Die re:publica in Berlin - Revolutionieren leicht gemacht

Vergangene Woche fand in Berlin zum nun bereits vierten Mal das größte Hipster-Nerd-Meet ‘n’ Greet der nördlichen Hemisphäre statt und auch wir kleine Sternchen konnten es uns natürlich nicht nehmen…
Die re:publica in Berlin

Revolutionieren leicht gemacht

Vergangene Woche fand in Berlin zum nun bereits vierten Mal das größte Hipster-Nerd-Meet ‘n’ Greet der nördlichen Hemisphäre statt und auch wir kleine Sternchen konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen dort selbst einmal ganz vorne mit dabei zu sein, um einem Großteil der Namen in unseren Timelines, Kommentaren und Feed-Readern einmal ein Gesicht zu geben. Also hieß es mit all den anderen Chaoten für drei Tage auf in die meist sonnige Hauptstadt (= 200 Meter Luftlinie zum Friedrichstadtpalast), auf zur re:publica und auf zum jährlichen Festival der Schwanzvergleiche.

Gemeinsam mit Malte, Paulchen und Sara im Schlepptau waren wir die drei Tage generell eigentlich nur damit beschäftigt die Herrscher des W-Lans zu werden, in unseren Köpfen das Gefühl von Aufbruchstimmung permanent aufrecht zu erhalten und uns mit den anderen Elitemenschen genüsslich im Schlamm der unangreifbaren Erkenntnis zu suhlen, dass wir sowieso am besten wüssten, wohin es mit dieser Gesellschaft bitteschön gehen sollte.

Bereits am ersten Tag lauschten wir einem unfassbar guten Vortrag von Peter Kruse über uns, die Anderen und das ganze Drumherum, wissen seit dem Auftritt eines Mario Barth-Doubles wie und warum und womit wir mit unseren Publikationen das ganz große Geld machen können (was ich persönlich übrigens für ein wahres Teufelswerk halte, diese miesen Kommerzschweine) und gingen gemeinsam mit den beiden sympathischen Blödelbarden Nilzenburger und Herm den Abgründen des deutschen Fernsehens auf die Spur. Dazwischen hieß es regelmäßig: Immer wieder den langen Christoph alias “Das Phantom” zu suchen, Wichi und seine kleinen Freunde auf offener Straße zu monetarisieren und mit Markus auf der nahegelegenen O’burger ein paar alternative Modemädels abzuschleppen. Also so gedanklich.

Der zweite Tag war öde, ich hatte vor lauter exotischem Essen (indisch, Mc Donald’s und seltsamer Kaffee) ‘nen Schuss im Rohr, schlief bei der Werbeveranstaltung von WikiLeaks beinahe ein und grinste immer ganz verschmitzt und irgendwie druff bei den sich selbst verschlingenden Lobeshymnen und dem Hass auf die böse, böse Welt da draußen, der sogenannten Frauenbewegung. Die drei knuffigen Modemädels waren dagegen zum Anbeißen, dem Herrn Pettis hätte ich am liebsten seinen 3D-Drucker aus den Händen gerissen und der etwas moppelige Inder war mit seinen Ausführungen über die wichtigen Dinge des Lebens und der Vorführung einer meiner Lieblingsvideos mein persönliches Highlight. Trotzdem fiel ich anschließend in einen wohlverdienten, schmalzigen Tiefschlaf.

Das Ende gestaltete sich dann wieder etwas fitter. Wir futterten lecker Schnitzel mit Röstkartoffeln, schauten eine Stunde lang mit unserem favorisierten Kieler Proll lustige Videos und schlossen die diesjährige re:publica mit jeder Menge flüssigem Gold, praller Musik und hübscher Mädels in der Kalkscheune ab. Außer Sara, die war betrunken. Mit der torkelte ich anschließend noch nach Hause, futterten da im Gute-Laune-Suff das wohl schärfste Nudelgericht jenseits von Indien und kicherten bei “Friends” auf DVD friedlich vor uns hin, bis wir endlich einschlummerten.

Das Fazit gestaltet sich bei mir ähnlich, wie bei der Frau mit Mütze. Das Festival der Unique Visits machte großen Spaß, viele der Panels, Beziehungen und Menschen werden mich wohl mein Leben lang begleiten und doch haftet der digitalen Bohème eine ganz große Gefahr an, die sie besser schnell außer Gefecht setzt: Der Hang zum Instrumentalisieren der Instrumente. Wer ständig darüber spricht wie man mit Facebook, Twitter und den Blogs das macht, was man mit Facebook, Twitter und Blogs nun einmal so macht, der dreht sich im Kreis, kommt nicht voran, frisst sich beizeiten selbst auf.

Es wird also Zeit, dass die hippen Nerds der Neuzeit eine neue Richtung einschlagen und endlich das versiegeln, was wir sowieso bereits wissen. Nämlich wie es funktioniert. Stattdessen giert es uns gerade danach zu erfahren: Wohin wir gehen, was wir verändern und wie viel wir dabei individualisieren können. Und Gnade uns Gott, wenn irgendwann einmal die Zeit der Fashionblogs vorbei ist, dann gehört der Penisüberschuss bei Chatroulette bekanntlich zu unseren kleineren Problemen. Danke für die tolle Zeit, Jungs und Mädels, für nächstes Jahr fordern wir dann weniger Stimmung, dafür mehr Aufbruch. Oder so.

Mister Spex

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