Sturmfrei für immer - My Life As A RoommateMein Leben als Mitbewohner

Ohne das Konzept Wohngemeinschaft wäre ich vermutlich schon lange tot. Jeder meiner vergangenen Mitbewohner rettete mir mindestens einmal das Leben. Egal ob ich den Gasherd anließ, mich in einer lauschigen…
Sturmfrei für immer

My Life As A RoommateMein Leben als Mitbewohner

Ohne das Konzept Wohngemeinschaft wäre ich vermutlich schon lange tot. Jeder meiner vergangenen Mitbewohner rettete mir mindestens einmal das Leben. Egal ob ich den Gasherd anließ, mich in einer lauschigen Dezembernacht bei bei -12° Celsius in einem durchsichtigen Nachthemd aussperrte oder beim Schlafwandeln eine Packung Erdnüsse aß, auf die ich nunmal mit Atemnot und einem raschen Anschwellen meines gesamten Kopfes reagiere – in letzter Sekunde kam immer der Mensch aus dem Zimmer nebenan, um mir zu Hilfe zu eilen.

Aber auch abgesehen von der Überlebenshilfe bringt das Zusammenwohnen viele Vorteile. Es ist billig, macht Spaß und es ist immer jemand da, dessen Kühlschrankfach gefüllt ist. Wobei das ja fast schon wieder unter Lebensrettung fällt. Außerdem finde ich es spannend, unterschiedliche Menschen und deren Lebensweisen kennenzulernen. Ich liebe meine aktuelle Mitbewohnerin abgöttisch. Wir haben den gleichen Modegeschmack, können ganze Abende damit zubringen über fette Mädchen in Röhrenjeans zu lästern und machen seit meinem Einzug vor fünf Monaten durchgehend die unterschiedlichsten Diäten, zwischen denen wir uns mit Schokolade und Kartoffelbrei vollstopfen als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn ich Abends nicht allein sein kann, macht sie eine Flasche Wein für uns auf, sie zwingt mich auszugehen wenn ich Liebeskummer habe und versichert mir am nächsten Morgen, dass der Typ, der mir eine falsche Telefonnummer gab, eine totale Hackfresse hatte. Eigentlich ist das alles ganz schön. Außer manchmal. Wenn ich sie töten möchte.

Weil sie nämlich genau die gleichen Klischeemacken hat, wie jeder andere Mitbewohner, mit dem ich bis jetzt das Vergnügen hatte. Alle haben sie eine Vorliebe für nächtliche Ruhestörung, eine Abneigung gegen das Spülen von Töpfen und Pfannen und obendrein leiden sie an chronischer Unfähigkeit meine Lebensmittel von ihren eigenen zu unterscheiden. Seit ich in WGs wohne, fühle ich mich bestens gerüstet für eine Zukunft als Mutter. Die wichtigsten Regeln für das Zusammenleben mit Mitbewohnern sind die gleichen, die auch für das Zusammenleben mit Kindern gelten: 1. Für Süßigkeiten, Alkohol und Drogen gibt es kein sicheres Versteck. Sie finden alles. Am besten schaffst du das Zeug gar nicht erst ins Haus. 2. Sei um Gottes Willen ruhig beim Sex, wenn du nicht willst, dass sie irgendwann im Türrahmen stehen und schockiert zusehen. 3. Wenn sie am nächsten Morgen immer noch nicht da sind, besteht Grund zu Sorge. Immer.

Die auffälligste Gemeinsamkeit von Kindern und meiner Mitbewohnerin: Hinter dem süßen Kulleraugengesicht steckt ein unfassbares Zerstörungspotential. Ob sie nun gewaltsam den halbem Wasserhahn aus dem Waschbecken reisst (“Ich habe nur ganz normal zugedreht, ehrlich!”), Telefonanschlüsse zerstört oder meinen ganzen Satz teurer Rotweingläser nach und nach beim Abspülen zerbricht. Sie macht es nie absichtlich – aber dafür sehr konsequent. Aber das sind Dinge, über die man mit ein bisschen Übung hinwegsehen kann. Das regelmässige “Wir haben übrigens deinen Wodka getrunken…” ist dagegen nur schwer verzeihlich. Genauso wie die Tatsache, dass ich jeden zweiten Morgen kalt duschen muss, weil sie gerne mal drei Stunden lang das ganze warme Wasser verbraucht.

Wenn sie abends aus der Arbeit kommt, hat sie schlechte Laune. Wenn sie morgens aus dem Bett steigt auch. Und dazwischen sowieso. Ausserdem hat sie diese besondere Gabe meinem Männerbesuch den Kopf zu verdrehen. Ich hasse es wenn das passiert. Ständig muss ich die Porno-Phantasien meiner Freunde abkühlen, in denen wir mädchenhaft kichernd den ganzen Tag nackt durch die Wohnung tollen, und werde um das Privileg beneidet, sie morgens nach dem Duschen sehen zu dürfen. In all diesen Momenten möchte ich mich an den Computer setzen und ein Wohnungsgesuch aufgeben. Nie wieder WG. Einfach mal Ruhe haben, nicht mehr das Stöhnen aus dem Nebenzimmer mit Hardcore-Musik übertönen müssen. In Hello-Kitty-Unterwäsche durch die Wohnung moshen, Slayer in einer angemessenen Lautstärke hören und nebenbei die sexy Sportclips auf DSF gucken. Endlich nackt und ungeschminkt auf dem Küchenboden sitzen und Nudelsuppe direkt aus dem Topf trinken ohne dabei erwischt zu werden. Sturmfrei für immer. So stelle ich mir das wahre, das richtige Leben vor.

Naja, zumindest bis sie dann wirklich mal für ein paar Tage zu ihren Eltern fährt. Denn bereits nach 24 Stunden stelle ich fest, dass Misosuppe zum Frühstück allein irgendwie nur halb so gut schmeckt, dass es blöd ist, den sexy Nachbarn unten im Garten allein anzuschmachten und ich Angst allein im Dunkeln habe. Und in diesen Augenblicken wird mir bewusst, dass ich tatsächlich die Einzige bin, die das Privileg hat, zuzusehen wie sie morgens nach drei Stunden im Bad nackt und nass aus der Dusche steigt. Fuck, so kann ich ihr einfach nicht böse sein.

Without the concept of shared apartments, I would probably be dead for a long time. Each of my past roommates saved my life at least once. No matter whether I started the stove, couldn’t get back into our flat in a secluded December night at -12 ° Celsius in a transparent nightgown or sleep-walked at night and ate a pack of peanuts, which I’m allergic to and get short breath and a rapid swelling respond of my entire head – at the last second always someone came from the room next door to help me.

But even apart from the survival cohabitation brings many benefits. It’s cheap, fun, and there is always someone there whose refrigerator compartment is filled. Okay, that’s almost already covered by life-saving. I also find it exciting to know different people and their ways of life. I love my current roommate idolatrous. We have the same taste in fashion, can spend whole evenings in order to blaspheme about fat girls in skinny jeans and make us since my move in five months ago through a variety of diets, among which we cram ourselves with chocolate and mashed potatoes as if there were no tomorrow. If I can not be alone be the evening, she opens a bottle of wine for us, she forces me to go out if I’m lovesick and assured me the next morning that the guy who gave me the wrong phone number, had a total shitface. Actually, everything is very beautiful. Except sometimes. When I want to kill her.

Because she has exactly the same cliche quirks, like any other roommates, with whom I had the pleasure yet. They all have a preference for nocturnal disturbance, an aversion to washing pots and pans, and moreover they suffer from chronic inability to distinguish my food from their own. Since I live in shared apartments, I feel well prepared for a future as a mother. The most important rules for living with roommates are the same as those applied for the cohabitation with children: 1. For sweets, alcohol and drugs, there is no safe hiding place. They find everything. The best way to manage that problem is to bring the stuff not even into the house. 2. Be quiet during sex for God’s sake, if you don’t want them to stand in the doorway at some point and look like shocked. 3. If she is still not there the next morning, there is reason for concern. Always.

The most striking similarity between children and my roommates: Behind those big wide eyes there’s an immeasurable potential for destruction. Whether if she violently rips half the faucet from the sink (“I have turned it off just as normal, honest!”), destroyes telephone lines or brakes my whole set of expensive red wine glasses by and by. She makes it never intentionally – but very consistent. But these are matters about which you can overlook with a little practice. The regular “We have been drinking your vodka by the way…” however is forgivable quite difficult. Just as the fact that I need a shower every other morning cold, because she sometimes like three hours long consumed the entire warm water.

When she comes in the evening from work, she has bad mood. If she gets out of bed in the morning, too. And between those two points anyway. She also has this special gift to twist my visiting men their head. I hate it when that happens. I constantly have to cool down the porn fantasies of my friends, in which we girlish giggling all day naked through the apartment, and I have the privilege of being able to see her in the morning after showering. In all these moments I would like to sit at the computer and get looking for a new flat. No more shared apartments. Just have some quiet time, where I don’t have to listen to those strange sounds from the next room. Walking around in Hello Kitty underwear through the apartment, listening to Slayer in a reasonable volume and watch those sexy sport clips on DSF. At last, naked and unadorned sitting on the kitchen floor and drink noodle soup directly without getting caught out of the pot. Be free forever. So I imagine the true, real life.

Well, at least until she leaves for real. To visit her parents. Because after 24 hours I notice that miso soup for breakfast tastes as half as good alone, that it is stupid, to look at the sexy neighbor in the garden alone and I’m afraid alone in the dark. And in these moments I realize that I’m actually the only one who has the privilege to watch her in the morning after three hours in the bathroom naked and wet from the shower. Fuck, then I can simply not be angry with her.

Farfetch

Abonniert unseren Newsletter!

Drückt hier, um weitere aktuelle Neuigkeiten über das Leben zu lesen und drückt hier, um eigene Artikel und Fotos einzureichen. Oder folgt uns auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Pinterest, um auf dem Laufenden zu bleiben.

s.Oliver

Was ist deine Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Füge deinem Kommentar ein Bild hinzu:

12 Kommentare

Tally Weijl