Nicolae CeauÅŸescu - Der Diktator im Kopf

Ich war schon immer sehr fasziniert von großen Männern aus der Geschichte, die es durch Charisma, Verstand und mentalen Horror an die Spitze ihrer jeweiligen Nation geschafft, eine Heerschar von…
Nicolae CeauÅŸescu

Der Diktator im Kopf

Ich war schon immer sehr fasziniert von großen Männern aus der Geschichte, die es durch Charisma, Verstand und mentalen Horror an die Spitze ihrer jeweiligen Nation geschafft, eine Heerschar von Verbündeten und Mitläufern um sich ringen konnten und für den Tod zehntausender Menschen und sich selbst verantwortlich waren. Adolf Hitler. Arschloch, Tyrann, Massenmörder. Ein gar abscheulicher Mensch, von dessen dunkler Welt ich manchmal nicht genug bekommen kann. Weil sie einfach nicht in meinen Kopf geht, mich beschäftigt und ich mir dem gesamten Ausmaß des Grauens, das er damals wie heute anrichtete, einfach nicht bewusst werden kann. Niemals kann das geschehen.

Mein Lieblingsdiktator aber ist ein anderer. Nicolae CeauÅŸescu aus Rumänien. Ich war ein kleiner Junge, als ich spät Abends noch eine Dokumentation über ihn und seine Ehefrau Elena auf Arte sah. Wie paralysiert saß ich auf der Couch, hörte und sah das Grauen, das er anrichtete und wie ihn sein eigenes Volk dafür an die Wand stellte. In heruntergekommenen und wegen seiner mutierten Familienpolitik heillos überfüllten Waisenhäusern für die “Unwiederbringlichen”, also behinderten und sterbenden Seelen, ging er ein und aus und trank das Blut der Kinder, um dadurch jung zu bleiben. Verletzten Frauen, die trotz des staatlichen Verbotes eine Abtreibung vornehmen ließen, wurden zum Sterben verurteilt, in denen man ihnen Hilfe untersagte. Und die Kinderrate drückte Nicolae nach oben, indem er dem Volk das Fernsehen untersagte. Unglaublich. Das fand ich als kleiner Hosenscheißer am schlimmsten: Der Staat könnte mir die Glotze verbieten. Einfach so. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los.

Als ich dann noch zum ersten Mal sah wie zwei Leute vor laufender Kamera erschossen wurden, war es um mich geschehen. Erst flehte das Ehepaar CeauÅŸescu noch um sein Leben und in der nächsten Sekunde waren die beiden tot. Das überstieg meinen Horizont. So schnell ging das also. Als Achtjähriger sollte man sich nicht unbedingt die Frage stellen, welche Gedanken einem wohl durch den Kopf gehen, wenn man weiß, dass man gleich erschossen wird. Aber das tat ich. Und tue ich bis heute. Auf Wiedersehen, Herr CeauÅŸescu. Sie haben mein Leben verändert. Auf eine widerliche bizarre Art und Weise.

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Superdry

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