Die Songs meines Lebens - Summer Of SynesthesiaSynästhesierter Sommer

Wir hatten überlebt. Die Jahrtausendwende war gekommen und hatte uns kurz enttäuscht, um schließlich auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Mit den Eltern hatten wir vor dem Fernseher gesessen, aber da war…
Die Songs meines Lebens

Summer Of SynesthesiaSynästhesierter Sommer

Wir hatten überlebt. Die Jahrtausendwende war gekommen und hatte uns kurz enttäuscht, um schließlich auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Mit den Eltern hatten wir vor dem Fernseher gesessen, aber da war die Luft schon raus gewesen; als klar wurde, dass Australien noch stand und selbst das übertechnologisierte Japan dem Monster Milleniumbug getrotzt hatte, wartete man nur darauf, endlich ins Bett gehen zu können. Dass man sich überhaupt die Mühe gab, bis null Uhr aufzubleiben, war allein der Vorstellung geschuldet, einer diffusen Idee von Kindern später erzählen zu können, dass man 31.12.1999 um 23.59 Uhr keinen Spaß gehabt hatte. Das neue Jahrtausend begann, wie das alte geendet hatte: gefangen in adoleszenter Langeweile, weit ab von dem, was naive Träumer die Zeit ihres Lebens nennen. Es war ein neues Jahrtausend, aber es hatte sich nicht viel geändert.

Und doch war vieles anders. Ich hatte mich daran gewöhnt, eigenes Geld in der Tasche zu haben, ich hatte mich daran gewöhnt, nicht mehr mit Mama zu C&A gehen zu müssen. Es war der Sommer, in dem man endlich begriffen hatte, dass Jeans auch gut aussehen können, es war der erste Sommer, der die Klamotten trug, die man sich selbst ausgesucht hatte. Es war überhaupt der erste richtige Sommer. Wir verließen unseren Kokon, für immer, und auch wenn wir uns hin und wieder zurücksehnen würden, in diese Geborgenheit der Kindheit – die neugewonnene, ungewohnte Freiheit roch so gut wie der Frühling nach den harten Wintern von früher. Wir trugen H&M-Jeans, die guten, als die Schweden noch Jeans zu machen wussten, dazu Chuck’s und Logo-Shirts, weil wir das auf VIVA II in den Videos amerikanischer Emo-Bands so gesehen hatten

Wir hörten Emo. Emo, das waren damals Chuck’s und Logo-Shirt, zweistimmige Moll-Harmonien zu Metal-Riffs von weißen Vorstadt-Jungs mit Frisuren, die auch Tony Sopranos Ansprüche an einen Schwiegersohn erfüllt hätten, und das einzige, was geritzt wurde, war eine Kerbe auf der Liebeskummer-Skala. Und dabei war das noch nicht mal „Emo“, was wir hörten. Es war höchstens Borderline-Emo, denn Emo war nur das, was der tätowierte Typ im Vinyl-Laden Emo nannte, aber wir hörten Sunny Day Real Estate, Jimmy Eat World, The Promise Ring, Thursday, und wir definierten es als Emo und darum war es Emo. Wir waren weiße Vorstadt-Jungs mit Frisuren, die unsere Mütter bezahlt hatten und deshalb so aussahen, wir trugen Klamotten, die so aussahen, weil es VIVA II gab.

Es war der erste Sommer unseres Lebens und der Soundtrack hätte nicht passender sein können. Wenn wir durch die Stadt flanierten, die Sonne im Herzen, den Wind im Rücken, den Discman in der Hand, dann hörten wir „Something to write home about“ von The Get Up Kids. Und damit war alles gesagt. Mit einer Platte war alles gesagt, was zu sagen gewesen wäre, und die Get Up Kids sagten es, sangen es, schrien es, und wir hörten es, selbst wenn der Akku des Discmans leer war, die Musik lief weiter, in unseren Köpfen, wie auf Knopfdruck, wenn die Sonnenstrahlen unsere Haut berührten und die Haare sich aufstellten. Unser synästhesierter Sommer.

We had survived. The turn of the millennium had come and had disappointed us shortly to disappear forever. With our parents, we had been sitting in front of the TV, but since the air was already been out, when it became clear that Australia stood still, and even the technology freaks of Japan had defied the monster millenium bug, you just waiting to finally go to bed. That we were in all the trouble to stay up to zero clock was only due to the idea of telling a vague idea of children later to that one 12/31/1999 23.59 clock was no fun. The new millennium started off like the old one had ended: trapped in adolescent boredom, far from the call that naive dreamer the time of their lives. It was a new millennium, but it had not changed much.

Yet much was different. I had gotten used to their own money in the bag, I had got used to it, not to have to go with Mom to H&M. It was the summer when they had finally realized that jeans can look good, this was the first summer, wearing the clothes they had chosen themselves. It was actually the first real summer. We left our cocoon, for ever, and even if we would long to return now and then, in the comfort of childhood – the newly won, unfamiliar freedom smelled as good as the spring after the harsh winters of the past. We wore H&M jeans, the good, do as the Swedes still jeans knew to Chuck’s and logo shirts, because we had seen on VIVA II in the videos of American Emo-strip so

We listened to Emo. Emo, which were then Chuck’s and logo shirt, two-minor harmonies to metal riffs of white suburban boys with hair that would have satisfied even Tony Sopranos claims to a son, and the only thing that was scratched, was a notch on the lovesick scale. And that was not even “emo” what we heard. It was more than borderline Emo, Emo was only because of what was called the tattooed guy in the vinyl shop Emo, but we heard Sunny Day Real Estate, Jimmy Eat World, The Promise Ring, Thursday, and we defined it as Emo, and therefore It was Emo. We were suburban white guys with hair that had paid for our mothers and looked so so we wore clothes that looked like that because it was VIVA II.

It was the first summer of our lives and the soundtrack could not have been more appropriate. When we strolled through the city, the sun in the heart, the wind at his back, the Discman in hand, then we heard “Something to write home about” by The Get Up Kids. And so it was all said. With a plate it was all said what would have been to say, and the Get Up Kids said it, sang it, shouted it, and we heard it, even if the battery is empty, the Discman, which was more music in our heads as pressing a button when the sun’s rays touched our skin and hair lined up. Our synästhesierter summer.

Everything that we've found / Says make your own destiny. But / You're unaware that you / Should be scared. / Maybe you'll learn from mistakes that we make. / We're not waiting forever.

[audio:closetohome.mp3]
s.Oliver

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Tally Weijl