns hin, weil wir bei dessen Schlachtung zusehen mussten.

Jeder kannte jeden in diesem kleinen Universum voller Bierzelte, Regionalbahnen und Güllegerüchen. Und egal ob man sich mochte oder nicht, entweder war man eh mit allen verwandt oder eine mehr als tiefe Lochfreundschaft umgarnte unsere Schicksale miteinander. Kein Wunder also, dass ich irgendwann die Nase voll von Einheitsbrei, Dorfmatratzen und nur einer richtigen Straße hatte und in die große weite Welt hinaus zog. Berlin verschlang mich schnell und anonym.

Doch wenn ich mir in dieser Millionenstadt den Weg durch all die namenlosen Passanten, verlorenen Touristen und verwaschenen Schatten kämpfe, dann verspüre ich derweilen ein wenig Heimweh. Diese schnelllebige Welt scheint Freundschaften zu verheizen, Tiefen zu bagatellisieren und den gewillten Einwohner in Möglichkeiten zu ertränken. Ein Rausch der Schnelllebigkeit also, der Freiheit und Auswahl vorgibt, aber uns dennoch mit Einsamkeit und Unglück zurück lässt.

Meine Träume sind verwurzelt, meine Zukunft nicht geschrieben. Und dennoch bin ich hin und her gerissen zwischen der ewigen Frage, in welcher dieser beiden doch so extremen Welten ein Mensch wohl glücklicher leben kann. In der mit Aufstiegschancen, Angeboten und Mitmenschen geradezu asphaltierten Großstadt oder doch in der miniaturisierten Idylle der Vergangenheit, in der Tiefe statt Oberflächlichkeit schon immer oberste Priorität hatte? Bis ich diese Frage allerdings für mich persönlich beantwortet habe, lege ich mir eine Stadtkuh an, die ich mit Vorsicht und einer gepflegten Portion Landliebe über den Alexanderplatz führe, während ich ihr sanft den Kopf tätschle.

I grew up in the countryside, far away from here, somewhere in southern Germany. We had to walk for hours over open fields and through dark forests, until we came to some palatable peasant party in rusted trailers. Just to have fun with homemade spirits and dialect sluts. We conducted cute calves gently through the stable of our father-in-law and then howled in one of the huge fields of sunflowers because we had to look at the slaughter.

Everyone knew everyone in this small universe of beer tents, regional trains and manure odors. And no matter whether you liked each other or not, you were either related or shared a deep hole friendship. No wonder that I had enough of pabulum, village mattresses and only one real road and had moved into the big wide world. Berlin engulfed me quickly and anonymously.

But when I fight my way in this big city through all the nameless passer-by, lost tourists and washed out shadows, then meanwhile I feel a little homesick. This fast-paced world seems to burn friendships, play down deepness and drown the willing residents in facilities. A noise of the fast pace, which pretends freedom and choice, but still leaves us back with loneliness and unhappiness.

My dreams are rooted, my future not written yet. And yet I’m torn between the eternal question in which of these two extreme worlds you can live happier. In those with opportunities, offers and others almost paved city or miniature idyll, in which depth instead of shallowness had always been top priority? Until I have solved this problem for me personally, I’m considering a city cow which I can push over the Alexanderplatz with with care and a clean portion of the love, while I gently pat its head.

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19 Kommentare

  • Benjamin Krauss

    am Stadtrand!

  • Christian

    In einer kleinen Stadt mit Land drum rum.

  • Chrissy

    Stadt :) Lieber annonym als zusehr beieinander :O

  • Du hast bei der Schlachtung geweint? Ich freute mich immer tierisch, aufgrund der Tatsache, dass es abends frisches Fleisch gab und auch heute noch gibt.

    Ich glaube, eine Großstadt wäre nichts für mich aus eben den erwähnten Gründen. Ich bin eine Landpflanze und werde es auch wohl ewig bleiben.

  • Ich wohne noch hier am Arsch der Welt. Hier hat man das noch Freundschaft und Samstagabende mit Grillen und Seeschwimmen. Viele wollen hier weg, weil ihnen das zu langweilig ist und weil sie denken, dass dann alles plötzlich aufregend und total anders wird. Viele von denjenigen, die de Aufregung woanders suchen, sind selbst so langweilig, dass sie Ablenkung von sich selbst brauchen. Auch ich wollte immer weg von hier und dachte, dass die Provinz mich irgendwann umbringt. Dabei geht es nicht um Langeweile oder Aufregung, sondern Engstirnigkeit, die mich hier gestört hat. Diese ganzen Bauen mit ihren scheiß verspießten Ansichten kotzen einen so an! Dann fiel mir auf, dass es diese Leute überall gibt und das nichts mit Provinz oder so zu tun hat und man dort glücklich wird, wo seine Freunde wohnen. Glück hat nichts mit der Umgebung zu tun, sondern mit den Menschen, die man dort trifft.

    Home’s where your heart is.

  • Sven Rösler

    Mitten in der Stadt. So viel tolle Freizeitmöglichkeiten gibt es auf dem Land halt nicht.

  • phil

    Stadt und Land. Ja, klingt so scheisse, aber is nun mal so. Ich hatte das Vergnügen im Sommer 2 Monate in Hamburg zu verbringen. Es war mega-affen-sau-stark-ganz-krass-geil.

    Ich bin dann ins ländliche Fulda zurückgefahren und es war auch toll. Anders nicht so hektisch, ruhiger, entspannter. Das ist doch genau der Scheiß. Wir leben in Zeiten wo der Begriff Heimat immer wichtiger wird – egal wo und wie – weil wir permanent am wandern sind, Schule, Uni, Job, Ausbildung, Fortbildung, Seminar, Bullshitbingo deluxe. Deswegen stellt sich nicht die Frage nach Stadt oder Land, sondern wonach einem gerade ist. Das und der Faktor, was für ein Typ man ist. Chillt man in der Hektik der Reeperbahn Samstagnacht oder eben miles away in der Ruhe und Abgeschiedenheit zwischen Güllegeruch, Tellermine und Landidylle.

  • Kann dich vollkommen verstehen. Meine Lösung im Moment ist zwar in Berlin zu wohnen, aber trotzdem jeden Monat für eine Woche in die Provinz zu fahren um dieses liebevolle Leben zwischen kleinen Dorfpartys, Seeschwimmen und diesen Mikrokosmos mit den ständig gleichen Gesichtern, die einem auf der Straße begegnen und grüßen ein bisschen beizubehalten. Irgendwie hat es doch was liebenswertes, dieses ‘jeder kennt jeden’. Aber es fehlt die Veränderung, im Dorf bleibt doch immer alles gleich. Das ist auf der einen Seite schön und beruhigend, auf der anderen Seite kann es auch wahnsinnig langweilig sein. Mein Kompromiss derzeit ist natürlich kostspielig und nichts für auf Dauer und es kommt der Tag, da muss man sich eben entscheiden.

  • Daniel

    In der Stadt! Mal eben in 10 Minuten zur nächsten Bar, Disco etc zu gehen…priceless!

  • Lisa Greifenstein

    Stadt. Ohne Zweifel. Alleine schon wegen der Anonymität und den vielen Beschäftigungsmöglichkeiten.

  • angst

    stadt.
    je größer, desto besser. nichts ist schlimmer als in einem kuhkaff zu wohnen, wo samstag abends der letzte bus um zehn zurückfährt.

  • Julia

    Tiefe statt Oberflächlichkeit???
    Das habe ich auf dem Land aber anders in Erinnerung.
    Vielleicht hängst du auch einfach zu viel in Mitte rum. (war jetzt keine Behauptung da ich dich ja nich kenne, aber dann würde das mit “Oberflächlichkeit” schon etwas mehr Sinn ergeben)

  • Markus

    Mit 5 Jahren war mein Leben auf dem Land ein Traum
    Mit 15 Jahren wollte ich nur weg von dort und in die Stadt
    Mit 25 Jahren hab ich dann schon 5 Jahren in der Stadt gelebt und konnte es mir nicht vorstellen, wieder zurückzuziehen
    Mit 35 Jahren muss ich gestehen, dass ich daran Denke, mit meiner Frau auf dem Land eine Familie zu gründen. Die Stadt ist zu teuer, zu schmutzig, zu anonym

  • Hanna Rehse

    Wer meint, dass es auf dem Land nicht genug Freizeitmöglichkeiten gibt (oder eben nicht die Vielfalt), der hört mal her:
    Es gibt dafür andere Sachen bei uns, wie genügend Reiterhöfe… Und wir leben nicht hinterm Mond. bei uns gibt es auch Bars und Kneipen und ne Dorfdisco und will man halt mal ‘richtig’ feiern gehen, dann fährt man halt mal ne halbe Stunde um in die nächste große Stadt zu kommen… und?
    Aufm Land gibt es frische Luft, echtes Wetter, man ist nicht anonym, Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben. Hat genug Vorteile! :)

  • Uh das immer schwierige Thema. Wie Teufel und Engelchen auf den Schultern.
    Ich bin ein Stadtkind und werde nach 2 Tagen auf “dem Land” ganz nervös. Aber diese zwei Tage finde ich es unglaublich toll.
    Es ist wie diese “Karriere vs. Familie” Geschichte, aber das kommt wohl erst ein paar Jahre später. Ichhab Glück, dass ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin und einen beständigen Freundeskreis habe, der teilweise im Kindergarten begonnen hat. Dadurch gibt es gewisse Orte, an denen ich mir auch vorkomme wie auf dem Dorf und deswegen bin ich auch gar nicht so scharf jedes Wochenende Leute aus Barcelona oder GB kennenzulernen. Berlin ist ja mehr als Mitte, Prenzlberg und Kreuzberg.
    Ich habe also das Glück von beidem etwas zu haben. Stadtleben mit Uraltfreunden.

    Achja: Besonders witzig, dass alle nach Berlin ziehen, um dann lautstark rumzubrüllen, dass sie ihre Kinder hier ja nieeeemals aufziehen wollen würden.

  • mtz

    ganz einfach:

    im Sommer: Land
    im Winter: Stadt

  • janosch

    zu diesem Text fällt mir gerade das Lied von Rheinhard Mey ein: Susann.

  • rubia

    Völlig klar, Stadt. Stadt. Stadt.
    Aber trotzdem dankbar dafür auf dem Land groß geworden zu sein …

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