Praktikant Max stellt sich vor - Höhenflüge

Ich hatte 2,5 Jahre Schreinerlehre und unzählige gehobelte Spähne hinter mir. Garmisch-Partenkirchen war zwar ruhig und beschaulich, aber letztendlich zu klein für mich geworden. Ich entflog den Bergen und hinterließ…
Praktikant Max stellt sich vor

Höhenflüge

Ich hatte 2,5 Jahre Schreinerlehre und unzählige gehobelte Spähne hinter mir. Garmisch-Partenkirchen war zwar ruhig und beschaulich, aber letztendlich zu klein für mich geworden. Ich entflog den Bergen und hinterließ einen Lebensabschnitt, viele Erinnerungen und meinen geliebten Spanferkelgrilldrehstock. Die Entscheidung war einfach, entweder Hamburg oder Berlin, was sonst nach 30 Monaten Natur. Okay, Berlin ist vielleicht ein wenig übertrieben, dachte ich. Also ab in die Hansestadt Design studieren, ganz nach dem Motto „why not, it could be amazing“ fand ich meine Mitbewohnerin Ende des Vergangenen Jahres in einer geräumigen Wohnung zwischen der Schanze und dem Kiez.

Als ich anfangs durch die hohen Straßengänge meines neuen Viertels flog, war ich, als eigentlich stilsicherer und traditionsbewusster Süddeutscher, doch ziemlich verwirrt. Ich ließ mir nichts anmerken. Militanz und Uniformität trifft auf ausgekotzte Junkies und demolierte Autos zwischen Tim Mälzer und Heinz Strunk beim Kicker spielen. Der traditionsbewusste Süddeutsche in mir staunte über die modischen Ausführung der Städter, welche laut Befehl von Topshop und Konsorten ohne jeglichen Anschein von Verweigerung ausgeführt wurden. Mir drängte sich die Frage auf, ob sich hier alle ihr Glück erkauften oder dann doch lieber das weiße Rauschen in die Hand nahmen.

Die Monate und mein Studium flogen dahin, Fotografie sollte es jetzt in diesem Semester für mich sein. Ich lernte rasend schnell 1000 neue Leute kennen, nur um sie noch viel schneller nie wieder zu sehen. Scheiß drauf dachte ich mir, erst mal ein Semester abfeiern, sich den Gegebenheiten anpassen- der Rest wird sich schon ergeben. Meine Exzesse forderten bald ihren Tribut. Ich stumpfte ab, Gleichgültigkeit machte sich über meinem matschigen Geist breit. Neben sozialen Kompetenzen verlor ich auf den Straßen des Vergnügens auch meine Habseligkeiten.

Kurzum, ich schaltete mein Hirn aus, warf jegliche Moral über Bord und machte Tag für Tag einfach das, worauf ich Bock hatte. Ohne darüber nachzudenken. Ich war auf dem besten Weg mich und meine geplante Flugroute ganz aus den Augen zu verlieren. Bis ich an einem relativ normalen Vormittag auf dem Weg zur U-Bahn Teil von etwas wurde, was im Kino nunmehr schon als langweilig tituliert werden würde.

Ich flog an zwei streitenden Städtern vorbei, anscheinend hatten sie sich den rauen Gepflogenheiten des Kiezviertels angepasst. Auf gleicher Höhe zog einer der Idioten genau vor dem Pennymarkt ein wirklich fettes Messer, ähnlich wie Machetá es hat, aus seiner Lederjacke und rammte es dem Anderen irgendwo zwischen Rippe und Nabel in den Bauch. Krasser Scheiß dachte ich mir, ich verbrachte den Rest des Vormittages im Sinkflug auf der Davidwache.

Leicht nervös und zittrig, mit dem Gefühl eine Bruchlandung hinzulegen beendete ich den Tag. Und damit auch meinen hiesigen Lebensstil an dem bis Dato nichts und Niemand rütteln konnte. Ich stutzte meine Flügel. Ab da war alles irgendwie anders.

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