Wege aus der Depression - Die Kunst sich selbst zu helfen

Es gibt gewisse Zeiten im Leben eines jeden Menschen, in denen wir uns nicht nur einsam, verlassen und allein fühlen, sondern uns zusätzlich auch noch selbst die Schuld an unserer…
Wege aus der Depression

Die Kunst sich selbst zu helfen

Es gibt gewisse Zeiten im Leben eines jeden Menschen, in denen wir uns nicht nur einsam, verlassen und allein fühlen, sondern uns zusätzlich auch noch selbst die Schuld an unserer bedrückenden und herzensleeren Lage geben. Dann sitzen wir spät Nachts leise und deprimiert zu Hause, kommen mit unserem scheinbar verkorksten Dasein mal so überhaupt nicht klar und hinterfragen unsere früheren Entscheidungen, während wir unsere versiegten Tränen über alten Fotos aus einer längst vergangenen Parallelwelt vergießen. War es richtig sich von Jule zu trennen? Hätte ich doch lieber studieren sollen, anstatt mich gleich in die Arbeitswelt zu werfen? Und warum zum Teufel halten alle meinen guten Vorsätze gerade mal bis zur nächsten Mittagspause an der Frittenbude an?

Viel zu schnell versinken wir dabei in uns selbst und unseren trüben Gedanken, verlieren den Kontakt zur Außenwelt und projizieren unser Leid bevorzugt auf die ein oder andere Person, die uns gefälligst aus diesem Sumpf aus Pessimismus, Melancholie und Mutlosigkeit herausziehen soll. Und muss. Schließlich haben wir so viele wundervolle Dinge zu geben, die allesamt aus uns heraus brechen. Liebe, Treue, Leidenschaft. Irgendwem müssen wir das ja alles an den Kopf knallen.

Leider idealisieren wir bei all der Verzweiflung in der Hektik durchweg Leidenspartner, die gar keine sind. Menschen, denen wir in kürzester Zeit viel mehr geben, als sie es jemals könnten und wollen würden. Die oft gar nicht ahnen, wie viele Hoffnungen und Freuden sie im Leben der temporär verlorenen Seelen auslösen und wie viel Macht sie über deren Wohl und Leid besitzen. Oder sich noch viel schlimmer darüber vollstens im Klaren sind.

So wandelt sich jedes gerade erst zugeworfene Glück bei Nichtbestehen der Erwartungen in puren Hass um, die Freude in Trauer, das Leben in Tod. Das Nichtverstehen macht uns zu schaffen. Warum antwortet sie mir nicht so schnell wie ich ihr? Wer ist das Mädchen da auf dem einen Foto rechts von ihm? Und was kann ich machen um noch mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen?

Idealisierungen sind also keine Lösung. Wer tief drin im emotionalen Dreck steckt, der braucht die Hilfe und Ablenkung von wahren Freunden, die sich optimaler Weise bereits in schwierigen Zeiten bewährt haben. Die zur Stelle sind, wenn wir sie am meisten brauchen und gemeinsam mit uns selbst und dem Willen auf einen sonnigen Morgen den grausigen Gedanken den Gar aus machen.

Doch niemals dürfen wir unser Glück oder Leid von nur einer Person abhängig machen, die unseren falschen Bedürfnissen und aufgebauschten Erwartungen sowieso nicht gerecht werden kann und uns letzten Endes – ob gewollt oder ungewollt – noch weiter in das große, schwarze Loch fallen lässt. Denn das beweist wiederum nur einmal mehr, dass es ganz allein an uns selbst liegt unser Leben auf eigene Faust aus der Scheiße zu ziehen – und an niemandem sonst. Es wird Zeit.

ASOS

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Tally Weijl