Einfach raus - Ihr habt mich gemacht

Manchmal ist man zu lange da und zu selten dort. Man merkt förmlich wie der Trott einen auffrisst und schlecht gekaut wieder ausspuckt. Die Zeit sprintet wie einst Michael Johnson…
Einfach raus

Ihr habt mich gemacht

Manchmal ist man zu lange da und zu selten dort. Man merkt förmlich wie der Trott einen auffrisst und schlecht gekaut wieder ausspuckt. Die Zeit sprintet wie einst Michael Johnson und Momente des Bewusstsein tauchen seltener auf als Déja-vus im Allag. Zeit da hinzufahren wo alles angefangen hat. Nach Hause. Genau das habe ich seit einer realen und gefühlten Ewigkeit endlich mal wieder gemacht. Und wie ihr vielleicht noch wisst, komme ich natürlich ursprünglich nicht aus Kreuzberg (ihr Muschis), sondern aus der unvergleichbaren mit unzähligen Preisen gekrönten Stadt Görlitz. Schmelztiegel aus Rentnern und Frührentnern.

Aufgewachsen im Block, alte dicke Männer in weißen Unterhemden zählte ich zu meinen Nachbarn, Pille war mein bester Freund und Respekt holte ich mir von den Boyz. Kleines blondes Mädchen mit Fußballschuhen über den Bart-Simpson-Socken und gefährlich endloser Naivität von Kopf bis Fuß wollte die Welt erobern. Aber Brüste sind mir dann doch noch gewachsen. Zum Glück

Ja wenn manchmal alles nur noch trist und grau erscheint (die Köpfe und Gesichter der Görlitzer waren es immer), lernt man umso öfter die Seltenheit unvergesslicher Sonnenstrahlen, die das eigene Leben für einen kurzen Moment erleuchten, zu schätzen. Mit Blut und Schweiß verteidigt, im Herzen auf ewig konserviert. Doch meine Heimatstadt besitzt wie jedes andere Fleckchen Erde auch eine eigene Hall of Fame. Um nur ein paar Persönlichkeiten zu nennen, Jakob Böhme, Michael Ballack, Jens Jeremies und Bartholomäus Scultetus. Selten, aber dafür genial, haut unser Schöpfer dann doch mal ordentlich auf die Kacke und fabriziert ein Genie nach dem Anderen. Besonders gegenwärtig lebende Jahrgänge wie 1984 und 1986 zeigen sein Talent zum Wahnsinn.

Nach 18 Jahren hatte ich dann aber auch erstmal genug von der östlichsten Ebbe Deutschlands. Das Arschwasser fing langsam aber sicher an zu sieden. Die Flut musste kommen und das bitte so schnell wie möglich. Diese bahnbrechenden Momente liegen jetzt hinter mir und gut aufbewahrt in der rechten Brusttasche meines nur so vor Erinnerungen triefenden Karohemdes. Genau deshalb kommt man zurück, wärmt Altes wieder auf um daraus Neues zu schaffen. Probiert Neues um sich an Altes zu erinnern.

Ein Zusammenspiel von der Gegenwart und dem Jetzt. Für mich ist einzig und allein meine eigene Familie der Grund zurückzukehren. Sie sind das Benzin für meinen “Motor of Life”. Die immer volle Tankstelle für meine Seele. Das zu wissen und so etwas zu haben ist und bleibt das Wichtigste in meinem Leben. Ihr Pappnasen da draussen habt das sicherlich auch schon oft gedacht / gefühlt / gebraucht! Egal was passiert! Die ganze Welt hasst dich, die ganze Welt feiert dich, du bist todunglücklich, du bist ein narzisstischer Egomane, du verstehst die Welt nicht mehr. Was dann? Familie rettet Dich, gibt dir Hoffnung, lässt dich glauben, bringt dich zum Lachen, obwohl du innerlich ganze Ozeane mit Tränen füllen könnest. Es geht um Verständnis, um bedingungslose Liebe, um Blutsverwandtschaft. Einzigartige Fusion unser Seelen. Das ist mein Grund. Mein Grund zu leben ist meine Familie. Sich haben mich gemacht, sie sind meine persönlichen Schöpfer.

Wenn es darum geht nach Hause zu fahren wird es meistens emotional. Wie oft ich mir in den vergangenen Jahren gewünscht habe, dass meine Eltern und mein kleiner Bruder in meiner Stadt wohnen. Mama lass uns doch einfach mal ‘nen Kaffee trinken gehen. Einfach reden. Papa, ich hab für dich eine neue CD gemacht und ich will sie dir jetzt geben. Sofort. Weil ich dich lächeln sehen möchte. Warum es nicht geht? Wir wohnen in unterschiedlichen Welten.

Was man früher zu genüge hatte, verschwindet, ist auf einmal weg. Du drehst dich um und siehst nur noch Nebel, verschwommene Erinnerungen aus Kindheit und Jugend. Sehnst dich nach Altem, nach Gewohntem. Klar, es gibt Telefon, es gibt Skype, es gibt ICQ, ja es gibt sogar Facebook, bzw. Eltern, die auch ein Teil des Social Networks sind. Meine Eltern gehören nicht unbedingt zu dieser Generation. Plattenspieler statt Stereo-Anlage, quadratisches Monster von Fernseher statt Plasmabildschirm in HD. Ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil es holt mich zurück. “Back to the roots” fühlt sich immer gut an. Gerade in den heutigen, surrealen, total verrückten Zeiten. Das Fundament definiert die Haltbarkeit deines eigenen Hauses. Mein Familie hat mir gezeigt, wie man sein kleines Häuschen, seinen Palast des Lebens errichtet. Aus diesem Grunde kann und will ich leben. Sie sind mein Fundament.

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