Der ganz normale Wahnsinn - Herzstolpern

Und nun liegst du da. Starrst die Decke an. Drehst dich zum tausendsten Mal hin und her. Nach links. Nach rechts. Auf den Bauch. Wieder auf den Rücken. Du starrst…
Der ganz normale Wahnsinn

Herzstolpern

Und nun liegst du da. Starrst die Decke an. Drehst dich zum tausendsten Mal hin und her. Nach links. Nach rechts. Auf den Bauch. Wieder auf den Rücken. Du starrst wieder an die Decke. Fragst dich banale Dinge: weshalb hast du es innerhalb von drei Jahren immer noch noch nicht geschafft eine Deckenleuchte anzubringen? Ist das überhaupt notwendig? Nein. Und in welchem Wahn hast du dir dieses Shirt gekauft, dass seit Wochen über der Türklinke hängt?

Du setzt dich auf das Fensterbrett. Kuckst hinaus in die Nacht. Hörst die Schienen der Straßenbahn. Allerdings siehst du kein Laternenlicht durch die Straße fluten, so wie es in jedem pseudonachdenklichem Roman immer wieder plakativ beschrieben wird. Stattdessen ein 24h rotbeleuchtetes Fenster im gegenüberliegenden Haus. Dein Blick ist eingefroren und auf dieses ominöse Fenster gerichtet. Doch in Gedanken bist du ganz woanders. Nicht hier. Nicht in dieser Welt.

Die Nacht an sich scheint leer und ausdrucklslos. So wie du dich seit Tagen fühlst. Du bohrst die unbequemen Stöpsel deines iPods in die Ohren und legst dich wieder hin. Versuchst abzuschalten. Dich auszuschalten. Deine Gedanken. Deinen Kopf. Doch endlich in die Traumwelt abtauchen willst du nicht. Kannst du nicht. Dein Inneres wehrt sich strikt dagegen. Nicht schon wieder eine Nacht, in der er deine Träume bestimmt. Vereinnahmt. Nicht schon wieder ein Morgen an dem du verwirrt und schlaftrunken ins Bad stolperst, dich im Spiegel betrachtest und dein verwirrt hereinblickendes Ich fragst, was das alles eigentlich soll.

Dann ziehst du es lieber vor die ganze Nacht wach in deinem viel zu großen Bett zu liegen. Weiterhin in jeden kleinen Winkel deines Zimmers zu starren, in der Hoffnung, dass der Morgen schnell kommt und der stündliche Blick auf die Uhr ein Ende nimmt. Obwohl es nichts daran ändert, ob Tag, ob Nacht. Allerdings kannst du deine Gedanken tagsüber einigermaßen mehr unter Kontrolle halten. Dich ablenken. Arbeiten.

Nachts bist du deinen Träumen komplett hilflos ausgeliefert, wachst auf und möchtest deinen Kopf an jedem verfickten Morgen danach einfach nur mit Gewalt gegen den Waschbeckenrand schlagen. Den ganzen Gefühlen und dem ständigen Wahnsinn in deinem Kopf zu trotz dein Herz ausreißen, nur um das ständige Herzklopfen nicht wahrnehmen zu müssen. Wieder normal denken und handeln zu können. Doch willst du das eigentlich? Nicht an ihn denken? Ein Tag ohne ihn in deinem Kopf? Du weißt was du willst. Aber nicht was er will. Könntest du nur einmal in seinen Kopf sehen. Was er denkt. Was er will. Was er meint. Nicht sagt.

Es ist so hirnrissig. Ist es nicht. Ist es wohl. Ja was denn nun? Was soll ich denken? Es wäre so einfach, wenn nur… ja genau, wenn nur. Genau das ist es. Die Wut über deine eigenen Gefühle überwiegt. Wie konntest du dich nur so in ihm verlieren? Wieso hast du das zugelassen? Und wie verdammt noch mal ist es überhaupt dazu gekommen? In den Momenten, in denen du einen Hauch von Hoffnungsschimmer wahrzunehmen scheinst, nimmt er dir mit einem Satz wieder alles. Jeden Funken. Jede nicht greifbare Berührung. Tausende von offenen Fragen schwirren in deinem Kopf und vermehren sich täglich wie eine Horde geschlechtsreifer Karnickel.

Und jetzt? Das ist wohl die seit Wochen am häufigsten selbst gestellte Frage. Stillschweigend abwarten bis deine Gefühle wieder in geordneten Bahnen verlaufen? Verschwinden? Den Mund aufmachen und einfach mutig mit offenen Karten spielen? Nein. Diese Variante kannst du wohl beim bloßen Gedanken sofort wieder verwerfen. Was tust du hier eigentlich? Du machst dir Gedanken um etwas, was nicht da ist? Du könntest, und vor allem solltest, deine Zeit sinnvoller investieren. Nicht in der irrealen Welt versinken. Rumstochern. In der Hoffnung sie wird irgendwann wahr. Dich in etwas zu verrennen. Verirren. Doch du kannst dich ihm nicht entziehen. Wartest du nur darauf ordentlich auf die Fresse zu fliegen? Ist es das was du willst? Dir auf masochistische Art und Weise selbst das Messer in die Brust zu rammen?

Zu oft hast du daran gedacht jetzt, genau jetzt, den Schritt zu wagen und alles zu beenden. Nein zu sagen. Einen imaginären Schlussstrich zu ziehen. Nur für dich. Doch du schaffst es nicht. Dein Verstand ist zu schwach. Deine Gefühle zu stark. Deshalb quälst du dich einfach weiterhin. Lässt fortwährend die schmerzvollen Worte in deinen Gehörgang eindringen, die du im Nachhinein wieder zu verdrängen versuchst. Nicht hören willst. Dich nicht wahrnehmen traust. Ist es alles nur Einbildung? Reimst du dir deine eigene Welt zusammen? Wirst du verrückt? Bist du schon verrückt?

Du lebst jeden Tag weiter. Ohne ihn. In deiner Routine, nicht an ihn zu denken, von ihm zu träumen oder mit ihm in Berührung zu kommen. Und das gelingt dir. Manchmal. Bis er wieder in deinen Kopf eindringt, in deine Welt, in deinen Gefühlskreislauf. Dir deinen Atem raubt und dein Herz wieder zum Stolpern bringt…

ASOS

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