Jonathan Safran Foer - Tiere essen

Der Verzehr von anderen Lebewesen ist von jeher ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Was sollte man zu sich nehmen, wie gesund ist Fleisch und welche Art von…
Jonathan Safran Foer

Tiere essen

Der Verzehr von anderen Lebewesen ist von jeher ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Was sollte man zu sich nehmen, wie gesund ist Fleisch und welche Art von Leid darf man seinem zukünftigen Schnitzel antun. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich mir am Wochenende “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer zu Gemüte geführt, der im grellen Schein der Massentierhaltung und aus einer überzeugenden Vergangenheit heraus Antworten gesucht und teilweise auch gefunden hat.

Schön verpackt in eine Geschichte über seine jüdische Großmutter und Hühnchen mit Möhren macht er sich auf den Weg, um die Wahrheit über eine Problematik zu entdecken, die die Menschheit in zwei Lager geteilt hat. Fleisch oder Nicht-Fleisch – das ist hier die Frage. Er spricht mit Farmern, die ihre Kühe noch beim Namen kennen, bricht nachts in eine Truthahn-Fabrik ein und ballert den geneigten Leser mit Daten zu, die einem eigentlich die Chicken Wings im Halse stecken lassen müssten. Eigentlich.

Denn Jonathan hat mit seinem hoch angesehenen Werk nichts bewirkt und ans Licht gebracht, das Menschen, die sich auch nur ein Stück weit für die Thematik interessieren, nicht schon vorher wussten. Massentierhaltung ist der Tod für uns alle, Großkonzerne interessieren sich nur für Geld, Großmütter kochen am besten. Es ist ein netter Versuch, der Erdbevölkerung den rechten Weg zu weisen, aber der geht im Meer von Aufklärungsvideos, PETA-Propaganda und gescheiterter Selbstdisziplin gnadenlos unter.

Während er davon berichtet, wie eiterüberfüllte Schweine mit Metallstangen hingerichtet und anschließend durch den Fleischwolf gedreht werden, mutierte Hühner in tausenden von Scheißegruben ertrinken und Rinder immer und immer wieder geschwängert und misshandelt werden, stopfte ich ungerührt eine Portion Tortellini mit Schinken-Sahne-Sauce in mich hinein. So abgestumpft bin ich bereits.

Eine Sache habe ich aber auf der Reise durch Ställe, Schlachtbanken und Erinnerungen mitgenommen: Dass es oft nicht auf das Ganze, sondern das Detail ankommt. Dass man Jonathans Weg des Vegetarismus nicht komplett, aber vermehrt folgen kann. Und dass man immer die Wahl hat, was man kauft, konsumiert und letztendlich verspeist. Und dieser kleine Funken der Aufmerksamkeit spendiert “Tiere essen” letztendlich seine Daseinsberechtigung.

NA-KD

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25 Kommentare

  • Alexander

    Ich kann mir vorstellen, Vegetarier zu essen.

  • Fabian

    nö fleisch ist einfach zu gut um darauf zu verzichten

  • Wo du davon sprichst, dass du bereits abgestumpft bist: So ähnlich geht es mir auch. Besonders eklig wurde es bei Jamie Oliver. Hat nichts genützt. http://www.youtube.com/watch?v=S9B7im8aQjo

    Das Buch habe ich letzte Woche übrigens auch angefangen.

  • Bei mir hat’s funktioniert. Und ich habe es noch nicht einmal gelesen. ;-) Aber da meine Liebste es gelesen hat, und wir sehr viel drüber geredet haben und uns noch ein paar hübsche Videos auf YouTube reingezogen haben und beide klar denken können, heißt es für uns seit dem: In unseren Kühlschrank kommt kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr. Und, nein: Bio ist auch nicht die Lösung. Das sagt ja nur, wie das Tier versorgt und aufgezogen, aber nicht wie es geschlachtet wurde. Wenn überhaupt noch Fleisch – was ich im Moment jedoch bezweifle – dann vom Hof um die Ecke. Dann kostet das Huhn zwar plötzlich 16 Euro statt 3 Euro. Aber scheinbar ist ein gesundes und vernünftig geschlachtes Huhn das Wert und der Rest nur billiger Ramsch. Widerlich.

    Oder: http://www.markus-freise.de/2010/09/25/tag-48/

  • Flo

    I am. Und ich könnte mir nicht vorstellen wieder Fleisch zu essen. Oder essen zu wollen.

  • Lisa

    Wer Fleisch ist sollte auch wissen, wo es herkommt und wie gesund es wirklich ist. Wer es dann noch essen kann. Bitte sehr. Ich nicht.

  • Mike sineP (Rückwärte)

    Du liest Bücher? – Is ja ekelhaft.

  • veggie

    man sollte die Fleischesser nur dann Fleisch essen lassen, wenn sie ihr Schnitzel selber herstellen, also selber schlachten! Das ist das Hauptproblem eben, das man sowas wie eine Leberkässemmel einfach nicht mit einer Tierleiche in Verbindung bringt, die nach einem furchtbaren Leben grausam ermordet wird :`(
    Und: Fleisch ist meistens zu billig. Wer das durch Kauf unterstützt, sorgt dafür, dass sich nichts ändert.

  • Lairosiel

    seitdem ich “Earthlings” gesehen habe bin zwar nicht zur Vegetarierin geworden, aber ich kaufe die Produkte wesentlich bewusster ein. Am liebsten bei uns aufm Markt. Ganz darauf verzichten will ich nicht, dafür schmecken mir die Dinge einfach zu gut.

  • Aufgrund dieser angesprochenen Bedenken bezüglich Ethik, Moral und Massentierhaltung habe ich aufgehört im Alltag Fleisch zu essen. Nur zu Weihnachten und zum Geburtstag wirds vielleicht nochmal ein wenig “Tier” geben. Der Fleischkonsum so wie die westliche Gesellschaft ihm frönt, ist Klimakiller Nr. 1 und eigentlich sollte man schon allein deshalb seinen Fleischkonsum reflektieren und verringern!

  • allein das interview mit dem autor im radio hat bei mir ausgereicht, meinen ohnehin schon sehr eingeschränkten fleischverzehr auf komplett null zu reduzieren.
    was all die jahre vorher nicht gezogen hat, hat diesmal funktioniert: ich will nicht mehr teil dieser maschinerie sein. obwohl ich den geschmack von wurst und fleisch sehr lecker finde. mir zieht sich der magen zusammen bei dem gedanken, was ich mir da in den mund stecken würde. vor ekel und vor traurigkeit.
    allerdings habe ich das große glück, fast ausschließlich von vegetarisch/vegan lebenden menschen umgeben zu sein. von daher habe ich auch schon vorher eine eher vegetarische ess-kultur gehabt, bei der ich jetzt einfach nur auf das verzichte, das ich vorher “extra” gegessen habe.

  • Esther van Zwaan

    ich könnte mir nicht vorstellen, kein vegetarier zu sein.

  • Marcel

    fleisch kommt von tieren. ich mag tiere. mit fett ohne fett, mit herz, nieren, augen. das geht schon. kann man alles mitessen.

  • also eigentlich

    Also wenn ich hier in den Kommentaren schon wieder lese: “Man sollte nur Fleisch essen, wenn man das Tier selbst schlachten kann”. Das ist doch völliger Blödsinn. Ich bin leidenschaftlicher Fleischesser, kann aber noch nicht mal eine Fliege töten. Aber ich verschließe nicht meine Augen, wenn ich einer Schlachtung zu sehen muss.

    Was als Fleischesser wichtig ist, den Respekt vor dem Tier zu bewahren. Das bedeutet, dass man nicht Unmengen davon essen sollte. Dass man Fleisch von Bauern kauft, die die Tiere gut aufgezüchtet haben. Das man vom Tier nichts verkommen lässt und nicht immer nur die sprichwörtlichen Filetstücke essen sollte (wie es uns die Spanier und Portugiesen z. B. beim Schwein vormachen, die wirklich alles verarbeiten). Und das man einsieht, das Fleisch seinen Preis hat.

    Und wer meinen Blog liest, weiß, dass ich das ernst meine :-).

  • Ann-Christin

    Ich beziehe auch eher die Pro-Fleisch Seite. Doch dann hab ich mal drüber nachgedacht wieviel Fleisch ich letzte Woche gegessen habe. Fazit: Einmal. Hühnchen im Asias-Gericht in der Kantine. Denn wenn man sich ein bißchen bewusst ernährt, reduziert sich der Fleisch-Konsum sowieso. Nehme meist das vegetarische Menü, aber nicht, weil ich davon überzeugt bin, sondern weil es am unfettigsten und günstigsten ist. Und auch, wenn ich gleich mit Gemüse beworfen werde: Manchmal ist es auch eine Frage des Geldes. Würde gerne alles Bio, nachhaltig und vom Bauern nebenan kaufen, aber das lässt mein Budget nicht immer zu. Daher wird es (wenn es Fleisch gibt) das Hühnchen aus der Tiefkühle für 2€ anstatt das frische vom Bauern nebenan für 6€. Selbiges gilt aber auch für Gemüse. Ich kaufe auch Karotten aus der Massenhaltung ;-)

  • Bisaz

    Über das Abgestumpftsein gibt es auch viele gute Bücher.

    Abgestumpftsein ist wichtig um mitzumachen. Das gelingt uns allen ganz gut, denke ich.

  • Marius

    Kein Mensch, der sich ein paar Informationen einholt und sich wenigstens 5 Minuten die Zeit nimmt darüber nachzudenken, kann ernsthaft noch Fleisch essen.

  • ich hab jetzt Bock auf n Steak!

  • Auf der Wiese liegen Kühe mit wilden Frisuren.
    Am Waldrand drücken sie sich bei Regen unter
    Baumkronen dicht aneinander.

    Es sind Väter, Mütter, Schwestern, Brüder.

    Fleisch muss einen Stellenwert bekommen wie Tabak: Entweder Zigarren oder nichts! Entweder das endgeilste Stück vom Rind oder nichts! Auf keinen Fall die 50 Cent Mortadella vom Lidl.

  • nö, normal nutzen, wie jetzt auch.

    es geht ja aber doch vor allem darum, den konsum zu reduzieren. und das meine ich im kern ja. richtig oder gar nicht halt. wenn man es nicht ganz vermeiden kann oder will, dann doch wenigstens ein bisschen vernunft herrschen lassen. ich sage das als steakliebhaber.

  • Fleckvieh

    Als Kuh bin ich von den Tierschutzverbänden enttäuscht! PETA und Konsorten sammeln in der EU rund 4 Milliarden Euro an Spenden ein – und machen damit nur die Finanzierung von Werbeagenturen und Zeitschriften. Dafür kritisieren sie, dass ich jetzt nicht mehr im engen alten kleinbäuerlichen Stall angebunden werde und statt dessen mit hundert Kolleginnen frei in einem großen luftigen Stall herumlaufen kann!

  • Ilu sagt:

    Anhand der Vielzahl von überzeugten Hinrichtungskommentaren bemerkt man neben der angefressenen Aggression eben auch dieselbe, Intelligenz. “I spür’ nix!”

Strellson