21st-Century Minimalists - Digital HobosDigitale Vagabunden

Als wir noch analog und jung waren, hatten wir in unseren mit pissgelben Tapeten überzogenen Kinder- und Spielzimmern jeden Zentimeter mit Kisten voller Bibi-Blocksberg-Kassetten, Nintendo-Modulen und Piraten-Lego-Steinen vollgestopft. Jeder dieser…
21st-Century Minimalists

Digital HobosDigitale Vagabunden

Als wir noch analog und jung waren, hatten wir in unseren mit pissgelben Tapeten überzogenen Kinder- und Spielzimmern jeden Zentimeter mit Kisten voller Bibi-Blocksberg-Kassetten, Nintendo-Modulen und Piraten-Lego-Steinen vollgestopft. Jeder dieser Gegenstände war uns wichtiger als Familie, Liebe und Geld zusammen und wenn ein Feuer ausgebrochen wäre, hätten wir wohl den sicheren Tod gefunden, weil uns niemand die Entscheidung abnehmen konnte, was wir zuerst retten sollten.

Das digitale und erschwingliche Zeitalter schafft uns das baldige Ableben nun erst einmal vom Hals. Denn durch MacBook, iPhone und Co. haben wir unsere gesammelten Lieblinge ständig bei uns. In unserer Bibliothek schlummern haufenweise legale und illegale Songs und Filme, alte und neue Spieleklassiker erleben durch Programme und Emulatoren ein Revival nach dem anderen und all unsere Lego-Steine finden wir schon bald in einem Abenteuer-Online-Rollenspiel wieder. Fotos, Dokumente. Kommunikation, Pornos. Arbeitsmittel, Internet. Alles liegt gut verstaut in Bits und Bytes auf unserer Festplatte inmitten eines mobilen Endgeräts. Was brauchen wir bitte mehr?

In den USA gehen manche Menschen bereits soweit, dass sie ihre materiellen Güter, analoge Erinnerungen und des Öfteren sogar ihre Wohnungen und Häuser komplett verkaufen und verschenken, weil ihnen nichts wichtiger ist, als die Daten auf ihrem portablen Computer. Sie leben als Wanderer auf der Straße, weil sie alles was sie brauchen, doch eh bei sich haben. “21st-Century Minimalist” nennt sich das ganz frisch und neu. Und die Idee macht mich irgendwie an.

“Ich glaube, dass der Verzicht auf physische Güter ein genereller Trend meiner Generation werden könnte. Es wird eine Tatsache werden, dass sie durch digitale Gegenstücke ersetzt werden”, sagt Kelly Sutton, der 22 Jahre alt und von Beruf Software-Entwickler ist. Chris Yurista aus Washington, DC, hingegen hat gleich den ganz großen Schritt gewagt und vor einem Jahr den Vertrag seines Apartments gekündigt. “Es ist zwar irgendwie großartig ein Zuhause zu haben, aber das Internet hat meine Bedürfnisse für eine Adresse ersetzt”, sagt der 27-Jährige.

Und der digitale Minimalismus wird immer extremer. Die Ersten träumen bereits davon, sich komplett von ihrem analogen Körper zu verabschieden und philosophieren darüber wie großartig es doch wäre, irgendwann in einem Computer zu leben und die Seele mit dem Netzwerk zu verschmelzen. “Mind Upload” nennt das Anders Sandberg vom Future of Humanity Institute an der Oxford Universität.

Wie weit würdet ihr gehen? Könnt ihr den Schritt nachvollziehen, dass immer mehr Menschen ihre weltlichen Güter verkaufen, um nur noch im Netz zu leben? Dass sie ihre festen Lebensräume loslassen, um als digitale Vagabunden durch die Lande zu tingeln? Oder sich gar wünschen, irgendwann komplett mit einem Computer verschmolzen zu werden? Gruselige Gedanken weichen Neugier und aus Neugier wird Wunschdenken. Oder etwa nicht?

When we were still analog and young, we crammed our with piss yellow wallpapers covered children’s and playrooms every inch of with boxes of Bibi Blocksberg cassettes, Nintendo modules and pirate Lego bricks. Each of these items was more important to us than a family, love and money together, and if a fire had broken out, we would have found certain death, because we could find no one to decide what we should save first.

The digital age creates an affordable solution for this problem. Because through our MacBook, iPhone and Co., we have our collected favorites always with us. In our library heaps slumber legal and illegal songs and movies, old and new classic games experience through programs and emulators a revival after the other and all of our Lego bricks are going to be back soon in an online role-playing adventure. Photos, documents. Communication, porn. Equipment, Internet. Everything is stored in bits and bytes on our hard drive in the middle of a mobile device. What do we need more?

In the U.S., some people already go so far to sell their material goods, analog memories and often even their homes completely because nothing is more important for them than the data on their portable computers. They live as wanderers on the streets because they have everything what they need with them. Those people are called “21st-Century minimalists“. And the idea is somehow great.

“I think cutting down on physical commodities in general might be a trend of my generation – cutting down on physical commodities that can be replaced by digital counterparts will be a fact. “says Kelly Sutton, a 22-year-old professional software developer. Chris Yurista from Washington, DC, however, has just dared the big step and terminated the contract of his apartment a year ago. “It’s always nice to have a personal sense of home, but that aside – the internet has replaced my need for an address.”

And the digital minimalism is becoming more extreme. The first ones dream already to completely abandon their analog body and philosophize about how great it would be to live in a computer and eventually merge their souls into the big network. This idea is called “Mind Upload” by Anders Sandberg from Future of Humanity Institute at Oxford University.

How far would you go? Can you understand the step that more and more people sell their worldly goods to live only on the net? The fact that they let go of their fixed habitat in order to hoof it as a digital vagabonds across the country? Or even want to be merged at some point complete with a computer? Scary thought soft curiosity and curiosity is wishful thinking. Or isn’t it?

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18 Kommentare

  • Lieber Marcal,
    bald wirst du einen Artikel schreiben müssen in dem du eingestehst “Früher hatten wir noch richtigen Sex. So mit Körpern aneinander reiben und meins in deins reinstecken, anstatt nur Benutzer-Freigabe und Datenaustausch.”

    Ach ja … das wird ne schöne Zukunft.

  • Ninia LaGrande

    Die Idee klingt gut, wär aber trotzdem nichts für mich. Mein Reich muss ja nicht groß sein. Aber das eigene Bett, “richtige” Bilder, die an der Wand hängen usw. auf das alles möchte ich doch nicht verzichten. Wobei die Idee, mal so richtig auszumisten und nur noch das zu behalten, was einem lieb und teuer ist, schon sehr verlockend ist… und wenigstens ein kleiner Schritt in Richtung “21-st Century Minimalist”.
    Meine Seele und das Netzwerk verschmelzen sich bitte auch erst in ein paar Jahren…

  • Ich kann durchaus nachvollziehen das Menschen sich vermehrt um die Reduzierung ihrer “weltlichen” Güter kümmern. Was braucht man denn schon groß zum Leben wenn man sich eh nur im Radius von 5 Metern ums Laptop bewegt.

    Andererseits: das Leben nur in Digital? Nein Danke! Ein “echtes” Gemälde anschauen, mit “echten” Menschen in einer “echten” Umgebung Spaß haben oder eben auch “echten” Sex haben – das für mich durchaus erstrebenswerter. Oder ist Handbetrieb zum x-ten Porno mittlerweile das wahre Leben?

  • Oh man, für mich klingt das Ganze mächtig nach “Ich bin Internet-süchtig und das ist auch gut so!”
    Das ist doch nur ein schön reden von “Ich habe kein echtes Leben mehr, denn ich lebe eh nur noch online!”
    Wie schon andere Kommentare meinten, gibt es einfach Dinge im Leben, die sich nie digital ersetzen lassen.
    Natürlich ist das andere Extrem auch nicht gut, wenn man sich nur noch über seine schicken IKEA-Möbel definiert und nur noch von materiellen Werten lebt.
    Aber dieses Extrem gefällt mir noch weniger und ich finde es irgendwie lächerlich!

  • Ja, doch. Der Gedanke, dass alle Menschen, die gänzlich auf Materielles verzichten wollen, irgendwann nur noch in einem Computer leben, gefällt mir irgendwie. Welche Seele da mit einem Netzwerk verschmelzen soll, verstehe ich allerdings nicht so ganz.

  • Ich würde auch sagen, dass meine wichtigsten Dinge (beside friends and family) auf dem MacBook und dem iPhone sind… aber so weit würde ich dann auch nicht gehen, dafür bietet mir das Netz wahrscheinlich noch nicht genug Sicherheit.

  • Ich finde es hat einen ganz anderen Flair Bilder auf dem PC anzuschauen und Bilder in Magazinen oder in einem Fotoalbum durchzublättern.
    Da kaufe ich mir lieber ein Têtumen für 10€ anstatt mein leben lang alles da auf son ding anschauen zu müssen!
    Bestellen sich die Leute auch das Essen mit dem Mcbook etc. ?

  • Totale Wichsscheiße.

  • Neo

    Leute ihr habt es immer noch nicht kapiert. Es ist eh alles virtuell und ihr seid als Stromgeneratoren an das Netz angeschlossen. Macht es wie ihr wollt. Es ändert nichts an der Wahrheit!

  • Vorstadtprinzessin

    Ach herje…neh das ist mir dann doch ein wenig zuviel. Ich würde vlt. das ein oder andere “Gut” verkaufen um mir ein anderes schöners “Gut” zu kaufen. Aber Wohnungsauflösung? Kein eigenes Bett? Wie geil ist es denn im Bett zu liegen und mit dem iPhone im Internet zu surfen…hallo? Nööö man muß ja nicht gleich übertreiben.

    Natürlich sind viele Daten wie Bilder, Songs, Kontakte etc irgendwie digitalisiert. Das liegt aber wohl eher daran, das es einfacher ist! Aber ob es einfacher ist das komplette Leben über einen portablen Computer zu leben, bezweifle ich! Web 3.0 oder Real life 2.0 ist also nichts für mich :D

  • Ich finde, wenn man sich wirklich von materiellen Dingen trennen möchte, dann sollte man bei dem Computer anfangen.

  • “Mind Upload” erinnert mich an Otherland von Tad Williams. (Irgendwann gab es mal das Gerücht, das Buch solle verfilmt werden. Für alle, die keine Zeit mehr finden, sich durch 3200 Seiten zu wühlen.) Wäre allerdings so gar nichts für, solange ich nicht körperlich in welcher Weise auch immer zu eingeschränkt für soziale Interaktion bin.

    Ein leben als digitaler Vagabung geht ebenso nicht. Das Leben aus dem Koffer ist Prinzip nicht so undenkbar, aber ich besitze einfach noch zu viele Bücher (und Magazine). Noch ist es mir zu viel Arbeit ausführliche Fachliteratur ausschließlich im Netz zu sammeln – von Literatur ganz abgesehen.

  • Ich muss ehrlich sagen, dass der Gedanke, in einem Computer zu leben, schon einen Reiz für sich hat. Man würde ja quasi unsterblich werden, sollte der Computer nicht abgeschaltet werden. Vielleicht sogar in das weltweite Daten-Netz einspeisen. Sehr abstrakt. Das sich Menschen von ihren Materiellen Gütern trennen und nur noch auf digitales setzen, finde ich zwar verwunderlich, aber nicht sonderbar.

  • “¦bis zum nächsten Festplattencrash.

  • Wie kann das Internet denn ein Bett, eine Küche oder ein Klavier ersetzen? Der Zusammenhang hat sich mir noch nicht so erschlossen. Wo schläft Chris Yurista nachts? Im Rechenzentrum? o.Ô

    Gibt es nicht weit mehr im Leben als illegale Filme, Chat Roulette und Abenteuer-Online-Rollenspiele? Ich muss mich da “Kageetai” anschließen, diese Menschen haben doch jeglichen Sinn für Realität verloren..

  • Ich denke wir speisen doch das Netz mit dem, was uns die Welt da draussen schenkt (soll jetzt nicht guru-like klingen) und wenn wir uns von unserer Umwelt trennen würde dann auch irgendwann das Netz nichts mehr zu lachen haben.

  • “Alles Sichtbare muss in das Reich des Unsichtbaren übergehen. Du darfst passieren, mein Freund”
    Wir sind auf jeden Fall zu gebunden an weltlichen Besitz, der sowieso vergeht, denn alles ist im Fluss. Warum also nicht ein bisschen nachhelfen und Balast loswerden. (Digital Vagabounds© ist übrigens ein alter Einfall von mir;)

  • Hanoi

    Zu extrem gedacht. Ich würde vermuten, dass der Minimalismus eher darin zu sehen ist, dass man “weniger, aber besser” die materiellen Dinge um sich herum auswählt. Und dass nur unterhaltende Güter im weiteren Sinne ins digitale abwandern. Zugleich man aber Vinyl sammelt und alte GameBoySpiele.

    Kühlschrank, Sofa, bla, die “nicht-unterhaltenden” Güter bleiben weiter analog.

Topman