Anastasia - Das Mädchen und die Gier

Anastasia war diejenige, die mein Leben und alles woran ich glaubte komplett auf den Kopf gestellt hatte. Wenn wir bei offenem Fenster in heißen Sommernächten ganz laut Muse gehört, ich…
Anastasia

Das Mädchen und die Gier

Anastasia war diejenige, die mein Leben und alles woran ich glaubte komplett auf den Kopf gestellt hatte. Wenn wir bei offenem Fenster in heißen Sommernächten ganz laut Muse gehört, ich den süßen Geruch ihres Atems am liebsten in Einmachgläser konserviert und für schlechte Zeiten aufgehoben hätte und wir keuchend über unsere Zukunft als Menschen sprachen, die keineswegs vor hatten angepasste Bürger eines rudimentären Staates zu werden, dann waren die seelische Freiheit, der spontane Neustart und die Wiedergeburt einer längst vergessenen Generation nur einen Kuss entfernt.

In ihrer Nähe war ich ein wissbegieriger Schwamm, der alles aufsaugen wollte und musste, was in ihrem bis dato kurzen Leben auch nur irgendwie Eindruck gemacht hatte und sie zu der Person machte, die sie nun einmal war. Warum aß sie plötzlich nur noch Früchte, wieso trug sie monatelang nur noch schwarze Kleidung und an welchem verhängnisvollen Tag verwandelte ich mich von ihrem besten Freund zu ihrem größten Fan?

Ana war ein extremer Träumer und Macher in einer Person. In ihr brodelte die starke Willenskraft alles zu erreichen, was immer sie sich vornahm, doch gleichzeitig wütete in ihr ein Orkan der Selbstzerstörung, der sie zu einem pulsierenden Geist ohne Zwänge, Ängste und Verluste werden ließ. Und es gab nichts, was ich mehr bewunderte und mir selbst so zu Eigen machte wollte, wie ihre Eigenschaften das Leben zu sehen. Auch wenn es mich das gar kosten würde.

Was harmlos mit gemeinschaftlichen Ausflügen zum See, gedankenlosen Liebeleien auf Partys und traditionslosen Spaziergängen an den Horizont begann, wurde immer mehr zu einem ungesunden Verlangen, welches giftig meine Gedanken in Beschlag nahm und schon bald mein Dasein dominierte. Ich verwandelte mich in einen tollwütigen Zombie meiner Gefühle, der in einem Teufelskreis aus tiefer Reue, falscher Liebe und endlosen Fragen gefangen war und langsam daran zu Grunde ging. Das Licht wurde schwächer. Ich opferte mich auf, aber war nicht ehrlich. Predigte die Rebellion, aber stürzte im Wind. Und liebte ihre Seele, aber wollte ihren Körper.

Als mein Innerstes dann verglüht und der Albtraum zu Ende war, hatte ich Ana längst an die gierigen Krallen der Zukunft verloren. Ihr Duft war vergessen, die Worte verhallt und das Gefühl zweier Seelen, die durch nichts, außer ihrer unerschöpflichen Kraft gegen das Ende zu kämpfen, verbunden waren, verschwand mit höhnischem Gelächter und der kalten Wahrheit im leisen Dunkeln der Vergangenheit. Was blieb waren die depressiven Narben einer anderen Zeit, deren Schuld ich allein zu tragen habe, und die Gewissheit, dass ein Mädchen namens Anastasia zum Symbol meines Willens, meiner Freiheit und meines Mutes geworden ist. Ich fühle mich erlöst.

s.Oliver

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