Social Media Week 2010 - Nerds in Town

Während sich beim jährlichen Harley-Treffen die bärtigen Muskelpakete auf ihren scheiß nervig lauten Rauchmaschinen einen schweißnassen Mob bilden, sich die Modejunkies auf den Fashion Weeks um eine lange Planke scharen…
Social Media Week 2010

Nerds in Town

Während sich beim jährlichen Harley-Treffen die bärtigen Muskelpakete auf ihren scheiß nervig lauten Rauchmaschinen einen schweißnassen Mob bilden, sich die Modejunkies auf den Fashion Weeks um eine lange Planke scharen und nur darauf warten, dass eine der darauf laufenden Stangen in die flutende Menge aus Paparazzi, Journalisten und H&M-Abonennten stürzt, so versinkt man bei jeglichen Veranstaltungen, die sich um die platonische Vernetzung des digitalisierten Planeten drehen, quasi in kleinen weißen Äpfeln, Seidenschals gehüllten Agenturfuzzies (wir dürfen das schreiben, weil sich sowieso nie einer von ihnen angesprochen fühlt) und einer riesigen Wolke aus Geilheit sich selbst gegenüber und der Verachtung aller anderen. So ging nämlich gestern die zweite Social Media Week in Berlin und dem Rest der Welt zu Ende und wir haben für euch mal rein geschnuppert, was uns denn in der nahen Zukunft so alles auf Facebook, Twitter und den restlichen Zufluchtsorten der Nerdkönige erwartet.

Diesen Einsatz dürft ihr uns hiermit hoch anrechnen, schließlich haben wir bei all dem verfluchten Glatteis unser aller Leben riskiert, um euch hautnah zu berichten, warum es manchmal doch ganz in Ordnung ist, sein gesamtes Leben vor einem tragbaren Bildschirm mit Tastatur vorne dran zu verbringen. Und das war bei weitem gar nicht so uninteressant, wie wir vorher vermutet hatten.

Bei MTV wurden wir von der sympathischen Blogoma Barbara Hallama und dem Chef von allem Yousef Hammoudah mit der knallharten Wahrheit über das am Horizont liegende, schöne neue Reich der Musik konfrontiert, Stephan Bode vom ehemaligen und von uns immer noch sehr vermissten ehemaligen Spielesender Giga und dem mit Budi und Simon sehr beliebten Projekt “Game One” erzählte der anwesenden Interessentenschaft alles über Social Games, hackte (zurecht) auf den FarmVille-Zombies herum und machte sich für Indie-Games wie “World of Goo“, “VVVVVV” und “Robot Unicorn Attack” stark und der doch sehr inspirierende und agile Typ von SoundCloud Alexander Ljung quasselte von seiner Kindheit und dass er sich die Zukunft des Internets wie ein riesiger Kasten aus Lego-Steinen vorstellt – jeder macht sein Ding, aber alles passt irgendwie zusammen. Klingt doch mal gar nicht so schlecht.

Eins hat diese Social Media Week allerdings gezeigt: Nerds können nicht feiern. Sara, Paulschen, Christoph und ich kämpften uns durch eisige Seen, glitschige Gebirge und Geschichten um sexy Australier für Partys, die es eigentlich gar nicht hätte geben dürfen. Also kippten wir uns ein paar Bierchen hinter die Binde, versuchten angestrengt dem Twitter-Battle zwischen Herm und Nilzenburger zu folgen (was aber sonst keiner tat) und verloren keineswegs gegen das Mädchen mit Penis und Stylewalker beim Kickern. Denn: Keine Fotos, keine Beweise. So flohen wir daraufhin doch lieber Hals über Kopf ins nahegelegene Belushi’s und stopften anschließend eine gefühlte Tonne Cheeseburger in unsere total flachen Mägen.

Was lernen wir also aus einer Woche Extreme-Nerding? Wir hatten wirklich Angst, dass hinter den meisten Twitterern und Bloggern nur unkommunikative, langweilige und gebrandmarkte Angsthasen, Schönlinge und Wichtigtuer sitzen – und in den meisten Fällen trifft das vollkommen zu. Es ist ja riesig, dass sich in der tollen, neuen Welt Menschen aus Schweden, Ägypten und der Mongolei virtuell treffen und gemeinsam Musik machen können, aber es würde sie auch schon ein wenig besser machen, wenn die Leute das Maul aufbekommen und mit dem zwei Meter entfernten Gegenüber sprechen würden, anstatt wie die Blöden alle Gedanken nur ins virtuelle Nirvana zu tippen.

Dennoch gibt es hinter so mancher neuen Firma und einer Vielzahl von pseudowichtigen Menschen wirklich kluge, inspirierende und kreative Köpfe, die blubbernde Ideen nur so aus sich herausspritzen und die man am liebsten nur mit offenem Mund auffangen möchte. Also die Ideen jetzt. Die können von mir aus im Handumdrehen das gesamte Internet in die Hand nehmen, besetzen und es zu einer farbenprächtigen Spielwiese verwandeln und dazu noch einen Selbsthilfekurs mit dem Titel “Aufeinander zugehen” anbieten. Das wird ein Spaß und wir freuen uns schon auf die re:publica.

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13 Kommentare

  • Sehr schöner Artikel. Vor allem das “wenn die Leute das Maul aufbekommen und mit dem zwei Meter entfernten Gegenüber sprechen würden” finde ich schon interessant und doch ein wenig erschreckend. Kommunikation im Web JA aber real NEIN. Das wäre mal ein Thema welches mehr aufgegriffen werden sollte.

    Anstatt sich immer mehr hinter “sozialen” Netzwerken zu verstecken.

  • Nerds in Town « MYTLOG | INSIDE INTERNET

    […] einen Kommentar zu diesem Artikel: Nerds in Town CONDIVIDI QUESTO […]

  • “¦ ich finde da unser #SpeedDating schon um einiges attraktiver. Aber das ist ja sowieso positiv aus der Rangwertung.

  • Du hast versehentlich den Link zu Nilz falsch gesetzt, seine aktuelle URL ist qlod.org/weltfrieden .

    Und jawollsen, zu rePUBlica wollte ich dieses Jahr auch kommen. Super, dann spielen wir Titten-Quartett, Marcel! :)

  • Marcel

    @Philipp: Ja Philipp, schreib doch mal einen ausführlich recherchierten Bericht darüber, denn viele denken, wenn sie ständig irgendwas twittern, führen sie damit eine Unterhaltung. Das ist aber einfach Quatsch.

    @Malte: Ja muss ich auch sagen, wann ist denn die nächste Rune? Paulschen kann’s schon gar nicht mehr erwarten.

    @MC Winkel: Ups, böses Google – hat mir doch einfach ‘nen falschen Link vorgeschlagen. Ne dann spielen wir ganz laut Porno Ping Pong :D

  • Bonjour Marcel, danke für das herzerfrischende SMW Bashing, in dem du die gängigen Nerd-Klischees so halbgar bedienst, dass man glatt meinen könnte, du bist selbst einer. Ich fand die Social Warfare Party eigentlich sehr kommunikativ (vielleicht weil ich mir die Trinkspiele mit ausgedacht habe) – du hast vermutlich einfach die Chance verpasst, ein paar virtuelle Follower gegen echte Drinks und neue reale Bekanntschaften einzutauschen. Aber hey, dafür ist es nie zu spät. Nichtsdestotrotz gebe ich dir recht, ich finde es auf Parties auch meist recht skurril, wenn ein Haufen Leute anstatt miteinander zu tanzen, in der Ecke sitzen und ihren meist ausgeprägt unlatenten Fickwunschverdacht ins Netz verdrängen. Während ich hier also in eine Karotte beisse (Das Erdbeerarmeladenlaugencroissant ist noch nicht angerührt) bin ich so beim SMW-Feedback-Netzgestöber hier gelandet. Auch wenn ich beim MTV-Panel eigentlich nichts über die Zukunft der Musik, sondern nur über die TV Landschaft gesagt habe, auch wenn ich nicht knallhart, sondern eher noch Restbreit vom Vorabend war (vielleicht hast du mich auch einfach mit der Chefin vom VUT verwechselt) und auch wenn ich glaube, dass viele von den Nerds genauso gut oder schlecht feiern können, wie alle anderen Studenten, Pros, Yoga-Heten oder Kanasta-Kläuse, sofern denn die Party stimmt (und vielleicht direkt mit DJ Pult und schwarzem Gold operiert wird, statt obstruse Beamer-Projektionen vorwegzuschicken), finde ich deinen/Euren Blog hier echt sweet und freue mich über diese kleine Entdeckung.

    Also, in diesem Sinne – ahoi!
    Yousef

    PS: Du hast das übrigens falsch verstanden, ich bin nicht der Chef von Allem, sondern der Chef von Allah. Aber verrats nicht weiter, sonst brennt bald die saudische Botschaft in Ram-Allah. Kapiert?

  • Ich konnte leider nur zur “Podiumsdiskussion” der Welt Kompakt über “eine Generation, die nicht mehr offline sein kann” und war mega enttäuscht. Es war eigentlich doch wieder nur eine langweilige Diskussion über das Internet an sich von Leuten, die entweder Doktoren waren ud selbst nicht im Netz aktiv oder so verblendet, dass sie nicht einsehen, dass normale Menschen das Netz ein bisschen anders nutzen als sie.

    Gut, wenn du ein paar schönere Events abbekommen hast. Mal sehen was die re:publica bringt.

    PS: Auch so aufgeregt, dass Lily wieder twittert? ( ;

  • Marcel

    @Yousef: Tatsächlich bin ich der abgebrühte Meganerd – leider will das der pseudocoole Teil von mir noch nicht ganz wahrhaben und lässt mich deshalb kein iPhone kaufen, wirft meine ganzen alten Videospiele aus dem Fenster und verbietet mir zu twittern, dass ich gerade Käsekuchen esse. Und was ich hier in meinem stillen Kämmerlein so schön mit Seitenhieben bearbeite, ist in meinem kleinen Kopf eigentlich ‘ne große Ehre, verarsche ich doch am liebsten die Dinge, die mir besonders am Herzen liegen – egal ob Freunde, Liebschaften oder peinliche Musik. Und unser kleines Geheimnis bleibt natürlich unter uns, versprochen.

    @elv: Ja es kommen leider des Öfteren bei diversen Veranstaltungen Personen zu Wort, die nicht gerade mit Nähe zum Volk, sondern eher zu sich selbst glänzen. Das wird sich zwar auch auf der re:publica nicht vermeiden lassen, aber hey: lassen wir uns überraschen.

    Und Lily Cole twittert? Wo? Wie? Und ist das echt oder nur ein dicker Grundschullehrer, der sich als heißer Rotschopf ausgibt?

  • Nicht die Lily! Ich dachte durch “wieder” wüsstest du ich meine Misses Allen. Bin sehr gespannt ob sie mit einem neuen Projekt überrascht, aus welcher Ecke das auch immer kommen mag.

  • Marcel

    @elv: Achsooo die, das habe ich bei dem Haufen an Tweets gar nicht mitbekommen. Aber das freut mich total, hoffe auf ein neues Album + Oben-Ohne-Fotos. Am besten beides kombiniert.

  • … Blogoma… also ich glaub es hakt! schick mal deine adresse, dann kriegste nen gehäkelten mit spitzen geklöppelten screensaver…
    der rest geht ok, schließ mich yousef an.
    Barbara

  • Freunde, ihr habt sowas von verloren, dass ich sogar gleichzeitig mit der Cam hätte streamen können und ihr hättet immer noch eure Namen unter den Tisch schreiben müssen. Was ich euch aber aus menschlicher Rücksichtnahme ersparen wollte.

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