Das Ende aller Themen - Gegen die Wand

Es grenzt schon fast an ein Wunder, wenn ich jetzt einmal gründlich und länger darüber nachdenke und ich möchte den heutigen Tag dazu nutzen, einmal ein wenig hierüber zu philosophieren,…
Das Ende aller Themen

Gegen die Wand

Es grenzt schon fast an ein Wunder, wenn ich jetzt einmal gründlich und länger darüber nachdenke und ich möchte den heutigen Tag dazu nutzen, einmal ein wenig hierüber zu philosophieren, was mir seit einigen Tagen und Wochen eine pochende Birne bereitet. Hannah, Caro und ich haben zusammen bisher insgesamt knapp 1.500 Artikel auf AMY&PINK verfasst, die an Themenvielfalt, Weitsicht und vielen Worten kaum zu überbieten sind. Und ihr kennt uns: Im Gegensatz zu unseren lieben Nachbarn schmeißen wir nicht nur kommentarlos irgendwelche YouTube-Videos, Wortfetzen und pseudowitzige Bildchen in die Umlaufbahn, sondern schreiben, tippen und kritzeln uns die Seelen aus dem Leib, um nicht zur leblosen und einfach austauschbaren Linkmaschine zu verkommen. Wir leben den Scheiß, den wir verbrechen.

Unsere Einträge reichen von Selbstbefriedigung über Nora Tschirner bis hin zu Burma, befassen sich mit Partys, Schule und dem neuesten Shit in der Musikszene und wurden zu Portraits bekannter Fotografen, Models und Künstlern. Doch wenn ich jetzt und hier zurückschaue und ein Bier mit der Zukunft trinke, muss ich leider feststellen: Wir sind gegen eine Wand gefahren. Oder noch schlimmer: Wir drehen uns im Kreis.

Denn langsam wird der Wald aus Themen, die wir noch nicht ausführlich breit getreten haben und über die wir bisher vergeblich wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe hergefallen sind, lichter. Wie oft kann man denn über diesen verdammten Liebeskummer philosophieren, bis er uns und euch aus den Ohren raushängt? Wann hat man genug davon, immer und immer wieder etwas zu Freundschaft, Erwachsenwerden und dem wilden Sex zu hören? Und wie viele entblößte Brüste müssen wir euch noch vor die Birne knallen, bevor selbst wir uns vor lauter Ãœberdruss dem nächsten Kloster anschließen?

Klar, neue Bands, hübsche Mädchen und gute Schöpfer, die wir gebührend vorstellen können, kriechen andauernd aus irgendwelchen Löchern – dieser Fluss reißt niemals ab. Aber das Essentielle, das was unser aller Dasein ausmacht, unsere Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen literweise befriedigt, das Leben, die Liebe und die Freiheit um uns herum – dem haben wir uns bereits gewidmet. Veröffentlicht, abgehakt und ad acta gelegt. In unserem Portfolio der behandelten Themen auf ewig gespeichert.

Also was tun? Sich wie bei der NEON in eine Endlosschleife begeben und bis zur Einstellung im Jahrestakt wiederholt die aufgewärmten Tipps zu Herzschmerz, Arbeitsstress und Älterwerden auf die Titelseite hauen? Das Problem wie dragstripGirl lösen und die besten Texte in einer entstaubten Neuauflage wieder aus der Versenkung holen? Oder einfach den Mut haben und irgendwann beichten: “Danke für die schöne Zeit, wir haben alles gesagt, was gesagt werden musste – das war’s jetzt. Macht’s gut ihr Trottel.”

Aber vielleicht ist es mit dem Publizieren ja wie mit dem Rest des Lebens: Es ist ein ewiger, sich ständig aufs neue wiederholender Kreis, der uns periodenartig die gleichen Probleme, Situationen und Themenwelten durchleben lässt, um dann von uns zu verlangen, dass wir es besser machen. Immer und immer wieder.

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